Dax auf Tauchstation

Daniel Pflug

Stand: 21.05.2009, 20:00 Uhr

Annehmbare Wirtschafts-Zahlen aus den USA - und keinen scheint's zu interessieren. Stattdessen dickes Dax-Minus und der Dow Jones kracht auch in den Keller. Der deutsche Leitindex scheitert bei lahmem Feiertagshandel klar an der fünftausender Hürde.

Der L-Dax spiegelt die miese Laune an der Frankfurter Börse deutlich wider. Mit 4.899 Punkten und einem Minus von 2,18 Prozent verabschiedet er sich am Abend in den Feiertag. Dieser Negativ-Trend zog sich den ganzen Donnerstag über wie ein roter Faden durch den Handel.

Am Vormittag dümpelte der Dax noch vor sich hin - um dann Fahrt aufzunehmen, aber leider in die falsche Richtung. Der Xetra-Computerhandel schloss schließlich bei 4.900 Zählern und büßte damit 2,74 Prozent ein. Der Dax konnte an den Höhenflug der vergangenen Tage also nicht anschließen.

GM lebt doch noch

Auch die Wall Street ließ sich nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Der Dow Jones rutschte streckenweise um über zwei Prozent ab. Die Verluste würden wohl noch höher ausfallen, wenn die GM-Aktie nicht zum Höhenflug angesetzt hätte. Papiere des schlingernden Autobauers gewinnen zeitweise über 13 Prozent.

Dafür dürfte es mehrere Gründe geben. Zum Einen ist die amerikanische Gewerkschaft zu Zugeständnissen bei Tarifvertrag und Gesundheitsfonds bereit. Zum Anderen pumpt die US-Regierung erneut Milliarden in den Autofinanzierer GMAC, an dem die Opel-Muttergesellschaft beteiligt ist. Außerdem könnten die ersten Details aus den Opel-Rettungsplänen dem GM-Kurs ein wenig Luft verschafft haben.

Frühindikatoren steigen
Aus den USA schwappten gleich eine ganze Welle von Wirtschafts-Zahlen nach Europa: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Frühindikatoren und Philly-Fed-Index sorgten für Bewegung an den Börsen. Diese Daten haben den Kursen aber nichts gebracht, auch wenn der Tenor eher positiv war.

So hellt sich der trübe Konjunktur-Himmel über der Region um die amerikanische Stadt Philadelphia zumindest ein bisschen auf. Denn der Philly-Fed-Index für Mai steigt erneut an und notiert jetzt bei Minus 22,6 Punkten. Experten sind trotzdem enttäuscht. Denn sie hatten mit einer größeren Erholung auf Minus 19 Punkte gerechnet.

Und auch das Forschungsinstitut "Conference Board" beschert der Börse gute Nachrichten. Die Washingtoner Analysten haben nämlich ausgerechnet, dass der Sammelindex der Frühindikatoren im April deutlich stärker als erwartet gestiegen ist. Im Vergleich zum Vormonat kletterte das Stimmungsbarometer um ein Prozent. Das übertrifft die Erwartungen vieler Ökonomen.

Arbeitslose Amerikaner
Es sieht also so aus, als ob die amerikanischen Unternehmen wieder ein wenig zuversichtlicher in die Zukunft blicken. Das zeigt sich auch bei den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe. Die Zahl sinkt auf 631.000, teilt das Arbeitsministerium in Washington mit. Das sind rund 12.000 Anträge weniger als noch vor einer Woche.

Dennoch sind die Analysten enttäuscht, sie hatten mit besseren Zahlen gerechnet. Außerdem sind immer mehr US-Bürger auch langfristig auf Geld vom Staat angewiesen. Auch das verhagelt den Börsianern an der Wall Street und in Frankfurt die Laune.

Europäischer Einkaufsmanagerindex steigt
Hierzulande verpufften sogar die positiven Nachrichten aus Europa. So klettert der Einkaufsmanagerindex zum dritten Mal in Folge und liegt jetzt bei 43,9 Punkten.

Und auch der Bundesverband deutscher Banken (BdB) äußert sich verhalten optimistisch zur Wirtschaftslage. Die Talfahrt in Deutschland werde sich wohl etwas verlangsamen. "Aber deshalb ist die Rezession noch nicht zu Ende", warnen die BdB-Chefs.

Dividenden drücken Kurse
An Christi Himmelfahrt ist die Dax-Flop-Liste lang. Optischer Verlierer ist die Deutsche Börse mit einem Kursrutsch von fast sieben Prozent. Hier geht aber der Dividendenabschlag mit ein. Der Börsenbetreiber zahlt 2,10 Euro je Papier und erhöht damit die Ausschüttung an seine Aktionäre im Vergleich zum Vorjahr nicht.

Mit Aixtron, Elexis, GfK, IDS Scheer, Solarworld und Vossloh werden auch auf der Hinterbank einige Papiere ex Dividende gehandelt.

Commerzbank unter Druck
Die Commerzbank ist nach wie vor bei den Händlern nicht sonderlich beliebt. Streckenweise bricht der Kurs um fast sieben Prozent ein. Am Nachmittag klettert die Aktie wieder etwas aus dem Keller, gehört aber mit einem Minus von mehr als vier Prozent immer noch zu den größten Dax-Verlierern.

Damit ist die Coba allerdings nicht allein, denn in ganz Europa geraten Bank-Werte unter Druck.

Schlechter Ausblick bei Stahlwerten
ThyssenKrupp, Salzgitter und Klöckner & Co (KlöCo) gehören ebenfalls zu den Flops. Ein Grund: Die Analysten der Credit Suisse hatten bei der Bewertung von Metall- und Bergbauaktien den Daumen gesenkt.

Die Aktien der drei Unternehmen konnten in den letzten Tagen noch ordentlich zulegen. Jetzt würden viele erst einmal die Gewinne mitnehmen, betonen Händler.

Bei Salzgitter macht sich außerdem eine Klage gegen die Tochter-Gesellschaft Klöckner-Werke bemerkbar. Dabei könnte es um Schadenersatzansprüche von bis zu 150 Millionen Dollar gehen. Die Klöckner-Werke bezeichneten die Klage als substanzlos.

Conti profitiert
Etwas besser laufen die Conti-Aktien. Morgan Stanley hat die Titel von "Underweight" auf "Equalweight" und das Kursziel von 13,00 auf 14,00 Euro erhöht. Ein Zusammenschluss mit Schaeffler sei nur dann zu begrüßen, wenn sich Contis finanzielle Lage dadurch verbessern würde, schrieb der zuständige Analyst.

Schaeffler könnte unterdessen das gleiche Schicksal wie Porsche bei Volkswagen drohen: Zeitungsberichten zufolge besteht die Möglichkeit, dass es zu einem so genannten "reverse takeover" kommt - Conti also Schaeffler schluckt. Geplant war das eigentlich umgekehrt. Auch diese Gerüchte beflügeln die Aktien des Reifenherstellers am Donnerstag - zumindest zeitweise.

Staatsgarantie für HeidelDruck, kein Geld für Porsche
Aufatmen bei der Heidelberger Druckmaschinen AG. Das Unternehmen erhält eine Bürgschaft des "Wirtschaftsfonds Deutschland". Der Lenkungsausschuss des Fonds hat schon grünes Licht gegeben, jetzt muss nur noch der Haushaltsausschuss des Bundestages zustimmen. Der MDax-Wert steht am Ende weit oben auf der Gewinnerliste.

Porsche hingegen bekommt wohl kein Geld aus dem Wirtschaftsfonds der Bundesregierung, berichtet das "Handelsblatt". Der Antrag sei "nicht entscheidungsreif" gewesen und daher abgewiesen worden. Porsche aber widerspricht dem Zeitungsbericht und dementierte, überhaupt beim Wirtschaftsfonds angeklopft zu haben.

Stattdessen beantragt der Sportwagen-Bauer ein Darlehen bei der staatlichen Förderbank KfW, wie ein Unternehmenssprecher bestätigt. Außerdem sei der Konzern mit anderen Banken in Verhandlung. Dabei gehe es insgesamt um 2,5 Milliarden Euro.

Händler machten bei diesen Nachrichten große Ohren und trieben den VW-Kurs an die Spitze der Dax-Gewinner. Dahinter stecken wohl die alten Übernahmefantasien, die jetzt wieder neu angefacht werden. "Warum sollte Porsche seine Kreditlinien erhöhen wollen, wenn das Unternehmen VW doch nicht übernehmen will?", erklärte ein Börsianer den neuerlichen Hype um die VW-Aktie.

Lufthansa verklagt
Der Lufthansa droht ein juristischer Streit wegen der Übernahme der trudelnden Fluggesellschaft Britisch Midlands (BMI). Der Großaktionär von BMI hat rechtliche Schritte gegen die Lufthansa eingeleitet, um sie zu zwingen, die Übernahme abzuschließen.

Großbritannien im Visier von Rating-Agenturen
Die Staatsschulden in Großbritannien explodieren, und die Rating-Agentur Standard & Poors ist alarmiert. Sie droht, die Bonitätsnote runterzusetzen. Die Analysten schrauben den Ausblick von "stabil" auf "negativ", zum ersten Mal seit den 80er Jahren.

Andere Agenturen sehen für Großbritannien offenbar nicht so schwarz. Sie behalten ihre alte Bewertung bei. Sollte es aber tatsächlich zu einem schlechteren Rating kommen, dürfte es für die Insulaner deutlich teurer werden, sich Geld zu beschaffen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr