Das große Aufatmen

von Karsten Leckebusch

Stand: 20.03.2007, 19:58 Uhr

Der Xetra-Dax durchbrach zum Handelsschluss die 6.700-Punktemarke. Im späten Parketthandel ging es wieder ein wenig runter, aber die klare Devise lautete: Stimmt's in New York, stimmt's auch in Frankfurt.

Die amerikanischen Aktienmärkte notierten auch zum Ende des Parketthandels in Frankfurt noch stabil im Plus, beruhigenden Signalen vom US-Immobilienmarkt sei Dank. Die Zahlen zu Wohnbaubeginnen und -genehmigungen fielen nach Analystenmeinung zwar gemischt aus, von den Aktionären aber wurden sie freundlich aufgenommen.

Der Dax beendete den elektronischen Handel bei knapp über 6.700 Punkten, im Parketthandel sank der L-Dax noch ein wenig ab und schloss bei 6.696 Punkten, einem Plus von 0,4 Prozent.

Die Top-Werte zeigten sich fast alle von ihrer grünen Seite, lediglich die Deutsche Post leistete sich einen Ausreißer. Der Logistikkonzern stellte bei der Jahresbilanzvorlage lediglich ein EBIT von 3,6 Milliarden Euro für 2007 in Aussicht, während die Experten durchschnittlich mit 3,9 Milliarden gerechnet hatten. Die Post-Aktie sackte um fast fünf Prozent ab.

Kursbewegendes
SAP-Aktien gingen mit einem Minus von 0,2 Prozent aus dem Handel. Offenbar verkauften einige Anleger ihre Aktien, weil sie eine schwache Bilanz des US-Konkurrenten Oracle befürchten. Papiere der Münchener Rück verteuerten sich um 0,1 Prozent. Der Rückversicherer muss seine Reserven anzapfen, um für alte Asbestschäden in den USA aufzukommen.

Die Deutsche Börse gewann 2,7 Prozent. Der Betreiber der Frankfurter Wertpapierbörse bestätigte heute, dass der Konzern mit der chinesischen Handelsplattform TRPE enger zusammen arbeiten werde.

Um 2,3 Prozent verteuerten sich die Aktien des Sportschuhherstellers Adidas, allerdings ohne Nachrichten. Angeblich ist US-Konkurrent Nike an Adidas interessiert, was Händler allerdings ein wenig weit her geholt sehen.
Mit einem Gewinn gingen auch die Aktien von Volkswagen und MAN aus dem Handel. Bei Volkswagen stützte ein Analystenkommentar (Morgan Stanley hebt das Kursziel auf 135 Euro an), MAN verteuerte sich, weil der Konzern einen guten Ausblick für die Lkw-Sparte gegeben hat. Um zehn Prozent soll der Bereich im laufenden Jahr wachsen.

Die Commerzbank verkauft ihre britische Vermögensverwaltungstochter Jupiter an das Management und den US-Finanzinvestor TA Associates. Der Buchgewinn aus der Transaktion beträgt etwa 300 Millionen Euro.

Mit einem Kursgewinn von 0,7 Prozent regierte die BASF-Aktie auf die Ankündigung des Chemiekonzerns, in China mit dem Bau zweier neuer Produktionsstätten begonnen zu haben. Mit den beiden Fabriken in Shanghai will sich BASF einen wichtigen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Im MDax verlor die Südzucker-Aktie 8,2 Prozent. Europas größter Zuckerproduzent rutschte im vergangenen Jahr überraschend in die roten Zahlen. Südzucker begründete den ersten Verlust seit Jahrzehnten mit einer Abschreibung in Höhe von 500 Millionen Euro wegen der neuen EU-Zuckerverordnung.

Sell on good News
Aktien des Chemiekonzerns Lanxess verloren ebenfalls deutlich. 3,2 Prozent gab die Aktie etwa ab, nachdem der Konzern eine eigentlich gute Bilanz vorgelegt hatte und Lanxess erstmals eine Dividende zahlen will. Allerdings war das Papier gestern schon deutlich gestiegen.

Bei Nordex hielten sich die Aktionäre ebenfalls zurück. Die Aktie legte "nur" um 0,9 Prozent zu, obwohl der Konzern am Morgen eine exzellente Jahresbilanz vorgelegt hatte und für das laufende Jahr eine sehr optimistische Geschäftsprognose abgegeben hatte.

Die ebenfalls im TecDax notierte Aktie des Biotechnologieunternehmen Morphosys schloss mit 1,4 Prozent im Plus. Die Firma hat ihr Lizenzabkommen mit einer britischen Forschungsgesellschaft erweitert.

Keine Dividendenerhöhung
Im SDax verhielt sich die CeweColor-Aktie unauffällig. Der Vorstand des Fotoentwicklers hatte heute noch einmal betont, die Dividende nicht, wie von verschiedenen Hedge-Fonds gefordert, zu erhöhen. Demag Cranes verbilligte sich leicht, nachdem der Kranhersteller die Jahresprognose bekräftigte. Das Papier ging 0,2 Prozent leichter aus dem Handel.

Überhaupt keine Dividende
Keine Dividende gibt es für Thiel-Aktionäre. Das Logistikunternehmen aus Luxemburg hat 2006 wieder einen Millionengewinn erwirtschaftet, will diesen aber komplett in die Rücklagen einstellen. Die Thiel-Aktie verteuerte sich um 0,4 Prozent.

Hochtief investiert in Sydney
Der Essener Baukonzern Hochtief hat seinen Beteiligung am Flughafen Sydney ausgebaut. Dafür hat Hochtief etwa 73 Millionen Euro ausgegeben und ist dafür jetzt mit 8,13 Prozent am Flughafen beteiligt. Der Flughafen Sydney verzeichnet seit Jahren steigende Passagierzahlen und hat 2006 ein operatives Ergebnis von 322 Millionen Euro erwirtschaftet.

"Wir halten uns raus"
Der weltgrößte Hersteller von Windturbinen, der dänische Konzern Vestas, will sich aus dem Bieterwettkampf um das deutsche Unternehmen Repower heraushalten. Man wolle sich nicht einmischen, sagte Vestas-Chef Ditlev Engel. Um Repower buhlen derzeit der französische Atomkonzern Areva und der indische Windkonzern Suzlon.

Die Hälfte ist weg
Eine spartanische Bekanntmachung gab es von TV Loonland. Der Medienkonzern teilte in dürren Worten mit, dass bei der Aufstellung des Jahresabschlusses 2006 ein Verlust in Höhe von mehr als der Hälfte des Grundkapitals festgestellt wurde. Nach einer einstündigen Aussetzung vom Handel ging es mit der Aktie um 34,7 Prozent in den Keller.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier