Marktbericht 20:02 Uhr

Börsenschreck Trump Dax: Anleger bleiben in Deckung

Stand: 04.11.2016, 20:02 Uhr

Der Gedanke an einen künftigen US-Präsidenten Donald Trump ist den Anlegern am Freitag erneut auf den Magen geschlagen.

Der Dax geht heute mit einem Minus von 0,65 Prozent aus dem Handel bei 10.259 Punkten. Damit büßt er auf Wochensicht mehr als vier Prozent ein. Die charttechnisch wichtige Unterstützung bei 10.190 Punkten wird aber mühelos gehalten.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Grund für die anhaltende Verunsicherung ist die Überzeuigung, dass Donald Trumps Siegeschancen größer sein dürften als bisher angenommen, weil viele Wähler sich nicht trauen in den Umfragen zuzugeben, dass sie für den umstrittenen Kandidaten der Republikaner stimmen werden.

Hillary bei Umfragen vorn

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Neuesten Umfragen zufolge liegt seine demokratische Rivalin Hillary Clinton wieder drei Punkte vor dem Immobilienmogul. In der heute veröffentlichten Erhebung der "Washington Post" und des Senders ABC kommt sie auf 47 Prozent der Stimmen und Trump auf 44 Prozent. Schon erwarten Experten im Fall eines Sieges von Trump einen Kurssturz im Dax unter die Schwelle von 10.000 Punkten. Noch ist es nicht so weit.

Für etwas Erleichterung sorgen am Nachmittag die neuesten US-Arbeitsmarktzahlen. Danach sind im Oktober außerhalb der Landwirtschaft 161.000 neue Stellen geschaffen worden. Das sind zwar 14.000 weniger als erwartet, doch gilt der Arbeitsmarkt damit weiterhin als robust. Vor allem der Lohnanstieg bei gleichzeitiger Reduktion der Unterbeschäftigungsquote sei als erfreulich zu werten, meint Volkswirt Ralf Umlauf von der Commerzbank. Hürden für die erwartete Zinserhöhung der Fed im Dezember sieht er nach diesen Zahlen nicht.

Wall Street dreht ins Plus

An der Wall Street drehen die Kurse eine Stunde nach Handelsbeginn leicht ins Plus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index allerdings fast unverändert bei 17.932 Punkten.

Wie lange die Turbulenzen anhalten, vermag derzeit niemand zu prognostizieren. Einig sind sich die Experten nur daraun, dass im Fall eines Wahlsieges von Trump die Volatiliät an den Märkten noch zunehmen wird. Grund zur Panik, besteht nach Ansicht von Tillmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P.Morgan Asset Management in Frankfurt, aber nicht.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
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Weder Clinton noch Trump könnten grenzenlosen Einfluss auf die Wirtschaft nehmen, da sie vom Kongress ausgebremst würden, so Galler. Und Jens Klatt von JFD Brokers erinnert daran, dass politische Börsen gemeinhin kurze Beine haben und ein Kurssturz nach einem Trump-Sieg auch die Chance biete, wenn sich der Nebel etwas gelichtet habe, günstig für eine Jahresend-Rallye einzukaufen.

Euro über 1,11 Dollar

Nach einer kurzen Schwächephase am Nachmittag, aufgrund der US-Arbeitsmarktzahlen, dreht der Euro bis zum Xetra-Schluss in Frankfurt doch wieder nach oben und notiert bei 1,1118 Dollar fester als am Morgen.

ProSiebenSat.1 auf tiefstem Stand seit Januar 2015

Im Dax gibt es von den 30 in dem Index enthaltenen Werten 27 Verlierer. Angeführt wird die Liste bis zum Schluss von ProSiebenSat.1. Der Medienkonzern hat sich bei großen Investoren 515 Millionen Euro frisches Kapital besorgt und dazu 14,2 Millionen neue Aktien an den Markt gebracht. Dadurch fallen die Papiere auf den tiefsten Stand seit Januar 2015. Analystin Sonia Rabussier von der Commerzbank gibt sich aber optimistisch. Nach ihrer Einschätzung hat der Medienkonzern bei Zukäufen ausgezeichnete Erfolge aufzuweisen. Deshalb und wegen des soliden Wachstumsprofils blieb sie bei ihrer Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 57 Euro.

Commerzbank: Dreistelliger Millionengewinn erwartet

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch die Commerzbank-Aktien gehören zu den schwächsten Werten im Dax. Zwar ist der Quartalsverlust geringer ausgefallen als erwartet. Auch erwartet die Bank im Gesamtjahr einen dreistelligen Millionengewinn. Denn zeigen die Quartalszahlen wie schwach die heimischen Geldhäuser inzwischen sind - im Gegensatz zu den Banken im Nachbarland Frankreich. Zudem teilte Finanzvorstand Stephan Engels mit, dass die Bank ihr Geschäft mit börsengehandelten Fonds (ETF) und Zertifikaten lieber verkaufen würde, als es an die Börse zu bringen. Ein Börsengang sei "nicht die Priorität Nummer eins", sagte er am Freitag. Es werde eher eine andere Lösung geben, zumal es viele Interessenten für den Bereich mit rund 600 Mitarbeitern gebe.

Deutsche Bank: Die Zweifel wachsen

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Abwärts geht es zudem mit den Papieren der Deutschen Bank. Fitch prüft eine Herabstufung der Bonitätsnote für die Deutsche Bank. Die Ratingexperten haben Zweifel, dass es dem größten deutschen Geldhaus gelingt, 2017 so viel mehr Erträge zu erwirtschaften, dass es sein Eigenkapital wie geplant aus eigener Kraft aufstocken kann. Fitch versah die Note "A-", mit der sie die Bank langfristig bewertet, mit dem Hinweis "Rating Watch Negative".

BMW-Anleger fassen Mut

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dagegen können sich die BMW-Aktien leicht ins Plus zu retten, nachdem sie zunächst ihren Abwärtstrend der vergangenen Tage fortgesetzt hatten. Weil im dritten Quartal hohe Anlaufkosten für neue Modelle angefallen waren, war die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern im Autogeschäft zwar von 9,1 Prozent auf 8,5 Prozent gesunken. Am Ende begrüßten die Anleger aber, dass es beim Umsatz rund gelaufen war und letztlich ein überraschend hoher Konzerngewinn eingefahren wurde.

Salzgitter mit Umsatzrückgang

Im MDax gehört der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller Salzgitter zu den schwächsten Werten. Der Umsatz von Salzgitter schrumpfte in den ersten neun Monaten um zwölf Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern stieg jedoch auf 21,1 Millionen Euro von 15,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. An seiner Gewinnprognose für das Gesamtjahr hält Salzgitter fest.

Evonik leidet unter Preisverfall

Noch kräftiger bergab geht es mit den Papieren von Evonik. Dem Spezialchemiekonzern machen Preisrückgänge für wichtige Produkte zu schaffen. Der Umsatz sank im dritten Quartal um sechs Prozent auf 3,164 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) brach um elf Prozent auf 578 Millionen Euro ein. Evonik schnitt dennoch etwas besser ab als Analysten erwartet hatten.

Bertrandt wächst weniger als erhofft

Im SDax sorgt der Ingenieursdienstleister Bertrandt für Enttäuschung. Der Grund: die Autobranche ist im abgelaufenen Geschäftsjahr beim Wachstum den eigenen Zielen hinterhergelaufen. Der Umsatz stieg 2015/16 um 6,1 Prozent auf rund 992,7 Millionen Euro. Das war aber weniger als die prognostizierten sieben bis zehn Prozent. Das operative Ergebnis stieg um 1,3 Prozent auf 92,8 Millionen Euro.

DIC Asset: Stabiler Geschäftsverlauf

Dagegen kann der Büroimmobilienkonzern DIC Asset über ein stabiles operatives Geschäft im dritten Quartal berichten: Das Unternehmen erzielte einen planmäßigen FFO von 36,9 Millionen Euro, der damit auf dem Vorjahresniveau von 36,8 Millionen Euro liegt. Gleichzeitig bestätigte der Vorstand die Ende September 2016 von 43 bis 45 Millionen Euro auf 46 bis 47 Millionen Euro erhöhte FFO-Jahresprognose.

EDF senkt Gewinnprognose

Der französische Stromkonzern EDF rechnet wegen des späteren Wiederanfahrens von fünf Atomreaktoren mit weniger Gewinn als bisher. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll 2016 bei 16,0 bis 16,3 Milliarden Euro liegen. Bisher war EDF von 16,3 bis 16,6 Milliarden Euro ausgegangen.

Axa: Starkes Geschäft mit Schaden- und Unfallversicherungen

Der französische Versicherer Axa hat den Umsatz in den ersten neun Monaten um 0,4 Prozent von 75,7 Milliarden Euro zu. Im Geschäft mit Schaden- und Unfallversicherungen verbuchte der Allianz-Konkurrent einen Anstieg um mehr als drei Prozent auf 25,4 Milliarden Euro. Damit konnte das Umsatzminus von einem Prozent in der deutlich größeren Lebensparte mehr als wettgemacht werden.

Mieses Quartal für GoPro - Aktie bricht ein

Der Actionkamera-Spezialist GoPro hat kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft ein sehr schwaches Quartal erlebt. Der Umsatz fiel im Jahresvergleich um 40 Prozent auf 240,6 Millionen Dollar. Es gab einen Verlust von 104 Millionen Dollar nach schwarzen Zahlen von 18,8 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Die Aktie brach im nachbörslichen Handel am Donnerstag um rund ein Fünftel ein.

Starbucks bleibt auf Wachstumskurs

Die Kaffeehauskette Starbucks hat ihren Umsatz trotz der immer schärferen Konkurrenz gesteigert. Die Erlöse legten im vierten Geschäftsquartal um 16 Prozent auf 5,71 Milliarden Dollar zu. Das war mehr als von Analysten erwartet. Der Gewinn kletterte um 23 Prozent auf 801 Millionen Dollar.

Richemont zieht Konsequenzen aus Gewinnhalbierung

Nach einer Gewinnhalbierung im ersten Halbjahr auf 540 Millionen Euro greift der Schweizer Uhren- und Schmuckkonzern Richemont beim Management durch. Vorstandschef Richard Lepeu wird Ende März in den Ruhestand gehen. Ende Juli wird sich zudem Finanzvorstand Gary Saage aus dem Unternehmen zurückziehen. Der Konzern leidet unter einer schwachen Nachfrage nach Luxus-Uhren.

Erste Group plant Dividendenverdoppelung

Das österreichische Geldhaus Erste Group hat im dritten Quartal vor allem dank niedriger Risikokosten mehr verdient. Unter dem Strich stieg der Gewinn auf 337,4 Millionen Euro von 276,9 Millionen Euro im Vorjahresquartal, wie der Wiener Konzern am Freitag mitteilte. Ihren Aktionären stellt die Erste Group für 2016 eine  Dividendenverdoppelung auf 1,0 Euro je Aktie in Aussicht.

LafargeHolcim gelingt kräftiger Gewinnsprung

Der weltgrößte Zementhersteller LafargeHolcim hat im Sommer trotz anhaltend schwacher Nachfrage einen überraschenden Gewinnsprung hingelegt. Unter dem Strich stand dank besserer Ergebnismargen ein Überschuss von 1,1 Milliarden Schweizer Franken und damit 36 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie der HeidelbergCement-Konkurrent am Freitag in Zürich mitteilte.

Suzuki macht gute Geschäfte in Europa

Der japanische Autobauer Suzuki hebt nach einem besser als erwartet gelaufenen ersten Halbjahr seine Ziele an. Das operative Ergebnis soll in dem bis März laufenden Geschäftsjahr 2016/17 um 2,4 Prozent auf 200 Milliarden Yen (rund 1,7 Milliarden Euro) zulegen. Bislang war von einem Minus von 7,8 Prozent die Rede. Suzuki rechnet besonders in Europa und Indien mit deutlichen Absatzsteigerungen.

lg

Tagestermine am Dienstag, 23. Oktober

Unternehmen:
Sartorius: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Talanx: Telefon-Pk zum Kapitalmarkttag, 7:30 Uhr
Anglo American: Q3 Production Report, 8:00 Uhr
Eli Lilly: Q3-Zahlen, 12:25 Uhr
United Technologies: Q3-Zahlen, 12:55 Uhr
Lockheed Martin: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Verizon Communications: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Caterpillar: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
3M: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
McDonald`s: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Texas Instruments: Q3-Zahlen, 22:01 Uhr
Logitech: Q3-Zahlen
Harley-Davidson: Q3-Zahlen
Biogen: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise 9/18, 8:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen 10/18 (vorab), 16:00 Uhr