Dax auf höchsten Stand seit Anfang August

Stand: 26.01.2012, 19:55 Uhr

Die Hoffnung auf eine baldige Griechenland-Lösung sowie die mutige Entscheidung der US-Notenbank Fed, die Nullzinspolitik bis Ende 2014 fortzuführen, hat den deutschen Leitindex auf mehr als 6.500 gehoben.

Der Dax legt im elektronischen Handel um 118 Zähler oder 1,8 Prozent zu und schließt bei 6.539 Punkten auf dem höchsten Stand seit sechs Monaten. Auch im Abendhandel folgt der Leitindex dieser Entwicklung und klettert über die Marke von 6.500 Punkte.

Händler machen in erster Linie technische Gründe für die Rally verantwortlich, weil der DAX sowohl den bisher hartnäckigen Widerstand bei 6.430 Punkten als auch das bisherige Jahreshoch durchbrochen habe. Auch der Euro legt weiter zu und notiert am Abend bei 1,311 Dollar, fast ein Cent mehr als am Vortag.

Damit reagiert die Gemeinschaftswährung auf die Fortsetzung der Nullzinspolitik in den USA. Diese Entscheidung ist auch bei vielen Anlegern auf ein positives Echos gestoßen. Allerdings spricht die Entscheidung der Fed auch für tiefe Besorgnis um die wirtschaftliche Entwicklung. "Wenn die Fed uns sagt, dass die Zinsen niedrig bleiben werden, muss die Erholung auf wackligen Beinen stehen", warnen einige Analysten. Doch in Deutschland stehen die Zeichen eher auf Besserung der Konjunktur. Das GfK-Konsumklima ist derzeit trotz Schuldenkrise und Konjunkturflaute so gut wie seit fast einem Jahr nicht mehr.

Bald Einigung im Griechenland-Konflikt?
Gestützt werden die Aktienmärkte auch von der Hoffnung auf eine baldige Einigung in den Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen privaten Gläubigern. Vor der Wiederaufnahme der Gespräche mit den Banken am Abend zeigte sich Athen optimistisch, dass die Gespräche mit den privaten Geldgebern bis zum Wochenende oder spätestens Anfang kommender Woche abgeschlossen werden können. Noch bleibt aber unklar, ob sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) an dem Schuldenschnitt beteiligen wird.

Keine nennenswerten Impulse haben dagegen die durchwachsen ausgefallenen US-Konjunkturdaten gebracht. Die Aufträge für langlebige Güter sind im Dezember um drei Prozent gestiegen, Volkswirte hatten mit einem Anstieg um lediglich zwei Prozent gerechnet. Dagegen sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche stärker als erwartet auf 377.000 gestiegen. Bei den Frühindikatoren und den Verkäufen neuer Häuser hatten die Experten ebenfalls mit etwas besseren Zahlen gerechnet.

Dow Jones schwächelt
Der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte muss bis zum Börsenschluss in Frankfurt einen Großteil seiner Gewinne wieder abgeben. Der schwächere US-Eigenheimabsatz im Dezember hat der Wall Street den aufflammenden Optimismus wieder genommen. Am Abend fällt der Dow auf seinen Stand von gestern und rutscht zeitweise sogar leicht ins Minus bei 12.756 Punkten.

Caterpillar strotzt vor Kraft
Der weltgrößte Baumaschinenhersteller Caterpillar hat im vierten Quartal einen Rekordgewinn von 2,32 Dollar je Aktie verbucht, 83 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auch der Umsatz lag mit 17,24 Milliarden Dollar auf Rekordniveau. Die Geschäfte des Baukonzerns gelten als konjunktureller Frühindikator, da bei anziehender Wirtschaft in der Regel auch mehr Baumaschinen bestellt werden. Kein Wunder, dass die Caterpillar-Aktien vorbörslich zulegen, um mehr als drei Prozent.

Nokia sieht wieder Licht
Nokia kämpft weiter mit roten Zahlen und sinkenden Verkäufen, kann aber erste kleine Erfolge für seine Hoffnungsträger, die Lumia-Smartphones, melden. Kurz nach den Mega-Erfolgszahlen des Rivalen Apple mit dem iPhone mussten die Finnen am Donnerstag einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro für das letzte Quartal 2011 bekanntgeben. Der Umsatz ging um gut ein Fünftel auf zehn Milliarden Euro zurück. Die Nokia-Aktie legt dennoch kräftig zu. Zeitweise steigen die Papiere sogar um gut sechs Prozent auf 4,30 Euro.

Bleibt Deutsche Börse doch allein?
Mit einem kräftigen Aufschlag von knapp vier Prozent reagieren die Anleger auf Spekulationen, wonach die Fusion der Deutschen Börse mit der NYSE Euronext doch nicht zustande kommt. Die Titel des Frankfurter Börsenbetreibers gehören zeitweise sogar zu den größten Gewinnern im Dax. "Dem Markt ist es offenbar lieber, wenn die Fusion nicht stattfindet. So muss die Deutsche Börse nicht alle möglichen Auflagen erfüllen, wie den Verkauf der Terminbörse Eurex", so ein Händler. Eine Entscheidung der EU-Kommission wird für den ersten Februar erwartet.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,85
Differenz relativ
-3,06%

Ein guter Tag für Stahltitel
Die Aktien der Stahlkonzerne ThyssenKrupp und Salzgitter gehören dank weiter steigender US-Stahlpreise zu den größten Gewinnern an der Börse. Während Thyssen im Dax gut 4,5 Prozent dazugewinnt, steigt die im MDax notierte Salzgitter-Aktie um 6,8 Prozent. Stützend wirkte auch die beibehaltene Kaufempfehlung der Commerzbank für die beiden deutschen Stahlwerte. Für Salzgitter hob Analyst Ingo-Martin Schachel zudem das Kursziel deutlich von 46 auf 54 Euro an.

Analysen beflügeln Lufthansa an
Die Titel der Kranichlinie verteuern sich um mehr als vier Prozent. Die Fachleute der japanischen Bank Nomura empfehlen sie zum Kauf. Die Experten der Commerzbank bestätigten ihre Empfehlung "Add". Auch die Kurse anderer Fluggesellschaften zogen an, nachdem der britische Billigflieger Easyjet im abgelaufenen Quartal seinen Umsatz steigern konnte und einen verhalten optimistischen Ausblick gab.

Potash belastet K+S
Der weltgrößte Düngemittelproduzent Potash hat im vierten Quartal unter einer schwachen Nachfrage gelitten, aber dank seiner Beteiligungen den Gewinn trotzdem gesteigert. Die Produktion von Potash war hingegen im Schlussquartal rückläufig, wie das Unternehmen am Donnerstag im kanadischen Saskatoon mitteilte. Auf das Gesamtjahr gesehen verzeichnet der Konzern aber ein Plus.

Wacker-Aktie auf Talfahrt
Die Krise der Solarwirtschaft setzt dem Spezialchemiekonzern schwer zu, aber Wacker sieht erste Zeichen der Besserung. In den ersten Wochen des Jahres 2012 habe die Kundennachfrage wieder an Fahrt gewonnen, so das Unternehmen. Zwar seien im Halbleitergeschäft die Preise weiterhin rückläufig, aber sowohl in den Chemiebereichen als auch bei Halbleiterwafern und Polysilicium sei der Absatz im Vergleich zum vierten Quartal 2011 wieder gestiegen, sagte Finanzchef Joachim Rauhut. Die Anleger sind trotzdem nicht überzeugt. Im MDax gehört Wacker zu den wenigen Verlierern.

Loewe macht Freudensprung
Das angeschlagene Unterhaltungselektronik-Unternehmen Loewe ist im vergangenen Geschäftsjahr operativ noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Das Unternehmen aus dem oberfränkischen Kronach sieht nun aber "Dynamik im Markt", da Fernsehen und Internet in den Haushalten immer mehr verschmelzen. Für 2012 erwarte man deshalb ein Umsatzwachstum und eine deutliche Ergebnisverbesserung. Die Anleger reagieren prompt und hieven die Loewe-Aktie um über 20 Prozent in die Höhe.

H&M-Aktie bleibt am Boden
Die Zeiten als die Aktie der Modekette Hennes & Mauritz zu den Rennern am Markt gehörten sind lange vorbei. Der Konzern spürt die gestiegenen Preise für Baumwolle und kann nur dank neu eröffneter Länden seinen Umsatz weiter steigern. Weil auch das Ergebnis darunter leidet, gerät auch die Aktie zunächst unter Druck, dreht am Nachmittag aber wieder leicht ins Plus.

Nintendo in roten Zahlen
Deutlich bergab geht es mit der Aktie von Nintendo. Der japanische Spiele-Hersteller Nintendo steckt tief in der Verlustzone. Der Anbieter der Wii-Konsole rechnet nun mit einem Jahresverlust von 65 Milliarden Yen (knapp 640 Millionen Euro). Schon in den ersten neun Monaten des Jahres verbuchte Nintendo einen Verlust von 48,3 Milliarden Yen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr