Marktbericht 20:02 Uhr

Nach dem US-Zinsentscheid Dax: Alles nur ein Strohfeuer?

Stand: 17.12.2015, 20:02 Uhr

An der Wall Street geben die Aktien einen Teil ihrer gestrigen Gewinne wieder ab, nachdem wichtige Konjunkturdaten enttäuschthaben und der Ölpreis unter Druck bleibt. In Frankfurt haben die Anleger erst einmal die gestrige Entscheidung der Fed gefeiert.

Der Dax stieg am Donnerstag um 2,6 Prozent auf 10.738,12 Punkte, der EuroStoxx50 legte 1,8 Prozent auf 3306,47 Zähler zu. "Die Entscheidung der Fed ist eindeutig ein Zeichen der Zuversicht in die US-Wirtschaft", sagte Nick Peters, Fondsmanager bei Fidelity International. Die US-Geldpolitik bleibt nach Einschätzung von Analysten zudem sehr expansiv und dürfte daher die Aktienmärkte weiter stützen.

Bis zur Eröffnung der Wall Street ist die Freude in Frankfurt so groß, dass der Dax in der Spitze auf 10.829 Punkte klettert, 360 Zähler oder 3,4 Prozent mehr als am Vortag. Selbst der leicht schwächere Ifo-Geschäftsklimaindex kann die gute Laune nicht trüben.

Dow dreht ins Minus

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Holz

Ganz anders in New York. Dort hatten die Anleger bereits am Vorabend die moderate Zinsanhebung der US-Notenbank begrüßt. Heute machen viele Investoren aber wieder einen Schritt zurück, nachdem der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia enttäuschend ausgefallen. Er fiel auf minus 5,9 Punkte. Analysten hatten einen leichten Anstieg auf 1,5 Punkte erwartet. In den Fokus rückte auch wieder die Schwäche am Rohstoffmarkt. Der Preis für ein Fass der US-Ölsorte WTI nahm wieder Kurs auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren und auch Edelmetalle wie Gold und Silber rutschten deutlich ab.

Der Dow eröffnet zwar mit leichten Kursgewinnen, dreht dann jedoch ins Minus und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend 0,6 Prozent tiefer bei 17.641 Punkten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.430,88
Differenz relativ
+0,85%

Schon warnen Marktexperten wie Andreas Paciorek von CMC Markets vor erneut sinkenden Kursen. Angesichts der wieder stark unter Druck geratenen Rohölpreise und der absehbar sinkenden Liquidität in den letzten Tagen vor dem Jahreswechsel, sowie dem morgen anstehenden großen Verfallstag, könne nun die Luft aus den Märkten entweichen.

Euro bleibt unter Druck

Beflügelt wird der Dax auch von der Abschwächung des Euro. Nachdem die Gemeinschaftswährung bereits gestern unter die Schwelle von 1,10 Dollar gerutscht war, geht es heute noch weiter abwärts. Bei Börsenschluss kostet ein Euro 1,0815 Dollar und damit gut einen Cent weniger als vor der Fed-Entscheidung am Vortag.

Ölpreis fällt weiter

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
78,76
Differenz relativ
+0,09%

Inmitten der Erleichterung über den Zinsschritt in den USA tritt auch der weitere Verfall der Ölpreise heute zurück. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar kostete am Morgen 37,10 US-Dollar. Das waren 29 Cent weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI ging um zwölf Cent auf 35,40 Dollar zurück. Damit notieren die Ölpreise in der Nähe ihrer Anfang der Woche erreichten mehrjährigen Tiefststände.

Begründet wird der Preisverfall weiterhin mit dem Überangebot an den Weltmärkten. Schwache Ölpreise gelten an den Märkten als Indikator für eine lahmende Konjunktur. Der Preisverfall hatte daher zuletzt auf den Aktienmärkten stark gelastet.

Goldman beflügelt Daimler & Co

Zu den kräftigsten Kursgewinnern gehören die Autowerte - allen voran Daimler. Die Experten von Goldman Sachs haben ihre Kursziele für Daimler und VW angehoben, ihre fundamentalen Empfehlungen aber unverändert belassen. Das neue Kursziel bei Daimler liegt nun leicht höher bei 87 nach zuvor 86 Euro, die Aktie wird weiterhin zum Kauf empfohlen. Zudem meldet das "Manager Magazin", dass der Vertrag von Vorstandschef Dieter Zetsche um drei Jahre verlängert werden soll.

Eon und RWE holen auf

Die Aktien der deutschen Versorger Eon und RWE legen ebenfalls kräftig zu. Händler verweisen auf eine positive Studie von Bryan Garnier: Analyst Xavier Caroen habe die Eon-Aktien von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft und die Einstufung für RWE von "Sell" auf "Neutral" angehoben. Die aktuelle Erholung ist allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Seit Jahresbeginn müssen die großen deutschen Versorgerwerte mit Abstand die größten Kursverluste im Dax hinnehmen.

Lufthansa: Kley meldet Interesse an

Unterdurchschnittlich entwickeln sich die Aktien der Lufthansa. Der Chef des Darmstädter Chemie- und Pharmakonzerns Merck, Karl-Ludwig Kley, hat sein Interesse an der Nachfolge von Lufthansa-Chefkontrolleur Wolfgang Mayrhuber erklärt. "Würde ich gefragt, wäre es mir eine Ehre, Ja zu sagen", sagte Kley dem "Manager Magazin". Die Lufthansa beeilte sich, die Spekulationen einzudämmen. Mayrhuber sei bis 2018 gewählt. Es gebe keine Absicht, daran etwas zu ändern. Dem MM-Artikel zufolge wird die Fluggesellschaft 2015 "nach erstem Überblick" wohl ein Betriebsergebnis (Ebit) von rund zwei Milliarden Euro erzielen.

HSBC hilft Metro

Die Analysten der britischen Großbank HSBC haben die Metro-Aktie in ihr "Super-Ten-Portfolio" auf. Metro gehört zu den besten MDax-Werten. Der Konzern gab zudem am Vormittag zahlreiche personelle und strukturelle Veränderungen im Unternehmen bakannt.

Höhenflug bei Wind& Solaraktien

Die Aussicht auf Steuervorteile in den USA hat die Aktien europäischer Solar- und Windkonzerne weiter angetrieben. Im TecDax klettern SMA Solar um fast acht Prozent auf ein Vier-Jahres-Hoch, nachdem sie bereits am Vortag um 4,6 Prozent zugelegt hatten. Die Titel der Windturbinenbauer Nordex und Vestas legen ebenfalls zu. In Washington hatten sich Demokarten und Republikaner im Haushaltsstreit darauf verständigt, dass das seit 40 Jahren geltende Verbot von Ölexporten aufgehoben werden könnte. Im Gegenzug sollen Steuererleichterung für erneuerbare Energien gewährt werden.

Schaeffler mit Risikovorsorge

Preisabsprachen kommen den Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler noch teurer zu stehen. Der Konzern habe eine Risikovorsorge in Höhe von 230 Millionen Euro für mögliche Schadenersatzansprüche im Zusammenhang mit einem 2014 beendeten Kartellverfahren gebildet, teilte der Börsenneuling am Donnerstag mit. Die EU-Kommission hatte 2014 eine Strafe von 370 Millionen Euro gegen den Continental -Großaktionär verhängt, weil er zusammen mit Konkurrenten die Preise für Wälzlager für Autos und Lastwagen abgesprochen haben soll.

Milliardenzukauf von Astra Zeneca

Der britische Pharmakonzern AstraZeneca steigt beim niederländischen Biotech-Unternehmen Acerta Pharma ein. Für 55 Prozent an den Niederländern zahlen die Briten zunächst rund 2,5 Milliarden US-Dollar, später sollen noch 1,5 Milliarden hinzukommen.

Bang & Olufsen gefragt

Die Aktie des dänischen Herstellers von exklusiven HiFi- und TV-Geräten ist an der Kopenhagener Heimatbörse stark gefragt. Das Unternehmen hatte bekannt gegeben, dass sich der Verlust aus dem operativen Geschäft im abgelaufenen Quartal deutlich verringert hat. Ausgewiesen wurde ein Minus von 31 Millionen Dänischen Kronen (4,2 Millionen Euro) nach 155 Millionen Kronen ein Jahr zuvor.

Analysten der Nordea-Bank werteten die vorzeitige Veröffentlichung der Zahlen als Zeichen dafür, dass eine Übernahme näher rückt. Bereits Ende November hatte Bang & Olufsen erklärt, dass es mehrere Interessenten gebe. Seitdem ist der Kurs der Aktie deutlich gestiegen.

Oracle spürt den starken Dollar

Papiere des SAP-Konkurrenten fielen nach Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal nachbörslich zurück und gaben damit ihre Gewinne während der regulären Handelsstunden größtenteils wieder ab. Der Gewinn fiel wegen eines starken Dollars und schwächerer Lizenzgeschäfte um zwölf Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar, der Umsatz rutschte um 6,3 Prozent auf neun Milliarden Dollar. Das war zwar besser als erwartet, reichte aber nicht aus, um die Aktie voranzubringen. Im Ausblick äußerte sich das Unternehmen zudem zurückhaltend.

FedEx profitiert vom Sparkurs

Besser als Oracle machte es der Logistiker FedEx, der ebenfalls Ergebnisse für das zweite Geschäftsquartal vorlegte. Per Ende November stieg der Nettogewinn um 17 Prozent auf 729 Millionen Dollar, der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 12,5 Milliarden Dollar. Analysten hatten geringere Ergebnisse erwartet. Post-Konkurrent FedEx will in der ersten Jahreshälfte 2016 den niederländischen Konkurrenten TNT übernehmen und rechnet schon bald mit grünem Licht der Europäischen Kommission.

General Electric schüttet das Füllhorn aus

Der Siemens-Erzrivale will im kommenden Jahr insgesamt 26 Milliarden Dollar an seine Aktionäre zurückgeben. Acht Milliarden Dollar sollen an Dividende ausgeschüttet werden und für 18 Milliarden Dollar eigene Aktien gekauft werden. GE wird derzeit zum reinen Industriekonzern umgebaut, das Geschäft mit Finanzdienstleistungen wird schrittweise aufgelöst.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen