Marktbericht 20:08 Uhr

Trotz Verlusten am letzten Handelstag Dax beendet drittes Gewinnjahr in Folge

Stand: 30.12.2014, 20:08 Uhr

Das Börsenjahr 2014 war nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Der Ukraine-Konflikt, politische Turbulenzen und das Billiggeld der Notenbanken sorgten für ein hektisches Auf und Ab. Der Dax schaffte ein mageres Plus. Am letzten Handelstag ging ihm und anderen Börsen die Puste aus.

Nach der Weihnachts-Rally in den vergangenen Wochen machten die Anleger Kasse und strichen Gewinne ein. Der Dax büßte 1,2 Prozent ein und verabschiedete sich mit rund 9.806 Punkten aus dem bereits um 14 Uhr beendeten Handel. Der EuroStoxx50 rutschte gar um rund 1,6 Prozent ab auf knapp 3.136 Zähler. Auch in Paris und London überwogen die Minuszeichen.

Gewinnmitnahmen an den US-Börsen

An der Wall Street hielten sich die Anleger ebenfalls mit Aktienkäufen zurück. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,4 Prozent im Minus und rutschte unter die psychologisch wichtige Marke von 18.000 Punkten. Es fehlte an neuen Impulsen. Zwar hellte sich die Stimmung der US-Verbraucher wieder auf, das Konsumbarometer stieg leicht auf 92,6 Zähler. Volkswirte hatten aber mit einem noch stärkeren Anstieg auf 93,0 Punkte gerechnet.

Rekordjahr für Dax, Dow & Co

Insgesamt aber ist die Bilanz des Börsenjahrs 2014 positiv. Der Dow dürfte sein sechstes Gewinnjahr in Folge geschafft und gut 15 Prozent zugelegt haben. Und auch der Dax konnte ein kleines Plus von 2,7 Prozent verbuchen.  Zudem knackte er im Jahresverlauf erstmals die 10.000-Punkte-Marke. Freilich: An die außergewöhnlichen Börsenjahre 2012 und 2013 konnte der deutsche Leitindex nicht anknüpfen. Im Vorjahr hatte es ein sattes Plus von über 25 Prozent gegeben, 2012 gar Gewinne von 29 Prozent.

TecDax besser als der Dax

TecDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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2.881,17
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Die Überraschung des Jahres war der TecDax. Auf Jahressicht legte das Hightech-Segment gut 17 Prozent an Wert zu und stahl dem Dax eindeutig die Show. Vor allem Chip-, Biotech- und Software-Aktien entwickelten sich prächtig. Highflyer war die Aktie von Dialog Semiconductor mit einem Plus von 89 Prozent.

Wie wird 2015?

Ob der Höhenflug an den Aktienmärkten 2015 weitergeht, ist ungewiss. Die meisten Aktienstrategen sind optimistisch. Durchschnittlich trauen die führenden 35 Kapitalmarktexperten internationaler Banken dem Dax bis Ende 2015 einen Anstieg auf 10.706 Punkten zu. Die Deutsche Bank rechnet gar mit einem Sprung auf 11.500 Zähler. Skeptischer ist die DZ Bank, die einen Rückgang auf 9.500 Zähler vorhersagt.

Euro auf Zweieinhalbjahres-Tief

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Auch an den Devisenmärkten dürfte es spannend werden. "2015 wird das Jahr der Währungen", prophezeit Asoka Wöhrmann, Chefanlagestratege des Vermögensverwalters der Deutschen Bank. Er glaubt an einen weiteren Dollar-Anstieg. Bereits 2014 wertete der Greenback gegenüber dem Euro deutlich auf. Am Dienstag setzte sich die Talfahrt des Euro fort - wegen der Krise in Griechenland und der Aussicht auf eine noch lockere Geldpolitik in der Eurozone. Die Gemeinschaftswährung sackte mit 1,2124 Dollar auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Am Abend konnte sich der Kurs etwas erholen auf 1,2160 Dollar.

Ölpreise weiter auf Talfahrt

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Derweil setzte sich der Verfall der Ölpreise weiter fort. Ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich am Dienstag auf 57,21 Dollar. US-Öl der Sorte WTI gab auf 53,26 Dollar nach. Die Ölpreise notieren damit so niedrig wie vor knapp sechs Jahren. "Es gibt keinerlei Anzeichen für eine Reduzierung der Fördermengen durch die Opec", sagte ein Rohstoff-Händler. Aus diesem Grund müsse mit weiteren Preisrückgängen gerechnet werden.

Nur vier Gewinner

Im Dax gab es am letzten Handelstag des Jahres nur vier Gewinner: Adidas, Lufthansa, Infineon und Fresenius Medical Care. Adidas und Lufthansa gehörten zu den größten Kursverlierern in diesem Jahr. Infineon und FMC zählten dagegen zu den Outperformern im Dax. Nur Merck und ThyssenKrupp liefen noch besser.

Toyota belastet Autowerte

Auch die Autoaktien fuhren am Dienstag auf der Verliererspur. Die Titel von Daimler, BMW und VW büßten über ein Prozent ein. Börsianer verwiesen auf die Warnung von Toyota, das diesjährige Absatzziel für den chinesischen Markt zu verfehlen. Ein Händler meinte, es würde ihn nicht wundern, ähnliche Aussagen künftig auch von deutschen Autobauern zu hören.

BASF steigt bei South Stream aus

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Unter Druck stand am Dienstag BASF. Die Aktie büßte fast 1,5 Prozent ein. Der Chemie-Konzern hat seine Anteile an dem gescheiterten Pipeline-Projekt South Stream Transport verkauft. Die Energie-Tochter Wintershall hat ihre 15-prozentige Beteiligung an der South Stream Transport B.V. an den russischen Partner OAO Gazprom abgegeben. Angaben zum Verkaufspreis wurden keine gemacht. "Gemäß der Gesellschaftervereinbarung entspricht der Kaufpreis dem von BASF eingesetzten Kapital", hieß es in der Mitteilung.

Salzgitter warnt vor Millionenbelastung

Den Stahlkonzern Salzgitter kostet dagegen das Aus des Gaspipeline-Projekts mehrere Millionen. Am späten Nachmittag kündigte das MDax-Unternehmen eine Ergebnisbelastung im unteren zweistelligen Millionen-Bereich an. Genauer seien die wirtschaftlichen Folgen noch nicht zu beziffern. Wegen der geplatzten Gas-Pipeline-Projekts müsse das Gemeinmschaftsunternehmen Europipe die Produktion von Stahlrohren bis auf weiteres aussetzen - mindestens bis zum 19. Februar. Die Salzgitter-Aktie hatte vor der Mitteilung auf Xetra 0,6 Prozent im Plus geschlossen.

SGL geht in Japan leer aus

Der Kohlefaserspezialist SGL dürfte mit Neid nach Japan blicken. Denn der Großkunde BMW hat einen Karbon-Auftrag an den japanischen Wettbewerber Toray vergeben. Für die SGL Group sei das nicht zwangsläufig eine schlechte Nachricht, wenngleich das Unternehmen mit dem Partner BMW Karbon für die Karosserie von dessen Elektroautos herstellt, meinte ein Händler. Allerdings könnten sich einige Investoren fragen, warum Toray und nicht SGL den Auftrag erhalten habe.

Cancom-Tochter will Imperia abstoßen

Größter TecDax-Gewinner war Cancom mit einem Plus von drei Prozent. Am späten Nachmittag teilte das Unternehmen mit, dass die Tochter Pironet NDH ihre 100-Prozent-Beteiligung Imperia loswerde will. Grund sei die Fokussierung von Pironet auf das Geschäft mit Rechenzentrumsdienstleistungen. Bei Imperia müssten bis zu fünf Millionen Euro auf den Firmenwert abgeschrieben werden. Der Effekt beeinträchtige aber nicht das operative Ergebnis von Pironet, da Imperia nun als nicht fortzuführendes Geschäft eingestuft sei.

Mifa fährt Produktion hoch

Aus der dritten Reihe sendete der insolvente Fahrradhersteller Mifa ein Lebenszeichen. Das Unternehmen aus Sangerhausen wird seine Produktion zum Jahresbeginn wieder hochfahren. "Ab Januar endet die saisonbedingte Kurzarbeit, und wir starten die volle Produktion", kündigte Insolvenzverwalter Lucas Flöther in der "Leipziger Volkszeitung" an. Die Pennystrock-Aktie schoss um 60 Prozent nach oben.

CCR plant Börsen-Rückzug

Derweil verkündete die CCR Logistics Systems ihr Delisting von der Frankfurter Börse. Die Aktie werde zum 30. Juni von der Frankfurter Börse verschwinden. Die Aktie dümpelt seit Monaten bei knap acht Euro vor sich hin.

Raiffeisen droht hohe Abschreibung in der Ukraine

Aus dem Ausland gab die Raiffeisenbank eine neue Hiobsbotschaft bekannt. Wegen des Konjunktureinbruchs in der Ukraine und der Abwertung der dortigen Währung rechnet das Geldinstitut mit Abschreibungen von 500 bis 600 Millionen Euro. Zudem macht ein neues Kreditgesetz in Ungarn der Raiffeisen Bank zu schaffen. Die ungarische Tochter werde deshalb einen dreistelligen Millionenverlust anhäufen. Für das gesamte Jahr 2014 erwartet die Raiffeisen Bank International weiterhin einen Verlust von bis zu 500 Millionen Euro. Die Aktie gab leicht nach. In diesem Jahr hat sich der Kurs nahezu halbiert.

nb

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