Marktbericht 20:03 Uhr

Brexit-Sorgen nehmen zu Dax auf Dreimonats-Tief

Stand: 14.06.2016, 20:03 Uhr

Die Talfahrt an den Börsen hält an. Wegen der zunehmenden Brexit-Angst fiel der Dax den fünften Tag in Folge. Für zehnjahrige Bundesanleihen mussten Anlager erstmals negative Renditen hinnehmen. Und es kann noch schlimmer kommen...

Neun Tage vor dem Referendum befinden sich die EU-Gegner in Großbritannien auf dem Vormarsch. Neuesten Umfragen zufolge liegen die Brexit-Befürworter sieben Prozentpunkte vorn. Zudem hat sich die auflagemnstärkste britische Zeitung "Sun" offen für den Austritt der Briten aus der EU ausgesprochen.

Fünfter Verlusttag in Folge

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.341,00
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-0,11%

Diese Zuspitzung der Lage trieb die Anleger weiter aus Aktien. Der Dax sackte erneut um 1,4 Prozent ab und konnte sich knapp über der Marke von 9.500 Punkten behaupten. Auch der EuroStoxx50 büßte zwei Prozent ein. Beide Indizes fielen somit den fünften Tag in Folge.

Brexit überschattet die Börse

Die Angst vor einem Brexit "hat fast jegliche Risikobereitschaft an den europäischen Kapitalmärkten zum Erliegen gebracht", schreibt Investmentanalyst Werner Bader von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in seinem Tageskommentar. "Das Briten-Referendum wirft düstere Schatten über die Börsen." "Sicherheit ist angesagt", meint Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Einige sehen sogar eine Rezessionsgefahr für die Eurozone." Ein Austritt Großbritanniens aus der EU hätte für die gesamte EU fatale Folgen. "Anlegern drohen nach einem Brexit Jahre der Unsicherheit", meinte Martin Lück, Deutschland-Chefstratege von Blackrock.

Warten auf die Fed

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Keine Entlastung kam von der Wall Street. Die US-Börsen weiteten ihre Verluste aus. Der Dow notierte zwei Stunden vor Handelsschluss 0,7 Prozent tiefer. Die nahende Zinssitzung der Fed lähmte die Anleger. Die Investoren erhoffen sich am Mittwochabend Signale von Fed-Chefin Janet Yellen, ob sie die Geldpolitik im September oder Dezember weiter straffen will. Die neuesten Konjunkturdaten zeigen eine Belebung des Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Mai stärker als erwartet um 0,5 Prozent.

Ölpreise rutschen wieder ab

Außerdem belasteten die fallenden Ölpreise die Stimmung an der Wall Street. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 1,4 Prozent auf 49,62 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Goldpreis konnte von der großen Anlegerverunsicherung dagegen nicht profitieren. Der Preis für die Feinunze Gold fiel nach dem jüngsten Anstieg leicht.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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56,74
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.222,36
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Rendite der Bundesanleihen unter null

Die Anleger flüchteten in vermeintlich sichere Anleihen. Das hat gravierende Folgen: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen in den negativen Bereich gerutscht. Anleger zahlen bei deutschen Staatsanleihen bis zu einer Laufzeit von zehn Jahren also eine Gebühr, statt Zinsen zu kassieren. Damit ist es offiziell: Die EZB enteignet mit ihrer laxen Geldpolitik die Sparer.

Yen und Franken gesucht

Beunruhigend sind auch die jüngsten Entwicklungen am Devisenmarkt: Dort gehen viele Anleger auf Nummer sicher und kauften Franken und Yen, der Euro wurde dagegen verkauft. Der Franken stieg gegenüber dem Euro auf ein neues Jahreshoch, der Yen gar auf ein Dreijahres-Hoch. Der wiedererstarkende Yen ist wegen seiner Bedeutung für den Yen-Carry-Trade und damit für die weltweite Liquidität der Aktienmärkte ein klares "Risk off"-Signal.

Es drohen weitere Kursverluste

Händler halten in den nächsten Tagen weitere Kursverluste für wahrscheinlich. Es sei denn, es würde durch verbale Intervention von Notenbankern oder Politikern oder durch sich ändernde Meinungsumfragen in Großbritannien wieder Ruhe einkehren.

Kepler drückt Lufthansa

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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20,15
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+0,30%

Im Dax gab es nur einen einzigen Gewinner: Henkel. Auf der Verliererseite rangierte die Lufthansa-Aktie. Negative Analystenstimmen zogen den Luftfahrt-Titel auf den tiefsten Stand seit September 2015. So hat Kepler Cheuvreux Lufthansa von "Hold" auf "Reduce" herabgestuft und die Anleger mit einem Kursziel von 8,50 Euro geschockt.

Porsche-Piech-Clan könnte Machtverhältnisse bei VW verschieben

Gut zwei Wochen vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung von VW herrscht immer noch Uneinigkeit im Aufsichtsrat über die Zahlung einer Dividende. Die Vertreter der Familien Porsche und Piech sind gegen die geplante Minidividende von elf Cent je Stammaktie und 17 Cent je Vorzugsaktie. In den kommenden Tagen wollen die Mitglieder des Porsche-Piech-Clans über ein gemeinsames Vorgehen beraten.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
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-2,52%

Am Montag ist eine Aufsichtsratssitzung der Porsche SE anberaumt, auf der das Abstimmungsverhalten für die VW-HV festgelegt werden soll, sagten Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Sollte die Dividende zwei Jahre nacheinander ausfallen, erhalten die stimmrechtlosen Vorzugsaktien ein Stemmrecht. Dann würde der Anteil Niedersachsens unter die wichtige Schwelle von 20 Prozent fallen, das Land würde seine Sonderstellung als VW-Aktionär verlieren.

Dividendenhoffnungen bei der PBB

Aus dem MDax ragte die Aktie der Deutschen Pfandbriefbank mit einem Plus von fast drei Prozent positiv heraus. Das Düsseldorfer Bankhaus Lampe hat den Titel mit "Kaufen" und einem Kursziel von 13 Euro in die Bewertung aufgenommen. In den nächsten fünf Jahren sollen Dividenden von bis zu 3 Euro je Aktie an die Anteilseigner ausgeschüttet werden.

Brenntag will weiter klotzen

Der weltgrößte Chemikalienhändler Brenntag will seine Einkaufstour auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Zukäufe seien im Volumen von jährlich durchschnittlich 200 bis 250 Millionen Euro geplant, sagte Konzernchef Steven Holland am Dienstag bei der Hauptversammlung in Düsseldorf. Die Aktie fiel um über ein Prozent.

Gegengebot für Kuka?

Im späten Handel drehte die Kuka-Aktie ins Plus. Börsianer verwiesen auf einen Artikel in der Online-Ausgabe des "Wall Street Journal" ("WSJ"). Dort wurde spekuliert, dass der schweizerische Industriekonzern ABB ein Gegenangebot für Kuka erwägen würde, wenn er von den Deutschen darum gebeten würde. Damit könnte der chinesische Midea-Konzern ausgestochen werden, der ein offizielles Angebot für Kuka am Donnerstag vorlegen wird.

ElringKlinger kauft ein

Der Autozulieferer ElringKlinger verstärkt sich im Werkzeugbau. Am Nachmittag gaben die Schwaben die Übernahme der insolventen Maier Formenbau aus Bissingen/ Teck bekannt. Über die Hohe des Deals wurden keine Angaben gemacht. Maier kam 2015 auf einen Umsatz von sechs Millionen Euro. Die Elring-Klinger-Aktien gaben zwei Prozent nach.

Gerry Weber glänzt nicht mehr

Gerry Weber: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
2,74
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+12,96%

Der über Jahre erfolgsverwöhnte Modekonzern Gerry Weber kämpft mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2015/16 fiel der Überschuss des SDax-Unternehmens von 11,4 auf 1,7 Millionen Euro. Das ist ein Minus von 85 Prozent! Die Aktie von Gerry Weber sackte um rund fünf Prozent ab.

Apple lässt mehr mit seinen Geräten sprechen

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
169,20
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Apple setzt bei der Bedienung seiner Geräte künftig viel stärker auf Sprache und zieht so mit Rivalen wie Google und Amazon mit. Alle App-Entwickler werden die sprechende Assistentin Siri in ihre Anwendungen integrieren können. Außerdem kommt Siri im Herbst schließlich auch auf Apples Mac-Computer. Die Apple-Aktien gaben leicht nach.

Alibaba schraubt Ziele hoch

Alibaba ADR: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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135,53
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An der Wall Street gefragt waren die Aktien von Alibaba. Sie stiegen um rund drei Prozent. Der größte chinesische Online-Händler kündigte auf einer Investorenkonferenz an, bis 2020 den Gesamtwert der abgewickelten Geschäfte (Bruttowarenwert) auf umgerechnet 806 Milliarden Euro in diesem Geschäftsjahr zu verdoppeln.

Baidu rudert zurück

Der größte chinesische Internetsuchmaschinen-Betreiber Baidu hat indes seine Umsatzprognose für das laufende Quartal heruntergeschraubt. Grund seien neue Vorgaben der Behörden, die die Zahl der Werbeanzeigen für Arzneimittel und medizinische Therapien begrenzten. Die Aktien von Baidu gaben 1,5 Prozent nach.

nb

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"