Das hören Börsen gerne...

Detlev Landmesser

Stand: 21.04.2009, 20:27 Uhr

Es waren vor allem warme Politikerworte, die den Weltbörsen am Nachmittag neuen Auftrieb verliehen. Die Berichtssaison zum ersten Quartal brachte dagegen fast nur Enttäuschungen.

Nach dem gestrigen scharfen Einbruch waren die amerikanischen Aktienmärkte holprig gestartet, drehten dann aber deutlich nach oben. Bei einer Kongressanhörung erklärte US-Finanzminister Timothy Geithner, die große Mehrheit der amerikanischen Banken verfüge über mehr Kapital als benötigt. Zudem gebe es Anzeichen für ein Auftauen der Kreditmärkte und neues Vertrauen "in die Stabilität des Systems".

Auch der L-Dax wurde von diesen Behauptungen beflügelt und schloss 1,1 Prozent höher bei 4.529,89 Punkten. Zuvor hatte eine geballte Ladung schwacher Quartalszahlen den Dax um bis zu 2,1 Prozent nach unten gedrückt. Mit IBM, Merck & Co, Dupont und Caterpillar enttäuschten gleich mehrere US-Branchenführer die Investoren. Beispielsweise meldete der weltgrößte Baumaschinenhersteller Caterpillar den ersten Quartalsverlust seit 17 Jahren.

Die Quartalsausweise des Mischkonzerns United Technologies sowie von Coca Cola lagen dagegen im Rahmen der Erwartungen. Allein Texas Instruments überraschte unter den großen Konzernen positiv.

T-Aktie stürzt auf mehrjähriges Tief

Besonders schlecht kam am deutschen Markt die Gewinnwarnung der Deutschen Telekom gegen 13:30 Uhr an. Zeitweise stürzte das Dax-Schwergewicht um 11,3 Prozent auf 8,61 Euro und damit den tiefsten Stand seit Oktober 2002. Das operative Ergebnis (Ebitda) werde 2009 um zwei bis vier Prozent unter dem Vorjahreswert von 19,5 Milliarden Euro liegen, teilte die Telekom überraschend mit. Bisher war der Konzern von einem Ebitda etwa in Vorjahreshöhe ausgegangen. Die zugleich vorgelegte Quartalsbilanz enttäuschte die Anleger ebenfalls.
Wie zur Illustration des Kurseinbruchs, den Analysten als übertreiben bezeichneten, brach am Nachmittag das Netz der Mobilfunktochter T-Mobile zusammen. Etwa von 15:45 Uhr an konnten T-Mobile-Kunden offenbar bundesweit nicht mehr telefonieren. Die Probleme dauerten am Abend noch an.

ZEW-Index liefert kaum Impulse
Der ZEW-Index hatte dem Markt ebenfalls nicht gefallen. Zwar waren die Konjunkturerwartungen der Experten im April besser als gedacht, aber der Teilindex zur aktuellen Lage enttäuschte.

Bad-Bank-Pläne stützen Finanztitel
Noch aktiver als der Dax waren die Bankaktien wie Commerzbank und Deutsche Bank. Einerseits lastete die schwache Bilanz der Bank of America weiter auf den Kursen. Andererseits stützten die Fortschritte der Bundesregierung bei ihren Bad-Bank-Plänen die Kurse. Bundeskanzlerin Merkel und die zuständigen Minister vereinbarten heute, bis Mitte Mai ein Konzept auf die Beine zu stellen. Das Konzept sieht offenbar die Aufspaltung der betroffenen Banken in einen guten und in einen schlechten Teil vor. Damit sollen die Bankbilanzen der Banken von faulen Wertpapieren entlastet werden.

Passend dazu schneite die neue offizielle Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die weltweiten Abschreibungsverluste der Banken herein. Jetzt befürchtet der IWF, dass die Banken mehr als vier Billionen Dollar an problematischen Vermögenswerten abschreiben müssen. Bisher hatte der IWF 2,2 Billionen Dollar an Verlusten durch Schrottpapiere und faule Kredite erwartet.

Extra-Zuschlag für die Post
Licht und Schatten gab es bei der Post, die ihre Aktionäre am Tag der Hauptversammlung mit Quartalszahlen überraschte. Der Nettogewinn erhöhte sich im ersten Quartal auf fast eine Milliarde Euro, was durch eine komplizierte Finanzkonstruktion mit so genannten Put-Optionen gelang, durch die sich die Post über die nächsten Jahre von der Postbank trennen will. Die Post-Aktie schaffte es denn auch zum Handelsende ins Plus. Allerdings lastete zeitweise das deutlich eingebrochene Briefgeschäft auf der Aktie.

Bauer liefert hervorragende Bilanz
Mit Abstand bester MDax-Titel war Bauer. Im vergangenen Jahr setzte der Spezialtiefbau-Konzern ein Viertel mehr um, der Überschuss stieg um rund 45 Prozent. Damit lag Bauer zwar nur leicht über den Erwartungen, meinte ein Marktteilnehmer. "Aber offenbar hatten einige mit Schlimmerem gerechnet. Außerdem hat die Aktie in den vergangenen Tagen überdurchschnittlich verloren."

Grenzebach stockt bei Kuka auf...
Die Kuka-Aktie konnte ihre Anfangsgewinne nicht halten. Der schwäbische Mittelständler Grenzebach hat seinen Anteil an dem Augsburger Roboterbauer weiter aufgestockt. Grenzebach überschritt bereits am 9. April die Meldeschwellen von 15 und 20 Prozent Beteiligung. Das Unternehmen peilt eine Sperrminorität von 25,1 Prozent an.

... Klatten bei SGL
Auch die Quandt-Erbin Susanne Klatten hat ihre Beteiligung am MDax-Konzern SGL Group wie geplant weiter ausgebaut. Am Freitag habe die Klatten-Beteiligungsgesellschaft Skion über einen Anteil von 22,25 Prozent verfügt, teilte der Kohlenstoff-Spezialist mit. Vor knapp zwei Wochen hielt Skion noch einen Anteil von 16,48 Prozent. Die Gesellschaft will aber "definitiv" unter der Sperrminorität von 25 Prozent bleiben.

Conergy wieder Penny-Stock
Auffälligster Titel im TecDax war die Conergy-Aktie, die um 48,5 Prozent auf 0,85 Euro abstürzte. Im ersten Quartal setzte das Solarunternehmen 70 Prozent weniger um - und kündigte ähnlich schwache Erlöse im Gesamtjahr an. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die Spekulationsblase bei der Aktie platze, kommentierten Händler. In den vergangenen sechs Wochen hatte sich der Kurs beinahe verfünffacht.

Stratec weiter erholt
Die Aktie von Stratec Biomedical setzte ihre jüngste Erholungsrally fort. Das Medizintechnikunternehmen hat den Umsatz im ersten Quartal um 27 Prozent und sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 23 Prozent gesteigert.

Highlight verleibt sich Constantin ein
Die Dreier-Allianz der Medienfirmen Highlight Communications, EM.Sport und Constantin Film nimmt Gestalt an. Auf der heutigen Hauptversammlung der Constantin Film wurde der Squeeze-out, also die Zwangsabfindung der letzten freien Aktionäre beschlossen. Highlight will den Aktionären 17,64 Euro je Aktie zahlen. Aktionärsvertreter kündigten an, die Höhe der Abfindung gerichtlich prüfen zu lassen. Highlight wird von der früheren EM.Sport Media kontrolliert, die sich kürzlich in Constantin Medien umbenannt hat.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"