Dax berappelt sich

Stand: 17.11.2009, 20:05 Uhr

Seine Rally von gestern konnte der Dax heute nicht fortsetzen. Die Anleger gönnten sich eine Verschnaufpause und wurden am Ende von der Furcht steigender Zinsen verunsichert. Mit Hilfe der Wall Street geht's im Abendhandel aber wieder bergauf.

Der Leitindex beendet den Abendhandel mit einem hauchdünnen Plus von drei Punkten bei 5.796. Im Xetra-Handel hatte der Dax noch 26 Punkte (0,45 Prozent) verloren und bei 5.778 Zählern geschlossen.

Die Märkte in New York sind heute weitgehend auf der Stelle geblieben. Skeptische Prognosen der weltgrößten Baumarktkette Home Depot und des Handelskonzerns Target schürten unmittelbar vor Beginn des Weihnachtsgeschäft Sorgen über die Stärke und Dauerhaftigkeit der konjunkturellen Erholung. Rohstofftiteln machte zudem eine Aufwertung des Dollar zu schaffen. Auf die Stimmung der Anleger drückte auch die nach dem Ende der Abwrackprämie ins Stocken geratene Genesung der US-Industrie.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte lag bei Handelsschluss in Deutschland in einem wechselhaften Handel 0,1 Prozent im Plus bei 10.418 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 notiert fast unverändert bei 1108 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,1 Prozent auf 2200 Punkte.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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93,17
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Air Berlin mit Erfolg
Air Berlin hat im dritten Quartal dank des Sparkurses und des Zulaufs von Geschäftsreisenden einen Gewinnsprung erzielt. Das operative Ergebnis (Ebit) stieg stärker als von Analysten erwartet um rund ein Drittel auf 118 Millionen Euro. Das Unternehmen hatte bereits vor Ausbruch der Krise einen Schrumpfkurs eingeleitet und sich von unrentablen Strecken getrennt. Die Air-Berlin-Aktie drehte im abendlichen Parketthandel deutlich ins Plus.

Bayer vor Spartenverkauf
Abu Dhabi ist an der Übernahme der Kunststoff-Sparte (Material Science) von Bayer interessiert. Die staatliche Investmentgesellschaft IPIC sei in Gesprächen mit fünf großen Petrochemie-Unternehmen in Europa, darunter Bayer, sagte IPIC-Chef Khadem Al Qubaisi am Nachmittag in London. Im ersten Quartal 2010 solle es zu einem Abschluss kommen. Bayer lehnte einen Kommentar ab, doch die Aussage beflügelte die Fantasie der Anleger.

Home Depot enttäuscht Anleger
Die weltgrößte Baumarktkette Home Depot hat ihre Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Dank energischer Sparmaßnahmen dürfte der Gewinnrückgang in diesem Jahr lediglich 13 Prozent betragen, statt den bisher prognostizierten 15 bis 20 Prozent. Im dritten Quartal verbuchte Home Depot einen Überschuss von 689 Millionen Dollar, nach 756 Millionen im Vorjahr. Der Gewinn lag je Aktie bei 0,36 Dollar. An der Wall Street verliert die Aktie dennoch mehr als drei Prozent.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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K+S knackt die 40 Euro
Anleger, die sich zuletzt über die meist düsteren Analystenstudien zu K+S ärgerten, horchen heute auf. An der Börse machen Spekulationen die Runde über einen angeblichen Einstieg des legendären Investors Warren Buffett. Das ist wahrscheinlich nur eines der Gerüchte nachrichtenarmer Tage, doch die Anleger greifen zu und hieven die Aktie über den Widerstand von 40 Euro.

Lufthansa auf unsicherem Kurs
Weniger Freiraum, engere Sitze und keine Mahlzeiten mehr für lau: die Passagiere der Lufthansa müssen sich schon bald auf einen ähnlich niedrigen Standard wie bei den Billigfliegern einstellen. "Wir haben die Brutalität des Wettbewerbs durch die Low-Cost-Airlines unterschätzt", sagte Vizechef Christoph Franz. Nun komme es darauf an, darauf mit einem Sparprogramm zu reagieren, sagte er. Zunächst erwartet die Lufthansa auch 2010 noch Verluste. Entsprechend verschnupft reagieren die Anleger.

AOL bald wieder an die Börse
Neun Jahre nach dem Zusammenschluss mit AOL will Time Warner die Sparte am 10. Dezember getrennt an die Börse bringen. Mit der endgültigen Trennung von AOL zieht der Medienriese Time Warner damit einen Schlussstrich unter einen der größten Fehlschläge der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte. Zum Zeitpunkt der Fusion im Januar 2000 wurde AOL mit 163 Milliarden Dollar bewertet. Der aktuelle Marktwert der Internettochter läge basierend auf dem Schlusskurs der Time-Warner-Aktie bei 3,44 Milliarden Dollar.

Siemens lahmt in der Industrie
Die Industriesparte von Siemens wird sich nicht so schnell von der Rezession erholen wie erhofft. Finanzvorstand Joe Kaeser sagte bei einer Präsentation, die entsprechenden Märkte würden in absehbarer Zeit nicht wieder das Niveau von 2008 erreichen. Besser laufe es in den Segmenten Energie und Gesundheit. Siemens-Aktien verlieren leicht.

Morgan Stanley drückt Merck
Die Merk-Aktie verliert deutlich. Grund ist eine Studie von Morgan Stanley. Deren Analysten stufen die Papiere des Pharma- und Spezialchemiekonzerns von "Equalweight" auf "Underweight" herab und senken das Kursziel von 66 auf 61 Euro. Nach Meinung der US-Bank sind die Erwartungen an Erbitux gegen Lungenkrebs und Mylinax gegen Multiple Sklerose (MS) überzogen.

Sky brechen weiter ein
Die Aktien des Bezahlfernsehsenders Sky Deutschland stehen erneut unter Druck. Morgan Stanley hat das Kursziel für die Papiere von 6,50 auf 5,55 Euro gesenkt. Die Fernsehzuschauer in Deutschland ließen sich wohl auch weiter eher schwer davon überzeugen, fürs Fernsehen zu bezahlen. Die voraussichtliche Wachstumsrate der Abonnentenzahl sei mit etwa 100.000 pro Quartal in diesem frühen Stadium entmutigend.

Smartrac begeistert
In der Regel geraten die Aktien eines Unternehmens, das sich frisches Kapital besorgt, kräftig unter Druck. Ganz anders bei dem niederländischen Funktechnik-Anbieter Smartrac. Die Firma hat sich über Nacht 20,9 Millionen Euro reingeholt, etwa 15,50 Euro je Aktie. Und wie reagiert der Kurs? Er legt um mehr als sieben Prozent zu. "Der Markt wertet es positiv, dass die Kapitalerhöhung so schnell über die Bühne ging", sagte ein Händler.

Aurelius springen hoch
Noch begeisterter reagieren die Anleger bei Aurelius. Grund sind die guten Quartalszahlen. Die Beteiligungsgesellschaft hat in den ersten drei Quartalen 2009 mit 107 Millionen Euro mehr als viermal so viel verdient wie im Vorjahr. Der Umsatz konnte auf 560 Millionen Euro mehr verdoppelt werden.

Wilex und UCB
Die Zusammenarbeit mit dem belgischen Pharmakonzern UCB zahlt sich für das Biotechunternehmen Wilex erneut aus. Durch die Erreichung eines Zwischenziels habe UCB eine so genannte Meilensteinzahlung von fünf Millionen Euro geleistet. Auslöser sei gewesen, dass in der angelaufenen Phase-I-Studie mit dem Wirkstoff WX-554 nun der erste Patient mit der Substanz behandelt wurde. Neue Medikamente müssen erst drei Phasen der klinischen Erprobung am Menschen vor einem Zulassungsantrag bestehen.

Bernanke redet Dollar höher
Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke haben den Euro heute unter Druck gebracht. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Nachmittag 1,4868 US-Dollar. Im frühen Handel war der Euro noch mit fast 1,50 Dollar gehandelt worden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,4875 (Montag: 1,4965) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,6723 (0,6682) Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr