Marktbericht 20:02 Uhr

Robuste Wirtschaftsdaten aus China Dax bäumt sich kurz auf

Stand: 19.01.2016, 20:02 Uhr

Nach den verheerenden Verlusten der Vortage haben besser als erwartete Wirtschaftsdaten aus China den Anlegern etwas Mut gemacht. Von einer Trendwende kann allerdings keine Rede sein.

Der Dax schnellt in der Spitze um 250 Punkte in die Höhe, muss aber wegen einer schwachen Wall Street gut 100 Punkte wieder abgeben und schließt bei 9.664 Zählern, 1,5 Prozent oder 142 Punkte mehr als gestern. Das Wachstum in China sei zwar so schwach gewesen wie seit Jahren nicht, aber sei sei auch nicht zusammengebrochen wie einige Anleger wohl befürchtet hatten. "Die harte Landung ist ausgeblieben", sagte ein Händler. "Jetzt hoffen alle auf neue Maßnahmen der Regierung zur Ankurbelung der Wirtschaft." Allerdings blieben die Investoren sehr nervös.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 19.00 Uhr

Neben den China-Sorgen plagt die Anleger die Unsicherheit über die USA - die weltgrößte Volkswirtschaft. "Nach den enttäuschenden Daten letzte Woche fragen sich manche, ob die Zinswende nicht verfrüht war", erklärte ein Börsianer. Die Skepsis vieler Anleger wurde auch vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geteilt, der vor immer größeren Risiken für die Weltkonjunktur warnte und seine Wachstumsprognose für dieses Jahr um 0,2 Prozent auf 3,4 Prozent senkte.

An der Wall Street fiel die Erholung denn auch mager aus: Nach einem feiertagsbedingt verlängerten Wochenende lagen der Dow Jones - und der S&P500 -Index zum Handelsschluss in Frankfurt jeweils rund 0,8 Prozent im Plus. Am Abend gab der Dow dann noch weiter nach, notierte aber noch über der Marke von 16.000 Punkte. Die Nasdaq drehte dagegen ins Minus. Am Freitag waren die Indizes um über zwei Prozent abgesackt.

Märkte sind erleichtert

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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In Eurfopa honorierten die Anleger zudem einen kleinen Erholungsversuch der Rohölpreise. Zeitweise kletterte US-Crude Oil (WTI) wieder über die Marke von 30 Dollar pro Faß. Auch Brent-Öl legt zu und steigt auf knapp 30 Dollar. Geholfen haben den aktienmärkten auch die ZEW-Konjunkturerwartungen. Der monatliche Konjunkturindikator fiel im Januar zwar um 5,9 auf 10,2 Punkte. Volkswirte hatten dagegen mit einem Rückgang auf nur noch 8,0 Punkte gerechnet.

Euro über 1,09 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1411
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Der Euro hat sich am Abend weiter erholt und ist wieder über die Schwelle von 1,09 Dollar geklettert, nachdem er zuvor auf 1,086 gefallen war. Bei Börsenschluss in Frankfurt kostet die Gemeinschaftswährung 1,0904 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag etwas tiefer auf 1,0868 (Montag: 1,0892) Dollar festgesetzt.

US-Banken noch besser als erwartet

Positive Nachrichten kommen am Nachmittag auch von der US-Finanzindustrie. So scheint die Bank of America die Finanzkrise endgültig überwunden zu haben. Im vergangenen Jahr vervierfachte das Geldhaus seinen Gewinn auf unterm Strich 14,4 Milliarden Dollar - soviel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im Jahr 2014 hatte ein milliardenschwerer Vergleich mit der US-Regierung über faule Hypotheken-Deals im Vorfeld der Finanzkrise den Gewinn noch einbrechen lassen. Auch Morgan Stanley hat 2015 dank eines guten Geschäfts in der Vermögensverwaltung und geringeren Strafzahlungen mehr verdient. Zudem profitierte die US-Investmentbank von gesunkenen Kosten. Der Überschuss stieg um 77 Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar. Die Aktien beider Häuser legen vorbörslich zu.

Versorger heiß begehrt

Ganz weit vorne im Dax liegen die Papiere von RWE und Eon. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sehen derzeit keine Notwendigkeit für einen schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Hilfe erhalten die Versorger-Papiere auch von Bankanalysten. So hat sich JPMorgan positiv zu den Aussichten der Branche geäußert. Am Dienstag nun empfahl die französische Bank Société Générale die Anteilsscheine von Eon zum Kauf. Außerdem verwiesen Marktbeobachter auf positive Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf der "Handelsblatt"-Jahrestagung.

Software AG besser als gedacht

Im TecDax sorgt die Darmstädter Software AG für eine Überraschung. Ein starkes Lizenz-Geschäft mit Integrationssoftware für Unternehmen beflügelt die Aktie. Im vierten Quartal war das Darmstädter Unternehmen so profitabel wie nie zuvor. Durch organisches Wachstum und gezielte Prozessoptimierungen sei die Profitabilität der Software AG im abgelaufenen Quartal auf ein neues Niveau gehoben worden, freute sich Finanzchef Arnd Zinnhardt.

Zalando gefällt

Zalando: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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25,36
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-0,59%

Der Online-Modehändler kann heute mit seinen Eckdaten für das Jahr 2015 überzeugen. Die vorläufigen Geschäftszahlen zum vierten Quartal seien nicht so schwach wie befürchtet ausgefallen, sagte ein Händler. Insgesamt bleibe der MDax-Konzern gut positioniert in einem strukturellen Wachstumsmarkt. Zalando-Papiere kletterten mit einem Plus von gut sieben Prozent an die Indexspitze. Zuvor waren sie in einer Korrekturbewegung seit Jahresbeginn um fast 20 Prozent zurückgefallen.

Hypoport holt wieder auf

Im SDax gefällt der Finanzdienstleister Hypoport den Anlegern am besten. Das Unternehmen hat das Transaktionsvolumen bei seinem Marktplatz für Finanzierungsprodukte Europace im vergangenen Jahr um 25 Prozent gesteigert. Die Aktie steigt um über 16 Prozent, nachdem sie seit Jahresbeginn stark unter Druck geraten war.

Biotest findet Partner

Auch die ebenfalls im SDax notierten Papiere des Pharma-Unternehmens Biotest legen überdurschschnittlich zu. Biotest hat einen Vertriebspartner für sein Medikament Bivigam gefunden, mit dem Patienten mit primären Immundefekten behandelt werden. Kedrion Biopharma wird das Mittel exklusiv über sieben Jahre in den USA vermarkten.

Rocket Internet kommt gut an

Die Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet lehnt trotz stark gesunkenen Aktienkurses einen Strategiewechsel ab. "Der Kurs unseres Unternehmens ist, dass wir über viele Jahre noch im Investitionsmodus sind", sagte Gründer und Vorstandschef Oliver Samwer am Dienstag in Berlin. Man sei dagegen, "kurzfristig der Börse immer alle drei Monate Häppchen zu zeigen". Rocket hat für einen neuen Fonds mehr als 420 Millionen Dollar bei institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Versicherern eingesammelt.

Total zahlt trotzdem

Der französische Energiekonzern Total will trotz des Einbruchs bei den Ölpreisen eine unveränderte Dividende für 2015 zahlen. Konzernchef Patrick Pouyanne rechnet damit, dass Gewinn im vergangenen Jahr um 20 Prozent gesunken ist.

Tiffany vom starken Dollar getroffen

Der starke Dollar hat dem Luxusjuwelier Tiffany das Weihnachtsgeschäft verhagelt. Vor allem Touristen schreckten deshalb vor Käufen in dem Traditionsgeschäft zurück. Im November und Dezember gingen die Umsätze um sechs Prozent zurück, wie Tiffany am Dienstag bekanntgab. Der Juwelier rechnet auch im Gesamtjahr, das zum 31. Januar endet, wegen des hohen Dollar-Kurses mit Umsatzeinbußen von zehn Prozent. Im vorbörslichen Handel in New York fällt die Aktie um knapp vier Prozent.

Unilever auf Kurs

Der Lebensmittel- und Konsumgüterkonzern Unilever hat im abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Umsatz um zehn Prozent auf 53,3 Milliarden Euro in die Höhe geschraubt. Das um Sonderfaktoren bereinigte Umsatzplus lag bei rund vier Prozent und damit über den Markterwartungen.

lg

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr