Marktbericht 20:02

Zwischen Ukraine-Krise und Wirtschaftsaufschwung Dax: Anleger zwischen Hoffen und Bangen

Stand: 05.05.2014, 20:02 Uhr

Der Dax hat zum Wochenauftakt einen Schwächeanfall erlitten. Die Eskalation der Gewalt in der Ukraine sowie enttäuschende Konjunkturdaten aus der Europa drückten zunächst auf die Stimmung. Am Nachmittag sorgten dann positive Meldungen aus der US-Wirtschaft für eine Erholung. Doch die Lage bleibt angespannt.

Der Dax dämmt am späten Montagnachmittag seine Verluste von zeitweise 150 Punkten deutlich ein und schließt bei 9.529 Zählern, ein Minus von 0,28 Prozent oder 26,5 Punkten. Wegen der esklalierenden Ukraine-Krise und enttäuschender Wachstumszahlen in der Eurozone war das Börsenbarometer am Vormittag wie ein Stein um 120 Punkte auf 9.420 Zähler gesunken und markierte am frühen Nachmittag bei 9.407 ein Tagestief. Erst die Meldung von einer deutlich erholten US-Wirtschaft brachte ein wenig Vertrauen zurück.

Tatsächlich hat sich die amerikanische Wirtschaft vom verheerenden Wintereinbruch schneller erholt als gedacht. So ist der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor im April um 2,1 auf 55,2 Punkte gestiegen, wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte. Analysten hatten lediglich mit einem Anstieg auf 54,1 Zähler gerechnet.

Die Daten gelten als weiterer Beleg dafür, dass sich die US-Wirtschaft von dem Konjunktureinbruch im Winter inzwischen gut erholt hat. "Nach der Stagnation im ersten Quartal dürfte die US-Wirtschaft im Frühjahr wieder Fahrt aufnehmen", kommentierte Experte Ralf Umlauf von der Helaba.

Auch an der Wall Street drängt die Nachricht von der raschen Erholung der Wirtschaft die Furcht vor einer Eskalation des Ukraine-Konflikts in den Hintergrund. Der Dow Jones-Index kann seine Verluste von zeitweise 0,75 Prozent ebenfalls deutlich verringern und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt beinahe auf dem Schlussniveau vom Freitag bei 16.507 Punkten.

Schwache Konjunkturaussichten in Europa

Zuvor hatte die befürchtete Schwäche der Wirtschaft in China für Gewinnmitnahmen gesorgt. Der HSBC-Einkaufsmanagerindex hatte auch im April abnehmende Industrietätigkeit in China gezeigt. Auch in der EU kommt die Wirtschaft nur schleppend voran. Im laufenden Jahr erwartet die Brüsseler Kommission nach wie vor ein schwaches Wachstum für die Euroländer von nur 1,2 Prozent. Für das kommende Jahr revidierte die EU-Behörde ihre Erwartung mit 1,7 Prozent leicht nach unten.

Die weitere Entwicklung beim Dax stehe und falle mit der Krise in der Ukraine, meint Christian Henke von IG Markets. Die Nervosität sei förmlich zu spüren. Dafür spricht auch der zuletzt wieder gestiegene Volatilitätsindex VDax. Und Jens Klatt von Daily FX ist gar überzeugt, dass die Erholung am Nachmittag nur von kurzer Dauer sein wird. Denn der Konflikt in der Ukraine eskaliere.

Sicherer Hafen Gold

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Furcht vor der Gewalt in der Ukraine hat den Goldpreis nach oben getrieben. Das Edelmetall verteuerte sich in der Spitze um 1,2 Prozent auf ein Drei-Wochen-Hoch von 1.315 Dollar je Feinunze. Die Krise in der Ukraine mache den sicheren Hafen Gold beliebt, sagte Ole Hansen von der Saxo Bank.

Euro stabil

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro hat auch am Montag Stärke gezeigt. Robuste US-Wirtschaftsdaten konnten den Aufwärtstrend nicht aufhalten. Bei Börsenschluss in Frankfurt kostete die Gemeinschaftswährung 1,3876 Dollar und damit in etwa soviel wie vor dem Wochenende. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3874 (Freitag: 1,3862) Dollar fest.

Pfizer schwächelt

Mitten in der Übernahmeschlacht um den britisch-schwedischen Konkurrenten AstraZeneca zeigt der amerikanische Pharmariese Pfizer Schwächen. Im ersten Quartal ging der Überschuss um 15 Prozent auf 2,33 Milliarden Dollar zurück. Neben dem Umsatzrückgang für ehemalige Kassenschlager wie den Blutfettsenker Lipitor bekam der Konzern auch heftigen Gegenwind von Währungsseite zu spüren.

BASF mit Dividendenabschlag

Größter Dax-Verlierer ist die BASF-Aktie. Allerdings notiert der Titel ex Dividende, die Kursverluste sind also zum allergrößten Teil dem Dividendenabschlag in Höhe von 2,70 Euro geschuldet.

Merck: Endlich am Ziel

Dagegen kann die Merck-Aktie sogar zulegen. Die Darmstädter haben es nach langem Ringen dann doch noch geschafft, die britische Spezialchemiefirma AZ Electronic Materials für rund zwei Milliarden Euro zu übernehmen.

Deutsche Bank büßt mit

Zu den schwächsten Werten im Dax gehört dagegen die Aktie der Deutschen Bank. JPMorgan hatte am Freitagabend nach Börsenschluss mitgeteilt, die Handelsumsätze im zweiten Quartal dürften um 20 Prozent unter dem Niveau des zweiten Quartals 2013 liegen. "Diese Aussagen dürften auch den Aktien der Deutschen Bank zusetzen, die ziemlich abhängig vom Anleihehandel ist", kommentierte ein Händler.

SAP: Ein Top-Manager weniger

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch SAP büßt überdurchschnittlich ein, nachdem erneut ein Top-Manager das Unternehmen verlässt. Vishal Sikka, verantwortlich für den Bereich Produkte und Innovationen, hat nach SAP-Angaben aus persönlichen Gründen seinen sofortigen Rücktritt bekannt gegeben. Am Markt wird dies negativ aufgenommen. Sikka galt als eine der Schlüsselfiguren für das Vorankommen der Echtzeitdatenbank HANA.

Cancom schwebt auf Wolke sieben

Im TecDax sind die Aktien von Cancom der mit Abstand beste Wert und weiten im Tagesverlauf ihre Gewinne immer weiter aus. Grund ist die Veröffentlichung von Eckdaten zum ersten Quartal. Danach steigerte der IT-Dienstleister seinen Umsatz zum Jahresauftakt um mehr als ein Drittel - auf organischer Ebene betrug das Wachstum 13 Prozent. Das um Einmaleffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) legte um gut die Hälfte zu.

Deutsche Bank befeuert Nordex

Nordex: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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In ihrem Lauf überholt Cancom sogar die Nordex-Aktie und verweist sie auf den zweiten Platz unter den TecDax-Gewinnern. Nordex haussiert, nachdem sie von der Deutschen Bank von "Hold" auf "Buy" heraufgestuft wurde. Die für 2015 gesteckten Unternehmensziele erschienen zu vorsichtig, so die Analysten. Spätestens in der zweiten Jahreshälfte müsse der Windkraftanlagenbauer vermutlich die Ziele anheben.

Wincor leidet unter Ukraine-Konflikt

Im MDax ist die Wincor-Aktie nach einem Umsatz unter Erwartungen der mit Abstand größte Verlierer. In der Ukraine und in Russland seien wegen der Unruhen Aufträge verschoben worden, sagte der Konzernchef im Reuters-Interview. "Das tut uns schon weh."

Wacker lässt Luft ab

Auch die ebenfalls im MDax notierte Wacker-Chemie-Aktie verbucht hohe Verluste. Der Konzern wurde den Vorschusslorbeeren (plus 4,7 Prozent am Freitag) nicht gerecht. Anleger zeigten sich enttäuscht vom operativen Ergebnis (Ebitda) im ersten Quartal, das mit 285 Millionen Euro hinter den Analystenschätzung zurückblieb.

Fuchs Petrolub kann nicht begeistern

Vorzüge von Fuchs Petrolub gehen nach Zahlen ebenfalls deutlich in die Knie und fallen auf rund 70 Euro zurück. Zwar hat der Schmierstoffhersteller im ersten Quartal bei Umsatz und Gewinn neue Rekordwerte einfahren können. Doch die Zahlen entsprächen lediglich den Erwartungen oder seien zum Teil darunter, erklärten Analysten.

MAN schafft Sprung in Gewinnzone

Derweil berichtet MAN über einen Gewinn von 28 Millionen Euro im ersten Quartal, nach einem Verlust im Vorquartal. Mit den weiteren Kennziffern (Umsatz, Ebit) verfehlte der Lastwagen- und Maschinenbauer zwar die Erwartungen der Analysten. Doch diese waren bereits seit der VW-Quartalsbilanz in der vergangenen Woche bekannt.

Hamborner REIT mit gutem Auftaktquartal

Die im SDax notierte Hamborner REIT AG ist nach eigenen Worten "operativ erfolgreich" ins Geschäftsjahr 2014 gestartet. Der FFO der ersten drei Monate lag mit 6,4 Millionen Euro um rund vier Prozent über Vorjahresniveau. Der Periodenüberschuss stieg um rund 70 Prozent auf 6,3 Millionen Euro.

Alstria verdient weniger

Dagegen hat das ebenfalls im SDax notierte Immobilienunternehmen Alstria Office im ersten Quartal Einbußen bei Umsatz und operativem Ergebnis verbucht. An ihren Prognosen für 2014 hält die Gesellschaft fest, die Dividende soll wie im Vorjahr 0,50 Euro je Aktie betragen. Der Umsatz ist mit 25,9 Millionen Euro um 1,4 Prozent unter dem Vorjahreswert zurück geblieben. Die operative Ergebnisgröße FFO sei um 8,5 Prozent auf 12,7 Millionen Euro gesunken.

Verbio erhöht Prognose

Einen Freudensprung macht im nachbörslichen Handel macht die Aktie der Verbio Vereinigte BioEnergie AG. Das Unternehmen hebt erneut die Prognose an. Aktuell erwartet Verbio für das Geschäftsjahr 2013/2014 ein Ebitsa zwischen 36 Millionen und 40 Millionen Euro, statt 30 bis 35 Millionen und ein Ebit in der Bandbreite von 10 bis 14 Millionen Euro (zuvor: 3 bis 8 Millionen Euro).

Hypoport in Feierlaune

Der internetbasierte Finanzdienstleister Hypoport hat im ersten Quartal 2014 seinen Umsatz um 29 Prozent auf 28 Millionen Euro gesteigert. Der Ertrag vor Zinsen und Steuern (EBIT) machte einen Sprung um drei Millionen auf 3,1 Millionen.

lg

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr