Dax beißt sich die Zähne aus

Angela Göpfert

Stand: 14.09.2010, 20:03 Uhr

Die Rally der vergangenen Tage hat den Dax in eine Widerstandszone hineingetragen, an der er in der Vergangenheit schon mehrfach abgeprallt war. So auch am Dienstag.

Bis auf 6.287 Punkte kletterte der Dax in der Spitze, für einen weiteren Angriff auf der Oberseite fehlte ihm dann aber doch die Kraft. Der deutsche Leitindex beendete den Xetra-Handel schließlich 0,2 Prozent höher bei 6.275 Zählern, der Late-Dax ging bei 6.267 Punkten aus dem späten Parketthandel.

Jahreshoch im Visier
Per Saldo hat der Dax damit jedoch ein solides Polster für einen Angriff auf das Verlaufshoch vom August bei 6.310 Punkten geschaffen, bevor anschließend die bisherigen Jahreshochstände bei 6.342/88 Punkten in den Fokus rücken dürften.

"Auf der Unterseite würde erst ein Fall unter den Aufwärtstrend seit Juli 2009 (aktuell bei 6.063 Punkten) die Perspektiven deutlich eintrüben", darauf weisen die technischen Analysten von HSBC Trinkaus hin.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold-Rally und kein Ende?!
Dagegen beschreibt der Goldpreis-Chart derzeit einen Aufwärtstrend wie aus dem Bilderbuch. Die Krönung folgte am späten Nachmittag, als der Goldpreis ein neues Rekordhoch markierte. Die Feinunze des Edelmetalls wurde mit bis zu 1274,80 Dollar so teuer wie noch nie zuvor gehandelt.

Die Rohstoff-Experten der DZ Bank erwarten einen weiteren Anstieg des Goldpreises und sehen diesen zum Jahresende bei 1.350 Dollar. "Die niedrigen Zinsen in Verbindung mit den aktuell geringen Anlagealternativen sollten Investoren weiterhin dazu veranlassen, ihre Positionen weiter auszubauen."

Silber auf Zweieinhalb-Jahres-Hoch
Auch die Silberrally erreichte einen neuen Höhepunkt: Die Feinunze des Edelmetalls verteuerte sich um bis zu 1,9 Prozent auf 20,40 Dollar und war damit so teuer wie zuletzt im März 2008. "Nach dem Überwinden der 20-Dollar-Marke könnten weitere Anleger auf den fahrenden Zug aufspringen", hieß es in einem Marktkommentar der Commerzbank.

Kältere Konjunkturzeiten
An den Aktienmärkten in Europa drückte der überraschend deutliche Rückgang des ZEW-Index' auf die Stimmung der Investoren. Die stagnierende Industrieproduktion in der Euro-Zone sandte ein weiteres Signal für eine Abkühlung der Wirtschaft.

Negative Überraschung auch aus den USA: Dort stiegen die Lagerbestände der Unternehmen so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr, die Nachfrage blieb somit hinter dem Angebot zurück. Selbst die unerwartet deutlich gestiegenen Einzelhandelsumsätze im August konnten Sorgen, die amerikanische Wirtschaft könnte erneut in die Rezession abrutschen (Double Dip), nicht nachhaltig dämpfen.

Bank of America: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Cisco und Best Buy heiß begehrt
Nach einem Ausflug ins Plus war die Wall Street zum Parkettschluss hierzulande bereits wieder ins Minus gerutscht. Unter den Einzeltiteln ragte Cisco positiv heraus. Der weltgrößte Netzwerkausrüster kündigte an, noch vor dem Ende des laufenden Geschäftsjahres im Juli 2011 sein großes Barguthaben zur Ausschüttung von Dividenden zu nutzen.

Gestützt wurde der Markt auch vom Elektronikhändler Best Buy, der einen Anstieg des Quartalsgewinns mitgeteilt und seine Geschäftsprognose angehoben hatte. Am schwächsten entwickelte sich hingegen der Sektor Financials, Banken-Titel etwa von Bank of America oder Citigroup zählten zu den größten Verlierern.

Deutsche Bank weiter auf Klettertour
Ganz anders im Dax: Dort konnte die Deutsche-Bank-Aktie erneut kräftig zulegen. Und das obwohl SocGen und UBS ihre Kursziele für die Deutsche Bank unter Verweis auf den mit der Kapitalerhöhung einhergehenden Verwässerungseffekt gesenkt hatten.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW und Daimler ganz eng
Papiere von Daimler und BMW zählten ebenfalls zu den Favoriten der Anleger. Daimler-Forschungschef Thomas Weber hatte in einem Reuters-Interview angekündigt, die Zusammenarbeit mit BMW weiter auszubauen und künftig den Einkauf in China zu bündeln.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Analystenlob für SAP
An der Dax-Spitze haussierte die SAP-Aktie. Händlern zufolge profitierten die Titel von einer Hochstufung des Technologiesektors durch Morgan Stanley auf "neutral" von "underweight". Auch die Deutsche Bank hält viel von dem Dax-Titel, sie beließ ihn auf "buy" mit dem Kursziel 45 Euro.

Blackrock stockt bei Bayer auf
Die Bayer-Aktie profitierte von positiven Nachrichten aus den USA: Der US-Vermögensverwalter Blackrock hatte seine Beteiligung an dem Dax-Konzern leicht aufgestockt und hält nun wieder rund fünf Prozent an Bayer.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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22,16
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Große Skepsis bei Eon und RWE
Am Dax-Ende rangierten die Versorger RWE und Eon. Hauptgrund für die Skepsis der Anleger waren die unsicheren Geschäftsperspektiven der Versorger. Es sei nach wie vor nicht geklärt, ob die Pläne der Bundesregierung zur Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke im Bundesrat zustimmungspflichtig sind oder nicht, sagte ein Händler. In der Länderkammer hat die schwarz-gelbe Koalition keine Mehrheit; also könnten die Beschlüsse durchaus wieder gekippt werden.

Henkel und Beiersdorf auf der Verkaufsliste
Auch Aktien der Konsumgüterhersteller Henkel und Beiersdorf waren heute alles andere als gefragt. Händler begründeten die schwächere Tendenz mit enttäuschten Markterwartungen durch H.B. Fuller. Der US-Wettbewerber rechnet für dieses Jahr mit einem Anstieg der Rohstoffkosten um acht Prozent.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Stahlwerte mit Nucor-Malus
Aktien der Stahlkonzerne Thyssenkrupp und Salzgitter gerieten ebenfalls unter Druck. Der US-Rivale Nucor rechnet wegen höherer Rohstoffkosten in den kommenden Monaten mit geringeren Einnahmen.

Ermittlungsverfahren gegen Obermann
Schlechte Nachrichten gab es auch für die Telekom: Das superschnelle Internet der neuen Generation soll der "Financial Times Deutschland" zufolge nach dem Willen der EU-Kommission allen interessierten Anbietern offenstehen - und nicht nur den großen Telekomkonzernen.

Am späten Abend teilte der Konzern zudem mit, die Bonner Staatsanwaltschaft habe wegen Bestechungsvorwürfen auf dem Balkan ein Ermittelungsverfahren gegen den Chef der Deutschen Telekom, Rene Obermann, eingeleitet.

Siemens befreit sich aus Philips-Sog
Siemens-Papiere litten nur zeitweise unter schlechten Neuigkeiten von der Konkurrenz, konnten sich aber letztlich ins Plus retten. Die neuen, recht vorsichtig formulierten langfristigen Ziele des niederländischen Elektronikkonzerns Philips kamen hingegen an der Börse nicht gut an.

Heideldruck mit versteckten Gewinnen
Im MDax sorgte die Aktie von Heidelberger Druck für Aufsehen. Auf den ersten Blick notierte das Papier mehr als 30 Prozent im Minus. Der niedrigere Kurs ist allerdings dem Abschlag für die Bezugsrechte der laufenden Kapitalerhöhung geschuldet. Bereinigt lag die Aktie mit weitem Abstand an der MDax-Spitze.

DBAG-Aktionäre dürfen hoffen
Der SDax-Konzern DBAG glänzte mit Neunmonatszahlen: Das Konzernergebnis kletterte auf 21,7 Millionen Euro nach einem Verlust von 0,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Grund dafür waren unter anderem Kursgewinne bei der größten Beteiligung - dem Maschinenbauer Homag. Der Konzern stellte für das laufende Geschäftsjahr erneut eine Dividende in Aussicht.

Arques-Aktie mit Mega-Rabatt
Jenseits der großen Indizes stach die Arques-Aktie mit einem deutlichen Kursminus ins Auge. Die chronisch defizitäre Beteiligungsgesellschaft hatte angekündigt, unter Gewährung der Bezugsrechte der Aktionäre rund 13,2 Millionen Aktien ausgeben zu wollen. Potenzielle Investoren werden mit einem ungewöhnlich hohen Rabatt geködert: Der Bezugspreis liegt bei 1,10 Euro je Aktie.

Nokia-Hoffnungen ruhen auf drei Modellen
Unter den ausländischen Titeln auf dem Frankfurter Parkett zog einmal mehr die Nokia-Aktie die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich. Der Konzern kündigte an, mit drei neuen Handy-Modellen dem iPhone von Apple Paroli bieten zu wollen. Anleger wollten dem keinen rechten Glauben schenken, die Nokia-Aktie gab deutlich nach. Die Finnen haben den Anschluss im lukrativen Smartphone-Geschäft verpasst, kritisierten Analysten: zu viel Masse, zu wenig Exklusivität und Gespür für Trends.

Image-Politur à la Toyota
Nach imageschädigenden Rückrufaktionen in den USA forciert der weltgrößte Autobauer Toyota die Entwicklung von Elektro- und Hybridautos. So soll eine Version des Marktführers "Prius" bis 2012 in den USA eingeführt werden, die an der Steckdose aufgeladen werden können. Der angepeilte Preis von unter 28.000 Dollar würde den neuen "Prius" zum billigsten Öko-Auto seiner Klasse machen.

Essener Elster zieht es nach New York
Unterdessen kündigte der Essener Messtechnik-Spezialist Elster an, noch im Herbst an die New Yorker Börse zu gehen. Die frühere Eon-Tochter, die seit fünf Jahren dem Finanzinvestor CVC gehört, will dabei bis zu 335 Millionen Dollar einsammeln. Damit will Elster ein Teil der Schulden, die sich auf gut 900 Millionen Dollar belaufen, abbauen. Die American Depositary Shares sollen 16 bis 18 Dollar kosten.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr