Marktbericht 20:02 Uhr

Harmlose Sanktionen gegen Moskau Dax: Anleger greifen wieder zu

Stand: 17.03.2014, 20:02 Uhr

Nach den heftigen Verlusten in der vergangenen Woche ist es an den Aktienmärkten am Montag zu einer Gegenreaktion gekommen. Von der Krim-Krise und den Sanktionen gegen Moskau ließen sich die Anleger nicht beeindrucken. Von einer Trendwende kann aber keine Rede sein.

Zur Jagd auf vermeintlich billige deutsche Aktienschnäppchen sei es weiterhin zu früh. Anleger mit langfristigem Horizont sollten weiterhin die Füße still halten, warnt Marktexperte Jens Klatt. Vielmehr handele es bei dem Kursanstieg am Montag um eine simple Gegenbewegung nach den Verlusten von über drei Prozent in der vergangenen Woche.

Trotzdem konnte der deutsche Leitindex am Montag 124 Punkte wettmachen. Er stieg um 1,37 Prozent auf 9.180 Zähler. Auch an der New Yorker Börse ging es nach dem Ausverkauf in der Vorwoche wieder bergauf. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt gut ein Prozent höher bei 16.245 Punkten.

Öl- und Gasgeschäft nicht betroffen

Befeuert wurden die Kurse von den äußerst gemäßigt ausgefallenen Sanktionen des Westens gegen Moskau nach dem Referendum auf der Halbinsel Krim. Die EU-Außenminister hatten sich auf eine Liste von 21 Personen geeinigt, gegen die Einreiseverbote verhängt und deren Konten gesperrt werden. Auch die USA erließen ähnliche Sanktionen gegen sieben russische Regierungsbeamte.

Weil zunächst niemand davon ausgeht, dass auch das Öl- und Gasgeschäft von den Strafaktionen betroffen sein wird, weiteten Dax & Co ihre Gewinne am Nachmittag sogar aus. In Frankfurt stieg der Dax kurz bis auf 9.198 Punkte.

Reif für eine Gegenbewegung

Bereits am Morgen hatte die Entscheidung der Wähler auf der Krim bei den Anlegern für Erleichterung gesorgt und den deutschen Leitindex auf Erholungskurs geschickt. Das Votum habe nicht überrascht, sei wie erwartet ausgefallen, erklärte Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black die Reaktion der Märkte. ‬‬

Gestützt werden die Märkte auch von den jüngsten Konjunkturdaten aus den USA. Das Stimmungsbarometer der New Yorker Notenbank (Empire State-Index) ist zwar etwas schwächer ausgefallen als erwartet, doch es ist höher ausgefallen als im Vormonat. Zudem ist die US-Industreproduktion im Februar um 0,6 Prozent gestiegen, stärker als erwartet.

Damit hellt sich die Stimmung der amerikanischen Wirtschaft weiter auf. Nach Einschätzung von Ulrich Wortberg von der Helaba bestätigt diese Tendenz das Vorhaben der US-Notenbank, das monatliche Anleihekaufvolumen weiter zu reduzieren.

Der Kurs des Euro ist nach den US-Konjunkturdaten und den schwachen Sanktionen gegen Moskau gestiegen und über die Schwelle von 1,39 Dollar geklettert, nachdem er zuvor auf 1,3881 Dollar gesunken. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Euro bei 1,3919 Dollar.

Analysten treiben Siemens & Co

Im Dax gehören Infineon, Siemens und die Post zu den größten Gewinnern. Bei Infineon springen Anleger auf Aussagen von Vorstandschef Reinhard Ploss im "Handelsblatt" an, der einen größeren Aktienrückkauf als bisher in Aussicht stellte. Zudem wird das Papier gleich von mehreren Analysten zum Kauf empfohlen. Auch Siemens bekommt Aufwärtssignale von Analysten. Merrill Lynch sprach eine Kaufempfehlung aus, JPMorgan riet zur Übergewichtung im Depot, die Credit Suisse erneuerte ihre Outperform-Einschätzung. Bei der Post sprechen Händler von einer technischen Gegenreaktion.

RWE und der Oligarch

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,34
Differenz relativ
-0,56%

Auch die RWE-Aktie legt zu. Dabei profitiert das Papier von dem angekündigten Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea an ein Konsortium unter Führung des russischen Oligarchen Mikhail Fridman. Der Preis von 1,5 Milliarden Euro ist etwas höher als erwartet. Damit kann RWE seine Schulden weiter abbauen, gibt gleichzeitig aber eine Ertargsperle ab.

Allianz kauft in Italien zu

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
192,78
Differenz relativ
+1,36%

Ebenso bergauf geht es mit der Allianz-Aktie. Der Versicherer kauft in Italien ein und übernimmt einen Teil der Sachversicherungen des italienischen Kokurrenten Unipol. Kostenpunkt: bis zu 440 Millionen Euro.

Linde leidet unter starkem Euro

Dax-Schlusslicht ist dagegen seit Handelsbeginn die Linde-Aktie. Das Unternehmen hat zwar im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erzielt, doch der wäre ohne die Aufwertung des Euro noch höher ausgefallen. Vor allem im Schlussquartal machten sich die Währungseffekte bemerkbar. Der scheidende Konzernchef Wolfgang Reitzle sieht daher das Mittelfristziel immer stärker gefährdet.

Nordex rückt vor

Im TecDax gehen Nordex auf Erholungskurs und rücken um mehr als zehn Prozent vor, nachdem sie in den vergangenen fünf Handelstagen rund zehn Prozent verloren hatten. Händler sprechen von einer technischen Reaktion.

Software AG hält Dividende stabil

Die ebenfalls im TecDax notierte Software AG zahlt trotz sinkender Gewinne eine stabile Dividende. Für das abgelaufene Jahr sollen wieder 46 Cent je Aktie ausgeschüttet werden. Das kostet die Darmstädter Firma zwei Millionen Euro weniger als die Dividende für 2012, nachdem die Zahl der verfügbaren Aktien durch ein 175 Millionen Euro schweres Rückkaufprogramm in den vergangenen zwölf Monaten um neun Prozent geschrumpft ist.

Dürr öffnet die Schatulle

Im MDax ist Dürr der stärkste Wert, nachdem das Unternehmen bekannt gab, die Ausschüttung um 28 Prozent auf 1,45 Euro je Aktie erhöhen zu wollen. Gemessen am Jahresüberschuss für 2013 betrage die Ausschüttungsquote damit 36 Prozent nach 35 Prozent im Vorjahr. "2013 war ein außerordentlich erfolgreiches Jahr", sagte Dürr-Vorstandsvorsitzender Ralf Dieter. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren.

Vier Investoren in letzter Runde für Gea-Sparte

Kräftig aufwärts geht es auch mit der Aktie des Anlagenbauers Gea. Insidern zufolge sind noch vier Finanzinvestoren im Rennen um die zum Verkauf gestellte Wärmetauscher-Sparte der Bochumer Firma. Dabei hat sich die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT mit dem Bau- und Industriedienstleister Bilfinger zusammengetan, wie Reuters berichtet. Auch Permira, Onex und Triton seien aufgefordert worden, bis Anfang April ihre endgültigen Gebote einzureichen. Der Verkauf der vom Umsatz her zweitgrößten Sparte des Bochumer Unternehmens, könnte bis zu 1,2 Milliarden Euro einbringen.

IVG: Schäfers tritt ab

Der insolvente Immobilienkonzern IVG steht vor einem personellen Neuanfang an der Firmenspitze. Vorstandssprecher Wolfgang Schäfers tritt mit sofortiger Wirkung ab. Schäfers hatte die Sanierung der hochverschuldeten IVG eingeleitet und in den vergangenen Monaten die Gespräche mit den Gläubigern - Hedgefonds und anderen Finanzinvestoren - geführt. Die Gläubiger stimmen an diesem Donnerstag über den Insolvenzplan ab.

Vodafone mit Milliardenzukauf

Nach Wochen der Spekulation ist es nun offiziell: Der britische Mobilfunkriese Vodafone kauft für 7,2 Milliarden Euro den größten spanischen Kabelnetzbetreiber Ono. Vodafone zählt in Spanien 14 Millionen Mobilfunkkunden, sieht sich aber einem starken Wettbewerb ausgesetzt. Ono, Anbieter von Festnetzanschlüssen und Mobilfunk sowie Internet und Kabelfernsehen, hat 1,9 Millionen Kunden.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen