Marktbericht 20:07 Uhr

Keine Börsen-Feier am Feiertag "Dax 10.000"-Party vertagt

Stand: 29.05.2014, 20:07 Uhr

Das Warten auf die 10.000er Marke im Dax geht weiter. An Christi Himmelfahrt kam der deutsche Leitindex überhaupt nicht in Fahrt und trat auf der Stelle. Für etwas Bewegung sorgten Übernahmen und Konjunkturdaten aus Amerika.

Rien ne va plus: An den Aktienmärkten ging es am Donnerstag zu wie am Roulette-Tisch. Nichts ging mehr. Der Dax war wie erstarrt und pendelte um sein Vortagesniveau. Am Ende legte der deutsche Leitindex eine satte Punktlandung hin. Mit knapp 9.939 Zählern schloss er nahezu unverändert auf Xetra. Im späten Parketthandel tat sich wenig. Der L-Dax beendete den Tag bei fast 9.931 Zählern.

Ruhiger Handel

Angesichts der greifbar nahen Traum-Marke von 10.000 Punkten scheint die Anleger der Mut zu verlassen. "Dass der Dax ausgerechnet an solch umsatzarmen Tagen wie heute oder morgen die Hürde nimmt", hielten Händler für unwahrscheinlich.

An den anderen europäischen Börsenplätzen ging es ebenfalls nur schleppend voran. Der EuroStoxx50 stagnierte bei knapp 3.245 Punkten, nur der britische "Footsie" legte leicht um 0,3 Prozent zu.

S&P 500 knackt neues Rekordhoch

Die Wall Street zeigte sich freundlich. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss  minimal im Plus bei 16.644 Punkten. Der S&P 500 kletterte um 0,2 Prozent nach oben und erreichte mit 1.915,78 Punkten ein neues Rekordhoch. Die Nasdaq zog um 0,3 Prozent an.

Gemischte US-Daten

Anleger waren hin- und hergerissen zwischen durchwachsenen Konjunkturdaten. Überraschend sank die wöchentliche Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 27.000 auf 300.000. Ökonomen hatten mit 318.000 Anträgen gerechnet. Dagegen schrumpfte die US-Wirtschaft im ersten Quartal erstmals seit drei Jahren. Wie das Handelsministerium in einer zweiten Schätzung am Donnerstagnachmittag bekannt gab, ging das BIP in den ersten drei Monaten 2014 wegen des ungewöhnlich kalten Winters um 1,0 Prozent zurück. Volkswirte hatten mit einem BIP-Rückgang gerechnet - allerdings nur von 0,5 Prozent.

Auch vom Immobilien-Markt gab es eine kalte Dusche. Die Zahl der abgeschlossenen Hausverkäufe stieg im April nur leicht um 0,4 Prozent. Die Prognosen hatten bei einem Plus von 1,0 Prozent gelegen. Im März waren die Verkäufe noch kräftig um 3,4 Prozent nach oben geklettert.

Jetzt geht's um die Wurst

Für Bewegung sorgten mehrere Übernahmen. So ging es bei Hillshire Brands um die Wurst. Der zweitgrößte US-Schweinefleischproduzent Tyson blättert 6,8 Milliarden Dollar für den Wursthersteller Hillshire hin und überbietet Pilgrim's Pride, der 6,4 Milliarden zahlen will. Die Aktien von Hillshire schossen um 16 Prozent in die Höhe. Auch im Medizintechnik-Sektor bahnt sich eine neue Übernahme an. Amsurg plant, den Konkurrenten Sheridan Healthcare für 2,35 Milliarden Dollar zu schlucken. Die Amsurg-Titel legten acht Prozent zu. Und schließlich gab's von Apple noch was auf die Ohren. Der iPhone-Hersteller übernimmt für drei Milliarden Dollar den Kult-Kopfhörer-Hersteller Beats. Die Aktien von Apple zogen um ein Prozent an.

Gold auf Mehrwochen-Tief

Der Euro hat an Christi Himmelfahrt wieder die Marke von 1,36 Dollar überwunden. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,3610 Dollar. Dagegen sackte der Goldpreis weiter ab. Das gelbe Edelmetall verbilligte sich je Feinunze auf 1.255 Dollar und notiert auf dem niedrigsten Stand seit 16 Wochen. Händler verwiesen auf die schwache physische Nachfrage als Grund. So hat China im April mit rund 67 Tonnen Gold so wenig wie seit 14 Monaten nicht mehr aus Hongkong importiert. Die Ölpreise stiegen indes leicht. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli verteuerte sich um 62 Cent auf über 110,43 Dollar. Laut dem amerikanischen Energieministerium sind die Rohölvorräte der USA in der vergangenen Woche wieder gestiegen. Sie legten um 1,7 Millionen Barrel und damit stärker als erwartet zu.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1579
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+0,05%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.225,02
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0,00%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,57
Differenz relativ
+1,38%

Defensiv ist Trumpf

Im Dax waren vor allem defensive Titel wie Henkel und Bayer gefragt. Henkel eroberte mit einem Plus von einem Prozent die Dax-Spitze, Bayer legte 0,3 Prozent zu. Das US-Analysehaus Bernstein Research hat die Einstufung für Henkel auf "Outperform" mit einem Kursziel von 85 Euro belassen. Die Deutsche Bank hat das Kursziel für Bayer von 110 auf 125 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" bekräftigt. Weiterhin großes Potenzial sieht die Deutsche Bank beim Kassenschlager Xarelto.

Telekom einigt sich mit Softbank auf US-Deal

Zeitweise ins Plus gedreht war die T-Aktie. Am Ende ging sie mit einem Minus von 0,3 Prozent aus dem Handel. Laut einem Medienbericht hat die Deutsche Telekom dem Verkauf ihrer Tochter T-Mobile US an den japanischen Softbank-Konzern zugestimmt. Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Branchenkreise, es fehle aber noch die Zustimmung der US-Wettbewerbsbehörden. T-Mobile US soll von der Softbank-Tochter Sprint geschluckt werden. Die Aktien von T-Mobile US zogen um drei Prozent an.

Siemens zaudert

Zurückhaltend äußerte sich vor Investoren in New York Siemens-Chef Joe Kaeser zu einer möglichen Übernahme des französischen Alstom-Konzerns. "Wir wägen weiterhin die Chancen und Risiken ab", sagte er. Alstom habe eine gute Basis an Gas- und Dampfturbinen. Allerdings stelle sich bei reinen Dampfturbinen die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Stromerzeugung auf Kohlebasis. Bis zum 16. Juni werde Siemens über ein Angebot entscheiden. Am Mittwoch hatte GE sein Angebot für Alstom aufgebessert und 1.000 neue Jobs in Frankreich versprochen. Die Siemens-Aktie gab leicht nach.

Exane drückt Commerzbank-Aktie

Am Dax-Ende rangierte die Commerzbank mit einem Minus von über zwei Prozent. Die Analysten von Exane haben die Papiere von "Outperform" auf "Neutral" heruntergesetzt. Der zuständige Analyst Guillaume Tiberghien verwies auf Aussagen der Bank, denen zufolge niedrigere Zinsen ihre Erträge belasten würden. Zudem sei das Risiko einer Kapitalerhöhung gestiegen, so der Experte.

Osram fällt weiter

Im MDax setzte Osram seine Talfahrt fort. Die Titel des Beleuchtungsspezialisten rutschten erneut um rund zwei Prozent ab. Am Mittwoch hatte eine reduzierte Umsatzprognose die Papiere um 6,5 Prozent in die Tiefe gedrückt. JP Morgan reagierte und senkte das Kursziel für Osram am Donnerstag auf 35 Euro.

Vorsicht Dividendenabschlag!

Mehrere Aktien wurden am Donnerstag ex Dividende gehandelt. So zum Beispiel die Papiere des SDax-Konzerns Vossloh. Das Verkehrstechnikunternehmen schüttet 0,50 Euro je Aktie an seine Anteilseigner aus. Auch QSC und Kuka werden ex Dividende gehandelt. Der Telekomdienstleister QSC schüttet 0,10 Euro je Aktie an seine Anteilseigner aus. Der Roboter- und Maschinenbauer Kuka spendiert 0,30 Euro je Aktie.

Sky bleibt dem Fußball treu

Der Pay-TV-Sender Sky setzt auch in Zukunft vor allem auf Fußball. Trotz des kürzlich erfolgten Kaufs von Tennis-Rechten plant das Unternehmen nicht mit neuen Sportarten. "Wir haben eine starke Fußball-Orientierung - und das wird auch so bleiben", sagte Sky-Manager Carsten Schmidt. Eine Vielzahl weiterer Sportarten unter der Sky Sport-Marke zu sammeln, sei derzeit nicht geplant.

Kingfisher enttäuscht

Aus dem Ausland meldete Kingfinsher Zahlen. Europas größter Baumarkt-Betreiber profitierte vom milden Winter in Europa. Von Januar bis Anfang Mai stieg der Umsatz um gut sechs Prozent auf 2,78 Milliarden Pfund. Das operative Ergebnis stieg um fast 19 Prozent auf 142 Millionen britische Pfund. Analysten hatten allerdings mit etwas mehr gerechnet. Die Aktie sackte um fünf Prozent ab.

Übernahmegerüchte um Smith & Nephew

Übernahmespoekulationen beflügelten erneut die Aktien von Smith & Nephew. Sie stiegen um gut vier Prozent. Laut "Financial Times" will der amerikanische Orthopädie-Konzern Stryker den britischen Konkurrenten schlucken. Stryker dementierte, hielt sich aber die Möglichkeit offen, innerhalb der nächsten sechs Monate ein Angebot vorzulegen.

Valeant erhöht Angebot für Botox-Hersteller

Derweil hat der kanadische Pharmakonzern Valeant seine Offerte für den Botox-Hersteller Allergan aufgestockt - auf fast 50 Milliarden Dollar. Valiant bietet 166 Dollar je Allergan-Aktie - 8,6 Prozent mehr als zuvor. Dennoch fielen die Allergan-Titel in New York um zwei Prozent, manche Börsianer hatten offenbar erwartet, dass Valeant noch mehr Geld auf den Tisch legt.

Milliardenstrafe für Zementhersteller

Die brasilianische Kartellbehörde hat gegen sechs Zementhersteller, darunter die Schweizer Holcim, wegen Preisabsprachen eine Milliardenstrafe verhängt. Die Firmen müssen zusammen umgerechnet eine Milliarde Euro (3,1 Milliarden Real) zahlen, wie die Kartellwächter am Mittwoch mitteilten. Demnach sprachen sich die Unternehmen zwei Jahrzehnte lang ab, um Konkurrenten vom Markt zu drängen. Die Aktien von Holcim büßten in Frankfurt 0,6 Prozent ein.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr