Marktbericht 20:02 Uhr

Dank Aussagen von Mario Draghi Dax: Auf zu neuen Gipfeln?

Stand: 20.10.2016, 20:02 Uhr

Nach anfänglichen Verlusten als Reaktion auf die zunächst als überraschungslos eingestuften Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi dreht der Leitindex doch wieder in die Gewinnzone - aus gutem Grund.

Draghi erteilte einem abrupten Ende der noch bis März 2017 laufenden Wertpapierkäufe eine Absage. Ein solcher Schritt sei unwahrscheinlich, so der Notenbankchef. Ein unerwartet klarer Hinweis, den viele Anleger dann so interpretierten, dass eine zeitliche Ausdehnung der milliardenschweren Anleihekäufe über den März 2017 hinaus für wahrscheinlicher gehalten wird als ein baldiges Aus des Programms, erklärt Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Der Dax schafft es deshalb am Nachmittag bis hinauf auf 10.748 Punkte - und damit über den seit Wochen uneinnehmbaren charttechnischen Widerstand bei 10.680/700 Punkten. Am Ende geht der Leitindex bei 10.701,39 Punkten aus dem Handel, ein Plus von 0,52 Prozent oder 55,71 Punkten. Damit sei das Tor in Richtung 10.850/10.900 Punkte geöffnet, sind Charttechniker überzeugt.

Stillstand an der Wall Street

An der Wall Street zeigen sich die Anleger unbeeindruckt von den Perspektiven der Geldpolitik im Euroraum. Der Dow Jones-Index eröffnete leicht im Minus und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend 0,2 Prozent schwächer bei 18.167 Punkten. Mit Ausnahme von American Express, die am Vorabend gute Zahlen vorgelegt haben, notieren die meisten Werte im Minus. Schwergewicht Verizon sowie Ebay vergraulten die Anleger mit ihren Zwischenberichten.

Zuvor waren aus der Wirtschaft durchwachsene Zahlen gekommen. So hat sich das Geschäftsklima in der Region Philadelphia im Oktober zwar weniger deutlich eingetrübt als erwartet, doch ging es dennoch zurück. Zudem waren im September die Verkäufe bestehender Häuser nach zwei Rückschlägen in Folge wieder gestiegen. Dem gegenüber hat die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend deutlich zugelegt. Eine Beschleunigung der wirtschaftlichen Dynamik zeichnet sich damit nicht ab.

Im Blick der US-Anleger stand auch das letzte Fernsehduell zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump. Ersten Umfragen zufolge entschied die Kandidatin der Demokraten auch die dritte Debatte für sich - ebenso wie zuvor die beiden anderen.

Allerdings sei klar zu erkennen, dass der Clinton-Effekt von Mal zu Mal kleiner werde, glaubt Börsenexperte Jochen Stanzl von CMC Markets. Denn nur noch die wenigsten Marktbeobachter rechneten mit einem möglichen Sieg des Republikaners. "Umso größer allerdings ist auch das Risiko für einen Rückschlag an den Börsen", meinte Stanzl.

Euro schwächelt

Der Euro ist sich nach der Ratssitzung der EZB wieder auf Tauchstation gegangen. Bei Börsenschluss in Frankfurt kostete die Gemeinschaftswährung 1,0934 Dollar und damit knapp ein halbes US-Cent weniger als am Morgen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa macht Aktionäre Freude

Bei der Lufthansa-Tochter Eurowings will das Kabinenpersonal streiken. Die Lufthansa-Aktien belastet die Meldung aber kaum. Mit einem Plus von 7,89 Prozent thront sie souverän an der Dax-Spitze. Das Unternehmen hat seine Ergebnisprognose für 2016 angehoben. Die Fluggesellschaft rechnet nun mit einem um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ungefähr auf dem Vorjahresniveau von 1,8 Milliarden Euro. Für einen Dämpfer sorgt am Nachmittag der Gewinneinbruch im dritten Quartal bei American Airlines, der weltweit größten Fluggesellschaft. Statt 1,69 Milliarden wie im Vorjahreszeitraum verdienten die Amerikaner jetzt nur noch 737 Millionen Dollar.

Deutsche Bank: Araber und Chinesen stehen bereit

Nach der Lufthansa können auch die Papiere der Deutschen Bank kräftig zulegen. Dem Geldhaus dürfte es nämlich im Fall einer Kapitalerhöhung nicht an Investoren mangeln. In diesem Fall wären die Staatsfonds von Katar und Abu Dhabi bereit, Aktien zu zeichnen und ihren Anteil auf bis zu 25 Prozent hoch zu schrauben. Auch ein Investor aus China steht parat, wie das "Manager Magazin" aus Bankenkreisen erfahren hat. An Vorstandschef John Cryan will die Investorengruppe nicht zwingend festhalten, schreibt das Blatt auf seiner Internetseite.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BASF kommt etwas voran

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zu den Dax-Gewinnern gehören auch die BASF-Aktien. Der Chemiekonzern will nach dem schweren Störfall im Stammwerk Ludwigshafen wichtige Anlagen wieder anfahren. Die beiden sogenannten Steamcracker sollten in den kommenden Tagen schrittweise ihren Betrieb wieder aufnehmen. Die Anlagen gelten als Herzstück in dem riesigen Werk.

Eon vor Rekordverlust?

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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In Wartestellung bleiben die Anleger von Eon. Der Energiekonzern könnte im laufenden Jahr angesichts der eigenen teuren Aufspaltung und des Verfalls der Strompreise im Großhandel einen Rekordverlust machen, berichten die Nachrichtenagentur dpa-AFX und das "Handelsblatt". In den kommenden Monaten dürften weitere teure Sondereffekte hinzukommen.

Gea schockt die Anleger

Im MDax sorgt eine Gewinnwarnung des Maschinenbauers Gea für Entsetzen. Das Bochumer Unternehmen rechnet nur noch mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 570 Millionen Euro inklusive des übernommenen Unternehmens Imaforni. Bisher hatte Gea 645 und 715 Millionen Euro ohne Imaforni in Aussicht gestellt. Grund seien Verzögerungen bei Projekten.

Rational an MDax-Spitze

Die Aktien des Großküchenausstatters Rational profitieren von einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank. Das Unternehmen überzeuge mit einer soliden Erfolgsbilanz und sehr guten Wachstumsperspektiven. Die Bank hob ihr Kursziel von 410 auf 500 Euro an und stufte die Papiere von "Hold" auf "Buy" hoch.

SGL Group macht Kasse

Im SDax will sich der Kohlenstoff-Spezialist SGL von seinem Geschäft mit Graphitelektroden trennen. Das geht an das japanische Unternehmen Showa Denko. Der Verkaufserlös soll bei mindestens 200 Millionen Euro liegen. Außerdem will man sich noch bald vom Geschäft mit Kathoden, Hochofenauskleidungen und Kohlenstoffelektroden trennen. Die Pläne stoßen bei den Anlegern auf Unverständnis.

Siltronic: Deutlich höheres Kursziel

Im TecDax begeistern die Aktien von Siltronic. Der Halbleiterhersteller sollte von einer sich verbessernden Nachfrage profitieren, teilte das Investmenthauses Kepler Cheuvreux mit. Zudem könnte das Wafer-Angebot am Markt wegen Restrukturierungen bei Konkurrenten sinken. Der zuständige Analyst hob sein Kursziel von 15,50 auf 28,00 Euro an und stufte die Aktien von "Hold" auf "Buy" hoch.

Biotech-Unternehmen machen von sich reden

Gleich zwei Biotech-Unternehmen aus dem TecDax melden sich heute zu Wort. Morphosys hat mit dem Start einer Phase 1-Studie eines Antikörpers gegen Krebs einen Meilenstein erreicht. Dafür gibt es eine Zahlung von Novartis in nicht genannter Höhe. Evotec wiederum arbeiten mit UCB im Bereich Zentrale Erkrankungen des Nervensystems ("ZNS") zusammen.

Tom Tailor will sich gesundschrumpfen

Nach dem Expansionskurs seines Amtsvorgängers will Tom-Tailor-Interims-Chef Heiko Schäfer die angeschlagene Modefirma gesundschrumpfen. Vier Wochen nach seinem Amtsantritt kündigte der Manager am Donnerstag Stellenstreichungen, die Schließung Hunderter Geschäfte und den Rückzug aus unprofitablen Auslandsmärkten an.

Amadeus Fire auf Kurs

Das Zeitarbeits-Unternehmen Amadeus Fire hat in den ersten neun Monaten 2016 seinen Umsatz um 1,6 Prozent auf 128,9 Millionen Euro verbessert. Das Ebita stieg um 6,1 Prozent auf 22,5 Millionen.

Zooplus hat keine Angst vor dem Brexit

Der Online-Tiefbedarfs-Versender Zooplus wächst weiter kräftig. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 28 Prozent auf 227 Millionen Euro. Trotz der Probleme in Großbritannien wegen der Pfund-Schwäche bestätigte Zooplus seinen Ausblick für 2016.

Nanogate mit Großauftrag

Um über sechs Prozent nach oben geht es mit den Papieren des Oberfächenspezialisten Nanogate aus dem Saarland. Ab 2018 wird das Unternehmen Komponenten mit optisch hochwertigen Oberflächen an einen Automobilhersteller der Premiumklasse liefern. Der mehrjährige Auftrag hat ein kumuliertes Volumen im hohen zweistelligen Millionenbereich. Für Nanogate handelt es sich um einen der größten Aufträge der Firmengeschichte.

Adler Modemärkte kassiert Jahresprognose

Wegen des spätsommerlichen Wetters im September haben die Adler Modemärkte einen Umsatz- und Ergebniseinbruch erlitten. Das Ebitda rutschte im dritten Quartal 2016 auf ein Minus von 8,4 Millionen Euro. Entsprechend kappt das Unternehmen seine Jahresprognose. Jetzt wird für 2016 ein Jahresumsatz von rund 566 Millionen Euro erwartet. Das Ebitda dürfte zwischen 14 und 17 Millionen schwanken. Die Aktie gibt im nachbörslichen Handel nach.

Nestlé dämpft Erwartungen, Roche bleibt auf Kurs

Der Pharmakonzern Roche hat im dritten Quartal seinen Umsatz auf Basis konstanter Wechselkurse um drei Prozent auf 12,48 Milliarden Schweizer Franken verbessert. Analysten hatten jedoch etwas mehr erwartet. Der Nahrungsmittelriese Nestlé rechnet im Gesamtjahr nun mit einem um Sondereffekte bereinigten organischen Umsatzwachstum von 3,5 Prozent. Bislang hatte Nestlé ein Plus auf dem Vorjahresniveau von 4,2 Prozent in Aussicht gestellt. Das Biotech-Unternehmen Actelion hat seine Prognose erneut angehoben. Das Betriebsergebnis soll im Gesamtjahr währungsbereinigt um 15 bis 17 Prozent zunehmen. Actelion hatte die Vorgabe bereits nach drei und sechs Monaten erhöht und war zuletzt von einem Anstieg um 13 bis 14 Prozent ausgegangen.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr