Marktbericht 20:02 Uhr

Nach EZB-Trippelschrittchen Dax: Anleger nehmen Reißaus

Stand: 03.12.2015, 20:02 Uhr

In der Vergangenheit hat sich Mario Draghi für die Anleger stets als zuverlässiger Partner erwiesen. Doch diesmal wurden die zugegeben hohen Erwartungen enttäuscht. Entsprechend tief ist der Dax am Donnerstag gefallen.

Nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank geht der Dax auf Talfahrt und büßt bis zum Handelsschluss 400 Punkten oder 3,78 Prozent ein. Damit schließt der Leitindex bei 10.789 Zählern, nachdem er noch am Mittag um mehr als ein Prozent auf 11.318 Punkte gestiegen war. Alle 30 Werte notieren im Minus.

"Die Vorzeichen für den Rest der Jahres haben sich mit dem heutigen Tag stark eingetrübt", meint Andreas Paciorek von CMC Markets. Die Jahresendrally könnee damit schneller beendet worden sein als sie so richtig in Fahrt gekommen sei.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Der Spielverderber des heutigen Tages heißt Mario Draghi. Der EZB-Chef hatte in den vergangenen Wochen wiederholt die Erwartung geschürt, die geldpolitischen Schleusen noch weiter zu öffnen. Das hat er mit den heutigen Beschlüssen auch getan. Doch vielen die neuen Maßnahmen bescheidener aus als erwartet. "Der zentrale Punkt ist: Die EZB stockt die monatlichen Anleihekäufe nicht auf", schrieb Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank.

Auch die Verschärfung des Einlagezinses um zehn Basispunkte von 0,2 auf 0,3 Prozent wurde als eine klare Enttäuschung gewertet. Im Markt war mit einer Senkung um 15 oder 20 Basispunkte gerechnet worden.

Mittelfristig geht es wieder aufwärts

Aus charttechnischer Sicht ist die zögerliche Entscheidung der EZB ebenfalls ein verheerendes Signal: Der Dax ist unter die 200-Tage-Linie gefallen, was weitere Verkäufe auslöste. Dabei hatten viele Anleger an diesem Donnerstag auf den entscheidenden Kick gehofft, der den Dax auf 11.700 Punkte hätte katapulieren sollen.

Wall Street sackt ab

An der Wall Street trübt die nahende US-Zinswende die Stimmung. Die Fed wird zwar den am morgigen Freitag erwarteten Arbeitsmarktbericht abwarten, doch ließ Notenbank-Chefin Janet Yellen in einer Rede kaum Zweifel daran, dass die Fed kurz davor sei, die Zinsen anzuheben.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate
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11.341,00
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-0,11%

Nach einer zwischenzeitlichen Erholung sackt der Dow Jones-Index im Tagesverlauf doch weiter ab. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der US-Leitindex 1,1 Prozent im Minus bei 17.524 Punkten.

Euro macht Freudensprung um 4 Cent

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1419
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+0,03%

Als eindeutiger Gewinner des Tages geht dagegen der Euro aus dem Handel. Nachdem er vor dem Zinsentscheid der EZB auf ein Tagestief von 1,0549 Dollar gefallen war, machte er bis zum Abend einen riesigen Sprung fast 4 Cent auf 1,0926 Dollar. Die EZB hat die Geldschleusen nur zögerlich weiter geöffnet - und damit die eigene Währung gestärkt.

Ölpreise auf Erholungstour

Am Ölmarkt sorgen Spekulationen für Auftrieb, wonach Saudi-Arabien dem Öl-Kartell Opec vorschlagen will, die Förderung um eine Million Barrel pro Tag zu kürzen. Die Opec-Mitglieder Iran und Irak sowie Nicht-Opec-Länder wie Russland, Mexiko oder Kasachstan sollten in die Entscheidung eingebunden werden. Vertreter der Opec treffen sich am morgigen Freitag in Wien. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um 2,1 Prozent auf 43,37 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 40,65 Dollar 1,8 Prozent mehr.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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66,88
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+0,11%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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56,60
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Eon und RWE von Analysten beflügelt

Einziger Gewinner im Dax ist zum Handelsschluss der Versorger Eon. Grund ist eine Studie des Analysehauses Jefferies, das den Kauf von Eon-Aktien empfiehlt und den fairen Kurs bei 10,50 Euro sieht. Die unterdurchschnittliche Entwicklung der Aktie in diesem Jahr sei übertrieben, schrieb Analyst Ahmed Farman. Die steigende Zuversicht in stabile Gewinnbeiträge der "Neuen Eon" sowie die Aussichten auf attraktive Dividendenzahlungen dürften das Papier des Energiekonzerns beflügeln. RWE hält sich ebenfalls besser als der Gesamtmarkt. Das Papier wurde von Jefferies mit "Hold" und einem Kursziel von 13 Euro in die Bewertung aufgenommen. Die geplante Aufspaltung dürfte die aktuelle Bewertung des Energiekonzerns bei den Ratingagenturen sichern, so die Experten.

Volkswagen erhält Riesenkredit

Auch die Vorzüge von Volkswagen halten sich etwas besser als der Gesamtmarkt, notieren zeitweise wieder über der Schwelle von 130 Euro. Grund ist die Meldung über einen Kredit in Höhe von 20 Milliarden Euro, den Volkswagen bekommen hat, um die Kosten des Abgasskandals abzufedern. Die Anleihemärkte sind derzeit zu teuer für den Wolfsburger Konzern. VW wollte sich zu dem Kredit nicht äußern. Insidern zufolge sind acht Geldhäuser beteiligt.

Daimler und Telekom stark unter Druck

Die starke Aufwertung des Euro hat vor allem exportabhängige Titel heftig unter Druck gesetzt. Die Papiere von Daimler, der Telekom und von Bayer verlieren jeweils vier Porzent und gehören zu den schwächsten Werten im Dax.

Zalando auf Rekordjagd

Einziger Gewinner im MDax ist die Zalando-Aktie. Befeuert wird das Papier von Goldman Sachs. Deren Experten haben das Papier auf die "Conviction Buy List" gesetzt und das Kursziel von 42 auf 44 Euro angehoben. Der Online-Modehändler dürfte nachhaltig stärker wachsen als der Online-Handel insgesamt, hieß es.

Airbus leidet unter dem Euro

Schwächster Wert im MDax ist dagegen Airbus. Dabei hat der Konzern eine neue Riesenbestellung erhalten. Der Flugzeughersteller soll 60 Maschinen vom Typ A320 Neo liefern. Käufer ist die chinesische Billigfluggesellschaft Spring Airlines. Doch die Airbus-aktien leiden natürlich unter der Aufwertung des Euro.

Credit Suisse beschafft sich 4,7 Milliarden Franken

Die Credit Suisse hat auch den zweiten Teil der angekündigten Kapitalstärkungsmaßnahmen über die Bühne gebracht. Bei der ordentlichen Kapitalerhöhung über ein Bezugsrechtsangebot seien 99 Prozent der Bezugsrechte ausgeübt und somit gut 258,4 Millionen neu ausgegebene Aktien gezeichnet worden, teilte die Bank mit. Die nicht bezogenen 2,54 Millionen neuen Namensaktien will die Credit Suisse am Markt verkaufen. Der Bruttoerlös aus dem Bezugsrechtsangebot beläuft sich für die Bank wie erwartet auf 4,7 Milliarden Franken.

Paragon nimmt sich was vor

Der Autozulieferer Paragon hat sich zum kommenden Geschäftsjahr geäußert. Das Unternehmen will demnach seinen Umsatz um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr verbessern damit mehr als 100 Millionen Euro im Jahr umsetzen. Die Ebit-Marge soll neun Prozent vom Umsatz erreichen.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"