Das kostet Nerven...

Detlev Landmesser

Stand: 21.11.2008, 21:48 Uhr

Um ein Haar hätte der Dax am Freitag ein neues Jahrestief markiert. An der Wall Street kam es nach einer hochnervösen Sitzung am Abend zu einer kräftigen Kurswende.

Der L-Dax ging 3,15 Prozent tiefer bei 4.112,79 Punkten ins Wochenende. Im Verlauf hatte der Dax zwischenzeitlich nur noch 20 Punkte über seinem Jahrestiefststand von 4.014,60 Punkten notiert.

Die Wall Street schaffte dagegen im Verlauf noch einen kräftige Kurswende. Die Nachricht des US-Senders NBC, der künftige US-Präsident Barack Obama wolle den bisherigen New Yorker Notenbankchef Timothy Geithner zum Finanzminister machen, ließ die US-Indizes am Abend heftig nach oben ausschlagen.

In New York machte aber vor allem die Aktie der Citigroup Furore: Nach positivem Start stürzte das Dow-Jones-Schwergewicht um bis zu 35,2 Prozent ab. Die einst größte Bank der Welt sucht fieberhaft nach einem Ausweg aus der Finanzkrise und schließt dabei offenbar auch eine Fusion nicht aus. Die Citigroup wollte entsprechende Medienberichte nicht kommentieren und bekräftigte, eine starke Kapital- und Liquiditätsbasis zu haben. Die Bank wolle die Regierung nicht um weitere Hilfen bitten und sehe keine ungewöhnlichen Geschäftsaktivitäten. Offensichtlich schenkten die Anleger diesen Aussagen aber keinen Glauben. Schon am Donnerstag war die Citigroup-Aktie um ein Viertel eingebrochen.

Die Aktie von Dell konnte sich ebenfalls nicht im Plus halten. In seinem jüngsten Quartalsbericht wies der amerikanische Computerhersteller einen Gewinn von 727 Millionen Dollar aus, was fünf Prozent unter dem Vorjahreswert lag, aber mehr war als Analysten erwartet hatten. Der Umsatz blieb mit 15,2 Milliarden Dollar leicht unter den Prognosen.

Der US-Ölpreis fiel nach einem Erholungsversuch bis zum Abend wieder unter die Marke von 50 Dollar zurück.

Finanztitel uneinheitlich

Der deutsche Aktienmarkt hatte sich zunächst erfolgreich gegen die schwachen Vorgaben gestemmt, am Ende gerieten aber einige Finanztitel wie die Postbank und die Allianz in den Sog der Citigroup.

Die Hypo Real Estate und die Commerzbank konnten sich dagegen im Plus behaupten. Die Hypo Real Estate teilte am Abend mit, der Rettungsfonds für die Bankenbranche habe ihr einen Garantierahmen im Umfang von 20 Milliarden Euro zur Stärkung der Liquidität gewährt.

Commerzbank-Chef Martin Blessing hatte am Morgen betont, die Übernahme der Dresdner Bank laufe nach Plan.

MLP brüskiert Großaktionär Swiss Life
Der Schweizer Lebensversicherer Swiss Life hat den im August angekündigten Kauf von 24,32 Prozent der Beteiligung am Finanzdienstleister MLP abgeschlossen. Swiss Life erwarb damit 26,2 Millionen MLP-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 11,72 Euro je Aktie, teilte das Unternehmen mit. MLP konterte unterdessen damit, künftig keine Produkte seines ungeliebten Großaktionärs mehr verkaufen zu wollen. Die Partnerschaft mit Swiss Life sei ab sofort ausgesetzt, teilte der MDax-Konzern mit.

Übernahmeinteresse an Leoni?
Die Leoni-Aktie erholte sich um acht Prozent. Händler verwiesen auf das Gerücht, dass der chinesische Autobauer Brilliance China Automotive an einer Übernahme interessiert sei.

Altana-Übernahmeofferte läuft
Die Beteiligungsfirma Skion der Altana-Großaktionärin Susanne Klatten hat ihre Offerte zum Kauf des Spezialchemiekonzerns gestartet. Die Frist zur Annahme des Angebot ende am 19. Dezember, teilte Skion am Nachmittag mit. Wie bereits angekündigt, bietet Skion den Aktionären 13,00 Euro je Aktie. Inzwischen halte Skion 65,44 Prozent an Altana, teilte die Beteiligungsgesellschaft weiter mit.

Deutz vor Absatzeinbruch?
Der Motorenhersteller Deutz erwartet offenbar einen drastischen Absatzrückgang. In internen Szenarien geht der Konzern laut der "Financial Times Deutschland" davon aus, dass der Absatz im kommenden Jahr um mehr als 20 Prozent schrumpfen wird. In diesem Jahr will Deutz etwa 260.000 Motoren verkaufen, 2009 sollen es dann nur noch 200.000 sein. Ein Händler sagte, die bisherige Umsatzprognose sei jetzt gefährdet.

Escada übt sich in Zuversicht
Die Escada-Aktie verlor fast drei Prozent. Der Modekonzern rechnet damit, dass er trotz des Einbruchs am Markt für Damenmode seine Ziele für das Geschäftsjahr 2007/08 erreichen wird. Obwohl die Nachfrage im Oktober drastisch zurückgegangen sei, sagte Escada-Chef Bruno Sälzer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", sehe er keine Auswirkungen mehr auf das Ergebnis für das Ende Oktober beendete Geschäftsjahr.

Adphos unzufrieden
Die Aktie von Advanced Photonics (Adphos) verlor über ein Drittel an Wert. Der Hersteller von Lichttrocknungsanlagen hat für das dritte Quartal enttäuschende Geschäftszahlen bekannt gegeben. Wegen der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung verbuchte das Unternehmen einen Ebit-Verlust von 0,7 Millionen Euro, der Umsatz stieg auf 2,2 Millionen Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
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