Marktbericht 20:02 Uhr

Starke EU-Konjunkturdaten und positive Stresstests Dax: Anleger zeigen Mut und Gelassenheit

Stand: 21.03.2014, 20:02 Uhr

Die Anleger fassen wieder Mut. Trotz Ost-West-Konflikt und teils enttäuschenden Quartalszahlen konnte der Dax seine Verluste aus der Vorwoche ausgleichen. Das vermochte auch der Hexensabbat nicht zu verhindern.

Der Leitindex beendet den letzten Handelstag der Woche mit einem Plus von exakt einem halben Prozent bei 9.342,94 Punkten. Dabei hielten sich die an einem großen Verfallstag befürchteten Schwankungen in Grenzen: zwischen seinem Tagestief bei 9.288 Punkten und dem Hoch bei 9.377 Punkten verlief der Handel eher in ruhigen Bahnen. Anleger hätten den Rückschlag nach der Notenbanksitzung mit den Kommentaren von Fed-Chefin Janet Yellen zum Kauf genutzt, meinte Marktanalyst Jasper Lawler vom Broker CMC Markets.

Auf Wochensicht verzeichnete der Dax einen Gewinn von 3,16 Prozent, nach einem Minus in der Vorwoche von 3,15 Prozent. Befeuert wurden die Kurse am letzten Handelstag der Woche von der verbesserten Stimmung der europäischen Verbraucher. Nach Angaben der Europäischen Kommission werden die Verbraucher im Währungsraum immer zuversichtlicher. Im März war die Konsumstimmung auf den höchsten Stand seit über sechs Jahren gestiegen.

Wall Street dreht ab

Rückenwind erhielt der Dax anfangs auch von der Wall Street. Dort legte der Dow Jones-Index zu Handelsbeginn zu und weitete seine Gewinne zeitweise auf über 100 Punkte aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt ist der Zuwachs allerdings weitgehend eingebüßt. Der Dow notiert noch bei 16.357 Punkten, 0,16 Prozent mehr als am Donnerstag.

Als Treiber für die Aktienmärkte gelten auch die positiven Ergebnisse des jüngsten Stresstests für 30 US-Großbanken. Die Geldhäuser sind nach Ansicht der Notenbank Fed heute besser für eine Wirtschaftskrise gewappnet als noch vor fünf Jahren.

Vorsicht vor zu großer Hoffnung

Nach Ansicht von Roger Peeters, Vorstand bei Close Brothers Seydler Research, sollten die Anleger sich aber keinen Illusionen hingeben. "Der Treiber für einen neuen starken Aufwärtstrend ist ausbleibend. Lange Zeit war es die geballte Liquidität, die die Indizes getrieben hat, doch scheint dieser Effekt momentan etwas verbraucht. Somit reicht es nicht für einen schnellen Angriff auf die Höchststände", meint der Experte.

Der Euro ist nach den letzten Kursverlusten wieder etwas gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde bei Börsenschluss zu 1,3794 Dollar gehandelt. Im asiatischen Handel hatte der Euro zeitweise nur 1,3776 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,3762 Dollar festgesetzt.

HeidelCement und Cobank hochgelobt

Eine positive Analyse von Morgan Stanley verschafft der Coba-Aktie kräftigen Rückenwind und macht sie zu einem größten Dax-Gewinner. Die Fachleute setzen das Papier auf "Overweight". Gefragt sind auch die Titel von HeidelbergCement. Die Analysten von Bernstein empfehlen sie zum Kauf und hoben das Kursziel deutlich an.

Deutsche Bank unter Druck

Dagegen bleibt die Deutsche Bank unter Druck, nachdem bekannt wurde, dass eine US-Bezirksrichterin in Manhattan sich dagegen entschieden hat, vier Verfahren gegen Deutschlands größtes Geldhaus einzustellen. Dabei geht es um die Qualität verbriefter Immobilienkredite im Volumen von insgesamt 2,9 Milliarden Dollar. Der Verwalter von vier Verbriefungsvehikeln der Bank habe das Recht, sich um Schadenersatz zu bemühen und Auskunft zu verlangen, so die Richterin.

Nike belastet Adidas

Ans Dax-Ende gerutscht ist die Aktie von Adidas. Der Konkurrent Nike hatte sich zurückhaltend über die Zukunft geäußert. Ein Händler sagte, der Nike-Ausblick lasse nur begrenzte Rückschlüsse auf Adidas und Puma zu. Beide Unternehmen rechnen mit Belastungen in den Schwellenländern. Nike-Finanzchef Donald Blair sagte, dies werde sich "signifikant" negativ auf Umsatz und Gewinn auswirken

Streik belastet Lufthansa-Titel

Auch die Lufthansa-Aktie muss Federn lassen, weil die Piloten wieder einmal mit Streik drohen. Laut Commerzbank-Analyst Frank Skodzik hängt der finanzielle Schaden stark vom Ausmaß der Streikhandlungen ab und könne zwischen einem einstelligen Millionenbetrag bis in den Bereich von 40 Millionen Euro pro Tag reichen.

SAP beschenkt Aktionäre

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
104,10
Differenz relativ
+2,42%

Zulegen kann dagegen die SAP-Aktie. Der Software-Konzern will an seine Anteilseigner für das abgelaufenen Geschäftsjahr 1,00 Euro je Aktie ausschütten. Außerdem wird sich der scheidende Co-Chef Jim Hagemann Snabe bei der Hauptversammlung im Mai als neues Mitglied im Aufsichtsrat zur Wahl stellen.

Sunways insolvent

Um über 30 Prozent abwärts geht es dagegen mit der Aktie des Solarzellenherstellers Sunways. Die Firma hat einen Insolvenzantrag. Ziel des Insolvenzplanverfahrens sei es, ein tragfähiges Sanierungskonzept zu erstellen und einen Vergleich mit den Gläubigern zu erreichen. Der hochverschuldete chinesische Mutterkonzern LDK hatte seiner deutschen Tochter den Geldhahn zugedreht.

Koenig & Bauer steigt trotzdem

Der krisengeschüttelte Druckmaschinen-Hersteller Koenig & Bauer hat 2013 tiefrote Zahlen geschrieben. Vor Steuern türmte der Würzburger Konzern einen Verlust von 138,1 Millionen Euro auf. Vor Jahresfrist stand noch ein Plus von 3,7 Millionen in den Büchern. Die Aktie gehört dennoch zu den stärksten Werten im SDax. Offenbar hatten die Anleger mit noch schlimmeren Zahlen gerechnet.

Ausblick von Deutsche Euroshop gefällt

Auch die im MDax gelisteten Titel von Deutsche Euroshop legen zu. Der Shoppingcenter-Investor will nach kräftigen Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr auch 2014 auf breiter Front zulegen. Die Eckzahlen für 2013 und der Ausblick hätten das obere Ende der Erwartungen getroffen, schrieb Analyst Karsten Oblinger von der DZ Bank.

Kleine Erholung für Air Berlin

Leicht erholen kann sich auch die Air Berlin-Aktie, nachdem sie am Donnerstag noch zweistellig eingebrochen war. Am Mittwochabend hatte Air Berlin angekündigt, die Veröffentlichung der Jahresbilanz um eine Woche zu verschieben. "Wir führen derzeit fortgeschrittene Gespräche über Optionen, die im Fall ihrer Umsetzung einen wesentlichen Einfluss auf die Gesellschaft haben werden", begründete Air Berlin den Schritt.

200.000 Bitcoins wieder gefunden

Die insolvente Bitcoin-Börse Mt.Gox hat 200.000 verlorengeglaubte Einheiten der digitalen Währung durch Zufall wiedergefunden. Sie seien in einer "vergessenen" elektronischen Geldbörse entdeckt worden, teilte Mt.Gox mit. Damit sinke die Zahl der noch vermissten Bitcoins auf 650.000. Der in Tokio ansässige Marktplatz war die größte Handelsplattform für die digitale Krypto-Währung. Entsprechend groß waren die Schockwellen als Mt.Gox Insolvenz anmeldete und den Verlust von 850.000 Bitcoins eingestand.

lg

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