Marktbericht 20:02

Nach dem Rücksetzer am Freitag Dax: Anleger wagen sich kurz aus der Deckung

Stand: 28.04.2014, 20:02 Uhr

Milliardenschwere Übernahmepläne sowohl in der Pharmabranche als auch im europäischen Industriesektor haben den Anlegern zu Wochenbeginn wieder etwas Mut gemacht. Doch von einer Trendwende kann keine Rede sein.

Der Dax gewann zum Handelsschluss 0,48 Prozent auf 9.446,36 Punkte. Im Späthandel musste der Leitindex seine Gewinne aber wieder abgeben und schließt 9.416 Punkten nahezu unverändert.

Im elektronischen Handel waren die Kurse im Tagesverlauf heftigen Schwankungen unterworfen. Unter Eindruck der guten Zahlen von Bayer und einem Anlauf des US-Konzerns Pfizer zur Übernahme des britischen Konkurrenten AstraZeneca kletterte der Dax am Vormittag bis auf 9.496 Punkte, 95 Zähler über dem Schlusskurs vom Freitag.

Bröckelnde Kurse in New York

Doch dann begann die Kurse wieder zu bröckeln. Am Nachmittag sorgen überraschend gute Zahlen vom amerikanischen Häusermarkt zwar erneut für ein kurzes Aufflackern, doch die Abwärtsbewegung ließ sich nicht mehr aufhalten.

Angetrieben von den milliardenschweren Übernahmeplänen in der Pharmabranche sind auch in New York die Aktien zunächst mit Gewinnen in den Handel gestartet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte gleich zu Beginn ein halbes Prozent höher bei 16.444 Punkten. Bei Börsenschluss in Frankfurt sind die Gewinne aber wieder abgeschmolzen und der Dow notiert sogar 0,1 Prozent im Minus bei 16.341 Zählern.

Für eine positive Überraschung sorgten Zahlen vom US-Immobilienmarkt. Im März legten die sogenannten schwebenden Hausverkäufe in den USA um 3,4 Prozent zu. Dies ist der höchste Zuwachs seit Mai 2011. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg um 0,9 Prozent gerechnet. Im Vormonat waren die Verkäufe noch um revidierte 0,5 (zunächst 0,8) Prozent gefallen.

Gestützt wurde der Markt auch von dem Eindruck, dass sich die Ukraine-Krise über das Wochenende nicht verschärft hat. Auch fielen die von Amerika beschlossenen Sanktionen gegen Russland sehr milde aus. Die weitere Entwicklung in der Ukraine behalten die Anleger aber genau im Auge. Die Stimmung kann also ganz schnell wieder kippen. "Vor diesem Hintergrund ist es eher fraglich, ob die Wende gen Norden bereits geschafft ist oder es sich letztlich nur um eine temporäre Gegenbewegung nach dem jüngsten Rücksetzer handelt", fragt Igor Kuhn von IG Markets.

Euro erstarkt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Spekulationen auf eine anziehende Teuerungsrate in der Euro-Zone haben der Gemeinschaftswährung am Montag Auftrieb verliehen. Zudem haben auch die gute Stimmung an den Finanzmärkten die Gemeinschaftswährung gestützt, hieß es aus dem Handel. Bei Börsenschluss in Frankfurt stand der Euro bei 1,3840 Dollar. Sein Tageshoch hatte er zuvor bei 1,3879 Dollar erreicht. Am Morgen hatte der Euro noch mehr als einen halben Cent weniger gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3861 Dollar fest.

AstraZeneca ziert sich

Dass der Dax am Montag etwas Boden gutmachen kann, liegt vor allem an den Übernahmeplänen im Pharmasektor. Der britische Konzern AstraZeneca kann der 100 Milliarden-Dollar-Offerte des amerikanischen Konkurrenten Pfizer allerdings nichts abgewinnen. Weil derzeit kein spezifisches oder attraktives Angebot vorliege, gebe es keinen Grund für Fusionsgespräche. Die Pfizer-Pläne entsprächen nicht dem Wert AstraZenecas. Zudem bemängelten die Briten, dass sich ihre Aktionäre bei der bisherigen Offerte zu 70 Prozent mit Pfizer-Aktien zufrieden geben müssten. Das Management empfahl den Aktionären deshalb abzuwarten.

Derweil sollen der Leverkusener Dax-Konzern Bayer und der britische Konsumgüterkonzern Reckitt-Benckiser jeweils Angebote von rund 13,5 Milliarden Dollar für eine Sparte des US-Pharmariesen Merck & Co abgegeben haben. Bayer soll zudem einen Verkauf des Kunststoffgeschäfts prüfen, um sich stärker auf das gut laufende Pharmageschäft zu fokussieren.

"Starke Bayer-Zahlen"

Dabei kommt es dem Leverkusener Konzern gelegen, dass sich die Geschäfte im ersten Quartal besser entwickleten als gedacht. Bayer baute im ersten Quartal seinen Überschuss um fast ein Viertel auf 1,42 Milliarden Euro aus. Die Anleger reagieren begeistert und hieven die Bayer-Aktie an die Dax-Spitze. "Die Zahlen sind ziemlich stark, das sorgt erst einmal für gute Stimmung", kommentierte ein Händler.

Siemens-Chef bei Hollande

Ganz und gar nicht begeistert sind die Anleger dagegen von der Perspektive einer Übernahme des Turbinen-Geschäfts vom französischen Alstom-Konzern durch Siemens. Noch haben die Münchner kein formelles Angebot vorgelegt, doch wurden sie von der französischen Regierung um Unterstützung gebeten bei deren Bemühungen einen Verkauf Alstoms an den amerikanischen Konzern General Electric zu verhindern. Die vor Jahren von den französischen Behörden abgewiesenen Münchner signalisieren Gesprächsbereitschaft. Auch die Bundesregierung steht einer Zusammenarbeit mit Alstom positiv gegenüber, wie Regierungssrecher Seibert betonte. Dennoch ist die Siemens-Aktie ans Dax-Ende gerutscht.

Dabei will Siemens den Geschäftsberich Turbinen übernehmen, das Dreiviertel der Umsätze von Alstom generiert. Das Eisenbahngeschäft soll bei den Franzosen bleiben, die im Gegenzug die Eisenbahnsparte von Siemens übernehmen könnten. Ob die Deutschen in diesem höchst politischen Spiel letztlich eine Chance bekommen und sie auch ergreifen, ist noch völlig offen. Am Abend (18:00 Uhr) empfängt Staatspräsident Hollande Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser und Aufsichtsratschef Gerhard Cromme im Elysée-Palast.

Deutsche Börse gut ins Jahr gestartet

Die Deutsche Börse startet dank einer leichten Belebung im Handel mit Rückenwind ins neue Jahr. Das Betriebsergebnis (Ebit) schoss im ersten Quartal um 72 Prozent auf 330 Millionen Euro nach oben, wozu allerdings auch eine Reihe von Sondereffekten beitrugen. "In einigen Geschäftsbereichen hat sich das Marktumfeld im ersten Quartal belebt", sagte Deutsche-Börse-Finanzchef Gregor Pottmeyer am Montagabend.

Fielmann bald optisch billiger

Im MDax macht Fielmann mit Zahlen auf sich aufmerksam. Die Optikerkette kündigte zudem einen Aktiensplit im Verhältnis eins zu zwei an. Ein Aktiensplit kann sich durchaus positiv auf die Kursentwicklung auswirken, da die Papiere dadurch optisch günstiger werden, so die DZ Bank.

Sartorius wird abgestraft

Größter Verlierer im TecDax ist dagegen die Sartorius-Aktie. Der Labor- und Pharmazulieferer hat zum Jahresauftakt Währungsschwankungen zu spüren bekommen und trotz Umsatzsteigerungen weniger verdient. Unterm Strich ging der Gewinn von 12,8 Millionen auf 11,0 Millionen Euro zurück.

Air Berlin: Finanznöte verschärfen sich

Im SDax hält die Air-Berlin-Aktie die rote Laterne. Der Konzern hat 2013 unterm Strich einen Verlust von 315,5 Millionen Euro gemacht, auch operativ rutschte Deutschlands zweitgrößte Airline ins Minus. Air Berlin plant nun eine "fundamentale Neustrukturierung", ohne konkreter zu werden.

Buwog zu 13 Euro gestartet

Jenseits der großen Indizes ist am Montag die Buwog AG mit einer Erstnotiz von 13 Euro in den Handel an der Frankfurter Wertpapierbörse gestartet. Die österreichische Immofinanz hat wie erwartet ihre Wohnungstochter abgespalten. Für 20 Immofinanz-Aktien haben die Altaktionäre eine Buwog-Aktie bekommen. Insgesamt befinden sich nach Unternehmensangaben 51 Prozent der Buwog-Aktien nun im Streubesitz, Immofinanz hält künftig einen Anteil von 49 Prozent.

Publicis/Omnicom: Clash of Cultures

Die milliardenschwere Fusion des US-Werbekonzern Omnicom mit dem französischen Rivalen Publicis ist ein Paradebeispiel dafür, wie schwierig Fusionen über Landesgrenzen hinweg verlaufen können. Laut Insidern können sich die Spitzenmanager beider Unternehmen nicht auf wichtige Personalfragen wie die Ernennung des Finanzchefs einigen. Dahinter stehe ein Grundsatzstreit, wie der neue Branchenprimus mit einem Marktwert von 35 Milliarden Dollar geführt werden solle.

Holcim mit Gewinnrückgang

Der vor der Fusion mit dem französischen Rivalen Lafarge stehende Schweizer Zementkonzern Holcim hat im ersten Quartal einen Gewinneinbruch um 58 Prozent auf 80 Millionen Franken verschmerzen müssen. Dafür sind aber zum Teil Sondereffekte verantwortlich, so hatte Holcim im Auftaktquartal des vergangenen Jahres durch den Verkauf einer Beteiligung in Australien einen einmaligen Zusatzgewinn erzielt.

Honda: Analysten verkalkulieren sich

Die Honda-Aktie gerät am Montag unter Druck. Das Unternehmen hatte einen Gewinnanstieg für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2015 von 3,6 Prozent bekanntgegeben, was deutlich unter den Analysten-Erwartungen von einem Plus von 22 Prozent gelegen hatte.

Bank of America verrechnet sich

Wegen eines Rechenfehlers bei der Bank of America (es geht um die Bewertung von strukturierten Produkten) müssen die geplanten milliardenschweren Ausschüttungen an die Aktionäre auf Eis gelegt werden. Die Folge ist, dass die Kapitalsituation nicht so rosig ist, wie dargestellt. Deshalb revidiert die Bank einen Mitte des Monats angekündigten Aktienrückkauf über vier Milliarden Dollar sowie die geplante Erhöhung der Quartalsdividende von einem auf fünf Cent je Aktie. Die Aktie stürzt ab.

Bankia verdoppelt Gewinn

Die spanische Krisenbank Bankia kommt allmählich wieder auf die Beine. Der Nettogewinn stieg im ersten Quartal zum Vorjahr um mehr als das Doppelte auf 187 Millionen Euro, wie das verstaatlichte Geldhaus am Montag mitteilte. Bankia hat durch die Schließung von Filialen und den Abbau Tausender Arbeitsplätze die Kosten massiv gesenkt. Der Staat verkaufte kürzlich erste Bankia-Anteile wieder und hält noch 61 Prozent.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"