Marktbericht 20:02 Uhr

Dax schließt im Minus Das war jetzt überfällig

Stand: 03.03.2015, 20:02 Uhr

Der Dax hat am Dienstag seine achttägige Rekord-Serie beendet und 130 Punkte eingebüßt - zur Erleichterung vieler Marktexperten, denen der rasante Kursanstieg zuletzt schon unheimlich wurde. Die Trendwende kam von der Wall Street.

Dort eröffnet der Dow Jones-Index schwächer und weitet seine Verluste im Handelsverlauf aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der US-Leitindex bei 0,6 Prozent leichter bei 18.181 Zählern. "Die Anleger machen Kasse, das wurde langsam auch mal Zeit", sagte ein Händler. Ein anderer meinte, am Markt herrsche inzwischen eine gewisse Höhenangst.

Vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag sowie dem monatlichen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung am Freitag fehle es der Rally an Schub, begründeten Markexperten die rückläufigen Kurse. Der Rückgang an der Wall Street übertrug sich auf Europa, wo am Vormittag noch positive Konjunktursignale für steigende Kurse gesorgt hatten. So hatten sich unter anderem die Konsumenten in Deutschland zu Jahresbeginn überraschend ausgabenfreudig gezeigt.

Warten auf die EZB

Der Dax erklomm daraufhin ein neues Rekordhoch bei 11.465 Punkten. Doch dann setzten Gewinnmitnahmen ein, besonders bei den Autowerten. Sie drückten den Dax am Nachmittag immer tiefer ins Minus. Am Ende verliert der Leitindex 130 Punkte und schließt bei 11.280 Zählern.

Die Anleger erwarten, dass die EZB auf ihrer Ratssitzung Details zum sogenannten Quantitative Easing (QE) beschließt und anschließend mit den bereits angekündigten Anleihekäufen beginnt. Für Spannung dürfte auch der monatliche US-Arbeitsmarktbericht am Freitag sorgen.

Konsolidierung überfällig

Marktexperten sind schon seit geraumer Zeit der Meinung, dass eine Korrektur inzwischen überfällig sei, hat doch der Dax seit Jahresbeginn bereits 15 Prozent zugelegt. "Geschwindigkeit und Ausmaß der Rally machen eine ausgeprägtere Konsolidierungsphase mehr als überfällig", meint Gregor Kuhn von IG Markets.

Heino Ruland von Ruland Research glaubt, dass eine Korrektur der europäischen Börsen von der Wall Street ausgehen könnte, weil die amerikanischen Werte gemessen an den Gewinnerwartungen schon sehr teuer seien.

Euro auf Achterbahnfahrt

Der Euro hat am Dienstag um die Marke von 1,12 Dollar geschwankt. Anfänglichen Gewinnen folgten rasche Verluste, am Nachmittag tendierte die Gemeinschaftswährung aber wieder etwas fester. Zuletzt kostete ein Euro 1,1216 US-Dollar und damit fast so viel wie am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1168 (Montag: 1,1227) Dollar festgelegt.

BMW: Apple und Google sehr ernst nehmen

Bei den Einzelwerten sind die Autos am Dienstag unter Druck geraten, nachdem sie in den letzten Woche überdurchschnittliche Kursgewinne verbuchen konnten. Größter Verlierer der drei deutschen Autobauer ist BMW. Der rechnet damit, dass die IT-Konzerne Apple und Google zu wichtigen Konkurrenten der etablierten Autokonzerne heranwachsen könnten. "Wir müssen diese Wettbewerber sehr ernst nehmen", sagte Vorstandschef Norbert Reithofer auf dem Genfer Automobilsalon. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass Wettbewerber in Zukunft Autos bauen, die bisher noch nicht am Markt waren."

Telekom belastet

Auch die Telekom-Aktien müssen überdurchschnittlich abgeben. Die Papiere waren zuletzt kräftig gestiegen und hatten am Morgen noch den höchsten Stand seit Anfang 2005 erreicht. Mehrere leicht negative Nachrichten drückten einem Händler zufolge dann aber auf die Stimmung: Zum einen stemme sich die Monopolkommission gegen weitere Privilegien für den Ausbau des schnellen Breitbandnetzes bei dem Telekomkonzern. Zum anderen würden in den kommenden vier Jahren mehr als 6 Milliarden Euro in das europäische Netz investiert.

Merck bleibt ein Renner

Auf ein Allzeithoch ist dagegen am Vormittag die Merck-Aktie gestiegen. Die größte Übernahme in der Firmengeschichte soll dem Pharma- und Chemiekonzern Merck 2015 auf die Sprünge helfen. Sollte der gut 13 Milliarden Euro schwere Zukauf des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich von Erfolg gekrönt sein, erwartet der Darmstädter Traditionskonzern deutliche Zuwächse. Im vierten Quartal 2014 haben die Darmstädter ihr Umsatz- und Ergebniswachstum kräftig angekurbelt. Von den guten Zahlen profitierten zeitweise auch die anderen Pharma- und Gesundheitswerte, allen voran Bayer, bis es auch zu Gewinnmitnahmen kam.

RWE will Dividende stabil halten

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gute Nachrichten kommen von RWE. Der Versorger will offenbar trotz des schwachen Geschäfts 2014 den Aktionären erneut einen Euro Dividende zahlen. Das berichtet die "Rheinische Post" unter Berufung auf Konzernkreise. Eine Firmensprecherin wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. RWE hatte 2013 die Dividende wegen der Gewinnrückgänge bereits auf einen Euro halbiert.

DMG: Japaner bieten mehr

Im MDax halten sich die Aktien von DMG Mori Seiki bis zum Schluss an der Spitze, nachdem die Japaner ihren Übernahmepreis um drei Euro auf 30 Euro angehoben haben. Vor einer Woche noch hatte die Führungsspitze des Werkzeugmaschinenbauers den Aktionären die Annahme des Übernahmeangebots in Höhe von 27,50 Euro je Aktie durch den japanischen Partner empfohlen. An der allgemeinen Angebotsfrist ändert sich dabei aber nichts. Sie läuft bis zum 11. März um Mitternacht.

Evonik ruft Trendwende aus

Zulegen kann auch die ebenfalls im MDax notierte Evonik-Aktie. Der Chemieriese hat nach zwei Jahren mit sinkenden Ergebnissen eine Trendwende ausgerufen. Hintergrund sind anziehende Geschäfte und Preise mit Produkten für die Tiernahrung, die dem Essener Konzern zum Jahresende Schub gaben. Das erste Quartal soll deshalb über den Ergebnissen des Vorjahres liegen.

Software AG hochgestuft

Im TecDax haben sich die Aktien der Software AG nach einem positiven Analystenkommentar an die Spitze gesetzt. Die Berenberg Bank hatte die Einstufung für Software auf "Hold" von "Sell" angehoben und das Kursziel auf 27,20 von 17,10 Euro gesetzt. Trotz des jüngsten Kursanstiegs - seit Oktober legte die Aktie um mehr als 35 Prozent zu - biete das Papier kurzfristig weiteres Potenzial. Die Darmstädter dürften von positiven Währungseffekten profitieren.

Manz holt Großaufträge rein

Manz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch der Maschinenbauer Manz kann punkten. Nach Aufträgen über 40 Millionen Euro im Batterie-Geschäft im Januar holt das Unternehmen nun Aufträge im Display-Bereich von über 35 Millionen Euro rein. Diese würden nun zum großen Teil im zweiten Quartal auf Umsatz und Ergebnis auswirken.

Heideldruck gefällt

Im SDax sorgt Heidelberger Druck für Freude. Das Unternehmen setzt nach einem jahreslangen Schrumpfkurs wieder auf Expansion und kauft die europäische PSG-Gruppe. Mit der Übernahme will Heideldruck das margenstarke Geschäft mit Service- und Verbrauchsmaterialien deutlich ausbauen. Es winkt ein zusätzlicher Umsatz von 130 Millionen Euro.

Braas zieht an

Überraschend starke Geschäftszahlen und die Ankündigung einer Dividende treiben Braas Monier an. Die Aktien des Dachpfannen- und Schornstein-Herstellers gehören zu den größten Gewinnern im SDax. Das Nettoergebnis des Börsenneulings lag 2014 bei 39,8 Millionen Euro, im Jahr davor hatte noch ein Verlust von rund 69 Millionen Euro in den Büchern gestanden.

Monte Paschi im Sinkflug

Auf Talfahrt gegangen sind die Aktien der italienischen Krisenbank Monte Paschi. Die Titel rutschten um bis zu 5,7 Prozent auf 0,58 Euro ab und wurden zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt. Der italienische Leitindex gab 0,5 Prozent nach. Einem Zeitungsbericht zufolge wird der Vorstand auf seiner Sitzung am Mittwoch die geplante drei Milliarden schwere Kapitalerhöhung diskutieren. Der Markt scheine sich langsam darüber klar zu werden, dass eine Kapitalerhöhung auf dem Weg sei, sagte ein Händler. Seit Jahresbeginn haben die Titel knapp 30 Prozent zugelegt.

Barclays tiefrot

Die britische Großbank Barclays hat im vergangenen Jahr Verluste geschrieben. Das Minus lag bei 174 Millionen Pfund nach einem Vorjahresgewinn von 540 Millionen Pfund. Grund waren hohe Kosten für zahlreiche Skandale wie beispielsweise der angeblichen Manipulation von Devisenkursen und den Konzernumbau. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn legte nach Berechnungen der Buchhaltung allerdings um 27 Prozent auf 2,8 Milliarden Pfund zu.

Glencore spürt Gegenwind

Der schweizerisch-britische Rohstoffkonzern Glencore hat im vergangenen Jahr wegen der rückläufigen Rohstoffpreise 1,1 Milliarden Dollar abschreiben müssen. Auch der um Sondereffekte bereinigte Gewinn sank um sieben Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar. Die im Stoxx 50 gelistete Aktie verliert überdurchschnittlich.

lg

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Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
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Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr