Das war heftig!

von Detlev Landmesser

Stand: 27.02.2007, 20:21 Uhr

So schnell kann es gehen: Von der 7.000 mochte am Dienstag niemand mehr reden. Am Abend musste der L-Dax sogar die Marke von 6.700 Punkten preisgeben. Die Heftigkeit der Verluste lässt weitere Turbulenzen befürchten.

Ausgehend von einem Kurseinbruch in Schanghai hatte sich am Dienstag eine Welle von Gewinnmitnahmen über die Weltbörsen ausgebreitet. Der Xetra-Dax verlor fast drei Prozent, der TecDax mehr als sechs, während der MDax mit minus 4,7 Prozent wieder die Marke von 10.000 Punkten preisgeben musste. Im späten Geschäft sah es noch düsterer aus: Der L-Dax brach um 4,6 Prozent auf 6.689,54 Zähler ein.

Quer durch alle Indizes zeigte sich dasselbe Bild: Die größten Verlierer waren zumeist die, die in den vergangenen Wochen am stärksten zugelegt hatten. "Heute erwischt es im Zuge der Konsolidierung vor allem die zuletzt gut gelaufenen Aktien, das sind also eindeutig Gewinnmitnahmen", sagte ein Händler. Dass der Markt aber morgen wieder zur Tagesordnung übergeht, ist angesichts der Nervosität kaum zu erwarten. Vielmehr dürfte es in den kommenden Handelstagen holprig zugehen.

Die Börse in Schanghai hatte ihre Kursrally am Dienstag jäh unterbrochen und war um fast neun Prozent eingebrochen, der höchste Tagesverlust seit zehn Jahren. Sind die Märkte schon einmal derart verunsichert, lässt ein Verkaufsargument wie der Atomstreit mit dem Iran natürlich nicht lange auf sich warten.

US-Auftragseingänge deutlich schwächer

Zu den Kursverlusten trug auch ein überraschender Einbruch der US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter im Januar bei. Diese gingen um 7,8 Prozent zum Vormonat zurück, teilte das US-Handelsministerium um 14:30 Uhr mit. Volkswirte hatten mit einem wesentlich geringeren Minus von 2,4 Prozent gerechnet. Das im Februar überraschend gestiegene US-Verbrauchervertrauen konnte das Blatt nicht wenden. Der Index sei von revidierten 110,2 Punkten auf 112,5 Punkte geklettert, teilt das Forschungsinstitut Conference Board um 16:00 Uhr mit. Volkswirte hatten eigentlich mit einem Rückgang auf 108,5 Punkte gerechnet.

Auch in den USA dominierten also die Minuszeichen, wenn auch nicht so heftig wie in Europa. Eine Gewinnwarnung des Kopierer-Herstellers Xerox und der 5,5 Milliarden Dollar schwere Jahresverlust des in einem Insolvenzverfahren steckenden größten US-Autozulieferers Delphi waren kaum geeignet, die Laune zu heben. Auch die Apple-Aktie stand unter Druck: Der Computerhersteller musste den ursprünglich für Februar geplanten Start seiner Settop-Box Apple TV um einige Wochen verschieben. Der Lebensmittelkonzern H.J. Heinz konnte das Ruder mit hervorragenden Quartalszahlen nicht herumreißen.

Euro über 1,32 Dollar
Auch am Devisenmarkt herrschte ein hektischer Handel. Der Euro konnte sich gegenüber dem Dollar weiter befestigen und über die Marke von 1,32 Dollar setzen. Der Einbruch bei den US-Auftragseingängen brachte der Einheitswährung einen weiteren Impuls.

ThyssenKrupp tiefrot
Dass die Verkaufswelle ausgerechnet in China begann, belastete im Dax nicht zuletzt ThyssenKrupp. "Sollte sich die Konjunktur in China abkühlen, dürfte das die Stahlpreise belasten", meinte ein Marktteilnehmer.

Henkel will Aktiensplit von 1:3
Noch stärker erwischte es die Henkel Vorzüge nach der Präsentation der endgültigen Zahlen. Dabei brachte die Bilanz 2006 wenig Neues. Positiv überrascht habe die Ankündigung eines Aktien-Splits von eins zu drei, sagten Händler. Allerdings stellte der Konsumgüterhersteller zugleich sein mittelfristiges Margenziel in Frage.

VW hält fast 30 Prozent an MAN
Unter den Dax-Werten fiel aber auch die Aktie von MAN auf, die ihren Tagesverlust gegen Mittag deutlich verringerte. Die Volkswagen AG hatte mitgeteilt, ihren Anteil an dem Maschinen- und Nutzfahrzeugbauer auf 29,9 Prozent erhöht zu haben. Damit nehmen die Wolfsburger offensichtlich erneut Anlauf für eine europäische Nutzfahrzeug-Allianz der eigenen LKW-Sparte mit MAN und Scania. Eine unerfreuliche Meldung ging da etwas unter. In den USA muss VW 790.000 Fahrzeuge wegen Problemen am Bremslicht zurückrufen. Betroffen sind zahlreiche Fahrzeuge des Typs Golf, Jetta, New Beetle und R32.

Neuer Ärger für Eon - aus Spanien und Italien
Drittgrößter Dax-Verlierer war Eon. Nach Ansicht der spanischen Regierung hat der Energieriese das Ringen um den Stromversorger Endesa noch nicht gewonnen. Es sei wahrscheinlicher, dass Endesa mehrheitlich in spanischer Hand bleibe, sagte der Madrider Industrieminister Joan Clos am Dienstag dem Radiosender Cadena SER. Es werde für Eon schwer, die notwendige Mehrheit zur Aufhebung der Stimmrechtsbeschränkung zu erhalten. Bei der Endesa-Hauptversammlung am 20. März sollen die Anteilseigner über das Gebot von Eon abstimmen. Eon hat zur Bedingung gemacht, dass die Aktionäre die Satzung von Endesa ändern - bislang ist das Stimmrecht einzelner Aktionäre auf maximal zehn Prozent begrenzt.

Am Abend wurde zudem bekannt, dass der italienische Versorger Enel derzeit in großem Umfang Endesa-Aktien aufkaufe. Die Bank UBS kaufe derzeit für Enel Aktien von Endesa am Aktienmarkt, meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf "Börsenkreise". Ziel der Italiener sei zunächst, einen Anteil von zehn Prozent zu kaufen.

DaimlerChrysler erwartet schrumpfenden US-Markt
Die Aktie von DaimlerChrysler verlor ebenfalls stärker als der Dax. Der Automobilriese rechnet im laufenden Jahr trotz eines leichten Marktrückgangs in den USA mit einem Absatzzuwachs der Markengruppe Chrysler. DaimlerChrysler teilte in seinem Geschäftsbericht für 2006 mit, der US-Markt für Pkw und Nutzfahrzeuge werde 2007 voraussichtlich auf 17,0 von 17,1 Millionen Fahrzeuge schrumpfen. Die unter hohen Verlusten leidende Chrysler-Gruppe werde jedoch mit ihrer jungen Fahrzeugflotte voraussichtlich die Absatzzahlen steigern können.

Krones zahlt mehr Dividende
Nach Xetra-Schluss veröffentlichte Krones seine vorläufigen Jahreszahlen. Der Abfüllanlagen-Hersteller will nach einer deutlichen Gewinnsteigerung die Dividende um 20 Cent auf 1,60 Euro anheben. Der Umsatz sei im abgelaufenen Jahr um 12,7 Prozent auf 1,91 Milliarden Euro gestiegen, während der Überschuss nach vorläufigen Zahlen um 20 Prozent zugelegt habe. Im laufenden ersten Halbjahr 2007 will der MDax-Konzern nun einen Umsatz von einer Milliarde erreichen. Mittelfristig soll das Umsatzplus fünf bis zehn Prozent im Jahr betragen.

Dicke Aufträge für MTU und IDS Scheer
Die Aktie von MTU gelangte trotz eines Milliardenauftrages nicht aus dem Minusbereich. Der Triebwerkshersteller hat von der Fluggesellschaft JetBlue einen Folgeauftrag erhalten. Damit erhöht sich das Auftragsvolumen von ursprünglich 700 Millionen auf 2,4 Milliarden Euro.

Ähnlich erging es den im TecDax notierten Aktien von IDS Scheer, Conergy und Nordex, die trotz Bekanntgabe von neuen Aufträgen verloren. Microsoft hat sich für die ARIS-Plattform von IDS Scheer entschieden. Conergy gab eine Kooperation mit zwei Partnern zum Bau einer Bioethanolanlage bekannt. Und Nordex hat sich seinen bisher größten Auftrag aus Spanien gesichert. Doch wie bei vielen anderen Titeln versuchten die Anleger hier ihre jüngsten Gewinne zu retten, die auch aus der Übernahmespekulation um Repower herrührten.

Fuchs Petrolub mit neuer Bestmarke
Auch hervorragende Jahreszahlen retteten die Fuchs-Petrolub-Vorzüge am Dienstag nicht. Nach dem fünften Rekordergebnis in Folge will der Schmierstoffhersteller die Dividende deutlich erhöhen. Pro Vorzugsaktie soll es 1,00 Euro geben, nach 0,67 Euro im Vorjahr. Nach den vorläufigen Zahlen steigerte das SDax-Unternehmen den Gewinn im abgelaufenen Jahr um 31 Prozent auf 97,2 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um elf Prozent auf 1,32 Milliarden Euro. Für 2007 geht Fuchs Petrolub von einem weiter steigenden Umsatz aus. Die preisbedingten hohen Zuwachsraten der Vorjahre würden aber wohl nicht erreicht. Beim Betriebsergebnis (Ebit) rechnet die Firma mit einer Stagnation.

Arques: Löw steigt aus
Dass die Aktie von Arques an diesem Tag nur zehn Prozent verlor, muss fast verwundern. Die Starnberger Beteiligungsgesellschaft teilte am Nachmittag mit, dass ihr Vorstandschef Peter Löw Arques verlassen wird. Nachfolger von Löw werde ab Mai Finanzvorstand Martin Vorderwülbecke. Den Großteil seiner zuletzt gut 14 Prozent der Arques-Aktien habe Löw am 23. Februar verkauft, teilte das SDax-Unternehmen zudem mit.

Glänzendes Ergebnis bei der DBAG
Ansonsten bewegte eine Reihe von Unternehmenszahlen die Kurse in dem Kleinwerte-Index. Nach Xetra-Schluss öffnete die Deutsche Beteiligungs-AG ihre Bücher. Im Auftaktquartal ihres Geschäftsjahres 2006/07 hat die Gesellschaft ihren Gewinn mehr als verdreifacht. Unter dem Strich sei von November bis Januar ein Überschuss von rund 27 Millionen Euro verbucht worden, teilte das Unternehmen mit. Im ersten Quartal 2005/06 hatte die DBAG einen Gewinn von 8,2 Millionen Euro verbucht.

HCI Capital kündigt Gewinnrückgang an
Die Aktie von HCI Capital verlor nach den Zahlen für 2006 über sieben Prozent. Die Hamburger Fondsgesellschaft hat den Gewinn trotz rückläufiger Erlöse leicht gesteigert. Im laufenden Jahr rechnet HCI aber bei einem leicht steigenden Umsatz mit rückläufigen Gewinnen. Vorstandschef Harald Christ begründete die zu erwartenden Einbußen mit niedrigeren außerordentlichen Erträgen aus dem Zwischenhandel mit Schiffen.

Gewinnexplosion bei Demag Cranes
Noch schlechter erging es dem SDax-Wert Demag Cranes, der 8,7 Prozent einbüßte. Laut einem Händler belegten vorgelegten Quartalszahlen zwar die gute Ertragslage des Kranherstellers. Nach den Anstiegen der letzen Monate legte der Aktienkurs von Demag Cranes jetzt aber eine Pause ein. Anleger nähmen Gewinne mit. Das Unternehmen erhöhte sein Ergebnis deutlich und bekräftigte die Ziele für das Gesamtjahr.

Cewe Color erwartet Gewinneinbruch
Vierter im Bunde der SDax-Unternehmen mit Geschäftszahlen war Cewe Color. Die Bilanz 2006 zeigt rückläufige Tendenzen bei Umsatz und Ergebnis. Für 2007 kündigte der Fotoentwickler einen Ergebnisrückgang aufgrund von Restrukturierungen an. Das Zahlenwerk war wenig überraschend, deshalb war auch kaum Bewegung beim Aktienkurs.

Manz mit schwächerem Ausblick
Außerhalb der Indizes präsentierte Manz sein Zahlenwerk. Das offenbarte zwar deutliche Zuwächse von nahezu 50 Prozent bei Umsatz und Ergebnis (Ebit). Doch bleibt der Maschinenbauer bei seinen Zukunftsprognosen konservativ. Erwartet wird ein Umsatzanstieg von mindestens 25 Prozent auf 55 bis 58 Millionen Euro. Zudem soll weiterhin eine zweistellige Ebit-Marge erzielt werden. Die Manz-Aktie verlor über fünf Prozent.

Die Aktie von Primion rutschte noch stärker ab. Dabei hat der Sicherheitstechnik-Anbieter im abgelaufenen Quartal aufgrund von Zukäufen deutlich mehr umgesetzt und legte auch beim Ergebnis zu.

Gegen die Verluste des Tages nahm sich das Tagesminus bei Roth & Rau bescheiden aus. Der Solarindustrie-Zulieferer schloss das Jahr 2006 mit einem Umsatzwachstum von mehr als 28 Prozent ab. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um fünf Prozent.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr