Das Jahreshoch bleibt in Reichweite

Stand: 18.03.2010, 20:01 Uhr

Die Schuldenkrise Griechenlands sorgt erneut für Belastungen. Auch der morgige große Verfallstag wirft seine Schatten voraus. Dennoch kann der Dax die gestern übersprungene Marke von 6.000 Punkten verteidigen.

Einige Händler hatten sogar eine noch stärkere Konsolidierung erwartet. Dabei schließt der Dax auch im Abendhandel mit nur leichten Verlusten von 10 Punkten bei 6.016. Für eine Schrecksekunde sorgten am späten Nachmittag Spekulationen über eine noch für heute geplante Diskontsatzerhöhung der amerikanischen Notenbank Fed. Daraufhin rutschte der auf 5.996 Punkte ab, konnte sich aber rasch wieder berappeln und über die Hürde von 6.000 Punkten steigen.

Börsianern zufolge sorgte auch der große Verfall am Terminmarkt für Zurückhaltung. Am morgigen Freitag werden Optionen auf Indizes und Einzelaktien sowie Terminkontrakte fällig. Bei diesem dreifachen Verfall - auch Hexensabbat genannt - kann es zu Verzerrungen bei den Kursen kommen. Händlern zufolge gehen die meisten Anleger aber davon aus, dass der Dax in den kommenden Tagen das Jahreshoch bei 6095 Punkten erreichen wird.

Griechenlandkrise und kein Ende
An der Wall Street greifen die Anleger am Abend zeitweise wieder zu. Der Dow Jones Index gewinnt bei Börsenschluss in Deutschland gut 30 Punkte auf 10.763. Zuvor war bekannt geworden, dass der als Frühindikator geltende Konjunkturindex der Notenbank von Philadelphia im März auf 18,9 Punkte gestiegen ist und damit fast eine Stelle über den Erwartungen der Analysten liegt.

Als belastend wird allerdings die Unsicherheit über die Zukunft von Griechenland empfunden. Ministerpräsident Papandreou machte in Brüssel unmissverständlich deutlich, dass beim EU-Gipfel in der kommenden Woche über Nothilfen entschieden werden müsse. Genau das hat Deutschland bisher verhindert.

Euro auf Talfahrt
Die Griechenland-Krise hat auch den Euro erneut belastet. Weil die charttechnische Unterstützungsmarken durchbrochen wurden, ist die Gemeinschaftswährung am Nachmittag wie ein Stein auf bis zu 1,3597 Dollar gefallen und lag damit knapp eineinhalb US-Cent unter dem New Yorker Vortagesschluss. Zur britischen Währung fiel der Euro sogar auf ein Drei-Wochen-Tief von 0,8922 Pfund. "Der Rutsch unter die Marke von 1,3640 Dollar hat weitere Stop-Loss-Verkäufe ausgelöst", sagte ein Händler. "Ansonsten drückt das Hick-Hack um mögliche Finanzhilfen für Griechenland auf die Stimmung.

Nike: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Nike schiebt Adidas an
Adidas-Aktien sind die größten Gewinner im Dax. Sie profitieren von guten Nike-Geschäftszahlen. "Die starken Ergebnisse von Nike haben auch die Stimmung für die deutschen Wettbewerber verbessert", meinte ein Händler. Nike konnte seinen Gewinn im dritten Geschäftsquartal auf 496 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Der Umsatz wuchs um sieben Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar.

Siemens-Pläne bewegen Aktie nicht
Siemens baut 4.200 Arbeitsplätze in seiner IT-Sparte SIS ab. Von deren gut 9.500 Stellen in Deutschland sollen bis Herbst 2011 rund 2.000 gestrichen werden, teilte der Konzern mit. Im Inland fallen vor allem in München, dem Großraum Nürnberg und Paderborn die Arbeitsplätze weg. Die Kosten für den Abbau werden auf einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag veranschlagt. Nach ihrer gestrigen Rally reagiert die Aktie heute kaum auf die Meldung.

Fedex-Aktionäre bleiben in Deckung
Der US-Paketdienst und Deutsche-Post-Rivale Fedex hat im dritten Quartal von der Erholung der weltweiten Konjunktur profitiert und die Schätzungen der Analysten übertroffen. Der Gewinn kletterte auf 239 Millionen Dollar oder 0,76 Dollar je Aktie von 97 Millionen Dollar im Vorjahr. Die Fedex-Aktie kann von den guten Zahlen aber kaum profitieren.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Schlechte Aussichten belasten Bayer
Bayer-Papieren leiden laut Marktbeobachtern unter einer Analysten- und Investorenveranstaltung vom Mittwoch. Dort sei eine schwache Geschäftsentwicklung im ersten Quartal angedeutet worden.

Air Berlin spart sich gesund
Die Aktie von Air Berlin kann leicht zulegen. Der Grund: das Unternehmen hat im vergangenen Jahr ein deutlich besseres Ergebnis erzielt als erwartet. Das operative Ergebnis (Ebit) schnellte von zwei Millionen im Jahr 2008 auf 28,5 Millionen in die Höhe. Dabei ging der Konzernumsatz um 4,4 Prozent auf 3,24 Milliarden zurück.

Stada gibt Gewinne wieder ab
Der Verkauf des zur Merckle-Gruppe gehörenden Generikaherstellers Ratiopharm hat zeitweise auch den Aktienkurs des börsennotierten Generikaherstellers Stada angestoßen. Gerüchten zufolge könnte der US-Konzern Pfizer nun versuchen das Bad Vilbeler Unternehmen zu schlucken. Bis zum Börsenschluss muss Stada seine Tagesgewinne aber wieder abgeben.

HeidelbergCement überzeugen
Dagegen können die Aktien von HeidelbergCement überdurchschnittlich zulegen. Das Unternehmen erwartet einen Aufstieg in den Dax ab dem Juli. Zudem profitieren HeidelbergCement-Titel von dem unerwartet hohen Kaufangebot für den Generikahersteller Ratiopharm, dessen Eigner Ludwig Merckle auch rund 24 Prozent an HeidelbergCement hält.

Hornbach lässt Anleger kalt
Die Aktie des Baumarktkonzerns Hornbach kommt nicht von der Stelle. Dabei hat das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Umsatzplus von knapp vier Prozent verbucht, auf 2,85 Milliarden Euro. Beim Ergebnis (Ebit) geht das Unternehmen davon aus, unter dem Vorjahreszeitraum mit 179,1 Millionen Euro zu bleiben. Das sorgt bei den Anlegern für wenig Begeisterung. Endgültige Zahlen will Hornbach im Mai vorlegen.

IVG an MDax-Spitze
Die im MDax notierte IVG-Aktie gewinnen mehr als acht Prozent und sind damit die größten Gewinner im MDax. Auslöser ist der Einstieg der Mann Immobilien-Verwaltungs AG bei dem Immobilienkonzern. Mann hat 18,4 Prozent der IVG-Aktien von den ehemaligen Gesellschaftern des Bankhauses Sal. Oppenheim erworben. Marktbeobachter sprechen von einem guten Zeichen für die Entwicklung des wegen der Krise in Bedrängnis geratenen IVG-Konzerns.

SGL an MDax-Ende
Dagegen wird Verkaufsliste von den Aktien des Kohlenstoff-Spezialisten SGL Group angeführt. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 60 Millionen Euro angehäuft. Und ob es 2010 besser läuft steht noch nicht fest. Es sei eine Herausforderung, die operativen Ergebnisse des Jahres 2009 zu erreichen, hieß es aus dem Unternehmen. Mit einer wirklichen Besserung rechnet das MDax-Mitglied erst 2011.

Gildemeister abgestraft
Die Aktien des Maschinenbauers Gildemeister gehören heute zu den größten Verlierern im MDax. Kein Wunder. Das Unternehmen befürchtet nach den Verlusten im vergangenen Jahr erneut eine harte Zeit. 2010 werde "eine erneute Bewährungsprobe", sagte Vorstandschef Rüdiger Kapitza. Verluste schloss er nicht aus. Gildemeister will daher für 2010 keine Dividende zahlen.

Deutz macht Hoffnung
Der Motorenhersteller Deutz rechnet nach den schlechten Geschäften im vergangenen Jahr mit einer deutlichen Besserung 2010. Es soll wieder ein positives operatives Ergebnis erreicht werden. Die Aktionäre sind von den Plänen aber noch nicht überzeugt. Die im SDax notierte Aktie verliert.

Balda springen hoch
Die Aktie des künftigen SDax-Mitglieds Balda sind nach Vorlage des Jahresergebnisses in die Höhe gesprungen. Der Handy-Zulieferer erreichte 2009 ein operatives Ergebnis von 2,9 Millionen Euro und lag damit nach eigenen Angaben am oberen Ende des Prognosekorridors. Positive Sondereffekte bescherten dem Unternehmen sogar einen Gewinn von rund 46 Millionen Euro nach einem Vorjahresverlust von 33 Millionen.

PNE-Zahlen schieben Aktie an
Deutlich nach oben geht es auch für die Aktien der PNE Wind. Der Projektierer von Windparks hat im vergangenen Jahr hat im vergangenen Jahr seine Gesamtleistung von 112,5 auf 133,6 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Die Anleger stören sich nicht an den rückläufigen Ergebnissen des Unternehmens. So ging das Vorsteuerergebnis mit 9,9 Millionen Euro um knapp die Hälfte zurück.

OHB in Rekordlaune
Das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB Technology hat 2009 fast 60 Prozent mehr verdient als ein Jahr zuvor, rund 15 Millionen Euro. Wegen des Galileo-Großauftrags beträgt der Auftragsbestand sogar 1,3 Milliarden Euro. Von Jubelstimmung ist bei den Aktionären aber nicht zu spüren. Die Aktie bewegt sich fast nicht.

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr