Dax, bei Fuß!

Detlev Landmesser

Stand: 02.07.2008, 20:23 Uhr

Zu Wochenmitte bäumte sich der Dax eine Weile gegen den Abwärtstrend auf, bevor er vom großen Bruder zurückgepfiffen wurde: An der Wall Street überwogen am Abend wieder die Krisenängste.

Der L-Dax schloss mit 6.310,32 Punkten leicht über dem Xetra-Schluss. An den US-Aktienmärkten hatten sich nach positivem Start die Sorgen um schwache Arbeitsmarktdaten für den Juni, die morgen veröffentlicht werden, und um den weiter hohen Ölpreis durchgesetzt. Zu den größten Verlierern zählte die Aktie von General Motors, die zeitweise um mehr als elf Prozent nachgab. Nach Einschätzung von Merrill Lynch muss sich der US-Autobauer 15 Milliarden Dollar frisches Kapital besorgen. Wenn es mit dem US-Automarkt weiter bergab gehe, sei auch ein Konkurs von GM nicht ausgeschlossen, warnte die Investmentbank.

Auf die aktuellen Lagerbestandsdaten aus den USA reagierte der Ölpreis nach einigen Schwankungen mit einem weiteren Plus. Mit rund 142,70 Dollar notierte der August-Future der US-Sorte WTI am Abend 1,70 Dollar über dem Vortag. Die US-Lagerbestände an Rohöl sanken in der vergangenen Woche überraschend deutlich um 2,0 auf 299,8 Millionen Barrel. Dagegen legten die Benzinlagerbestände überraschend zu.

Die US-Auftragseingänge im Mai waren noch gut angekommen. Die Zahl der eingegangenen Bestellungen stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent, während Analysten mit einem Anstieg von 0,4 Prozent gerechnet hatten.

Deutsche Bank beruhigt den Markt...

Nach den heftigen Spekulationen der vergangenen Tage stellte die Deutsche Bank am Morgen klar, dass sie im gerade abgelaufenen zweiten Quartal wieder einen Gewinn erwirtschaftet hat. Außerdem sehe sie derzeit keinen Bedarf für eine Kapitalerhöhung. Einzelheiten werden am 31. Juli veröffentlicht. Der Dax-Titel legte um bis zu 5,6 Prozent zu und beflügelte zunächst den gesamten Aktienmarkt.

Positiv wirkten zudem Aussagen des neuen Chefs der UBS, Peter Kurer. Er geht davon aus, dass der besonders schwer von der Kreditkrise betroffene Schweizer Bankenriese im nächsten Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben wird. Auch eine weitere Kapitalerhöhung sei nicht nötig.

Ein Umfeld, in dem auch die Konsolidierungsfantasie wieder zu ihrem Recht kam, was vor allem den Dauerkandidaten Commerzbank beflügelte. Wie die Postbank profitierte das Papier von den wieder aufgeflammten Gerüchten um eine Dreier-Fusion unter Einbeziehung der Dresdner Bank, der Commerzbank und der Postbank.

... und geht bei Konsolidierung voran
Am Abend meldete die Deutsche Bank schon einmal einen Schritt zur europäischen Branchenkonsolidierung. Sie übernimmt von der zur belgisch-niederländischen Fortis gehörenden Bank ABN Amro Teile des Firmenkundengeschäfts für 709 Millionen Euro in bar. Die Transaktion soll bis zum Beginn des vierten Quartals abgeschlossen werden und muss noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden. Fortis hatte ABN Amro im vergangenen Jahr zusammen mit der Royal Bank of Scotland und der Banco Santander für rund 70 Milliarden Euro übernommen. Der Verkauf wurde von den Wettbewerbsbehörden unter der Auflage genehmigt, dass Fortis verschiedene Geschäftsbereiche verkauft.

S&P stuft HRE herab
Aufregung gab es kurz nach Xetra-Schluss auch bei der Aktie der Hypo Real Estate. Die Ratingagentur Standard & Poor's teilte mit, das Rating für den Hypothekenfinanzierer und seine Tochter Depfa von "A/A-1" auf "A/A-2" gesenkt zu haben. Der Ausblick bleibe stabil. Die HRE erklärte kurz darauf, trotz der Finanzkrise im zweiten Quartal einen Gewinn erzielt zu haben. Das Geschäft werde durch die Ratingherabstufung nicht wesentlicht beeinträchtigt.

Infineon künftig mit fünf Sparten
Der neue Chef des Halbleiter-Konzerns Infineon baut den Konzern nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt um. "Wir haben künftig fünf Divisions", sagte Peter Bauer am Mittwoch. Das seien Automobil, Industrieelektronik, Security (Chipkarten und Computersicherheit), Wireline (Datenchips) sowie Wireless (Handychips). Bislang hatte Infineon die zwei großen Bereiche Auto und Industrie sowie Kommunikation. Durch den Umbau will Bauer den Konzern stärker auf die Kunden ausrichten und letztlich sein Ziel erreichen, Kosten in dreistelliger Millionenhöhe zu sparen.

Tui-Großaktionär kauft weiter zu
Der streitbare norwegische Tui-Großaktionär John Fredriksen hat seinen Anteil an dem Reise- und Reedereikonzern weiter gesteigert. Wie seine Holding Monteray Enterprises mitteilte, hält er nun 15,01 Prozent der Anteile. Zuletzt waren es 11,7 Prozent. Tui bestätigte die Angaben. "Wir erhöhen unseren Einfluss bei Tui, um die Probleme der Gesellschaft einer Lösung zuzuführen", sagte ein Sprecher Fredriksens, der größter Anteilseigner von Tui ist und im Clinch mit dem Management liegt.

Merck fällt in Ungnade
Die Aktie der Merck KGaA verlor über vier Prozent, nachdem Morgan Stanley den Titel von "equal weight" auf "underweight" heruntergestuft hatte. Im ersten Halbjahr war die Aktie noch glimpflich davon gekommen. Mit einem leichten Plus von rund zwei Prozent zählte sie zu den drei besten Dax-Titeln.

Xetra-Umsatz eingebrochen
Die Deutsche Börse hat im Juni einen deutlichen Rückgang beim Orderbuchumsatz auf dem elektronischen Handelssystem Xetra verzeichnet. Im vergangenen Monat sind auf Xetra 164,8 Milliarden Euro umgesetzt worden nach 234,4 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum. An allen Wertpapierbörsen in Deutschland wurden im Juni insgesamt 189 Milliarden Euro umgesetzt, ein Rückgang von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. An der Terminbörse Eurex stieg das Handelsvolumen im Juni dagegen leicht.

Neuer Druck auf Wirecard
Im TecDax verlor die Aktie von Wirecard erneut deutliche 16,6 Prozent. Händler verwiesen auf einen Bericht in der "Börsen-Zeitung". Dort hieß es, der Zahlungsabwickler habe die Irritationen um seine Bilanz bislang nicht zufriedenstellend ausräumen können. "Wenn ein Gerücht erstmal am Markt ist, ist es schwer, es wieder auszuräumen - zumal, wenn das Marktumfeld allgemein schwierig ist", kommentierte ein Analyst.

Arques sieht "reges Interesse" für Actebis
Stärkster Titel im SDax war die Arques-Aktie, die sich mit einem Plus von 12,3 Prozent kräftig erholte. Die Beteiligungsgesellschaft will ihr größtes Unternehmen Actebis auf jeden Fall noch dieses Jahr loswerden. "Wir prüfen den Börsengang und alle anderen Optionen", sagte Vorstandschef Michael Schumann dem "Handelsblatt". Er sei zuversichtlich, dass sich nach der Sommerpause ein Zeitfenster für einen Börsengang des mit 3,6 Milliarden Euro mehr als die Hälfte des Arques-Umsatzes ausmachenden IT-Händlers öffnen werde. Aber auch ein Verkauf sei denkbar. "Es gibt reges Interesse", so Schumann. Arques werde auf jeden Fall einen Buchgewinn erzielen. Ursprünglich sollte Actebis im Sommer an die Börse gebracht werden.

Air Berlin gewinnt zehn Prozent
Auch die Aktie von Air Berlin zeigte sich kräftig erholt. Der progressive Ausstieg der Deutschen Bank schadete der Aktie entgegen den Erwartungen der Händler nicht. Die Marktteilnehmer sprachen von einer technischen Reaktion nach den Kursverlusten der vergangenen Tage. Am Morgen wurde bekannt, dass die Deutsche Bank ihre Beteiligung an der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft von 9,81 auf 7,43 Prozent zurückgefahren hat. Damit hat die Bank im Vergleich zu den über 15 Prozent vom Jahresbeginn ihre Beteiligung mehr als halbiert.

Grenkeleasing kommt voran
Die Aktie von Grenkeleasing war ebenfalls gefragt. Das Unternehmen hat im ersten Halbjahr 2008 das Neugeschäft - das ist die Summe der Anschaffungskosten neu erworbener Leasinggegenstände und Factoringvolumen - auf 284 Millionen Euro gesteigert, nach 251 Millionen im ersten Halbjahr 2007. Der zur Ermittlung des Gewinns wichtige Deckungsbeitrag 2 des Neugeschäfts kletterte auf 39,3 Millionen Euro, 19,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Indus ex Dividende
Das Kursminus bei der Indus Holding war dagegen überwiegend optischer Natur. Die Beteiligungsgesellschaft schüttete am Mittwoch 1,20 Euro je Aktie aus.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr