Dax bei 9000 Punkten?

Stand: 29.11.2007, 20:07 Uhr

Diesen Stand prognostizieren jedenfalls die Volkswirte großer Banken für Ende kommenden Jahres. Am Donnerstag bauten Dax & Co. erst einmal ihre Vortagesgewinne weiter aus - allerdings mit angezogener Handbremse. Ist trotzdem der Weg frei für eine neuerliche Kursrally?

Die meisten deutschen Aktien haben am Donnerstag ihre kräftigen Vortagsgewinne weiter ausgebaut. Der L-Dax schloss bei 7760 Punkten, nachdem der Leitindex auf Xetra mit einem Plus von 0,54 Prozent auf 7765,19 Zähler aus dem Handel gegangen war.

Der Dax konnte so am Donnerstag seinen Anstieg fortsetzen - allerdings mit deutlich weniger Schwung als noch am Vortag. "Es ist eher ruhig nach der Eindeckungswelle gestern", sagte ein Händler. Am Mittwoch hatte der Dax noch - beflügelt von starken Finanzaktien - 2,6 Prozent zugelegt.

Marktstratege Christian Schmidt von der Helaba sprach trotz der Kursgewinne von einem weitgehend impulslosen Handel. Nachdem im Tagesverlauf der wichtige technische Widerstand von 7.780 Punkten nur kurz übersprungen worden sei, würden die Marktteilnehmer nun erst einmal Luft holen, meinte er.

New York legt Verschnaufspause ein
An den US-Börsen gab es den erwarteten leichten Kursrücksetzer. Zum Parkettschluss in Frankfurt lagen der Dow Jones und der marktbreite S&P500-Index jeweils mit 0,1 Prozent im Minus. Bereits zu Handelsbeginn hatten unerwartet schwache Geschäftszahlen aus dem Einzelhandel den Börsen Verluste eingebrockt. Auch schlechte Nachrichten vom Arbeitsmarkt drückten die Stimmung der Börsianer.

Die deutschen Anleger schenkten den durchwachsenen Konjunkturdaten aus den USA kaum Beachtung. Vor allem die niedriger als erwartet ausgefallenen Verkäufe neuer Häuser im Oktober wurden ignoriert. Hierzulande sorgten vor allem einzelne Unternehmensnachrichten für Bewegung.

Merck verdrängt ThyssenKrupp
ThyssenKrupp-Aktien legten im Xetra-Handel an der Indexspitze rund 2,33 Prozent auf 38,67 Euro zu. Börsianer verwiesen auf vage Marktgerüchte um ein Angebot des südkoreanischen Stahlherstellers Posco in Höhe von 54 Euro als Triebfeder. Der südkoreanische Stahlkonzern wies das aber als "haltlose Spekulation" zurück - und das nicht zum ersten Mal: Bereits am 10. November hatte Posco ein Interesse verneint.

Doch im späten Frankfurter Parketthandel schob sich das Pharmaunternehmen Merck mit einem Plus von 2,86 Prozent auf 87,45 Euro an ThyssenKrupp vorbei an die Indexspitze: Wie Merck mitteilte, haben neuen Studiendaten zufolge mit dem Merck-Medikament Erbitux behandelte Darmkrebspatienten bessere Chancen auf eine operative Entfernung von Lebermetastasen.


Selektiver Kauf von Finanzwerten
Linde setzten ihren Anstieg vom Vortag mit einem Plus von 1,18 Prozent fort. Schon am Mittwoch hatte eine Kaufempfehlung von der Citigroup dem Titel auf die Sprünge geholfen.

Auch viele Finanzwerte im Dax wurden wieder gekauft. "Die am stärksten geprügelten Werte haben das größte Aufwärtspotenzial", sagte ein Börsianer. Allerdings griffen die Investoren selektiv zu. "Es sind die Aktien von Banken gefragt, die offenbar am wenigsten von der Subprime-Krise betroffen sind", fuhr er fort. Commerzbank-Papiere gewannen 1,36 Prozent.

MDax zeigt dem Dax, wo es langgeht
Die kräftigsten Kursgewinne waren allerdings im Nebenwerteindex MDax zu verzeichnen. MLP-Anteile stiegen um 7,35 Prozent und setzten sich so an die Indexspitze. Harris Associates hatte den Stimmrechtsanteil an dem Finanzdienstleister auf 10,25 Prozent aufgestockt.

Auch ProSiebenSat1 glänzte nach überraschend guten Quartalszahlen mit einem Plus von 4,14 Prozent. Vor allem der um Sonderposten bereinigte Gewinn nach Steuern sei deutlich höher als von Marktexperten erwartet ausgefallen. Auch der Umsatz habe etwas stärker als vorhergesagt zugelegt.

Aktien der GEA Group haben am Donnerstagnachmittag ihre Verluste stak reduziert und konnten den Xetra-Tag mit einem Plus von 3,21 Prozent beschließen. Meldungen über einen starken Auftragseingang im Oktober hätten gestützt, sagte ein Händler. Zudem sei in der seit der vergangenen Woche bereits um rund 20 Prozent gestiegenen Aktie ein größerer Verkäufer aktiv.

Der Baukonzern Bilfinger Berger konnte seine Vortagesgewinne kräftig ausbauen und legte um 5,84 Prozent auf 54,71 Euro zu. Am Mittwoch hatte die im MDax gelistete Gesellschaft bekannt gegeben, einen Großauftrag über 300 Millionen Euro für den Bau einer U-Bahn in Düsseldorf erhalten zu haben.

KfW zieht bei IKB die Notbremse
Im Rampenlicht stand auch mal wieder die Aktie der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB. Nach einem Zeitungsbericht über eine mögliche drohende Schließung des Instituts eröffnete sie fast sieben Prozent im Minus, drehte nach Bekanntgabe eines Rettungspaketes aber mehr als fünf Prozent ins Plus.

Am späten Nachmittag zog die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Notbremse: Die Düsseldorfer IKB, die zuletzt mehrere Finanzspritzen erhalten hatte, solle nun verkauft werden, teilte die staatliche Förderbank KfW am Donnerstagnachmittag mit. Die Aktie gab daraufhin kräftig nach und ging mit einem Minus von 1,24 Prozent aus dem Xetra-Handel. Im späten Parketthandel konnte sie allerdings den ersten Schock überwinden und beschloss den Tag sogar mit einem Plus von rund 1,33 Prozent.

Conergy und Versatel bilden TecDax-Spitze
Im TecDax erfreuten sich Versatel und Conergy regen Kaufinteresses. Den Kurssprung von 14,73 Prozent bei Conergy führten Börsianer auf eine Erholung nach der jüngsten Talfahrt zurück.

Versatel-Papiere stiegen um 8,6 Prozent. Sie profitierten Händlern zufolge vom Einstieg des Konkurrenten United Internet. United Internet hatte sich bei Versatel mit einem Anteil von 20,05 Prozent eingekauft. Ein Analyst erwartet eine Komplettübernahme als strategisch logische Konsequenz. Die damit erreichbaren Synergieeffekte für United Internet sieht der Experte im hohen zweistelligen Millionenbereich.

Für QSC wäre dies indes sehr negativ, da United Internet auch eine Alternative zum QSC-Netz bekäme. QSC-Aktien brechen am TecDax-Ende um 17,63 Prozent ein.

TecDax ist eine Gerüchteküche
Doch nicht nur in der Festnetz- auch in der Mobilfunkbranche strebt United Internet eine Konsolidierung an. Die Telefonfirmen Drillisch und United Internet arbeiten nach Angaben aus Branchenkreisen weiter an einer Übernahme von Freenet. Die Unternehmen würden mit hoher Wahrscheinlichkeit neue Gespräche mit dem Freenet-Großaktionär Vatas über den Kauf von dessen Aktienpaket aufnehmen, hieß es.

Zuvor hatten United Internet und Drillisch auf eine Kaufoption für den 18,49-prozentigen Anteil von Vatas verzichtet, worauf die Freenet-Aktie bis auf ein Tagestief von 15,40 Euro abgesackt war. Nach dieser Meldung verringerten Freenet-Papiere am Donnerstagnachmittag ihre Verluste deutlich.

Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten
Im Prime Standard legte die seit Juli 2007 börsennotierte Envitec Biogas AG eine beachtliche Kursrally hin und ging mit einem Plus von 18,5 Prozent bei 20,63 Euro aus dem Handel. Zuvor hatte die Firma ihre Umsatz- und Gewinnprognose für 2007 nach unten korrigiert. Die Erstnotiz für Envitec-Biogas-Papiere am 12. Juli hatte noch 47 Euro betragen.

Für Donnerstag steht im Entry Standard der IPO von Daldrup an. Der Bohrspezialist Daldrup platziert Aktien zu 13,50 Euro. Die Emission sei trotz des aktuell schwierigen Börsenumfelds überzeichnet gewesen, hieß es.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier