Marktbericht 20:05 Uhr

Vorfreude auf die EZB Dax auf Vier-Wochen-Hoch

Stand: 18.10.2016, 20:05 Uhr

Europas Börsen haben am Dienstag ihre Vortagesverluste wieder komplett wettgemacht. Der Dax schloss auf dem höchsten Stand seit vier Wochen – wegen der Hoffnung auf neue Geldgeschenke der EZB. Doch die Erholung bleibt wacklig.

Experten trauen dem jüngsten Kursanstieg nicht über den Weg. Noch sei die Unsicherheit der Anleger groß, meint Marktbeobachter Jens Klatt von JFD Brokers. "Es brennt an allen Ecken und Enden." So bleibe die Situation im europäischen Bankensektor weiter angespannt, und auch die geopolitische Lage in Syrien und der Konflikt zwischen Russland und den USA sei hochbrisant. Erst bei einem Überschreiten des Jahreshochs von über 10.800 Punkten traut Klatt dem Dax einen Jahresendspurt zu.

Neue Geldgeschenke von der EZB?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.341,00
Differenz relativ
-0,11%

Bei relativ geringen Umsätzen kletterte der Dax am Dienstag um 1,2 Prozent nach oben auf 10.631 Punkten. Das ist der höchste Schlussstand seit dem 22. September. Auch der EuroStoxx50 zog um 1,2 Prozent an und behauptete sich bei über 3.000 Punkten.Das Frohlocken auf weitere EZB-Geldspritzen trieb am Dienstag die Börsen an. Bei der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag werden zwar keine neuen Ankündigungen erwartet. Aber EZB-Chef Mario Draghi könnte vielleicht auf der anschließenden Pressekonferenz eine mögliche Verlängerung der billionenschweren Anleihenkäufe für die nächste Sitzung im Dezember andeuten, hoffen Börsianer.

Starke Quartalsbilanzen von Netflix & Co

Auch die Wall Street kam in Schwung. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,5 Prozent höher. Die Nasdaq stieg gar um rund ein Prozent. Ermutigende Geschäftszahlen von Netflix und Goldman Sachs trieben die US-Börsen an.  Die US-Großbank Goldman Sachs hat den Gewinn im dritten Quartal um 47 Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Dollar gesteigert und die Erwartungen übertroffen. Auch der Pharmakonzern Johnson & Johnson schnitt erfreulich ab. Der Gewinn kletterte um fast eine Milliarde auf 4,27 Milliarde Dollar. Die Aktien von Netflix sprangen um 18 Prozent in die Höhe, die Titel von Goldman stiegen um 1,5 Prozent. Bei Johnson & Johnson nahmen die Anleger dagegen Gewinne mit.

Inflation in den USA zieht an

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Die neuesten US-Konjunkturdaten trübten allerdings etwas die Stimmung. So fachten die steigenden Inflationsraten die Spekulationen auf eine zweite Zinserhöhung in den USA im Dezember an. Die Verbraucherpreise  lagen im September wie prognostiziert 1,5 Prozent höher als vor einem Jahr. Im Vormonat hatte die Inflationsrate noch 1,1 Prozent betragen. Im Monatsvergleich stieg das Preisniveau mit 0,3 Prozent ebenfalls so stark wie erwartet.

Ölpreise rutschen ins Minus

Die Ölpreise konnten sich am Dienstag nur kurz erholen. Die Nordseesorte Brent drehte bis zum Abend wieder ins Minus und kostete 51,39 Dollar je Barrel. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stagnierte bei knapp unter 50 Dollar. Am Montag waren die Ölpreise innerhalb kurzer Zeit um einen Dollar gefallen. Händler verwiesen auf gestiegene Produktionsdaten aus Libyen und der Ankündigung des Iran, seine Fördermenge auf vier Millionen Barrel pro Tag auszuweiten.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,88
Differenz relativ
+0,11%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,60
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-0,04%

Euro unter 1,10 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1419
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+0,03%

Der Euro rutschte unter die Marke von 1,10 US-Dollar. Die anziehende Inflation in den USA drückte die europäische Gemeinschaftswährung. Dagegen erholte sich das britische Pfund. Dank Spekulationen auf einen "sanften Brexit" stieg es um mehr als einen US-Cent auf bis 1,2304 Dollar.

Lufthansa wird wiederentdeckt

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,15
Differenz relativ
+0,30%

Die Pole Position im Dax eroberte am Dienstag die Lufthansa. Eine italienische Zeitung hatte über einen geplanten Einstieg der Kranich-Airline bei Alitalia berichtet. Am späten Nachmittag dementierte Alitalia die Presse-Spekulationen. Ein Treffen mit Gesprächen zu diesem Thema habe es nicht gegeben, sagte ein Alitalia-Sprecher. Die Lufthansa will ihre Billig-Tochter Eurowings vorantreiben und dafür 40 Flugzeuge von Air Berlin anmieten.

Versorgeraktien steigen

Kräftig unter Strom standen auch die Versorger. Die Aktien von RWE zogen um drei Prozent, die Titel von Eon um 1,6 Prozent an. Der Chef der Atomkommission des Bundes, Jürgen Trittin, hat den Gesetzentwurf zur Übernahme der Atommüll-Altlasten akzeptiert. Zudem hat die französische Großbank Société Générale ihre Kaufempfehlung für die RWE-Stammaktie bestätigt. Das Kursziel liege demnach weiter bei 18,10 Euro.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,08
Differenz relativ
+3,47%

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,13
Differenz relativ
+1,52%

Conti warnt

Einziger Dax-Verlierer war Conti. Der Autozulieferer hat die Ergebnisprognose fürs laufende Jahr gesenkt. Die bereinigte Ebit-Marge soll nur mehr als 10,5 Prozent erreichen. Bisher ging der Konzern von über elf Prozent aus. Grund sind unter anderem Rückstellungen für laufende Kartellverfahren sowie Gewährleistungsansprüche von Kunden.

Richter signalisiert Ja für VW-Vergleich

Im Schlepptau liefen auch die Aktien von BMW, Daimler und Volkswagen schlechter als der Markt. Am Abend signalisierte Bezirksrichter Charles Breyer seine Zustimmung für den milliardenschweren Vergleich des Wolfsburger Autobauers mit der US-Justiz. Er lobte den Kompromiss, will aber seine finale Entscheidung erst am 25. Oktober bekannt geben.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,74
Differenz relativ
-0,62%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,49
Differenz relativ
-1,12%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
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-2,52%

Erneute Millionenstrafe für die Deutsche Bank

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,60
Differenz relativ
-0,05%

Auf Erholungskurs befanden sich ebenfalls die Finanzwerte. Die Deutsche Bank kann offenbar einen weiteren Rechtsstreit beenden. Wegen illegaler Absprachen mit anderen Instituten beim Silberpreis muss das Institut eine Strafe von 38 Millionen Dollar zahlen, wie Reuters unter Berufung auf Gerichtsunterlagen aus Amerika berichtet. Der Vergleich müsse noch von einem Gericht bestätigt werden.

Südzucker herabgestuft

Schlusslicht im MDax war die Südzucker-Aktie mit einem Minus von sechs Prozent. Grund ist eine schwächere Einstufung durch Kepler Cheuvreux. Die Papiere wurden von "buy" auf "reduce" abgestuft. Der Kampf um die Marktanteile unter den europäischen Zuckerproduzenten sei intensiver als angenommen, hieß es zur Begründung. Der zuständige Analyst senkte sein Kursziel von 26 auf 22,50 Euro.

Vorsichtige Prognose von Drägerwerk

Der Medizin- und Sicherheitstechnikanbieter Drägerwerk blickt nach einem Umsatzrückgang in den ersten neun Monaten skeptischer auf die Entwicklung im Gesamtjahr. Zwar bleibe es währungsbereinigt bei dem angepeilten Wachstum der Erlöse von null bis 3,0 Prozent und einer Ebit-Marge von 3,5 bis 5,5 Prozent. Das Umsatzwachstum dürfte aber aufgrund der bisher verhaltenen Entwicklung am unteren Ende der Bandbreite liegen. Im dritten Quartal gingen die Erlöse nach vorläufigen Zahlen währungsbereinigt um 1,1 Prozent auf 592,9 Millionen Euro zurück. Die Aktien drehten kurz ins Minus, berappelten sich dann aber wieder.

SinnerSchrader verdoppelt Gewinn

Der IT-Dienstleister SinnerSchrader hat seinen Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr 2015/16 von 1,5 auf 3,0 Millionen Euro verdoppelt. Der Umsatz legte von 47,7 auf mehr als 51 Millionen Euro zu. Auch fürs laufende Geschäftsjahr ist das Unternehmen wegen vieler Neukunden optimistisch. Die Aktien legten zu.

Ryanair leidet unter Pfund-Abwertung

Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2015/16 gesenkt. Das Unternehmen rechnet nur noch mit einem Gewinnplus von sieben nach bisher zwölf Prozent. Grund ist die Pfund-Schwäche nach der Brexit-Abstimmung.

Chinesen kaufen weniger Danone-Babynahrung

Der französische Lebensmittelkonzern Danone hat im dritten Quartal seinen Umsatz um 2,1 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro verbessert. Grund war die Zurückhaltung der Verbraucher in China beim Kauf von Babynahrung. Dies war weniger als Analysten erwartet hatten. Zu aktuellen Wechselkursen ergab sich ein Minus von knapp zwei Prozent.

nb

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"