Dax auf Fastenkur

Stand: 04.04.2012, 20:04 Uhr

Fasten in der Karwoche - das gilt auch an den Börsen. Der Dax setzte am Mittwoch seine Abmagerungskur fort und speckte fast 200 Punkte ab. Denn die Hoffnung auf weitere üppige Geldspritzen in den USA schwindet zunehmend. Und auch Spanien bremst den Appetit auf Aktien.

Ausverkaufsstimmung auf dem Börsenparkett kurz vor dem langen Osterwochenende: Der Dax rauschte am Mittwoch um fast drei Prozent nach unten und fiel auf 6.784 Punkten. Kleiner Trost: Im späten Parketthandel eroberte der L-Dax die Marke von 6.800 Zählern wieder zurück. Seit Kardienstag hat das deutsche Börsenbarometer gut 300 Punkte verloren.

Auch an der Wall Street ging es bergab. Der Dow gab bis zum Abend gut ein Prozent ab und notierte nur noch knapp über 13.000 Zähler. Die Nasdaq büßte über zwei Prozent ein.

Händler zeigten sich überrascht über die Dax-Talfahrt. "Dass es so heftig nach unten geht, war sicher nicht zu erwarten", meinte ein Börsianer- Die Vorsicht der Anleger sei aber verständlich. Schließlich könnten die Investoren wegen Karfreitag und der Osterfeiertage erst am Dienstag auf den monatlichen US-Arbeitsmarktbericht reagieren.

Fed ernüchtert die Börsen
Zudem drückte die Fed die Stimmung an den Börsen weltweit. Anleger befürchten, dass sich die Politik des billigen Geldes dem Ende nähert. Wie aus dem Sitzungsprotokoll der Fed vom 13. März hervorgeht, sprechen sich immer weniger Notenbanker für eine zusätzliche Geldspritze zur Ankurblung der US-Konjunktur aus. "Das ist für den Markt eine große Enttäuschung, die Aussicht auf billige und überbrodelnde Liquidität war doch zu verlockend", meinte ein Händler. Börsenbriefautor Hans Bernecker sah in der Reaktion auf das Fed-Protokoll "ein Spiegelbild übertriebener Erwartungen". Mehr als das bisher Gelaufene könne von der Notenbank nicht abverlangt werden.

Draghi warnt vor Inflationsrisiken
Anders als die Fed dämpfte Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Spekulationen auf einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Solche Mutmaßungen seien verfrüht, sagte er auf der Pressekonferenz in Frankfurt. Den Leitzins beließ die EZB wie erwartet bei 1,0 Prozent. Draghi warnte vor anhaltenden Aufwärtsrisiken für die Inflation wegen des hohen Ölpreises. Und: Die Wirtschaftsdynamik werde durch Spannungen an den Rentenmärkten und hohe Arbeitslosigkeit weiter gedämpft.

Spanien muss für Anleihen mehr Zinsen hinlegen
Für zusätzliche Verunsicherung sorgte Spanien. Bei der Auktion von Staatsanleihen musste das in die Rezession abgerutschte Land den Investoren höhere Renditen zahlen als zuvor. Sie lagen bei 2,89 bis 5,34 Prozent. Zuletzt hatte Spanien bei ähnlichen Auktionen nur 2,44 bis 5,15 Prozent bieten müssen. Die Kurse zehnjähriger spanischer Anleihen weiteten ihre Verluste aus.

Der Euro verlor innerhalb von 24 Stunden mehr als zwei Cent und stürzte auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen. Am frühen Abend notierte die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,3140 Dollar. Am Vortag hatte der Euro noch deutlich über der Marke von 1,33 Dollar gelegen.

ISM-Index enttäuscht
Last but not least gab es auch noch schwache US-Konjunkturdaten, die die Märkte belasteten. So trübte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor überraschend ein. Der ISM-Index sank von 57,3 Punkten im Februar auf 56,0 Zähler im März. Volkswirte hatten einen weniger starken Rückgang auf 56,8 Punkte prognostiziert. Der Index gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA. Positive Arbeitsmarktdaten aus den USA ignorierten die Anleger. Die Zahl der Beschäftigten stieg laut dem Dienstleister ADP im März um 209.000. Volkswirte hatten mit etwas schwächeren Zuwachs um 205.000 Beschäftigte gerechnet.

Deutsche Bank lobt Merck
Im Dax gab es nur Verlierer. Am glimpflichsten kam noch Merck mit einem Minus von knapp 1,5 Prozent davon. Zeitweise lag die Aktie gar im Plus - dank der Deutschen Bank. Deren Analysten haben ihre Kaufempfehlung für Merck bekräftigt und das Kursziel von 90 auf 102 Euro gesetzt. Den geplanten Konzernumbau mit Stellenstreichungen und Effizienzsteigerungen bewerteten die Experten positiv. Das Wandlungspotenzial des Unternehmens sei groß.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler-HV unter schlechtem Stern
Im Kreuzfeuer der Kritik stand am Mittwoch Daimler-Chef Dieter Zetsche. Auf der Hauptversammlung in Berlin warfen mehrere Großaktionäre und Aktionärsschützer dem 58-Jährigen mit seinem markanten Schnauzbart Versäumnisse vor. "Daimler ist gut, aber die Wettbewerber sind besser", sagte Aktionärsschützer Michael Kunert von der SdK. "Der Glanz des Sterns verblasst im Schatten der übermächtigen Wettbewerber", schimpfte Fondsmanager Ingo Speich von der Union Investment. Nicht Daimler, sondern BMW und Audi seien heute im Premiumsegment das Maß aller Dinge. "Unser Unternehmen ist auf dem Weg zur Bestform, aber noch nicht am Ziel", räumte Daimler-Boss Zetsche ein. "Wir trauen uns noch mehr zu, das gilt auch für den Aktienkurs." Im ersten Quartal verkaufte Daimler so viele Autos wie noch nie zuvor. Der Absatz stieg um zwölf Prozent auf gut 340.000 Stück.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,44
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+0,43%

Eon erhöht Strompreise
Der Energieversorger kündigte am Mittwoch an, erneut an der Preisschraube zu drehen. Sechs der sieben Regionalgesellschaften von Eon heben die Preise an. Ab Juni müssen mehrere Millionen Eon-Kunden durchschnittlich fünf Prozent mehr bezahlen. Bislang haben nach Informationen des Portals Verifox gut die Hälfte der 850 deutschen Stromversorger in diesem Jahr die Preise erhöht.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,06
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SanDisk reißt Infineon nach unten
Schlusslicht im Dax war Infineon. Die Aktien sackten um fast sechs Prozent ab. Schuld war die Umsatzwarnung des US-Speicherchipherstellers SanDisk. Die Aktien von SanDisk brachen um rund zehn Prozent an der New Yorker Börse ein. Nach dieser Warnung "bekommen auch andere Chiphersteller was auf die Mütze", meinte ein Händler.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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23,16
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+0,61%

Nachtflugverbot trifft Lufthansa hart
Zweitgrößter Verlierer im Dax war die Lufthansa-Aktie mit einem Minus von 4,5 Prozent. Die Kranich-Airline litt unter dem Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen, das am Mittwoch vom Bundesverwaltungsgericht bekräftigt wurde. Lufthansa-Chef Christoph Franz sprach von einem "schweren Schlag für die deutsche Wirtschaft". Laut Lufthansa-Cargo-Chef Karl Ulrich Garnadt werde das Verbot das Unternehmen jährlich 40 Millionen Euro an operativem Ergebnis kosten. Manche Experten erwarten, dass Lufthansa Cargo Teile des Geschäfts an andere Flughäfen verlagern.

Nicht ganz so stark unter Druck stand die Aktie von Fraport. Sie verlor lediglich drei Prozent. Der Flughafenbetreiber will das Verbot akzeptieren - so schwierig und ärgerlich das insbesondere für Frachtflüge sei, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte.

Aareal-Bank-Chef macht weiter bis 2018
Im MDax gab es ebenfalls nur Verlierer, allen voran die Aktien von Aareal Bank, die fast sechs Prozent nachgaben. Sie litten unter dem schwachen Marktumfeld für Bankwerte. Am Mittag gab die Aareal Bank bekannt, dass Wolf Schumacher bis 2018 Vorstandschef bleiben soll. Der Aufsichtsrat habe den Vertrag vorzeitig ein Jahr vor Ablauf um weitere fünf Jahre verlängert. Schumacher führt den Wiesbadener Immobilienfinanzierer seit 2005 und führte ihn zurück in die Gewinnzone.

Brüssel genehmigt Baywa-Joint-Venture
Am Abend gaben die EU-Wettbewerbshüter grünes Licht für das Gemeinschaftsunternehmen von Baywa und Agrana im Bereich Fruchtsaftkonzentrat. Die Transaktion soll Anfang Juni abgeschlossen werden. Die Baywa-Aktie schlug sich mit einem Minus von gut einem Prozent besser als der Gesamtmarkt.

Axel Springer bietet Jobs für Briten
Der Medienkonzern Axel Springer baut sein Geschäft im Bereich der Online-Stellenanzeigen aus. Für rund 132 Millionen Euro übernimmt die Springer-Tochter Stepstone die britische Totaljobs-Gruppe. Damit wird der Medienkonzern zum größten Online-Stellenanbieter auf der Insel. Die Springer-Aktien gaben rund zwei Prozent nach.

Bei Catoil rollt der Rubel
Zu den wenigen Gewinnern im SDax gehörte die Aktie Catoil mit einem Plus von 1,6 Prozent auf 6,28 Euro. Der österreichische Ölfelddienstleister hat von dem russischen Energiekonzern Gazprom einen Auftrag in Höhe von 17 Millionen Euro erhalten. Insgesamt verfügt Catoil nun über einen Gesamtorderbestand von 284 Millionen Euro - das sind 28 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Solarworld in der Finsternis
Im TecDax standen ebenfalls die meisten Aktien auf dem Verkaufszettel, besonders Solarwerte. Die Titel von SMA Solar verloren fast acht Prozent. Die Aktien von Solarworld büßten erneut über gut fünf Prozent ein und notierten mit 2,12 Euro auf dem tiefsten Stand seit über sieben Jahren. Ein negativer Analystenkommentar brachte die Titel des einstigen deutschen Solarvorzeigeunternehmens unter Druck. Die Experten von Barclays senkten ihre Umsatz- und Ergebnisschätzungen für das laufende Jahr. Das Kursziel reduzierten sie von 3,20 Euro auf 2,50 Euro.

Übernahmeangebot für Augusta
Gut 20 Prozent konnte die Aktie von Augusta Technologie zulegen. Die niederländische Technologie-Holding TKH will den Spezialkamera-Hersteller für 162 Millionen Euro übernehmen und bietet 21 Euro je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 17 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstag. Augusta war einer der Pioniere des inzwischen abgeschafften Neuen Markts.

WMF brüht Gewinn auf
Der Konsumgüterhersteller WMF hat im abgelaufenen Jahr 44,4 Millionen Euro verdient - gut 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz kletterte von 901,6 auf 979,4 Millionen Euro. 2012 soll die Milliarden-Marke geknackt werden. Den WMF-Aktionären winkt eine um zehn Cent höhere Dividende von 1,40 Euro je Anteilsschein. Zudem stärkt das Geislinger Unternehmen sein Kaffeemaschinengeschäft mit dem Erwerb von CMA, einem der führenden Espresso-Maschinen-Anbieter. Die Aktien von WMF verloren knapp vier Prozent.

Monsanto: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
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-0,41%

Monsanto hebt Prognose an
Aus dem Ausland überraschte der weltgrößte Agrar- und Biotechnikkonzern Monsanto mit starken Quartalszahlen. Von Dezember bis Februar verdiente der Gentechnik-Konzern 1,2 Milliarden Dollar - fast ein Fünftel mehr als im Vorjahreszeitraum. Vor allem in den USA und in Lateinamerika lief es gut. Besonders gefragt war Genmais. Monsanto rechnet nun mit einem höheren Gewinn im Gesamtjahr. Der Gewinn je Aktie soll zwischen 3,49 bis 3,54 Dollar liegen. Zuvor war das obere Ende der Spanne zwischen 3,39 und 3,44 Dollar je Aktie anvisiert worden.

JP Morgan büßt für Lehman-Pleite
Die US-Geschäftsbank JP Morgan hat das Kapitel Lehman Brothers endlich abgeschlossen. Das Geldinstitut einigte sich mit der US-Finanzaufsichtsbehörde CFTC auf eine Strafzahlung von 20 Millionen Dollar. Die CFTC hatte gegen JP Morgan ermittelt, weil sie Einlagen von Lehman vor deren Insolvenz im September 2008 rechtswidrig gehandhabt haben soll.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 15. August

Unternehmen:

Zur Rose Group: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Stratec: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
ADO Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Leoni: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
LPKF: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Cisco Systems: Q4-Zahlen, 22:05 Uhr
MVV Energie: Q3-Zahlen
Vestas: Q2-Zahlen

Konjunktur
Großbritannien: Verbraucherpreise 07/18, 10:30 Uhr
USA: Produktivität Q2, 14:30 Uhr
USA: Empire State Index 08/18
USA: Einzelhandelsumsatz 07/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 07/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 07/18, 15:15 Uhr
USA: Lagerbestände 06/18, 16:00 Uhr
USA: NAHB-Index 08/18, 16:00 Uhr
USA: Energieministerium Ölpreise (wöchentl.), 16:30 Uhr

Sonstiges:
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