Dax beendet weitere Seitwärts-Woche

Stand: 08.10.2010, 20:05 Uhr

Seit Wochen misslingt dem Dax der nachhaltige Sprung über die 6.300-Punktemarke. Auch am Freitag hat es nicht gereicht. Doch immerhin legte der Dax leicht zu, trotz erschreckend schwacher Arbeitsmarktdaten aus den USA. Auch auf Wochensicht bleibt die Dax-Bilanz positiv.

0,3 Prozent legte der Dax am Freitag zu und verpasste mit einem Indexstand von 6.292 Punkten nur ganz knapp die runde 6.300-Punktemarke. Dass dem deutschen Leitindex dieses Kursplus überhaupt gelang, hatte er, wie eigentlich immer an Tagen mit wichtigen amerikanischen Konjunkturdaten, der Börse in New York zu verdanken.

Dort legte die Wall Street nämlich ebenfalls zu, und der Dow Jones übersprang zum ersten Mal seit Anfang Mai die Marke von 11.000 Punkten. Die Arbeitsmarktdaten, auf die die Börsen seit Montag hingefiebert hatten, allerdings waren deutlich schlechter als gedacht. Im September gab es 95.000 neue Arbeitslose in den USA, erwartet hatten die Volkswirte eine zum August unveränderte Zahl.

Dass die Kurse dennoch stiegen, hat mit der Tatsache zu tun, dass die Investoren nun hoffen, dass die amerikanische Notenbank ihre Geldpolitik angesichts der unerfreulichen Konjunktursignale weiterhin für lange Zeit auf expansivem Kurs fahren wird. Bezeichnenderweise wurden die Kurse von einem optimistischen Ausblick der Fed überhaupt nicht bewegt. Notenbankmitglied James Bullard sagte am Mittag dem Nachrichtensender CNBC, die Wirtschaft der USA entwickele sich derzeit besser als noch vor sechs bis acht Wochen. Das Risiko eines Rückfalls in die Rezession sei zurückgegangen.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,86
Differenz relativ
-3,26%

Gerüchteküche: K+S und Commerzbank
Die Aktie des Düngemittelherstellers K+S aus dem Dax legte am Freitag fast vier Prozent zu. Händler begründeten den Kursgewinn mit Übernahmegerüchten. Angeblich wolle der Minenkonzern Rio Tinto für K+S bieten und die Firma für 58 Euro je Aktie übernehmen, hieß es am Markt. Weder K+S noch Rio Tinto kommentierten dies allerdings.

Die Aktie der Commerzbank legte ebenfalls kräftig zu. Passiert war nichts, aber das "Handelsblatt" hatte geschrieben, dass die Bank womöglich ihre angeblich für November geplante Kapitalerhöhung nicht durchführen wird. Die Kapitalerhöhung ist damit nicht für alle Zeiten abgeblasen, ein Bank-Sprecher sagte, es seien noch alle Optionen offen.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
49,78
Differenz relativ
-1,33%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,69
Differenz relativ
-0,66%

MAN, BMW und Daimler
Die MAN-Aktie verlor, am Dax-Ende, 2,2 Prozent. Die Experten der UBS sehen die Aussichten der Nutzfahrzeugbranche negativ, die Auftragsentwicklung werde im vierten Quartal ihren Höhepunkt überschreiten, hieß es da. Das belastete vor allem MAN-Aktie im Dax, aber auch Daimler verlor, und in Europa notierten Volvo und Scania schwächer. Die jüngsten Absatzzahlen von Daimler und BMW halfen den Aktien nicht auf die Beine. BMW schaffte es, im September seinen weltweiten Absatz um 17 Prozent zu erhöhen, Daimler verkaufte 13 Prozent mehr Wagen der Kernmarke Mercedes. Vor allem in China und den USA liefen die Geschäfte ausgezeichnet, so die beiden Konzerne.

Fantasie bei Demag
Die Papiere des Kranherstellers Demag schlossen fast 19 Prozent höher und eroberten damit die MDax-Spitze. Die "Financial Times Deutschland" hatte über einen sich entwickelnden Bieterwettstreit um Demag berichtet. Die Zeitung schrieb, dass der amerikanische Terex-Konzern ein Gegengebot vorlegen werde, falls der finnische Konkurrent Konecranes für Demag bieten sollte. Demag äußerte sich am Nachmittag und bestätigte den Eingang von Interessensbekundungen. Allerdings wolle man weiter unabhängig sein und sogar selber am Konsolidierungsprozess am Markt teilzunehmen.

Lanxess: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,00
Differenz relativ
-2,23%

Lanxess und Wacker hochgestuft
Sehr gut entwickelte sich auch die Aktie des Chemiekonzerns Lanxess. Die Citigroup erhöhte ihr Rating von "Hold" auf "Buy" und verbesserte das Kursziel auf 55 Euro. Die Fachleute von Cheuvreux sahen sich Wacker Chemie an. Die Spezialchemiefirma ist nun ein "Outperform" wert, das Kursziel erhöhte Cheuvreux von 120 auf 175 Euro. Das Unternehmen dürfte nach Ansicht der Analysten kräftig von dem Solarboom profitieren.

Analysten helfen Carl Zeiss Meditec
Im TecDax erreichte die Aktei des Medizintechnikkonzerns Carl Zeiss Meditec die Index-Spitze mit einem Kursgewinn von 3,6 Prozent. Analysten der Commerzbank hatten am Freitag die Aktie der Firma "Add" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel verbessert.

Thomas Cook expandiert
Der Reiseveranstalter Thomas Cook hat seine britisches Reisebüro- und Wechselstubengeschäft mit den Läden der Co-operative Group fusioniert. Damit wird die Firma zur größten ihrer Art des Landes, mit etwa 1.200 Filialen, und Thomas Cook spart damit etwa 35 Millionen Pfund. Die Anleger griffen beherzt zu, die Aktie schloss elf Prozent höher.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat