Marktbericht 20:10

Neuer Anlauf zum Rekordhoch Dax auf Gipfeltour

Stand: 12.05.2014, 20:10 Uhr

Aufkommende Spekulationen über neue Lockerungsschritte der EZB haben am Aktienmarkt für kräftigen Rückenwind gesorgt. Der Dax knackt die Marke von 9.700 Punkten und folgt dabei der Wall Street. Dort hat der Dow-Jones-Index schon ein neues Allzeithoch erreicht.

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Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
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Bis zum Rekordhoch aus dem Januar bei 9.794 Punkten sind es im Dax nur noch gut 90 Punkte oder ein Prozent. Dabei hatte es heute zunächst nicht danach ausgesehen, als ob der Dax am Ende mit 9.702 Punkten über der Marke von 9.700 Zählern schließen würde. Denn Unsicherheiten über die unklare Lage in der Ostukraine nach den umstrittenen Unabhängigkeitsabstimmungen bestimmten zunächst den Handel. Der Dax sackte am Vormittag auf ein Tagestief bei 9.587 Punkten, ehe die Sorgen in den Hintergrund traten.

Seit Januar beißt sich der deutsche Leitindex am bisherigen Rekordstand die Zähne aus. Der heutige Anlauf wäre der vierte Versuch, nach oben auszubrechen. Die bisherigen Höchststände ragen wie Burgzinnen in die Höhe und bieten ein eigentümliches Bild. Ein Ausbruch nach oben wäre daher ein charttechnisch starkes, positives Zeichen.

Wende durch EZB-Banker

Die Börsenampeln sprangen am Nachmittag auf Grün, nach Äußerungen der beiden hochrangigen EZB-Banker Ewald Nowotny und Vizepräsident Vitor Constancio. Den beiden Notenbankern macht nämlich die niedrige Inflation im Euroraum zu schaffen, die erhebliche Deflationsgefahren birgt.

"Die Teuerung wird sehr wahrscheinlich für einige Zeit unter einem Prozent bleiben", sagte der EZB-Vizepräsident am Montag auf einer Konferenz in Wien. Wie jetzt reagiert wird, hängt maßgeblich von der Projektion der EZB ab, die eigentlich eine Teuerungsrate von zwei Prozent anstrebt. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hält dabei eine Zinssenkung allein nicht für ausreichend, um ein starkes Signal zu setzen. Er favorisiert ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Am Markt wird jetzt fest mit solchen Maßnahmen nach der Ratssitzung am 5. Juni gerechnet.

Dow Jones mit neuem Rekordhoch

Geholfen hat auch die gute Stimmung an der New Yorker Börse. Aktuell liegt der Dow-Jones-Index nämlich ebenfalls sehr gut im Rennen, das führende Aktienbarometer steigt 0,63 Prozent auf 16.684 Zähler. Im bisherigen Handelsverlauf hat der bedeutenste Aktienindex weltweit bei 16.695 Punkten schon ein neues Rekordhoch aufgestellt. Auch im S&P-500-Index und an der Technologienbörse Nasdaq geht es deutlich bergauf.

An der Wall Street gehen zudem milliardenschwere Übernahmemeldungen um. So hat der Hersteller des Faltenmittels Botox, Alergan, die 47 Milliarden Dollar schwere Übernahmeofferte des kanadischen Pharmakonzerns Valeant als zu niedrig abgelehnt. Pharmamulti Pfizer wirbt derweil sogar bei der britischen Regierung für sein 106 Milliarden Dollar schweres Angebot für den Konkurrenten Astra Zeneca. Und in der Lebensmittelindustrie standen die Papiere von Pinnacle Foods im Interesse der Anleger. Der Konzern, der unter anderem Tiefkühlkost herstellt, soll vom Konkurrenten Hillshire Brands für 6,6 Milliarden Dollar übernommen werden.

Euro ohne Orientierung

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro tendiert derweil ohne klare Richtung bei aktuell 1,3758 Dollar seitwärts. Die EZB hatte den Referenzpreis am Nachmittag bei 1,3765 Dollar festgelegt nach 1,3781 Dollar am Freitag. Der Ölpreis legte wegen der Ukraine-Sorgen leicht zu. neue Konjunkturdaten gab es heute nicht.

Lufthansa an der Dax-Spitze

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gut kam am Markt ein Bericht der "Börsen-Zeitung" an. Der LH-Konzern will seine finanzielle Lage trotz hoher Investitionen in die Flugzeugflotte mittelfristig deutlich verbessern. Die Verkehrszahlen für den April wurden ebenfalls positiv aufgenommen, waren aber durch den Pilotenstreik im April belastet.

Im Wechsel mit der Kranich-Airline gehörte auch Infineon zu den größten Tagesgewinnern, die damit ihren guten Lauf fortsetzten. Auch Bayer war gefragt, dessen Blockbuster Kogenate, ein Medikament gegen die Bluterkrankheit, darf in Amerika jetzt in einem weiteren Therapiefeld genutzt werden. Kogenate ist mit Umsätzen von 1,2 Milliarden Euro der größte Umsatzbringer im Pharma-Segment der Leverkusener. Es gab nur zwei Verlierer, Henkel und Merck. Commerzbank, die lange Zeit am Dax-Ende gelegen hatten, erholten sich im späten Geschäft und drehten sogar leicht ins Plus.

Telekom erholt sich

Auch die T-Aktie hat sich von den Verlusten des Vormittags erholt und ist sogar über ein Prozent ins Plus gedreht. Hier hatten Spekulationen auf einen Verkauf der Telekom-Anteile des Bundes zunächst belastet. Nach dem Willen des Bundesrechnungshofes soll die Regierung ihre Staatsbeteiligungen weiter privatisieren. Mittlerweile hat ein Sprecher des Finanzministeriums aber erklärt, der Bund plane keinen Verkauf seines 32-prozentigen Anteils an der Telekom.

Eon muss in Brasilien zubuttern

Der Energiekonzern muss sein Stromgeschäft in Brasilien mit 200 Millionen Euro aufpäppeln. Das Geld fließt in einen Restrukturierungsplan für den Versorger Eneva, an dem Eon beteiligt ist. Eon hatte im Vorjahr diese Beteiligung ausbauen müssen, nachdem der deutschstämmige Investor Eike Batista in Schwierigkeiten geraten war. Die Bundesregierung hat derweil kein Interesse daran, die Atommeiler von Eon und anderen Energieunternehmen wie RWE oder EnBW zu übernehmen. Eon tendierte mit dem Markt freundlich, RWE unterdurchschnittlich.

Sky-Aktie haussiert

Ein erneuter Anlauf des Medienzaren Rupert Murdoch zur engeren Verzahnung seiner europäischen Pay-TV-Sender war am Montag ebenfalls ein großes Gesprächsthema am Markt. Murdochs Bezahlsender British Sky Broadcasting Group (BSkyB) bestätigte, mit Murdochs Dachgesellschaft 21st Century Fox Gespräche über eine mögliche Übernahme der Bezahlsender Sky Deutschland und Sky Italia zu führen. Die Sky-Deutschland-Aktie legte im MDax um 9,94 Prozent zu.

Deutsche Bank am Jahrestief

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Relative Schwäche zeigte erneut die Aktie der Deutschen Bank. Das Geldhaus musste den Abgang eines weiteren führenden Investmentbankers bestätigen. Robert Mandeno, einer der führenden Devisenhändler der Bank, habe sich "vor Monaten entschlossen, in den Ruhestand zu gehen". Die Aktie hat seit dem Jahreshoch im Januar bei knapp 40 Euro deutlich verloren und liegt bei etwas über 31 Euro nur knapp über dem Zwölf-Monats-Tief bei 30,50 Euro. Immerhin, am Nachmittag löste sich auch das DB-Papier von seinen Tagestiefständen und gewann letztlich 0,55 Prozent.

Berichte der "Wirtschaftswoche", nach der die hauseigenen Untersuchungen in der Libor-Affäre abgeschlossen sind, wurden von Insidern gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters" aber dementiert. "Ein Ende ist derzeit nicht absehbar", zitiert die Agentur ihre Quelle. Bisher gibt es anscheinend keine Hinweise auf Verfehlungen von Top-Managern. Für Co-Chef Anshu Jain hängt davon viel ab. Die Bank wurde von der EU-Kommission bereits mit einer Strafe von 725 Millionen Euro belegt.

BMW und SGL: Big in the USA

Der Autobauer BMW und sein Joint-Venture-Partner SGL aus dem MDax wollen ihr Karbonfaserwerk im US-Bundesstaat Washington erweitern und so dem wachsenden Bedarf an dem ultraleichten Werkstoff nachkommen. Nach bisher 100 Millionen Dollar an Investitionen sollen nun weitere 200 Millionen Dollar in den Standort Moses Lake fließen, wie die beiden Unternehmen am Freitag anlässlich des ersten Spatenstichs mitteilten. Davon konnte vor allen die SGL-Aktie profitieren.

QSC: Anleger ganz angetan

Im TecDax konnte die QSC-Aktie von Zahlen profitieren. Umsatzeinbußen von 113,0 auf 109,1 Millionen Euro im ersten Quartal standen Zuwächse beim Auftragseingang um 16 Prozent auf 27,3 Millionen Euro gegenüber. Auf der Ergebnisseite machten sich wie erwartet höhere Investitionen in künftige Wachstumsfelder und der Wegfall eines Rechnungsabgrenzungspostens in Höhe von rund 5 Millionen Euro pro Quartal bemerkbar: Der Konzerngewinn lag bei 0,3 Millionen Euro nach 5,1 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Vorschusslorbeeren für SMA?

Ohne Nachrichten zog die Aktie von SMA Solar um 6,41 Prozent an und war damit größter TecDax-Gewinner. Seit dem Zwischentief am vergangenen Mittwoch bei 27,33 Euro hat sie spürbar angezogen. Der Hersteller von Wechselrichtern will am Donnerstag über das erste Quartal berichten. Händler verwiesen auch auf positive Nachrichten für den Sektor aus den USA. Denn US-Präsident Barack Obama will die Solarenergie weiter fördern und den Ausstoß von Kohlendioxid in seinem Land senken.

Celesio leidet weiter unter Rabattschlacht

Dagegen wusste Celesio wenig Berauschendes zu berichten, die Aktie gehörte zu den Verlierern im MDax. Die anhaltende Rabattschlacht im deutschen Medikamentenhandel hat bei dem kürzlich vom US-Konzern McKesson übernommenen Pharmahändler auf das operative Ergebnis gedrückt.

DIC Asset gut gestartet

Im SDax berichtete die Immobiliengesellschaft DIC Asset über einen erfolgreichen Start ins neue Geschäftsjahr. Die in der Branche wichtige Kennziffer FFO (Funds From Operations) der ersten drei Monate übertraf mit 12,0 Millionen Euro das Vorjahresergebnis deutlich um sieben Prozent. Vor allem die höheren Mieteinnahmen sowie höhere Ergebnisbeiträge aus dem Fondsgeschäft trugen hierzu bei. Höhere Zinskosten sorgten allerdings für einen geringeren Nettogewinn.

CTS Eventim legt zu

Auch Indexkollege CTS Eventim berichtete über eine gelungenen Start ins neue Jahr. Der Umsatz legte im ersten Quartal um 24,2 Prozent auf 150,4 Millionen Euro zu. Das operative Ergebnis (Ebitda) stieg um 12,5 Prozent auf 32,3 Millionen Euro. Sowohl die Verkäufe von Eintrittskarten als auch der Bereich Live-Entertainment legten zu.

Drillisch in Rekordlaune

Die Mobilfunkholding aus dem TecDax hatte nach den Zahlen zum ersten Quartal mit 27,66 Euro zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch markiert. danach fiel das Papier aber wieder zurück und schloss sogar leicht im Mnus. Seit dem Sommer des vergangenen Jahres hat sich die Aktie allerdings mehr als verdoppelt.

Drillisch hatte das operative Ergebnis (Ebitda) im ersten Quartal deutlich um 26,8 Prozent auf 20,5 Millionen Euro gesteigert. Auch im Ausblick auf 2014 und 2015 äußerte sich das Unternehmen zuversichtlich.

Cropenergies kürzt die Dividende

Der Bioethanolhersteller reagiert auf einen deutlichen Gewinneinbruch im Geschäftsjahr 2013/14 und kürzt die Dividende um die Hälfte auf 0,10 Euro. Das operative Ergebnis war von 87 auf 34,5 Millionen Euro gefallen. Cropenergies gehört zu 70 Prozent dem Zuckerproduzenten Südzucker aus dem MDax. Der Mehrheitseigner erhält nun nur noch sechs Millionen Euro. Im Vorjahr waren zu den 0,20 Euro noch 0,06 Euro als Zusatzausschüttung gezahlt worden. Als Grund für den Gewinnrückgang nannte das Unternehmen den Preisrückgang bei Bioethanol. Vor allem illegale Biosprit-Importe aus Amerika nannte Cropenergies als Hauptgrund.

Masterflex gut auf Kurs

Der Hersteller von High-Tech-Schläuchen und Verbindungssystemen berichtete über ein Umsatzplus von 11,5 Prozent im ersten Quartal. Die Erlöse stiegen im Jahresvergleich von 14,3 auf 16,0 Millionen Euro. Firmenchef Andreas Bastin war zufrieden und sprach von gut laufenden Geschäften. Die im Prime Standard der Deutschen Börse notierte Aktie legte um drei Prozent deutlich zu.

Aurelius mit historischen Quartalszahlen

Jenseits der großen Indizes machte auch Aurelius mit frischen Rekordwerten auf sich aufmerksam: Die Beteiligungsgesellschaft hat im ersten Quartal 2014 mit einem Ebitda von 66,2 Millionen Euro das erfolgreichste Quartal der Firmengeschichte geschrieben. Das bedeutete im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Plus von 327 Prozent. Erfolgreiche Exits lieferten einen positiven Ergebnisbeitrag von 32 Millionen Euro.

Katastrophale Zahlen von Asian Bamboo

Das Unternehmen, das Bambusplantagen betreibt, vermeldet für 2013 einen Umsatzrückgang von 55 Prozent auf 31,4 Millionen Euro, das Minus im Konzern verzehnfachte sich im Jahresvergleich auf 199,99 Millionen Euro. Das Eigenkapital sank von 288 auf 86,7 Millionen Euro. Asian Bamboo spricht von schwierigen Rahmenbedingungen. Geklagt wurde vor allem über weniger landwirtschaftliche Helfer bei gleichzeitig steigenden Löhnen.

Die Anleger haben schon lange das Vertrauen in das Unternehmen verloren. Der Kurs ist seit dem Herbst 2010 dramatisch gefallen. Von einstmals über 41 Euro auf aktuell 1,10 Euro. Prozentual verlor die Aktie heute weitere gut zehn Prozent. Das Papier ist im Prime Standard der Frankfurter Börse notiert.

UniCredit deutlich besser als erwartet

Die italienische Großbank, Muttergesellschaft der Hypovereinsbank, hat im ersten Quartal 712 Millionen Euro verdient, das ist deutlich mehr als die 550 Millionen Euro, die Experten im Vorfeld prognostiziert hatten. Die Aktie legte an der Mailänder Börse deutlich zu. Die Bank hatte im bereits Vorjahr im Hinblick auf den großen Stresstest der EZB die Bilanz kräftig ausgekehrt und dabei einen Jahresverlust von 14 Milliarden Euro verbucht. Im laufenden Jahr sollen rund zwei Milliarden Euro verdient werden.

rm

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Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)