Marktbericht 20:00

Nervöser Handel Dax auf leichtem Erholungskurs

Stand: 30.01.2014, 20:00 Uhr

Die Fortsetzung des Fed-Taperings drückte zunächst kräftig auf die Stimmung der Anleger. Eine starke Wall Street und überzeugende US-BIP-Daten versöhnten die Investoren jedoch wieder einigermaßen mit der ungeliebten Liquiditätsbremse.

Einige Investoren nutzen die relativ niedrigen Kurse wieder zum Einstieg. So rechte Kauffreude wollte aber nicht aufkommen, obwohl der Dax nun schon mehr als 400 Punkte von seinem Allzeithoch vom 21. Januar entfernt ist. Angesichts der Fed-Maßnahme, die monatlichen Aufkäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapieren um weitere zehn auf nun 65 Milliarden Dollar zu drosseln, blieben die Anleger lieber vorsichtig.

Geht die Korrektur weiter?

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 0,4 Prozent bei 9.373,48 Punkten nachdem er zeitweise bis auf 9.266,95 Zähler gesunken war. Markteilnehmer hofften, bei einer eventuellen Wiederaufnahme der übergeordneten Rally mit von der Partie zu sein, meint Gregor Kuhn von IG Markets. Der langfristige Aufwärtstrend sei zwar noch intakt, die Korrekturbewegung muss allerdings noch lange nicht an ihr Ende angelangt sein, kommentiert der Marktbeobachter.

Auch Jens Klatt von FXCM ist vorsichtig: Der Dax bleibe durch die Volatilität in den vergangenen Tagen angeschlagen. "Ein Test der Marke von 9.000 Punkten ist aktuell das wahrscheinlichste Szenario", warnt Klatt. Die Sorglosigkeit der vergangenen Monate sei einer hohen Nervosität und Unsicherheit der Marktteilnehmer gewichen.

Gold im Rückwärtsgang

Der Dax setzte nach US-Konjunkturdaten zum Satz ins Plus an, auch einige starke Quartalsbilanzen hellten die Stimmung auf. Die US-Wirtschaft ist zum Jahresende 2013 dank der Konsumlaune der Verbraucher kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im vierten Quartal wie erwartet mit einer Jahresrate von 3,2 Prozent. Analyst Tobias Basse von der NordLB sagte: "In der Summe bleibt die US-Wirtschaft eine robuste Stütze der gloam Abend balen ökonomischen Aktivität." Die Daten vom Arbeitsmarkt fielen dagegen schwächer aus als gedacht. Der Dow Jones notierte am Abend rund 0,7 Prozent fester. Der Late-Dax rückte um 0,9 Prozent auf 9.405,80 Zähler vor.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Der Goldpreis ist dagegen stark abgerutscht. Am Nachmittag fiel der Preis für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) um mehr als zwei Prozent auf 1238,50 Dollar. Anfang der Woche hatte Gold etwa 40 Dollar mehr gekostet und bei rund 1278 Dollar den höchsten Stand seit Mitte Januar erreicht. Experten sehen als eine Ursache für den Preisrutsch, dass die US-Notenbank den Geldhahn erneut ein Stück weit zugedreht hat.

Infineon: stark trotz schwacher Zahlen

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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22,36
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Mit weitem Abstand größter Dax-Gewinner ist die Infineon-Aktie. Der Halbleiterkonzern hat im ersten Quartal des Geschäftsjahr 2013/14 einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorquartal um sieben Prozent auf 984 Millionen Euro verbucht. Der Überschuss sank um knapp 40 Prozent auf 87 Millionen Euro. Analysten hatten aber mit noch größeren Rückgängen gerechnet.

K+S fällt weit zurück

Ein schwacher Ausblick des Konkurrenten Potash hat die K+S-Aktien am Donnerstag um 2,7 Prozent ins Minus gedrückt. Ein Händler sprach von "katastrophalen" Gewinnprognosen des kanadischen Düngerkonzerns. Für das Gesamtjahr lägen sie rund ein Fünftel unter der mittleren Markterwartung. Das belaste auch die Aktien des deutschen Kalidüngerproduzenten.

Volkswagen übertrumpft General Motors

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Zahlenflut für die Freunde der Autostatistik geht weiter: Volkswagen hat im vergangenen Jahr mehr Fahrzeuge als General Motors verkauft. Damit lagen die Wolfsburger weltweit auf Rang zwei hinter Toyota. Einschließlich seiner beiden Lkw-Töchter Scania und MAN habe der Konzern 9,73 Millionen Fahrzeuge losgeschlagen. GM lieferte 2013 nach eigenen Angaben weltweit 9,71 Millionen Wagen aus. Den Titel als weltgrößter Autobauer verteidigte der japanische Hersteller Toyota, der im vergangenen Jahr auf 9,98 Millionen kam.

Qiagen hat Glück mit dem Finanzamt

Der Biotech-Zulieferer Qiagen hat im vierten Quartal von einer Steuergutschrift profitiert. Dadurch stieg der Gewinn um mehr als die Hälfte auf 60,1 Millionen Dollar. Ansonsten wären die Ergebnisse rückläufig und auch schlechter als erwartet gewesen. Im laufenden Jahr sollen Umsatz und Ergebnis wachsen. Die Aktie gab mehr als zwei Prozent nach.

Gerry Weber leidet unter hohen Kosten

Der Modekonzern Gerry Weber hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 seine zuvor mehrfach gesenkten Geschäftsziele erreicht. Der Umsatz wuchs um sechs Prozent auf 852 Millionen Euro. Das operative Ergebnis ging wegen hoher Kosten für die Expansion um knapp neun Prozent auf 106 Millionen Euro zurück.

Symrise von Konkurrenz beflügelt

Die Aktie des Duftstoff- und Aromenherstellers Symrise profitiert von guten Zahlen des Schweizer Konkurrenten Givaudan. Das Unternehmen hat den Gewinn im vergangenen Jahr kräftig gesteigert und will die Dividende deutlich von 36 auf 47 Franken je Aktie erhöhen.

Atoss mit neuen Rekorden

Nach vorläufigen Zahlen weist die Atoss Software AG 2013 im achten Jahr in Folge Rekorde bei Umsatz und operativem Ergebnis aus. Der Umsatz erhöhte sich um acht Prozent auf 35,5 Millionen Euro und das operative Ergebnis wuchs mit elf Prozent zweistellig auf 8,4 Millionen Euro.

Roche gut in der Spur

Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat im vergangenen Geschäftsjahr seinen Umsatz um drei Prozent auf 46,8 Milliarden Franken verbessert. Der Konzerngewinn kletterte um 18 Prozent auf 11,4 Milliarden Franken. Gewinntreiber war die gute Entwicklung bei Krebsmedikamenten. Auch der Ausblick für 2014 ist erfreulich. So soll das operative Ergebnis schneller als der Umsatz wachsen.

Quartalszahlen aus Europa

Die neuesten Geschäftszahlen von einigen europäischen Großkonzernen kommen nicht gut bei Investoren an. Der weltgrößte Spirituosen-Hersteller Diageo aus dem Stoxx 50 enttäuscht mit einem schwachen China-Geschäft. Die spanische Großbank Santander hat ihren Gewinn im vergangenen Jahr fast verdoppelt - wegen einer geringeren Zahl geplatzter Immobilienkredite. Dennoch verfehlte das Unternehmen die Analystenerwartungen, was die Aktie belastet. Der schwedische Bekleidungshersteller H&M hat im Geschäftsjahr 2013 nicht so stark zugelegt wie erhofft. Die starke schwedische Krone und Rabattaktionen drückten auf Erlösentwicklung und Gewinn.

Tippfehler treibt HSBC

Hoppla: Die Aktien von HSBC sind zeitweise um 9,8 Prozent auf 688 Pence gesprungen, um gleich darauf wieder auf den Vortagesschluss von 626,3 Pence abzustürzen. Händler sprachen von einem menschlichen Fehler, der an Börse als "Fat Finger" ("dicker Finger") bezeichnet wird. Die Kursbewegung hievte auch den "Footsie" zeitweise ins Plus. Nachdem die HSBC-Titel wieder unverändert notierten, lag der "Footsie" wieder 0,2 Prozent im Minus.

Visa: Immer mehr zahlen bargeldlos

Die Lust aufs Zahlen per Karte füllt dem Anbieter Visa weiterhin die Kasse. Der Mastercard-Rivale hat im Weihnachtsquartal seinen Gewinn um neun Prozent auf unterm Strich 1,4 Milliarden Dollar steigern können. Die Anleger waren zufrieden: Vorbörslich stieg die Aktie um zwei Prozent. Mastercard wird seine Zahlen am Freitag vor Öffnung der Börsen vorlegen.

Harley Davidson überzeugt

Harley-Davidson: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Die Fans von Harley-Davidson sind in Kauflaune. Im vergangenen Jahr wurde der US-Hersteller annähernd 261.000 Motorräder los. Das waren rund 11 000 mehr als 2012. Einzig in der Region Europa schrumpften die Verkäufe leicht. "2013 war ganz ohne Frage ein herausragendes Jahr für Harley", erklärte Firmenchef Keith Wandell. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn verbesserte sich um 18 Prozent auf 734 Millionen Dollar.

UPS plant Aktienrückkauf

Der US-Paketdienst UPS peilt 2014 erneut ein deutlich besseres Ergebnis an. Der Gewinn je Aktie solle auf 5,05 bis 5,30 Dollar steigen. Das wäre im Vergleich zu dem um Sondereffekte bereinigten Ergebnis des Jahres 2013 ein Plus zwischen 11 und 16 Prozent. Die von UPS in Aussicht gestellte Prognose liegt aber leicht unter den Expertenerwartungen. Bei dem angepeilten Gewinnplus im laufenden Jahr setzt UPS auch auf den Rückkauf von eigenen Anteilen für 2,7 Milliarden Dollar. Dadurch steigt der Gewinn je Aktie, ohne dass sich das operative Geschäft bessern muss.

Facebook profitiert vom Mobil-Boom

Nach dem Ende des regulären Börsenhandels am Mittwoch in Amerika legte der Internet-Konzern Facebook seine aktuellsten Geschäftszahlen vor. Wachstumstreiber war das Geschäfts mit Werbung auf Smartphones und Tablets. Die Facebook-Aktie springt vorbörslich kräftig an.

LVMH kommt voran

Ein gutes Weihnachtsgeschäft hat dem Luxuskonzern LVMH einen versöhnlichen Jahresausklang beschert. 2013 setzte die weltweite Nummer eins unter den Anbietern von Luxusartikeln im Gesamtjahr konzernweit 29,1 Milliarden Euro um und damit 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Ohne Berücksichtigung von Währungseffekten und Zu- und Verkäufen lag das Plus bei acht Prozent. Das operative Ergebnis verbesserte sich um zwei Prozent und überschritt erstmals die Marke von 6 Milliarden Euro.

Google verkauft Motorola

Für einen Paukenschlag sorgte außerdem der Konkurrent Google. Das Unternehmen verkauft seine Handy-Tochter Motorola für 2,9 Milliarden Dollar an die chinesische Lenovo, behält aber einen Großteil des Patent-Portfolios. Google hatte Motorola erst 2012 für 12,5 Milliarden Dollar übernommen.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr