Dax beugt sich den Pessimisten

Stand: 08.06.2011, 20:02 Uhr

Deutschlands Wirtschaft brummt, doch die anhaltend schlaffe Konjunktur in den USA und die Unsicherheit um den Ausgang der griechischen Schuldenmisere drücken auf die Kurse.

Im Tagesverlauf war der Leitindex Dax sogar erstmals seit Mitte April wieder kurz unter die Marke von 7.000 Punkten gesunken. Bis zum Börsenschluss konnte er die psychologisch wichtige Marke aber verteidigen und schloss bei 7.060 Zählern, 43 Punkte oder 0,6 Prozent niedriger als gestern. Auch am Abend bleiben die Anleger vorsichtig. Der Dax beendet den Parketthandel bei 7.047 Zählern, ein Minus von 1,0 Prozent.

Die US-Aktienmärkte haben am Mittwoch den sechsten Tag in Folge ebenfalls Verluste verzeichnet. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 27 Punkte tiefer bei 12.042. Sorgen über die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und die anhaltenden Schuldenprobleme in Europa machten der Wall Street zu schaffen. Für neue Unsicherheit am Markt sorgte vor allem eine Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke am Vorabend. Der hatte der US-Wirtschaft eine neue Schwächephase attestiert. Zugleich deutete er die Bereitschaft der Notenbank an, die Konjunktur weiter zu stützen.

In ihrem am Abend vorgelegten Konjunkturbericht bestätigte die Fed, dass sich der US-Aufschwung im Mai verlangsamt habe, die Wirtschaft aber auf dem Wachstumspfad bleibe.

Gleichzeitig schiebt die Schwäche der US-Wirtschaft Spekulationen über Zinserhöhungen in Nordamerika in den Hintergrund. Marktteilnehmer rechnen nun erst später im Jahr 2012 mit einem möglichen Zinsschritt.

Troika bescheinigt Griechen akuten Geldbedarf
Derweil bescheinigt die Troika aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission Griechenland einen akuten Finanzhilfebedarf. "Griechenland wird wahrscheinlich nicht in der Lage sein, 2012 auf die Märkte zurückzukehren", hieß es in einer Zusammenfassung des Berichts der Troika, die Reuters am Mittwoch vorlag. Die derzeitigen Kosten einer Finanzierung des Landes über die Finanzmärkte seien "weiterhin nicht tragbar".

Gleichzeitig erklären sich immer mehr Banken bereit, die seit Tagen diskutierte Verlängerung der Laufzeiten für griechische Staatsanleihen zu akzeptieren. Vertreter von JP Morgan, Credit Suisse und RBS sagten, dies sei ein gangbarer Weg. Voraussetzung sei allerdings, dass dies auf freiwilliger Basis geschehe.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
72,53
Differenz relativ
-1,13%

Eon und BMW an Dax-Spitze
Ausgelöst von einer optimistischen Studie von Morgan Stanley knüpfen die Eon-Papiere an ihre Erholungsbewegung von gestern an. Die Experten hoben das Votum für Eon um zwei Stufen an, was der Aktie mit einem Plus von 1,00 Prozent bis kurz vor Handelsschluss an die Dax-Spitze verhalf. Zeitweise war das Papier der einzige Gewinner im Dax.

Am Nachmittag gesellten sich dann auch die Autowerte dazu, allen voran BMW, dessen Papiere letztlich sogar Eon von der Dax-Spitze verdrängen. Dagegen rutscht die Aktie von RWE ins Minus, nachdem die Agentur S&P das Rating des Konzerns von A auf A- herabgesetzt hat.

Deutsche Börse kann nicht überzeugen
Die kalte Schulter zeigen die Anleger dagegen der Aktie der Deutschen Börse, obwohl der Börsenbetreiber seinen Aktionären im Zuge der Fusion mit der NYSE Euronext eine Sonderdividende von zwei Euro je Aktie spendieren will. Zudem hat der Konzern die Terminbörse Eurex komplett übernommen und dem Partner, der Schweizer Börse Six für den verbliebenen Anteil 590 Millionen Euro gezahlt.

K+S muss fürCompo büßen
Aktien von K+S gehören heute mit Verlusten von rund 1,7 Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Händler führen das auf den schleppenden Verkauf der Hausdüngersparte Compo zurück. Für die Analysten von Equinet eine ungerechtfertigte Schwäche. Sie belassen die Einstufung für K+S auf "Buy" mit einem Kursziel von 70,00 Euro. Für seine Prognosen seien mögliche Fortschritte beim Verkauf von Compo weniger entscheidend als der anhaltend positive Geschäftsverlauf der Landwirtschaft und der Anstieg der Düngemittel-Preise, schrieb der Analyst.

HSBC mag Deutsche Wohnen
Ein positiver Kommentar hat die Aktien von Deutsche Wohnen an die Spitze des MDax gehoben. Die Mitte Mai vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal seien sehr vielversprechend gewesen, urteilen die Analysten von HSBC. Sie stuften die Papiere hoch auf "Neutral" von "Underweight" und erhöhten das Kursziel auf 11,50 von zuvor zehn Euro. Ein lukrativer Verkauf von Eigentumswohnungen und höhere Mieten hatten Deutsche Wohnen zu Jahresbeginn die Kasse gefüllt.

Kabel Deutschland enttäuscht
Zu den schwächsten Werten im MDax gehört die Aktie von Kabel Deutschland. Grund sind die enttäuschenden Zahlen des Kabelnetzbetreibers im Geschäftsjahr 2010/2011. Dabei sieht die Firma die Grenzen für die eigene Technik hierzulande noch lange nicht erreicht. "Jetzt hat Kabel einen Anteil von elf Prozent. Es spricht nichts dagegen, dass sich dieser Anteil verdoppelt", sagte Unternehmenschef Adrian von Hammerstein der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Kabel Deutschland könnte auch davon profitieren, dass sich die Deutsche Telekom beim Ausbau des konkurrierenden Glasfasernetzes bisher zurückhält.

Springer-Aktie teilt sich
Der Medienkonzern splittet seine Aktie mit dem heutigen Mittwoch im Verhältnis eins zu drei. Der Vortagesschluss von 103,65 Euro entspricht damit einem neuen Kurs von 34,55 Euro. Die Aktie notiert im frühen Handel bei 34,45 Euro.

Bei Dürr geht noch mehr
Zu den wenigen Gewinnern im SDax gehört die Aktie von Dürr. Der Anlagenbauer schraubt seine Ziele für 2011 massiv nach oben. Der Lackieranlagenspezialist rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatzplus von 30 Prozent auf rund 1,65 Milliarden Euro. Zuvor war das Unternehmen von einem Anstieg der Erlöse um 15 Prozent ausgegangen. Die Autobauer stecken dank des wieder brummenden Absatzes nach der Krise derzeit verstärkt Geld in den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten und die Modernisierung ihrer Werke.

Tui Travel verliert Status
Die Aktien des Reiseanbieters TUI Travel verlieren an der Londoner Börse ihren Blue-Chip-Status. Das Papier wird am 20. Juni aus dem 100 Werte umfassenden britischen Standardwerte-Index herausgenommen. Schon am Montag hatte es Spekulationen gegeben, TUI Travel könnte im Rahmen der vierteljährlichen Überprüfung des Index' seinen Platz verlieren. Mutter von TUI Travel ist der im deutschen MDax notierte Reisekonzern TUI aus Hannover.

Jenoptik will zukaufen
Kräftig bergab geht es mit der im TecDax notierten Aktie von Jenoptik. Dabei peilt das Unternehmen in diesem Jahr einen Umsatz von mindestens 510 Millionen Euro an und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 40 Millionen Euro an. Auf der Hauptversammlung in Weimar kündigte Vorstandschef Michael Mertin zudem Zukäufe an.

Hängepartie bei Roth & Rau
Zu den größten Verlierern im TecDax gehören auch die Aktien von Roth & Rau. Die Hängepartie um den Solarmaschinenbauer geht weiter. Der Übernahmeinteressent Meyer Burger aus der Schweiz hält nach eigenen Angaben inzwischen 32,38 Prozent der Anteile des TecDax-Unternehmens. Die Annahmefrist für das Angebot von 22 Euro hat Meyer Burger nun bis zum 22. Juli verlängert. Ziel ist eine mehrheitliche Übernahme.

Beate Uhse baut um
Kräftig bergab geht es auch mit der Aktie von Beate Uhse. Der Umsatz ging im ersten Quartal auf 39,9 Millionen Euro zurück. Das operative Ergebnis war mit minus 0,1 Millionen Euro leicht im roten Bereich. Das Erotikunternehmen setzt sein Umbauprogramm fort. Im Versand wurde das Online-Geschäft weiter ausgebaut, nicht-rentable Shops wurden geschlossen und die Großhandelsaktivitäten zentralisiert. 2011 erwartet die Firma einen Umsatz zwischen 140 und 144 Millionen Euro und einen operativen Verlust von sechs bis vier Millionen.

Telegate fällt trotzdem
Im jahrelangen Rechtsstreit um Daten-Gebühren hat der Auskunftsdienstleister Telegate binnen weniger Wochen bereits den zweiten Sieg gegen die Deutsche Telekom errungen. Die Telekom muss 41,3 Millionen Euro Schadenersatz an Telegate zahlen, wie das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf heute mitteilte. Und wie reagiert die Aktie? Sie fällt um 3,4 Prozent.

Intercell sucht Heil in Schrumpfkur
Um knapp 18 Prozent abwärts geht es mit der Aktie des österreichischen Impfstoff-Herstellers Intercell. Das Unternehmen will nach einer Reihe von Rückschlägen die Kostenschrauben anziehen und bis zu 50 Prozent einsparen. Bei der Erforschung neuer Medikamente will das Unternehmen vor allem auf Kooperationen setzen.

Land unter bei 4SC
Papiere des Biotech-Unternehmens verlieren am Mittwoch beinahe die Hälfte an Wert. Anleger nehmen Reißaus, nachdem 4SC meldete, einer von zwei Medikamenten-Kandidaten habe seine Wirksamkeit in einer Studie nicht unter Beweis stellen können. Es sollte zur Behandlung von Rheuma-Patienten eingesetzt werden.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr