Dax bäumt sich auf

Notker Blechner

Stand: 07.06.2011, 20:04 Uhr

Seit Anfang Juni hat der Dax rund drei Prozent an Wert verloren. Am Dienstag hat sich der deutsche Leitindex dem Abwärtstrend entgegengestemmt und im Plus geschlossen. Für Auftrieb sorgten vor allem für die Versorger-Aktien.

Aufatmen an den Aktienmärkten: Die Wall Street hat nach vier Verlusttagen in Folge am Dienstag wieder freundlich eröffnet. Bis zum Abend stiegen Dow und Nasdaq um gut 0,5 Prozent. Das hielt auch den Dax im Plus. Er beendete den Xetra-Haupthandel 0,3 Prozent höher bei knapp über 7.100 Punkten. Der L-Dax setzte den Erholungskurs fort und schloss bei fast 7.119 Zählern.

Erholung im dominierenden Abwärtstrend?
Die Börsianer sahen in den leichten Kursgewinnen am Dienstag eine Gegenreaktion auf die jüngsten Kursverluste, nachdem die Sorgen um die US-Wirtschaft und die Griechenland-Schuldenkrise dem Markt stark zugesetzt hatten. Es bleibe aber eine bloße Erholung im dominierenden Abwärtstrend, hieß es. Die Stimmung werde weiter von der Unsicherheit über die US-Konjunktur und die Schuldenkrise in Europa bestimmt, meinte ein Börsianer.

Mehr Aufträge für die deutsche Industrie
Am Dienstag gab es durchweg fast nur positive Nachrichten. Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie zogen im April überraschend stark um 2,8 Prozent an. Volkswirte hatten lediglich einen Anstieg von 1,9 Prozent vorausgesagt. Die Einzelhandelsumsätze im Euroraum stiegen im April um 1,1 Prozent und damit deutlich stärker als erwartet. Volkswirte hatten mit einer Stagnation gerechnet. Derweil drängt Deutschland auf Tempo beim zweiten Hilfsprogramm für Griechenland. In einem Brief an Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), warnte am Abend Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor einer Pleite Griechenlands, falls das Land keine weitere Unterstützung erhalten sollte.

Dollar-Schwäche hält an
Mit 1,682 Dollar erreichte der Euro den höchsten Stand seit einem Monat gegenüber dem Dollar. Auch gegenüber anderen Währungen büßte der Greenback an Attraktivität ein - wegen China. Ein hochrangiger Mitarbeiter der chinesischen Devisenaufsicht hat die enormen Dollar-Investitionen der Volksrepublik gerügt. "Wir müssen uns der wirtschaftlichen und politischen Risiken eines übertriebenen Besitzes von Anlagen in US-Dollar bewusst sein", schrieb der Leiter der Abteilung für internationalen Zahlungsverkehr der Währungsaufsicht, Guan Tao. Die USA könnten nach ihrer expansiven Haushalts- und Geldpolitik der Versuchung erliegen, den Dollar-Kurs zu schwächen und die Inflation im Inland anzuheizen. Taos Artikel wurde auf einer Website veröffentlicht, verschwand aber kurze Zeit später wieder.

Saudis drehen Ölhahn auf
Die Dollar-Schwäche trieb am Dienstag viele Anleger ins Gold. Das gelbe Metall verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 1.549,40 Dollar und näherte sich seinem Anfang Mai erreichten Rekordpreis von 1.575 Dollar. Der schwache Dollar trieb auch die Ölpreise. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Juli kostete am Mittag 114,83 US-Dollar - 45 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) kletterte um 15 Cent auf 99,16 Dollar. Zudem hat Saudi-Arabien ein klares Zeichen einen Tag vor dem mit Spannung erwarteten Treffen der Opec in Wien gesetzt und angekündigt, die Ölproduktion zu erhöhen.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,08
Differenz relativ
+3,47%

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,13
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Versorger setzen Dax unter Strom
Ein kleines Comeback erlebten die Versorgerwerte am Dienstag. Sie waren die Top-Gewinner im Dax und trieben den deutschen Leitindex an. Eon legte als Spitzenreiter über drei Prozent zu, RWE verteuerte sich um gut zwei Prozent. "Der Sektor ist ausgebombt", meinte ein Börsianer und verwies auf Einstiegschancen. Fundamental stünden steigende Energiepreise den Ausfällen durch den Atomausstieg entgegen. Kepler stufte die Papiere von Eon von "Hold" auf "Buy" sowie die Titel von RWE von "Reduce auf "Hold". Die UBS nahm die Papiere von Eon auf die "Key Call List".

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Cheuvreux treibt ThyssenKrupp hoch
Thyssen Krupp gehörte ebenfalls zu den Favoriten der Anleger mit einem Plus von fast drei Prozent. Die Analysten von Cheuvreux haben das Kursziel von 50 auf 60 Euro erhöht und ihre Bewertung bei "Selected List" belassen. Derzeit notieren die Papiere von Thyssen bei gerade mal knapp 34 Euro.

Infineon strotzt vor Ehrgeiz
Aussagen von Infineon auf einer Investorenveranstaltung zum hohen Wachstum und zu Übernahmen beflügelten die Aktien des Chipherstellers. Sie gewannen 1,4 Prozent. Infineon verzeichnet eine anhaltend hohe Nachfrage von Autoherstellern und Industriekunden und rechnet langfristig mit einem jährlichen Umsatzplus von zehn Prozent.

Deutsche Börse bietet Aktionären Sonderdividende
Die Deutsche Börse und Nyse Euronext wollen mit einer Sonderdividende ihre Aktionäre von der geplanten Fusion überzeugen. Aktionäre, die ihre Papiere in Alpha-Beta-Titel umtauschen, sollen zwei Euro je Aktie erhalten. Das gab die Deutsche Börse nach Xetra-Haupthandelsschluss bekannt. Die Aktien zogen im späten Parketthandel um ein Prozent an, gaben dann jedoch wieder einen Teil ihrer Gewinne ab. Die Nyse-Aktien legten auch leicht zu, drehten dann aber ins Minus. Die Zustimmung der Aktionäre ist eine der Hürden für die geplante Börsen-Megafusion. Gleichzeitig gab die Deutsche Börse bekannt, künftig alleine die Derivatebörse Eurex zu betreiben. Der bisherige Partner Swiss Exchange verkauft seinen 50-prozigen Anteil an die Deutschen für 295 Millionen Euro in bar und diesselbe Summe in Aktien des entstehenden Börsenriesen.

Commerzbank sammelt Milliarden ein
Die staatlich gestützte Commerzbank ist im zweiten Schritt ihrer milliardenschweren Kapitalerhöhung alle Aktien am Markt losgeworden. Die Anleger ließen sich von dem hohen Rabatt von 45 Prozent auf den Aktienkurs locken. Das Geldinstitut nahm nach eigenen Angaben weitere vier Milliarden ein. Damit summiert sich der durch die Kapitalerhöhung eingesammelte Betrag auf elf Milliarden Euro. Die Börse ließ das kalt: Die Commerzbank-Aktien schlossen fast unverändert.

MAN rät Aktionären, VW-Gebot abzulehnen
Wie erwartet hat am Abend der Lastwagenbauer MAN seinen Aktionären empfohlen, die kürzlich vorgelegte Übernahmeofferte von VW nicht anzunehmen. Der Angebotspreis von 95 Euro je MAN-Stammaktie und 59,90 Euro je Vorzugsaktie spiegle den Wert des Unternehmens und die Synergiepotenziale einer Zusammenarbeit von MAN, VW und Scania nicht angemessen wider. Das dürfte VW erst mal egal sein. Die Wolfsburger wollen vorerst ihre Beteiligung lediglich von 30 auf 35 bis 40 Prozent aufstocken. Derweil berichteten Medien, dass MAN einen Siemens-Manager abgeworben hat. René Umlauft, Chef der Sparte erneuerbare Energien bei Siemens, soll künftig die Sparte Diesel & Turbo bei MAN leiten.

Analysten-Lob für Sky und Praktiker
Im MDax bewegten mal wieder Analysten die Kurse. Die Titel von Praktiker verteuerten sich um fast fünf Prozent. Die Berenberg-Analysten gaben eine Kaufempfehlung für die Aktien ab. Wegen der begonnenen Garten-Saison könne Praktiker auf ein gutes zweites Quartal hoffen. Die Titel von Sky legten nach einer Empfehlung von Goldman Sachs rund 3,5 Prozent zu und führten zeitweise die Gewinnerliste an. Der Fernsehsender habe die Kehrtwende geschafft, meinte der zuständige Analyst von Goldman. Er schraubte das Kursziel von 2,72 auf 5,00 Euro nach oben und stufte die Papiere von "Neutral" auf "Conviction Buy" hoch.

HeidelDruck gibt Staatshilfen zurück
Schlusslicht im MDax war Heidelberger Druck. Dabei gab es am Abend nach Xetra-Schluss erfreuliche Nachrichten: Der Druckmaschinenhersteller hat Vorabbericht des "Handelsblatt" die Staatsbürgschaften in dreistelliger Millionenhöhe zurückgegeben. Vorstandschef Bernhard Schreier kündigte an, bald die Umsatzaschwelle von drei Milliarden Euro zu knackenn und dann wieder einen oiperativen Gewinn auszuweisen. Einen Nettogewinn für das Geschäftsjahr 2011/12 wollte er nicht ausschließen.

Karten im SDax neu gemischt
Gestern Abend hat die Deutsche Börse zudem die Änderungen im Kleinwertesegment SDax bekannt gegeben. Neu im Index vertreten sind GSW Immobilien und Norma Group. Sie ersetzen Colonia Real Estate und die Homag Gruppe. Die Änderungen werden zum 20. Juni wirksam. In den großen Indizes Dax und MDax gab es keine Veränderungen. Die Nachricht kam nicht all zu überraschend. Die Aktien von Norma legten leicht zu, die Papiere von GSW gaben etwas nach.

Für BayWa geht in England die Sonne auf
Europas größter Agrarhändler BayWa steigt in das britische Großhandelsgeschäft für Solartechnik ein. BayWa übernehme für 5,5 Millionen Euro 90 Prozent der Solar-Großhandelsaktivitäten der Firma Dulas. Erst im vergangenen Jahr war BayWa in das britische Projektgeschäft mit Windkraftanlagen eingestiegen. Mit dem jüngsten Zukauf wollen die Münchener an dem stark wachsenden Solarmarkt in Großbritannien teilhaben. Die BayWa-Aktie gewann über ein Prozent.

Neuer Großaktionär bei Curanum
Der Finanzinvestor Tritton ist überraschend beim Münchner Altenheimer Altenheimbetreiber Curanum eingestiegen. Triton hält inzwischen 17 Proizent an dem Unternehmen, teilte Curanum mit. Der Investor schloss nicht aus, seine Beteiligung in den nächsten Monaten weiter aufzustocken. Die Norddeutsche Landesbank ist mit 13 Prozent zweitgrößter Aktionär von Curanum. Die Fondsgesellschaft Audley besitzt 12,8 Prozent. Die Curanum-Aktie schloss ein Prozent tiefer.

Xing im Übernahmefieber
Das Online-Geschäftsnetzwerk Xing will dem amerikanischen Weltmarktführer Linkedin mit einem anderen Geschäftsmodell und Übernahmen Paroli bieten. "Wir sind auf der Suche nach Akquisitionsobjekten", sagte Xing-Chef Stefan Groß-Selbeck der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Vor allem in Deutschland will das Unternehmen wachsen, dort wachse man schneller als der Markt, betonte Groß-Selbeck. Das Unternehmen sieht großes Potenzial in Deutschland angesichts von 19 Millionen Berufstätigen. Bislang zählt Xing rund 4,5 Millionen Kunden im deutschsprachigen Raum.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Apple schwebt auf dem iCloud
Apple verlagert die Speicherung von Daten und Musik ins Internet. Mit iCloud will der US-Konzern das "Clud-Computing"-Geschäft revolutionieren. Anleger schauten besonders genau hin, denn der erkrankte Firmenchef Steve Jobs übernahm persönlich die Präsentation des neuen Apple-Angebots - eingeführt mit dem Song "I feel good" von James Brown. "Es war gut, ihn trotz seiner Auszeit zu sehen", sagte Analyst Shaw Wu von Sterne Agee. Der Aktie hat die Jobs-Show nur kurz geholfen, sie gab nach.

Ratingagentur stuft Nokia ab
Derweil reißen die Hiobsbotschaften für Nokia nicht ab. Am Dienstag senkte die Ratingagentur Fitch die Kreditnote um gleich zwei Stufen von "BBB+" auf "BBB-" und sprach von einem "negativen Ausblick". Der finnische Handy-Riese dürfte somit womöglich nun schwerer an frisches Geld herankommen und muss für Kredite wohl höhere Zinsen zahlen. Die Nokia-Aktie fiel um weitere 2,5 Prozent nach unten. Seit der Gewinnwarnung vor wenigen Tagen ist der Kurs von Nokia um 15 Prozent eingebrochen.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"