Dax auf neuem Wochenhoch

Stand: 19.01.2012, 20:00 Uhr

Der Ausgang der Gläubiger-Verhandlungen Griechenlands ist weiter unklar. Damit bleibt auch der Fortgang der Schuldenkrise ungewiss. Doch davon wollen die Anleger am Donnerstag nichts wissen. Sie blicken lieber auf die besser als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen der großen US-Banken.

Es sind die Geschäftszahlen der beiden US-Großbanken Morgan Stanley und Bank of America, die für positive Überraschungen gesorgt haben und den europäischen Aktienmärkten Auftrieb geben. Der Dax notiert am Ende des elektronischen Handels knapp ein Prozent höher als am Mittwoch bei 6.416 Punkten und markiert damit ein neues Wochenhoch. Auch am Abend klettert der Leitindex über die Schwelle von 6.400 Punkten. Davon profitiert auch der Euro, der am Abend wieder deutlich über die Schwelle von 1,29 Dollar klettert.

Dass der Dax am Nachmittag einen kurzen Schwächeanfall erleidet, ist dem schlechter als erwartet ausgefallenen Geschäftsklima in der US-Region Philadelphia geschuldet. Der entsprechende Index ist zwar von revidiert 6,8 (zunächst 10,3) Punkten im Vormonat auf 7,3 Punkte gestiegen, teilte die regionale Notenbank mit. Volkswirte hatten aber einen Wert von 10,3 Punkten erwartet.

Die Enttäuschung darüber drückte den Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte sogar kurz ins Minus, nachdem zuvor noch der weitere Rückgang der US-Arbeitslosenzahlen für einen Kursanstieg gesorgt hatte. Bei Börsenschluss in Frankfurt ist die Frust vor dem schlechteren Philly-Fed-Index überwunden, doch es reicht nur zu einem bescheidenen Plus des Dow von 0,3 Prozent auf 12.611 Punkte.

Positive Anleiheauktionen
Positiv aufgenommen wurde dagegen die geglückte Ausgabe spanischer und französischer Staatsanleihen. Die beiden Staaten konnten sich am Vormittag trotz der Herabstufungen durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) problemlos frische Mittel am Kapitalmarkt besorgen und mussten dafür auch noch deutlich niedrigere Zinsen zahlen als bei der letzten Auktion.

Gute Nachrichten kommen auch aus Deutschland. Die Bundesregierung erhält für ihre zuversichtliche Konjunktureinschätzung Rückendeckung aus der deutschen Industrie. Sollte die Euro-Schuldenkrise unter Kontrolle bleiben und die Politik die richtigen Weichen stellen, könnte das deutsche Wachstum 2012 sogar bei etwas über einem Prozent liegen, sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel.

US-Banken verlassen Tal der Tränen
Die angeschlagene Bank of America beendet das Jahr versöhnlich. Der Problemfall unter den US-Großbanken hat dank milliardenschwerer Verkäufe etwa von Anteilen an der China Construction Bank im vierten Quartal einen Gewinn erwirtschaftet. Unter dem Strich stand nach Kosten für die Vorzugsaktion ein Plus von 1,6 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum war ein Verlust in gleicher Höhe angefallen.

Besser als erwartet, aber insgesamt doch sehr schwach sind auch die Zahlen von Morgan Stanley ausgefallen. Im vierten Quartal fiel ein Verlust, einschließlich Sonderposten, von 0,15 Dollar je Aktie. Den Verlust aus dem fortgeführten Geschäft bezifferte das Kreditinstitut mit 0,14 Dollar je Anteilsschein. Analysten hatten einen Fehlbetrag von 0,57 Dollar je Papier erwartet. Im Ergebnis sei eine Sonderbelastung durch die Einigung mit MBIA von 1,7 Milliarden Dollar enthalten. Die Aktien beider Institute sind vorbörslich im Plus.

Coba gibt sich kämpferisch
Größter Gewinner im Dax ist die Aktie der Commerzbank. Die Bank hat angekündigt, die neuen Eigenkapitalrichtlinien auch ohne Kapitalerhöhung, Staatsgeld oder Hilfe vom Großaktionär Allianz zu erfüllen. Für die Aktionäre ist das eine gute Nachricht. Denn sie müssen nun keine weitere Verwässerung befürchten, die es im Fall einer Kapitalerhöhung zwangsläufig gegeben hätte. Von der Ankündigung kann auch die Aktie der Deutschen Bank profitieren, obwohl der Branchenprimus angekündigt hatte, die Eigenkapitalanforderungen längst zu erfüllen.

HSBC beflügelt Lufthansa
Eine Hochstufung durch Analysten der HSBC hat der Lufthansa-Aktie Auftrieb gegeben und auf den dritten Platz der Gewinnerliste im Dax gehoben. Die Analysten der HSBC setzten die Aktien auf "Overweight" von "Neutral" und erhöhten das Kursziel auf 12,50 von 11,50 Euro. Das Jahr sollte für alle europäischen Airlines schwierig werden, aber Lufthansa könnte noch mit die besten Karten haben, hieß es in einem Kommentar.

Porsche vor Einigung in Rechtsstreit?
Porsche ist laut einem Magazinbericht im Rechtsstreit mit US-Investoren zu Zugeständnissen bereit. Das Unternehmen habe einer Gruppe von Fonds eine Abfindung in niedriger dreistelliger Millionenhöhe angeboten, berichtete das "Manager Magazin". Der Autokonzern habe die Offerte an die Bedingung geknüpft, dass die Investoren ihre in New York gegen Porsche gerichteten Schadensersatzklagen fallen lassen und auf mögliche neue Forderungen verzichten, berichtete das Blatt unter Berufung auf ungenannte Konzernkreise. An der Börse legt die Porsche-Aktie 8,3 Prozent zu.

Anleger fürchten um Heideldruck
Der mögliche Verkauf von Manroland-Unternehmensteilen an einen chinesischen Investor hat Heidelberger Druck-Anleger verstimmt. Die Aktien sind der mit Abstand schwächste Wert im MDax. "Angenommen, ein chinesischer Investor bekommt den Zuschlag, sehen wir mittelfristige eine Bedrohung für Heidelberger Druck", kommentierte ein Marktteilnehmer.

Aurubis kann punkten
Aufwärts geht es dagegen mit der Aktie von Aurubis. Der ebenfalls im MDax gelistete Kupferkonzern steigerte den Umsatz legte 2010/11 dank höherer Metallpreise um 35 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) erhöhte sich vor Umwertungen der Lagerbestände um 84 Prozent auf 292 Millionen Euro. Analysten hatten eine etwas schwächere Entwicklung erwartet.

Delticom macht Riesensprung
Größter Gewinner im SDax ist die Aktie von Delticom. Die Aktie des Internet-Reifenhändlers springt zweitweise um mehr als 13 Prozent in die Höhe. Am Ende bleibt ein Plus von knapp acht Prozent. Die Firma hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ihren Umsatz um 14,4 Prozent auf 480 Millionen Euro erhöht. Das operative Ergebnis kletterte um 9,6 Prozent auf 52,2 Millionen Euro. Die Bilanz habe positiv überrascht und unterstreiche das starke Geschäftsmodell, urteilen die Analysten.

Ebay-Zahlen überzeugen
Auch die Zahlen von Ebay kommen an der Börse gut an. Das Internet-Handelshaus hat seinen Quartalsgewinn fast vervierfacht auf zwei Milliarden Dollar nach 559 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz schnellte um 35 Prozent auf 3,38 Milliarden Dollar nach oben.

Sony Ericsson mit Verlust
Der Handyhersteller Sony Ericsson hat kurz vor dem Eignerwechsel mit einem deutlichen Verlust überrascht. Im letzten Quartal, in dem das Mobilfunkbündnis der Japaner und Schweden noch Bestand hat, verzeichnete das Unternehmen einen Vorsteuerverlust von 247 Millionen Euro. Im Gesamtjahr schlug ein Verlust von 243 Millionen Euro zu Buche. Die Handy-Sparte soll künftig in das Unterhaltselektronik-Geschäft von Sony eingegliedert werden.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr