Das war wohl nichts

Stand: 02.09.2011, 20:00 Uhr

Zwar ist der Dax auf Wochensicht unverändert geblieben. Doch die Hoffnung auf eine Trendwende hat sich nicht erfüllt. Neue Hiobsbotschaften aus den USA sowie wieder aufgeflammte Ängste um die Schuldenkrise schicken die Märkte tief in den Keller.

Der Dax, der bereits gestern seine jüngste Erholung abgebrochen hatte, rutscht um 3,36 Prozent auf 5.538 Punkte ab. Auch am Abend dauert der Kursverfall an. Der Leitindex verliert 2,9 Prozent auf 5.542 Zähler.

Am Nachmittag war der Dax zeitweise um mehr als vier Prozent eingebrochen und unter die Schwelle von 5.500 Punkten gerutscht. Ein harter Schlag für die Anleger war die Veröffentlichung der neuesten US-Arbeitsmarktzahlen. Statt der prognostizierten 70.000 bis 75.000 neuen Stellen stagnierte der Jobmarkt im August. Außerhalb der Landwirtschaft wurden keine neuen Stellen geschaffen worden. Die Zahlen gelten als neuerlicher Beleg für die lahmende US-Wirtschaft und schüren die Furcht vor einem Rückfall in die Rezession. Zuvor hatte die Regierung ihre eigene Konjunkturprognose gestutzt.

"Der Arbeitsmarktbericht ist eine große Enttäuschung, auch wenn die Zahlen durch Sondereffekte etwas verzerrt sind", sagte Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus. Fest stehe, dass auch nach Herausrechnung der Effekte der Beschäftigungsaufbau schwach bleibe. "Die US-Wirtschaft durchläuft eine Phase außerordentlich schwachen Wachstums, die sich für viele Haushalte wie eine Rezession anfühlt."

Euro und Dow im Minus
Kein Wunder, dass auch der Dow-Jones-Index der amerikanischen Standardwerte in die Knie geht. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert er 1,8 Prozent (200 Punkte) tiefer als gestern bei 11.287 Zählern.

Für Verunsicherung sorgt auch die anhaltende Schuldenkrise in Europa. Danach wird Griechenland im laufenden Jahr sein Schuldenziel verfehlen. Zugleich ist unklar, ob die italienische Regierung weiter an dem milliardenschweren Sparprogramm festhält.

Der enttäuschende US-Arbeitsmarktbericht belastet auch den Kurs des Euro. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert die Gemeinschaftswährung nur noch knapp oberhalb der Marke von 1,42 Dollar. Vor der Veröffentlichung der US-Zahlen hatte der Euro noch bei 1,4260 Dollar gestanden.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,84
Differenz relativ
-1,41%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,86
Differenz relativ
-0,03%

Banken stürzen wieder ab
Angeführt wird die Liste der Verlierer im Dax von Deutscher Bank und Commerzbank. Deutschlands führendem Geldhaus und einer Reihe anderer meist amerikanischer Institute drohen Schadensersatzforderungen aus den USA. Die Banken sollen den Wert von Immobilienkrediten falsch dargestellt haben, die sie bündelten und weiterverkauften. An sich sei das keine neue Geschichte, sagte ein Experte. Negativ wirke sich aber auch die wieder aufgeflammte Debatte um die Schuldenkrise Griechenlands aus. Dies drückt auch den Kurs der MDax notierten Aareal Bank.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
149,70
Differenz relativ
-0,29%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,18
Differenz relativ
+1,94%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,54
Differenz relativ
+0,25%

Autoindustrie kennt keine Krise
Die Autoindustrie in Deutschland steuert bislang stabil durch die Krisen in Europa und den USA. Im August kletterte die Produktion im Vorjahresvergleich um 19 Prozent auf 399.000 Einheiten, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit. "Damit haben wir für den Monat August das bislang höchste Produktionsergebnis erreicht", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Trotzdem gehören die drei im Dax notierten Autowerte Volkswagen, Daimler und BMW zu den schwächsten Werten im Dax.

Metro stoppt Abwärtstrend
Gegen den Abwärtstrend stemmt sich heute neben Fresenius Medical Care, vor allem die Aktie von Metro. Grund ist eine positive Bewertung durch das Analysehaus Bernstein. Der zuständige Analyst hat den Wert von "Marketperform" auf "Outperform" angehoben und das Kursziel mit 42 Euro bestätigt. Ein Händler bezeichnete das Analystenlob nach den deutlichen Verlusten der letzten Zeit als Katalysator für die Zukäufe. Allein im vergangenen Monat hatten die Aktie mehr als 18 Prozent verloren.

Demag Cranes und Praktiker vor Abstieg
Die Aktien von Demag Cranes und Praktiker stehen nach Einschätzung von Experten vor dem Abstieg aus dem MDax. Bei Demag Cranes reiche der Streubesitz nach der Übernahme durch den US-Baumaschinenhersteller Terex für einen Verbleib in der zweiten Börsenliga nicht mehr aus, sagt LBBW-Analystin Anke Platzek. Und auch Praktiker sei nach der Gewinnwarnung im Juli nicht mehr in dem Index zu halten. Die nächste planmäßige Überprüfung der Indizes steht am kommenden Montag an.

IVG stürzt weiter ab
Kaum hatte sich die Aktie des Bonner Immobilienkonzerns IVG etwas stabilisiert, setzt sie heute erneut zum Sinkflug an. Neue Unternehmensmeldungen gibt es zwar nicht, doch das Papier ist mit einem Minus von 7,5 Prozent der mit Abstand schwächste Wert im MDax.

Bilfinger Berger will zukaufen
Kräftig Federn lassen muss auch die Aktie des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger. Dessen neuer Chef, Roland Koch, plant in den kommenden zwei Jahren Übernahmen für eine Milliarde Euro. Damit soll das Unternehmen vom deutschen Markt unabhängiger werden.

Tagestermine am Freitag, 14. Dezember

Unternehmen:
Stabilus: Jahreszahlen (endg.), 07:00 Uhr
Isra Vision: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
KWS Saat: Hauptversammlung, 11:00 Uhr
Dr. Hoenle: Jahreszahlen

Konjunktur:
Japan: Tankan-Report Q4/18, 00:50 Uhr China: Einzelhandelsumsatz 11/18, 3:00 Uhr
China: Industrieproduktion 11/18, 3:00 Uhr
Deutschland: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 9:30 Uhr
EU: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 9:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz 11/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 11/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 11/18, 15:15 Uhr
USA: Markit PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 15:45 Uhr
USA: Lagerbestände 10/18, 16:00 Uhr