Dax beendet Verlustserie - vorerst

Stand: 25.11.2011, 19:40 Uhr

Zwar lässt eine Lösung der europäischen Schuldenkrise weiter auf sich warten. Doch die Anleger haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Ein neuer Vorschlag aus Frankreich und zahlreiche Leerverkäufe haben die Verlustserie der vergangenen Tage gebrochen.

Vor dem Wochenende lösten einige Anleger ihre Wetten auf weiter fallende Kurse auf und trieben damit die Kurse ins Plus - Börsianer sprechen in diesem Fall von einem "Short-Squeeze". Zwar kann der Dax die Marke von 5.500 nicht halten und muss bis zum Schluss einen Teil seiner Gewinne wieder abgeben. Dennoch bleibt am Ende des elektronischen Handels ein Plus von 1,2 Prozent bei 5.492. Außer Volkswagen, MAN und Metro wechseln alle im Leitindex enthaltenen Werte ins Plus. Damit ist neun Tage in Folge andauernde Verlustserie vorerst beendet. Am Abend bröckeln die Gewinne allerdings fast vollständig ab, nachdem S &P die Kreditwürdigkeit Belgiens herabgestuft hat.

Der Dax verdankt sein Plus auch dem Wunsch Frankreichs, Italiens und anderer Länder, die sogenannte Umschuldungsklausel (Collective Action Clause) aus dem Vertrag zum europäischen Rettungsmechanismus ESM zu streichen. Das würde bedeuten, dass die Banken ungeschoren davonkommen.

Die Klausel wurde auf Druck Deutschlands eingeführt. Laut den Berichten will die Bundesregierung zusammen mit den Niederlanden, Finnland und Österreich an der Haftung privater Gläubiger aber festhalten. Trotzdem gehören Aktien der Commerzbank und Deutschen Bank zu den größten Gewinnern im Dax.

An der Wall Street muss der Dow Jones-Index bis zum Handelsende um 19 MEZ seine Tagesgewinne vollständig wieder abgeben. Nachdem er zeitweise um mehr als ein Prozent zugelegt hatte beendet der Dow seinen wegen "Thanksgiving" verkürzten Handelstag sogar leicht im Minus (-0,2 Prozent) bei 11.231 Punkten. Damit hat der Dow in dieser Woche 4,8 Prozent eingebüßt.

Scheitert der Euro?
Am Morgen war der Dax noch wegen der wiederholten Absage von Bundeskanzlerin Angela Merkel an Eurobonds bis auf 5.366 Punkte abgerutscht. Das schwächt nach Ansicht von Experten auch den Euro. Die Gemeinschaftswährung rutscht am Abend wieder etwas ab auf 1,323 Dollar.

Wegen der weiter ungelösten Schuldenkrise könnte sich das heutige Kursplus im Dax aber als Strohfeuer erweisen. Derweil sieht Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in der jüngsten Eskalation der Krise keinen Grund zu Panik. Auch andere Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) lehnten erneut ab, dass die Notenbank massiv Staatsanleihen von Krisenländern aufkauft, um deren Kurse zu stützen. Aus der EU-Kommission hagelte es Kritik an Deutschland zögerlicher Rolle bei der Euro-Rettung. Und Währungskommissar Olli Rehn versicherte, der Euro werde "definitiv nicht scheitern".

Manroland-Pleite befeuert Heideldruck
Der weltweit drittgrößte Druckmaschinenbauer Manroland hat heute einen Insolvenzantrag gestellt. Die Meldung befeuert die Aktien der Konkurrenten Heidelberger Druck und König & Bauer. Heideldruck legt zweistellig zu und ist der größte Kursgewinner im MDax. König & bauer steigt zum Favoriten im SDax auf. Für die Konkurrenten von Manroland ist dessen Ausscheiden Vorteil, weil dies den Preisdruck in der Branche lindern dürfte.

Aurubis übertrifft sich selbst
Der Hamburger Kupferkonzern Aurubis hat im abgelaufenen Geschäftsjahr offenbar besser abgeschnitten als gedacht. Das Vorsteuerergebnis dürfte nach Firmenangaben den Vorjahreswert von 260 Millionen Euro deutlich übertreffen. Für 2012 erwartet Aurubis ein "stabiles Geschäft". Die Aktie dreht nach leichten Verlusten ins Plus.

Praktiker bricht ein
Um 24 Prozent bricht die Aktie der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker ein. Sie ist damit der mit Abstand größte Verlierer im SDax. Dabei will sich Praktiker gesund schrumpfen und bis zu 30 Baumärkte schließen. Außerdem will Praktiker mehr als 300 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren investieren. Zudem verlegt das Unternehmen seine Zentrale vom saarländischen Kirkel nach Hamburg.

Air Berlin auf Partnersuche
Zu den größten Verlierern im Kleinwertesegment gehört auch die Aktie von Air Berlin. Das Unternehmen sucht offenbar einen starken Partner. Das wollte die Fluggesellschaft zwar nicht kommentieren, doch gilt die Meldung einer Münchner Zeitung als wahrscheinlich.

KWS ist gut in Futter
Kräftig aufwärts geht es dagegen mit der Aktie des ebenfalls im SDax notierten Saatgutherstellers KWS. Die Firma hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 den Umsatz um 30 Prozent gesteigert. Das im ersten Quartal stets schwache Betriebsergebnis konnte von minus 24 auf minus 22,6 Millionen Euro verbessert werden.

Steico im freien Fall
Um über 20 Prozent abwärts geht es mit dem Papier von Steico. Der Dämmstoff-Hersteller hat nämlich seine Prognose für das Gesamtjahr gesenkt. Das im Entry Standard gelistete Unternehmen rechnet nun mit einem Umsatz von 140 bis 150 Millionen Euro und einem Ebit von 7,5 auf 8,5 Milliarden Euro.

DEAG unterhält wieder mehr
Dagegen läuft das Geschäft bei der Deutschen Entertainment AG (DEAG) wieder besser. Die Firma hat im dritten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. Der Überschuss erreichte 0,2 Millionen Euro nach einem Verlust von 0,3 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In den ersten neun Monaten hat das auf Konzertveranstaltungen spezialisierte Unternehmen einen Gewinn von 2,0 Millionen Euro erwirtschaftet, nach 0,9 Millionen im Vorjahr. Die Aktie reagiert kaum.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"