Marktbericht 20:02 Uhr

Nach neuem Rekordhoch Dax außer Atem

Stand: 20.06.2014, 20:02 Uhr

Bis auf die neue Bestmarke von 10.050,98 Zählern ist der Dax am Freitag gestiegen. Doch die Freude währte nur kurz.

Nach dem kurzen Hoch am späten Vormittag bröckelten die Gewinne wieder ab - und am Ende stand für den deutschen Leitindex sogar ein Minus von 0,17 Prozent auf 9.987 Punkte zu Buche. Dabei gaben weniger Unternehmens- oder Konjunkturmeldungen die Richtung vor, sondern der große Verfallstermin. Am Freitag wurden an den Terminmärkten Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig. Profi-Anleger versuchen die Kurse in die für sie gewünschte Richtung zu schieben.

Auf Wochensicht legt der Dax trotz der leichten Delle am Freitag immer noch um 0,75 Prozent zu. Händlern zufolge ist die Stimmung an den Aktienmärkten wegen der Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen in den USA grundsätzlich positiv. "Die Börsen werden weniger von starken Konjunkturdaten als vielmehr von der unverändert lockeren Geldpolitik getrieben", sagt Berndt Fernow von der LBBW. Ob das für weitere nachhaltige Kursgewinne ausreicht, bleibt abzuwarten.

Neues Hoch auch an der Wall Street

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
163,71
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An der Wall Street hat der Dow Jones-Index im Tagesverlauf sogar ein neues Jahreshoch erklommen, auf 16.978 Punkte. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow wieder etwas leichter bei 16.945 Punkten, 0,14 Prozent höher als am Vortag. Die Anleger nicht überzeugen konnte dagegen die Nachricht, dass Apple Insidern zufolge im Oktober seine Smartwatch auf den Markt bringen wird. Im ersten Verkaufsjahr erwarte der US-Konzern die Auslieferung von 50 Millionen Geräten, hieß es. Die Aktie gab leicht nach.

Euro wieder unter 1,36 Dollar

Der Eurokurs ist am Freitag wieder unter die Marke von 1,36 Dollar gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wird bei Börsenschluss in Frankfurt mit 1,3583 Dollar gehandelt. Im frühen Handel war sie noch bis auf 1,3634 Dollar gestiegen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1704
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Damit hat der Euro seine Vortagesgewinne weitgehend wieder abgeben. Am Donnerstag hatte er noch von der Aussicht auf eine weiterhin lockere Geldpolitik der US-Notenbank profitiert. Viele Anleger würden vor dem Wochenende Gewinne mitnehmen, sagten Händler.

Henkel vorn

Bei den Einzelwerten im Dax ist die Henkel-Aktie vorgeprescht, nachdem sie am Donnerstag noch zu den schwächsten Werten gehört hatte. Grund ist neben dem Verfallstermin auch eine positive Studie des US-Analysehauses Bernstein. Deren Experten bevorzugen momentan die Hersteller von Konsumgütern und Pflegeprodukten. In diesem Sektor sei ein mittelfristiges Wachstum von fünf bis sechs Prozent zu erwarten.

RWE setzt Rally fort

Überdurchschnittlich zulegen kann erneut auch die RWE-Aktie. Damit ist das Papier in der abgelaufenen Woche mit knapp sieben Prozent der größte Kursgewinner. RWE war von mehreren Analysten gelobt und zum Kauf empfohlen worden. Allerdings spielt am Freitag auch der Verfallstermin eine große Rolle.

Merck vor Aktiensplit

Aufwärts geht es auch mit der Aktie des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck. Der will Ende Juni seinen geplanten Aktiensplit über die Bühne bringen. Mit dem Schritt will Firmenchef Karl-Ludwig Kley die im Dax notierten Papiere optisch billiger machen und auf diese Weise mehr Privatanleger anlocken, wie Merck am Freitag mitteilte. Aktuell werden Merck-Aktien an der Börse zu Kursen um 129,65 Euro gehandelt.

Banken auf der Verliererseite, Jain und Fitschen kaufen Aktien

Einbußen verzeichnen dagegen die Titel der Banken. Während die Commerzbank die rote Laterne hält und zeitweise unter die Schwelle von 12 Euro gerutscht ist, büßt auch die Deutschen Bank fast drei Prozent ein. Die in der Finanzkrise geschädigten Investoren von amerikanischen Hypothekenpapieren wollen nun gegen die Banken klagen.

Am Abend wurde bekannt, dass die beiden Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank sich an der Kapitalerhöhung des Instituts beteiligen. Anshu Jain, der laut Geschäftsbericht bereits Aktien seines Hauses im Wert von 16,6 Millionen Euro besitzt, bezieht neue Papiere für 3,85 Millionen Euro. Jürgen Fitschen, mit 5,5 Millionen Euro an der Deutschen Bank beteiligt, kauft für 1,28 Millionen Euro zu.

Alstom: Paris favorisiert GE

Im Ringen um Alstom favorisiert die französische Regierung das Angebot des US-Konzerns General Electric. Das gab Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg am Freitag in Paris bekannt. Der französische Staat will mit 20 Prozent in dem Unternehmen einsteigen. Frankreich werde damit größter Anteilseigner, kündigte Montebourg an. Die Siemens-Offerte sei vom EU-Kartellrecht verhindert worden.

Sprint rückt T-Mobile näher

Kaum Bewegung gibt es bei der Telekom-Aktie. Dabei wollen die Bonner ihre Sparbemühungen intensivieren. Laut einem Medienbericht aus informierten Kreisen hat der US-Mobilfunkkonzern Sprint acht Banken ins Boot geholt, um die geplante Übernahme der Telekom-Tochter T-Mobile US zu finanzieren. Das Finanzierungspaket habe ein Volumen von mehr als 40 Milliarden Dollar.

Auch eine Meldung des "Manager Magazins", wonach die Telekom mit einer US-Kursrakete, dem Online-Videodienst Netflix, über eine Partnerschaf verhandelt, hilft der Aktie weiter.

SAP-Aktie leidet mit Oracle

Derweil leidet SAP unter den schwachen Quartalszahlen des US-Rivalen Oracle. Dem machen galoppierende Kosten und stagnierende Verkäufe neuer Software-Lizenzen zu schaffen. Der Gewinn schrumpfte im vierten Geschäftsquartal um vier Prozent auf unterm Strich 3,6 Milliarden US-Dollar. Goldman Sachs hat SAP nach Oracle-Zahlen aber auf der "Conviction Buy List" belassen.

Analysten pushen Metro

Im MDax profitieren die Metro-Aktien von einer Kaufempfehlung der französischen Investmentbank Natixis. Analyst Nicolas Langlet hält Metro reif für eine massive Neubewertung. Die Hemmschuhe Bilanzrisiko und schwache operative Entwicklung könnten bald Vergangenheit sein, so Langlet. Eine positive Dynamik sowie ein Börsengang von Cash & Carry Russland könnten dafür sorgen.

HHLA mit Dividendenabschlag

Aktien von HHLA werden am Freitag ex Dividende gehandelt. Der Hamburger Hafenbetreiber schüttet 0,45 Euro je Anteil aus.

TSB mit starkem Debüt...

Die Aktien der Lloyds-Tochter TSB Bank schießen beim IPO um 15 Prozent in die Höhe und kosten rund 300 Pence. Der Ausgabepreis hatte bei 260 Pence gelegen. Lloyds verkauft 35 Prozent beziehungsweise 175 Millionen Papiere an der Börse. Die Bank muss die Tochter bis Ende 2015 komplett loswerden, um Auflagen der EU-Kommission zu erfüllen. Lloyds war 2008 vom britischen Staat mit 20,5 Milliarden Pfund gerettet worden und gehörte zu rund 40 Prozent dem Steuerzahler.

... der Euronext-IPO ist dagegen ein Reinfall

Die Erstnotiz von Euronext liegt derzeit mit weniger als 20 Euro unterhalb des Ausgabepreises. . Die Anteilsscheine sind ab heute an den Börsen in Paris, Amsterdam und Brüssel gelistet. Das Unternehmen hatte am Donnerstag einen Ausgabepreis von 20 Euro je Aktie festgelegt, nachdem es zuvor eine Spanne von 19 bis 25 Euro anvisiert hatte. Der Preis taxiert den Wert von Euronext auf rund 1,4 Milliarden Euro.

lg

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