Das zarte Pflänzchen Hoffnung

von Detlev Landmesser

Stand: 30.10.2008, 20:42 Uhr

Zeigt die baldige US-Wahlentscheidung nun doch endlich ihre erhoffte Wirkung? Jedenfalls waren die Investoren am Donnerstag geneigt, aus der Flut der Neuigkeiten fast nur Positives zu ziehen.

So überwogen an der Wall Street am Abend die Pluszeichen, nachdem die US-Börsen noch am Mittwoch nicht von der Leitzinssenkung der Fed profitieren konnten. Der L-Dax schloss 2,1 Prozent höher bei 4.894,17 Punkten.

Mehrere US-Konzerne wiesen für das dritte Quartal bessere Ergebnisse aus als befürchtet. Dasselbe galt für die Erstschätzung des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal. Dieses fiel zwar um aufs Jahr gerechnete 0,3 Prozent; Experten hatten aber einen dramatischeren Abschwung von 0,5 Prozent auf der Rechnung.

Unter den US-Zwischenbilanzen fiel besonders Exxon Mobil auf. Der weltgrößte börsennotierte Ölkonzern hat dank der hohen Ölpreise den höchsten Quartalsgewinn der US-Geschichte eingefahren. Exxon verdiente im dritten Quartal die Rekordsumme von 14,83 Milliarden Dollar - ein Plus zum Vorjahr von fast 60 Prozent. Die Warnung des US-Handyriesen Motorola vor weiter schwachen Geschäften verkraftete der Markt dagegen ganz gut.

Auch der deutsche Aktienmarkt wurde in eine Zahlenflut getaucht. Allein sechs Dax-Konzerne legten ihre Quartalsbilanzen vor. Eher gut kam die von Volkswagen an. Zwar legte das Ergebnis im dritten Quartal nur noch um 1,8 Prozent zu. Anders als Daimler und BMW bekräftigte Volkswagen aber seine Jahresprognose. 2009 stellte der Konzern angesichts der Autokrise ein "sehr hartes Jahr" in Aussicht. Die VW-Aktie, die lange deutlich im Plus notiert hatte, fiel zur Xetra-Schlussauktion denn auch ins Minus - auf noch immer märchenhafte 500 Euro.

Deutsche Bank bleibt in der Gewinnzone

Einer der besten Dax-Titel war die Deutsche Bank, die satte 17,7 Prozent zulegte. Zwar erreichte der deutsche Branchenprimus nur dank neuer EU-Bilanzierungsregeln einen "minimalen" Vorsteuergewinn von 93 Millionen Euro. Zudem musste die Bank wegen der Finanzkrise 1,2 Milliarden Euro abschreiben. Doch Experten sprachen von besser als erwarteten Zahlen. Die Commerzbank-Aktie legte im Fahrtwind sogar über 22 Prozent zu.

Metro kommt gut an
Auch die Metro-Aktie wurde für die Quartalszahlen des Handelskonzerns mit zweistelligen Kursgewinnen bedacht. Die Erlöse stiegen im dritten Quartal auf 16,3 Milliarden, das Ebit auf 361 Millionen Euro. Metro zeigte sich zuversichtlich, im Gesamtjahr wie geplant sechs Prozent mehr Umsatz und acht Prozent mehr operatives Ergebnis zu erreichen.

Die Continental-Aktie gewann sechs Prozent. Die Absatzkrise bescherte dem Autozulieferer zwar nur noch ein ausgeglichenes Ergebnis, die befürchtete Gewinnwarnung blieb jedoch aus. Außerdem legte der Umsatz im dritten Quartal auf 5,9 Milliarden Euro zu.

Um 6,2 Prozent ging es mit der MAN-Aktie bergauf. Der Maschinenbauer und Lkw-Hersteller stellte in seiner Geschäftsmitteilung fest, dass der Auftragseingang um satte 30 Prozent eingebrochen ist, allerdings stiegen die Erlöse in den ersten neun Monaten um 18 Prozent auf elf Milliarden Euro. Der Umsatz soll im Gesamtjahr zwar weiterhin "das Vorjahresniveau übertreffen", das Ziel einer zehnprozentigen Steigerung ließ MAN aber fallen.

BASF: "Es wird schwierig"
Die BASF-Aktie driftete dagegen ins Minus. Der Chemieriese hat das dritte Quartal mit einem deutlichen Rückgang beim operativen Ergebnis abgeschlossen. Der Umsatz stieg aber kräftig. Der Konzern will alles daransetzen, um das Vorjahresergebnis zu erreichen. Allerdings sei dies jetzt wesentlich schwieriger als "noch vor ein paar Wochen". Man stelle sich auf ein raues Umfeld ein, so BASF weiter.

K+S vorsichtiger...
Schwächster Dax-Wert war die K+S-Aktie. Der Düngemittel- und Salzhersteller senkte wegen der Folgen der Finanzkrise die Produktion und rechnet nur noch mit einem operativen Ergebnis am unteren Ende der bisher für 2008 angegebenen Spanne. Die Kaliproduktion solle bis zum Jahresende 2008 um insgesamt rund 400.000 Tonnen gesenkt werden. Die Finanzkrise habe eine zurückhaltendere Nachfrage in der Landwirtschaft ausgelöst, teilte K+S zur Begründung mit.

... Vossloh dagegen zuversichtlicher
Im MDax notierte die Vossloh-Aktie rund 14 Prozent höher. Der Verkehrstechnikkonzern hat das dritte Quartal überraschend gut beendet. Der Umsatz stieg um 30 Prozent, das operative Ergebnis um 72 Prozent. Dies war deutlich mehr als Konzernbeobachter prognostiziert hatten. Vossloh hob außerdem seine Jahresziele leicht an.

SGL wagt keinen Ausblick
Die SGL-Aktie konnte nur einen Teil ihrer frühen Kursgewinne in den Nachmittag retten. Dank Preiserhöhungen und Einsparungen verbesserte der Grafitspezialist zwar das operative Ergebnis auf 233 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Wegen der Finanzkrise wagte SGL aber keinen Ausblick auf 2009.

Einschneidende Maßnahmen bei HeidelDruck
Die Absatzkrise bei Heidelberger Druck verschlimmert sich zusehends. Der Druckmaschinen-Hersteller will nun fünf Mal so viele Arbeitsplätze abbauen wie bislang geplant. Selbst Kündigungen sind nicht mehr ausgeschlossen. "Die Branchenindikatoren verschlechtern sich beinahe täglich", begründete Vorstandschef Bernhard Schreier am Donnerstag. Auch im kommenden Geschäftsjahr, das im März beginnt, sieht er keine Besserung der Lage. Der MDax-Titel reagierte dennoch positiv auf die angekündigten Maßnahmen.

Rhön Klinikum sieht sich auf Kurs
Rhön Klinikum hat im dritten Quartal überraschend einen leichten Gewinnrückgang verzeichnet. Analysten hatten mit einem Anstieg gerechnet. Der Krankenhaus-Betreiber bekräftigte aber die Prognose für das Gesamtjahr.

Hugo Boss verdient weniger
Leichte Zuwächse verzeichnete die Aktie des ebenfalls im MDax notierten Modekonzerns Hugo Boss. Die Firma hat in den ersten neun Monaten weniger verdient und umgesetzt. Wegen des ungünstigen Umfeldes senkte Boss seine Jahresprognose beim Ebit auf 210 bis 220 Millionen Euro.

Aixtron bestätigt Jahresziele
Die Aixtron-Aktie gewann über 13 Prozent. Der im TecDax notierte Chipanlagenbauer hat im dritten Quartal Umsatz und Ergebnis kräftig gesteigert. Der Umsatz stieg um ein Viertel auf 63,9 Millionen Euro, das operative Ergebnis legte um die Hälfte auf 7,5 Millionen Euro zu. Analysten hatten bei beiden Kennziffern etwas mehr erwartet. Immerhin bestätigte Aixtron seine Jahresprognose.

Morphosys verdoppelt Ergebnis
Morphosys verdoppelte in den ersten neun Monaten sein operatives Ergebnis (Ebit) auf 15,1 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um etwa ein Fünftel auf 53,3 Millionen Euro. Angesichts guter Geschäfte erhöhte das Biotechunternehmen zudem seine Ergebnisprognose für 2008 auf 15 bis 16 Millionen Euro - von zuvor neun bis elf Millionen.

Wirecard meldet kräftiges Wachstum
Der Zahlungsabwickler Wirecard hat in den ersten neun Monaten 2008 Umsatz und Ergebnis um jeweils etwas mehr als Hälfte erhöht. Der Umsatz sei auf 141,1 Millionen, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf 35,2 Millionen Euro gestiegen, teilte das TecDax-Unternehmen mit. Bis Ende des Jahres soll das Ebit wie erwartet um 45 bis 60 Prozent wachsen.

Agrarboom beflügelt KWS Saat
Im SDax gewann die Aktie von KWS Saat zeitweise rund ein Fünftel an Wert. Der Saatguthersteller hat im abgelaufenen Geschäftsjahr sein Ergebnis deutlich gesteigert. Das Ebit wuchs um zehn Prozent auf 70 Millionen Euro, der Umsatz kletterte um elf Prozent auf etwa 600 Millionen Euro. KWS verwies auf das gute Maissaatgeschäft. Nun sei es aber "eine große Herausforderung, das hervorragende Vorjahresergebnis wieder zu erreichen", teilte das Unternehmen mit. Dies will KWS Saat aber erreichen.

Takkt dampft Jahresziele ein
Schlechter erging es der Aktie von Takkt. Der Büromöbel-Versandhändler hat im dritten Quartal weniger verdient und umgesetzt. Der Umsatz schrumpfte leicht auf 230 Millionen Euro, das operative Ergebnis auf 6,8 Millionen. Takkt sieht das Jahresziel in Gefahr. Bisher ging die SDax-Firma von einem organischen Umsatzwachstum von vier Prozent aus, jetzt könnten es nur noch zwei Prozent sein.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"