Marktbericht 20:02

Übernahmefantasien treiben Kurse an Dax: Anleger schieben die Sorgen beiseite

Stand: 22.04.2014, 20:02 Uhr

Neu aufgeflammte Übernahmefantasien haben Aktien der Pharmabranche am Dienstag europaweit angetrieben - und den Aktienmärkten neuen Schub verliehen.

Der Dax in Frankfurt legte nach der Osterpause zwei Prozent oder 190,38 Punkte auf 9.600,09 Zähler zu, der EuroStoxx50 rückte um 1,4 Prozent auf 3199,69 Zähler vor. Die Ukraine-Krise spielte keine Rolle. "Übernahmespekulationen und Übernahmeaktivitäten haben Auftrieb gegeben", sagte Marktstrategin Brenda Kelly vom Broker IG in London. Zugleich warnte sie jedoch, dass die Luft nach oben zunehmend dünner werde.

Auch an der New Yorker Börse stehen die Ampeln auf grün. Der Dow Jones Industrial hat im Handelsverlauf dank guter Quartalsbilanzen seine Gewinne ausgebaut und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend 0,65 Prozent höher bei 16.556 Punkten, nachdem er in der Vorwoche bereits 2,6 Prozent gewonnen hatte. Sein Rekordhoch bei rund 16.632 Punkten von Anfang April rückt damit wieder zunehmend in Reichweite.

"Die Saison läuft besser als von vielen befürchtet", erklärte Joseph Tanious von J.P. Morgan Asset Management. "Dadurch fühlen sich die Anleger mit dem Tempo des Wirtschaftswachstums wohler - nicht nur im ersten Quartal, sondern auch beim Blick nach vorn."

Rally auf wackligen Beinen

Haben sich damit die Kassandrarufe und Warnungen der vergangenen Wochen vor einem Dax-Absturz als unzutreffende Panikmache erwiesen? Nach Ansicht von Jens Klatt, Analyst bei DailyFX, ist die Nachhaltigkeit dieser 500-Punkte-Rallye, ausgehend von den Tiefs unter 9.100 Punkten noch vor einer Woche, keineswegs gesichert. ‬

Geändert habe sich über Ostern an der weiterhin angespannten Lage in der Ost-Ukraine nichts, der Konflikt zwischen Ost und West könne jederzeit eskalieren, so Klatt. Auch die US-Unternehmenszahlen seien in den vergangenen Tagen keineswegs derart imposant gewesen, dass sie diesen Kursanstieg rechtfertigen würden.

Euro wieder unter 1,38 Dollar

Auch der Euro ist am Dienstag auf Klettertour gegangen und hat kurz die Schwelle von 1,38 Dollar übersprungen. Am späten Nachmittag jedoch geht es wieder bergab und die Gemeinschaftswährung rutscht auf 1,3791 Dollar ab.

Botox-Hersteller heiß begehrt

Der kanadische Pharmakonzern Valeant und der Großinvestor Bill Ackman haben ein 47 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot für den Botox-Hersteller Allergan vorgelegt. Allergan bestätigte zwar die Offerte, wollte sich aber dazu nicht weiter äußern. Mit Valeant und Allergan würden sich zwei mittelgroße Unternehmen zusammenschließen, die beide in der Haut- und Augenmedizin aktiv sind.

100 Milliarden für AstraZeneca?

Befeuert wurden die Aktienmärkte vor allem von der neu entfachten Übernahmefantasie im Pharmasektor. Der US-Konzern Pfizer hat einem Zeitungsbericht zufolge Interesse an dem britischen Rivalen AstraZeneca - die in London gelisteten Aktien von AstraZeneca stiegen in der Spitze um 8,5 Prozent. Pfizer soll AstraZeneca zwar 100 Milliarden Dollar geboten haben, die Briten hätten aber abgelehnt.

Novartis: alles neu

Zuvor hatte sich der Schweizer Pharmakonzern Novartis einen großangelegten Konzernumbau verordnet. Das Geschäft mit Tierarzneimitteln wird für rund 5,4 Milliarden Dollar an den US-Konkurrenten Eli Lilly und die Sparte für Impfstoffe ohne Grippemittel für 7,1 Milliarden Dollar und Lizenzgebühren an die britische GlaxoSmithKline verkauft. Gleichzeitig gründen Novartis und Glaxo ein Gemeinschaftsunternehmen für nicht verschreibungspflichtige Medikamente. Novartis kauft zudem Krebsmittel von GlaxoSmithKline für insgesamt rund 16 Milliarden Dollar.

Bayer & Co mit neuer Fantasie

Beflügelt von diesen Nachrichten gehören die im Dax notierten deutschen Branchenwerte Bayer, Merck und BASF zu den größten Gewinnern.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,60
Differenz relativ
+2,59%
Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
97,08
Differenz relativ
+0,19%
BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,95
Differenz relativ
+1,19%

Ausländer fliegen auf Lufthansa

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,38
Differenz relativ
+2,46%

Zu den Favoriten im Dax gehören auch die Lufthansa-Papiere. Die Fluggesellschaft hatte am Nachmittag mitgeteilt, dass der Anteil ausländischer Aktionäre die Marke von 40 Prozent überschritten hat. Das gilt als Vertrauensbeweis und verleiht der Aktie Flügel.

Adidas schwächelt

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
204,40
Differenz relativ
+2,64%

Dagegen gehören Adidas-Aktien zu den schwächsten Werten im Dax. Die Analysten der Investmentbanken JPMorgan und Nomura bewerten die Aktien des Sportartikelherstellers zwar grundsätzlich positiv, äußerten sich aber verhalten zur erwarteten Geschäftsentwicklung im ersten Quartal. Analyst Christopher Walker von Nomura sprach in einer Studie von einem schwierigen Handelsumfeld, und JPMorgan-Analystin Chiara Battistini rechnet mit schwachen Resultaten. Ein Händler verwies zudem auf fortgesetzte Streiks bei einem Zulieferer in China

Philips kann nicht überzeugen

Für Enttäuschung hat der niederländische Philips-Konzern gesorgt. Der Elektronikriese musste im ersten Quartal des laufenden Jahres einen Umsatzrückgang um knapp fünf Prozent hinnehmen. Der Gewinn sank sogar um 15 Prozent auf schlappe 137 Millionen Euro. Auch die nächsten Monate dürften herausfordernd werden, sagte Konzernchef Frans van Houten. An seinen Prognosen für 2016 hält Philips aber fest. Im Schlepptau von Philips gerät auch die Aktie von Osram unter Druck.

Villeroy & Boch tischt auf

Der Tisch- und Badkeramikhersteller Villeroy & Boch hat in den ersten drei Monaten seinen Umsatz um fünf Prozent auf 193 Millionen Euro verbessert. Das operative Ergebnis (Ebit) kletterte um 14 Prozent auf 8,2 Millionen Euro. Im Gesamtjahr will das Unternehmen aus dem SDax seine Erlöse um drei bis fünf Prozent verbessern. Das Ebit soll überproportional wachsen.

Catoil: Russland-Geschäft läuft weiter

Catoil: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
5,40
Differenz relativ
+1,50%

Im SDax sorgt Catoilchef Manfred Kastner für Fantasie. Kastner sagte der Zeitschrift "Euro am Sonntag", Catoil spüre keine Auswirkungen der Spannungen mit Moskau auf sein Geschäft. Zudem kündigte er an, die Dividende für das Geschäftsjahr 2013 zu erhöhen.

United Technologies hebt an, McDo bleibt am Boden, Harley fährt davon

In den USA geht derweil die Berichtssaison ihrem Höhepunkt entgegen. Der Mischkonzern United Technologies hat nach einem unerwartet soliden Jahresauftakt seine Prognose erhöht. Beim Gewinn je Aktie strebt das Unternehmen nun 6,65 bis 6,85 Dollar an, statt 6,55 bis 6,85.

Dagegen muss die weltgrößte Fastfood-Kette McDonald's weiter um Kunden kämpfen. Im ersten Quartal fanden vor allem auf den Heimatmarkt USA weniger Menschen den Weg in eines der Restaurants, was nicht nur am strengen Winter, sondern auch an der starken Konkurrenz lag. Dafür konnte der Konzern in Europa wachsen, wie er am Dienstag mitteilte.

Der gute Lauf von Harley-Davidson hält an.Der Umsatz stieg zu Jahresbeginn um 11 Prozent auf annähernd 1,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn verbesserte sich um 19 Prozent auf unterm Strich 266 Millionen Dollar. Die Aktie macht vorbörslich einen Satz von 6,6 Prozent.

Netflix überspringt Milliarden-Grenze

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
119,03
Differenz relativ
+2,96%

Gute Nachrichten kommen auch aus der amerikanischen Internetbranche. Der Video-Streamingdienst Netflix hat im ersten Quartal seinen Gewinn vervielfachen können. Der Online-Videodienst Netflix hat im ersten Quartal vier Millionen Nutzer hinzugewonnen und zählt nun 48 Millionen Kunden weltweit. Den größten Zuwachs gab es mit 2,25 Millionen Nutzern in den USA. Zudem knackte das Unternehmen zum ersten Mal in einem Quartal die Milliarden-Dollar-Umsatzgrenze. Die Aktie machte einen Freudensprung und zog auch Facebook und Twitter in die Höhe.

Ford vor Chefwechsel

Der amerikanische Autobauer Ford wird wohl noch im laufenden Jahr einen neuen Chef bekommen. Wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg und das "Wall Street Journal" berichteten, soll der fürs Tagesgeschäft zuständige Manager Mark Fields die Nachfolge von Alan Mulally antreten. Mulally war 2006 von Boeing zu Ford gewechselt und hatte den Autobauer ohne staatliche Hilfe durch die Finanz- und Wirtschaftskrise geführt.

lg

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.