Dax begrüßt den Mai mit runder Marke

Detlev Landmesser

Stand: 02.05.2008, 20:29 Uhr

Als die US-Arbeitsmarktdaten über die Ticker liefen, kannte der Dax zunächst kein Halten mehr. Im Verlauf beruhigten sich die Gemüter wieder, doch der Start in den Mai war gelungen.

Der L-Dax verabschiedete sich mit 7.035,32 Punkten ins Wochenende, ein Tagesplus von 1,2 Prozent. Schon am Morgen war der deutsche Leitindex erstmals seit Ende Februar wieder über die psychologisch wichtige Marke von 7.000 Punkten geklettert.

In den USA bröckelten die frühen Gewinne allerdings im Verlauf ab. Vor allem die Technologietitel wurden von enttäuschenden Zahlen von Sun Microsystems und Nortel Networks belastet.

Thema des Tages waren die aktuellen Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt. Zwar ging die Beschäftigung im April um weitere 20.000 Stellen zurück. Volkswirte hatten aber mit einem deutlicheren Minus von 75.000 Stellen gerechnet. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote überraschend auf 5,0 Prozent. Hier hatten die Experten 5,2 Prozent erwartet.

Nur eine "milde" Rezession?

Nach den am Mittwoch veröffentlichten BIP-Zahlen war dies das zweite unerwartet robuste Signal von der US-Konjunktur - wobei diese "Stärke" angesichts des vierten Beschäftigungsrückgangs in Folge relativ zu sehen ist. Vielleicht kommen die Experten der DekaBank der Sicht des Marktes am nächsten; nach ihrer Einschätzung sprechen die Arbeitsmarktdaten für eine "milde" Rezession in den USA. Vor allem dem Dienstleistungssektor scheine es relativ gut zu gehen. Allerdings deuteten die gesunkenen Stundenlöhne auf einen anhaltend schwachen Konsum hin. Auch die Industrieaufträge im März lagen mit einem Zuwachs von 1,4 Prozent deutlich über den Erwartungen.

Dem Euro taten diese Neuigkeiten nicht gut; gegenüber dem Dollar brach er heftig auf zeitweise unter 1,54 Dollar ein.

Deutsche Börse gewinnt acht Prozent
Größter Dax-Gewinner war erneut die Deutsche-Börse-Aktie, die die Marke von 100 Euro überschritt. Händler verwiesen auf die jüngsten Kursverluste gegen den Markttrend, von denen sich der Dax-Titel nun erhole. Zudem erwarten die Marktteilnehmer am kommenden Dienstag starke Quartalszahlen des Börsenbetreibers.

Zu den Kursgewinnen der Lufthansa-Aktie trugen Fusionsfantasien in der Branche bei. British Airways hatte am Mittwoch Gespräche mit den US-Konkurrenten American Airlines und Continental Airlines Gespräche bekannt gegeben. "Außerdem profitieren die Airlines vom fallenden Ölpreis", sagte ein Händler. Am Abend zogen die Ölnotierungen in den USA allerdings wieder bis auf rund 115,80 Dollar pro Barrel an.

Noch besser erging es der Infineon-Aktie. Händler verwiesen auf den Anstieg des weltweiten Halbleiterumsatzes um 3,4 Prozent im März gegenüber Februar.

SAP-Software bald auch auf Blackberry
Der deutsche Software-Primus SAP und der kanadische Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) erweitern ihre Partnerschaft. SAP will seine Unternehmenssoftware künftig auch auf mobilen Geräten von RIM verfügbar machen, teilten die beiden Unternehmen am Nachmittag in New York mit. Dadurch entfalle künftig der beschwerliche Umweg über einen Internet-Browser. SAP verspricht sich davon mehr Lizenzverträge.

Deutsche Autokonzerne schlagen sich achtbar
Angesichts der schwächelnden US-Wirtschaft schlugen sich die deutschen Autohersteller in den USA im April gar nicht so schlecht. BMW konnte seinen Absatz um zehn Prozent nach oben schrauben, VW 1,7 Prozent mehr Autos. Die VW-Tochter Audi musste dagegen einen Absatzrückgang um 4,6 Prozent hinnehmen. Bei der Daimler-Sparte Mercedes-Benz sanken die Verkaufszahlen um drei Prozent. Mit einem Minus von fünf Prozent geriet der Sport- und Geländewagenbauer Porsche noch etwas stärker unter Druck.

RWE gibt British Energy offenbar auf
Der Energiekonzern RWE ist aus dem Übernahmekampf um den britischen Versorger British Energy offenbar so gut wie ausgeschieden. Grund ist laut dem "Handelsblatt", dass der Wunschpartner für eine gemeinsame Offerte, Vattenfall, offenbar abspringt. Händler reagierten aber eher erleichtert. Ein Marktteilnehmer bezeichnete ein Gebot für British Energy als alles andere als lukrativ für RWE. Der absehbare Vorsteuergewinn der Briten würde nicht einmal ausreichen, die Finanzierungskosten der Transaktion abzudecken.

Dividendenabschlag bei Eon und anderen
Das Kursminus bei Eon war rein optisch: Nach der Hauptversammlung am Mittwoch wurden die Papiere des RWE-Rivalen mit einem Dividendenabschlag von 4,10 Euro gehandelt. Auch die MDax-Unternehmen Beiersdorf, Celesio und MTU schütteten heute ihre Dividende aus.

Wieder Gerücht um Praktiker
Im MDax war die zuletzt arg gebeutelte Praktiker-Aktie gefragt. "Es gibt das vage Gerücht, dass jemand 25 Euro je Aktie bietet", berichtete ein Händler. "Aber Namen möglicher Interessenten wurden bislang nicht genannt." Ein anderer Börsianer zweifelte am Wahrheitsgehalt. "Das ist eines dieser üblichen Freitagsgerüchte." Am vergangenen Freitag waren bereits Spekulationen um ein Interesse des US-Konkurrenten Home Depot umgegangen.

ElringKlinger stärkt Asien-Präsenz
Zu den stärkeren Titeln im SDax gehörte ElringKlinger. Der schwäbische Autozulieferer hat seine Beteiligung an dem japanischen Dichtungshersteller Marusan Corporation von zuletzt zehn auf 50 Prozent aufgestockt. Damit werde die Position auf dem wichtigen asiatischen Fahrzeugmarkt gestärkt, teilte ElringKlinger am Nachmittag mit. Der Kaufpreis für die Aufstockung liege zwischen dem 0,3- bis 0,4-Fachen des Umsatzes. Für dieses Jahr plane das Unternehmen einen Umsatz von rund 45 Millionen Euro.

Thielert-Aktie nähert sich Insolvenzniveau
Die Aktie des insolventen Flugzeugmotorenbauers Thielert vollzog heute auch auf Xetra die späten Kursverluste von Mittwochabend nach. Der zum neuen Alleinvorstand berufene Rechtsanwalt Marcel Kleiß hatte am Mittwoch beim Amtsgericht Hamburg Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt, nachdem bereits die operative Tochter Thielert Aircraft Engines GmbH diesen Weg gegangen war.

Combots besorgt sich Bares
Die bislang gescheiterte Software-Firma Combots hat eine Million ihrer insgesamt 23,2 Millionen United Internet-Aktien an einen nicht genannten Käufer abgegeben. Der Erlös von rund 14 Millionen Euro diene "als Finanzierungsreserve" für die angekündigte Neuausrichtung, teilte das Unternehmen mit. Es sei derzeit beabsichtigt, "substantiell als Finanzinvestment an der United Internet AG beteiligt zu bleiben". Combots hält nun noch rund 8,8 Prozent an dem Internetkonzern.

Dax-Chart realtime

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