Marktbericht 20 Uhr

Angst vor früher Zinswende der Fed Dax bekommt Seitenhieb aus den USA

Stand: 26.06.2014, 20:00 Uhr

Was beim Fußball gelungen ist, hat die Börse heute nicht leisten können: Deutschlands Aktien gingen unter dem Druck der Wall Street zu Boden. Ein Fed-Vertreter hat alle an die Wand gespielt, er lässt die Zinswende in den USA rasch näher rücken. Für mehr Bewegung sorgte aber ein ganz anderes Spiel.

Das Spiel hieß: Wer mit wem? Der eine fusioniert, der andere kauft oder verkauft, etliche illustre Unternehmensnamen waren heute im Gespräch und erhöhten das Fusions- und Übernahmefieber an den Börsen. Dialog Semiconductor war hierzulande das Top-Thema. Der Chiphersteller verhandelt über eine Fusion mit der österreichischen AMS, einem Apple-Lieferanten. Anders als im wahren Leben hat das Gerede über das "Wer mit wem" mehr als nur Unterhaltungswert, die Dialog-Aktie schoss zeitweise sechs Prozent in die Höhe und gehörte damit zu den besten Werten im Technologieindex TecDax.

Aber damit nicht genug aus der Rubrik 'Fusionen und Übernahmen'. Alcoa stärkt mit dem 2,85 Milliarden Dollar schweren Zukauf der Firma Firth Rixson seine Position als Zulieferer für die Luft- und Raumfahrtbranche. Die Londoner Börse will den Vermögensverwalter und Index-Anbieter Russel Investments schlucken und dafür 2,7 Milliarden Dollar zahlen. Und der russische Gaskonzern Gazprom ist einem Insider zufolge an einem Einstieg bei der österreichischen OMV interessiert.

Auch eine Nummer kleiner wird das Spiel gespielt: Der IT-Dienstleister GFT aus dem Prime Standard übernimmt 98 Prozent an dem britischen Branchenkollegen Rule Financial. Solarwatt übernimmt Töchter der insolventen Centrosolar. Und selbst abseits der Börse ist es im Gange: Der Nahrungsmittelhersteller Dr. Oetker interessiert sich für den Tiefkühltorten-Hersteller Coppenrath & Wiese.

Umgekehrt steckt ThyssenKrupp angeblich kurz vor dem Verkauf seiner Werften in Schweden. Und der französische Pharmariese Sanofi denkt laut einem Bericht von Reuters über einen milliardenschweren Verkauf von Geschäften mit älteren Medikamenten nach. Derweil dementiert der Sportwettenanbieter Bwin.Party kursierende Verkaufsgerüchte. Es werde gleichwohl nach Wegen gesucht, "den Unternehmenswert zu steigern" – der Aktie half es allemal. Hoffnungen auf eine Übernahme von Elizabeth Arden mussten Anleger dagegen erst einmal begraben. Der südkoreanische Kosmetik-Hersteller LG Household & Health Care ist nicht mehr an einem Kauf des tief in den roten Zahlen steckenden US-Konkurrenten interessiert. Die Titel von Elizabeth Arden fielen an der Wall Street um 18 Prozent.

Der Bullard-Effekt

Dagegen kam der Deutsche Aktienindex zeitweise fast schon langweilig daher. Erst die Eröffnung der Wall Street brachte die Gemüter in Aufregung, mit dem schwachen Handelsstart in den USA ging es auch für den Dax ins Minus. Der Schuldige war schnell ausgemacht: Der Präsident der regionalen Notenbank von St. Louis, James Bullard bekräftigte, dass die US-Zinsen schon Ende des ersten Quartals 2015 angehoben werden könnten – bislang ging der Markt von frühestens Mitte kommenden Jahres aus.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.066,41
Differenz relativ
-1,58%

So beendete der Dax den Handel mit einem Verlust von 0,6 Prozent beim Stand von 9.805 Punkten, der L-Dax bei 9.815. Zeitweise sackte der Leitindex sogar bis auf 9.750 Punkte ab, was charttechnisch ein Problem ist, weil der Leitindex nun ein Doppel-Topp geformt hat. Problematisch ist auch, dass es geopolitisch an vielen Stellen brodelt. Im Nahen Osten eskaliert die Lage im Irak immer weiter, die Aktienmärkte in den arabischen Ländern kollabieren.

Einzelne Dax-Aktien wie FMC, Eon und Lufthansa stemmten sich aber erfolgreich gegen den Abwärtssog. Die FMC-Aktie bewies nach dem "Outperform"-Einschätzung der Credit Suisse Sieger-Qualitäten, setzte sich mit plus drei Prozent an die Spitze des Leitindex. Auch die Eon-Aktie schnitt nach einer Kaufempfehlung von Merrill Lynch gut ab.

Was macht die Lufthansa mit ihrer Catering-Sparte?

Die Lufthansa-Aktie bekam von Gerüchten Auftrieb. Angeblich erwägt die Airline einen Börsengang der Catering-Sparte, was die Lufthansa zwar als reine Marktspekulation zurückweist, an der Börse aber ganz offensichtlich doch nicht als so abwegig eingeschätzt wird.

Bankaktien unter Druck, Barclays unter Verdacht

Auf der Seite der Dax-Verlierer zuvorderst die Aktie der Deutschen Bank, da half selbst die Kaufempfehlung von Independent Research nichts. Auch die Commerzbank schwenkte nach der gestrigen Kurz-Erholung wieder um gen Süden. Bankaktien hatten generell einen schweren Stand. Die Papiere von Standard Chartered gaben nach, weil sich die britische Großbank wegen des schwächelnden Handelsgeschäfts für 2014 erneut auf sinkende Gewinne einstellen muss.

Barclays-Aktien kamen in New York unter Druck, weil der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates New York Betrugsklage einreichte. Er wirft der britischen Großbank vor, Kunden über die Sicherheit im hauseigenen Handelsplatz in den USA getäuscht zu haben. Dieses Verfahren schüre die Furcht der Anleger vor weiteren US-Ermittlungen gegen europäische Geldhäuser, sagte Alexandre Baradez vom Brokerhaus IG Markets. "Nach BNP und Barclays: Wer ist der nächste?" Der französischen BNP Paribas drohen Insidern zufolge wegen des Verstoßes gegen US-Sanktionsbestimmungen neben milliardenschweren Strafen auch befristete Verbote bestimmter Geschäfte.

Unter den US-Werten hatte es die Aktie des Marlboro-Herstellers Philip Morris schwer, weil der US-Tabakkonzern wegen Rauchverboten und Warnhinweisen weniger Gewinne erwartet. Am Ende des S&P 500 rangieren die Titel von Bed Bath and Beyond mit minus 9 Prozent: Das Handelsunternehmen leidet unter der Online-Konkurrenz, deshalb fällt die Gewinnprognose für das zweite Geschäftsquartal mau aus.

Iron verschenkt Bares

Papiere von Iron Mountain sprangen dagegen um rund 20 Prozent in die Höhe. Das auf Dienstleistungen für das Informationsmanagement spezialisierte Unternehmen will sich in einen Immobilienfonds umwandeln und Bares an Investoren ausschütten.

GoPro macht volle Fahrt

Ein Glanzlicht setze auf Amerikas Parkett Börsenneuling GoPro, dessen Börsengang ein voller Erfolg war. Der Anbieter der kleinen Sport-Kameras konnte seine Aktien zum Höchstpreis von 24 Dollar auf den Markt bringen. Am ersten Handelstag ging es zeitweise sogar rauf bis auf 33 Dollar. Das ist ein Plus von knapp 40 Prozent.

Hornbach wächst kräftig

Es gab auch noch einige Unternehmensbilanzen, so von der Hornbach-Gruppe. Bei der Baumarktkette explodierte die Nachfrage der Bau- und Heimwerkerkunden regelrecht, wie Finanzvorstand Roland Pelka stolz anmerkte. Das gab beiden Hornbach-Aktien zunächst Auftrieb, der Holding und der frisch in den SDax aufgestiegenen Baumarkt-Aktie. Doch zum Handelsende verflüchtigten sich die Gewinne.

Einen Gewinnrückgang musste die auf Maschinen- und Fahrzeugbau spezialisierte Beteiligungsfirma Gesco ausweisen. Hohe Investitionen drücken die Profite, was die Aktie belastete. Ein ähnliches Bild bei Ahlers: Der Umsatz stieg, wegen Restrukturierungsaufwendungen brach der Gewinn aber ein.

bs

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat