Das ging aber zur Sache!

Detlev Landmesser

Stand: 24.04.2008, 20:33 Uhr

Das war rekordverdächtig: Außer der Flut von Quartalszahlen hatten die Börsen jede Menge Nachrichten zu verarbeiten, die in Einzelfällen zu dramatischen Kursabstürzen führten.

Für den Dax gab es ein positives Ende. Der L-Dax beschloss den Abendhandel 1,05 Prozent höher bei 6.854,42 Punkten.

Die US-Märkte drehten im Verlauf deutlich ins Plus, weil die positiven Quartalsdaten überwogen. Während Apple, Ford, 3M, PepsiCo und andere eher positiv überraschten, standen Amazon, Motorola und Amgen eher auf der Sollseite. Nach US-Börsenschluss öffnet noch Microsoft seine Bücher.

Der Auftragseingang langlebiger Güter im März fiel zwar schwächer als erwartet aus, dafür wurde aber der Vormonatswert nach oben korrigiert. Außerdem war die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe geringer als befürchtet. Dagegen schreckte wiederum der unerwartet starke Rückgang der Neubauverkäufe in den USA im März.

Der deutsche Markt hatte zuvor unter dem schwachen Ifo-Geschäftsklimaindex zu leiden. Nach drei positiven Überraschungen in Folge enttäuschte der April-Wert des Konjunkturindikators mit einem Rückgang von 104,8 auf 102,4 Punkte. Volkswirte hatten nur mit einem leichten Rückgang auf 104,3 Punkte gerechnet. Der Euro geriet nach der Bekanntgabe des Ifo-Index deutlich unter Druck und fiel unter die Marke von 1,57 Dollar.

Machtkampf bei VW unentschieden

Allein die spannungsreiche Hauptversammlung von Volkswagen brachte eine Reihe von Schlagzeilen. Wichtigstes Thema des Aktionärstreffens war der Machtkampf zwischen Porsche und dem Land Niedersachsen um die Kontrolle des Wolfsburger Autoherstellers. Porsche will VW zu einem "normalen" Unternehmen ohne Sonderregeln machen, das Land Niedersachsen besteht auf seine Sonderrolle. Die Sperrminorität von Niedersachsen konnte Porsche naturgemäß über die Abstimmung nicht brechen, geht aber juristisch dagegen vor.

Agrarboom hilft auch Bayer
Einer der stärksten Dax-Gewinner war die Bayer-Aktie mit einem Plus von 3,1 Prozent. Der Pharma- und Chemiekonzern im ersten Quartal erwirtschaftete ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 2,19 Milliarden Euro, 9,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Analysten hatten zwei Milliarden Euro prognostiziert. Der Quartalsumsatz stieg um 2,4 Prozent auf 8,54 Milliarden Euro. Bayer bestätigte zudem die Konzernprognose, hob aber das Ziel für die Pflanzenschutzsparte Cropscience an.

BASF glänzt
Im Verlauf wurde auch die BASF-Aktie etwas für die gute Bilanz belohnt. Der weltgrößte Chemiekonzern übertraf im ersten Quartal die Analystenprognosen deutlich und erreichte beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen 2,35 Milliarden Euro, 11,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dabei setzte BASF 15,9 Milliarden Euro um, ein Plus von 8,8 Prozent.

Auch Infineon-Aktien notierten fester. Berichte über eine neue Partnerschaft der Speicherchiptochter Qimonda mit dem japanischen Wettbewerber Elpida ließen den Kurs um 3,2 Prozent steigen.

Credit Suisse erwischt es doch hart
"Das Schlimmste ist vorbei" - dieser vage Glaube veranlasste Anleger dazu, die Aktie der Credit Suisse zu kaufen. Obwohl die zweitgrößte Schweizer Bank wegen der Finanzmarktkrise im ersten Quartal einen wesentlich größeren Verlust als erwartet ausweisen musste. Der Verlust betrug 2,15 Milliarden Franken. Analysten hatten mit lediglich 700 Millionen Franken gerechnet - zumal die Bank immer den Eindruck erweckt hatte, sie sei von der Krise weniger betroffen.

Postbank mit bescheidener Abschreibung
Gegenüber dem Milliardenverlust bei der Credit Suisse wirkte die Abschreibung bei der Postbank winzig. Etwas mehr als 112 Millionen Euro muss die Bank im ersten Quartal auf ihr Kreditportfolio abschreiben. Dies sagte Postbank-Chef Wolfgang Klein der Nachrichtenagentur Reuters. Abgesehen davon, sagte Klein weiter, erwarte die Bank ein gutes erstes Quartal. Aufgewärmte Spekulationen um eine Übernahme des Instituts verhalfen dem Titel am Nachmittag sogar an die Dax-Spitze.

Krisenopfer BMW
Selbst BMW gerät in den Strudel der Finanzkrise: Sinkende Gebrauchtwagenpreise im größten Absatzmarkt Nordamerika, mehr Kreditausfälle und Zahlungsverzögerungen belasteten das Ergebnis im ersten Quartal mit 236 Millionen Euro, meldete der Autobauer am Nachmittag Analysten erwarten, dass der Vorsteuergewinn lediglich um 0,4 Prozent auf 855 Millionen Euro zugelegt hat. BMW will am 29. April Zahlen vorlegen. Der Konzern bestätigte allerdings seine Prognose für das Gesamtjahr, wonach das Ergebnis vor Steuern über dem bereinigten Vorjahreswert von 3,78 Milliarden Euro liegen soll.

MTU wird profitabler
MTU Aero Engines hat im ersten Quartal zwar etwas weniger umgesetzt, dafür aber mehr verdient. Das MDax-Unternehmen meldete einen Gewinnschub von 18 Millionen Euro auf 44,2 Millionen Euro. Der Umsatz ging wegen des schwachen Dollar um 1,7 Prozent auf 630 Millionen Euro zurück. Der Triebwerkshersteller bestätigte aber die Prognose eines Jahresumsatzes von 2,6 Milliarden Euro.

Wincor Nixdorf auf Kurs
Der Kassen- und Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf hat das erste Geschäftshalbjahr trotz schwieriger Rahmenbedingungen mit einem Umsatzplus von neun Prozent auf 1,18 Milliarden Euro abgeschlossen. Das Halbjahresergebnis stieg auf 61 Millionen Euro. Der Konzern bekräftigte die Ziele, wonach der Umsatz um acht Prozent und das operative Ergebnis um zehn Prozent steigen sollen.

Rhön Klinikum besser als gedacht
Rhön Klinikum hat das erste Quartal mit einem kräftigen Gewinnanstieg abgeschlossen und dabei die Expertenprognose übertroffen. Der Klinikbetreiber verbuchte einen Ebit-Anstieg um 8,2 Prozent auf 43,7 Millionen Euro, fast zwei Millionen mehr als Analysten erwartet hatten. Der Umsatz des MDax-Unternehmens stieg um 3,7 Prozent auf 520,7 Millionen Euro. Rhön stellte eine Dividendenanhebung von zuletzt 0,25 auf 0,28 Euro je Aktie in Aussicht.

MS senkt IVG-Kursziel drastisch
Schwächster MDax-Titel war IVG. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hatte ihre Einschätzung für die Aktie auf von "overweight" auf "underweight" herabgesetzt und ihr Kursziel von 29 auf 13 Euro gesenkt. Zuletzt hatte IVG mit Ärger am Bau bei dem geplanten Hotel- und Bürokomplex Airrail-Center am Frankfurter Flughafen Schlagzeilen gemacht.

Phoenix Solar wächst aggressiv
Der Solaranlagenbauer Phoenix Solar will angesichts des kräftigen Wachstums des vergangenen Jahres seine Dividende auf 20 Cent verdoppeln. Der Gewinn kletterte 2007 auf 14,5 Millionen Euro nach drei Millionen im Jahr zuvor. Der Umsatz stieg von 119 auf 260 Millionen Euro. Im Wesentlichen habe das Geschäft in Spanien dazu beigetragen.

Thielert-Insolvenz rückt näher
Im SDax sorgte die Thielert-Aktie mit einem weiteren Einbruch von über 80 Prozent für Aufsehen. Der Flugzeugmotorenhersteller muss nun endgültig um seine Zukunft bangen. Wegen des Vorwurfs der Falschbilanzierung entließ der Aufsichtsrat gestern Firmenchef Frank Thielert und Finanzchefin Roswitha Grosser fristlos. Damit platzt das erst vor wenigen Wochen vereinbarte Rettungspaket. "Eine Insolvenz von Thielert ist damit wahrscheinlicher geworden", kommentierte ein Händler. Am Abend meldete bereits die sächsische Tochter Thielert Aircraft Engines GmbH, auf die fast das gesamte Motorengeschäft entfällt, beim Amtsgericht Chemnitz die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beantragt zu haben. Die Thielert-Aktie rutschte darauf im Frankfurter Parketthandel weiter ab.

Neue Aufregung um Balda
Aufregung gab es auch wieder um Balda. Nach Gerüchten, Banken hätten Kredite des Handyausrüsters gekündigt, brach der SDax-Titel um bis zu 16,1 Prozent auf ein Rekordtief von 1,72 Euro ein, verringerte aber nach einem Dementi seine Verluste. "Die Finanzierung ist gesichert", sagte Finanzvorstand Dirk Eichelberger. Es sei völlig aus der Luft gegriffen, dass die Banken Kredite fällig gestellt hätten: "Das stimmt nicht."

Fielmann steigert Gewinn überproportional
Die im SDax notierte Optikerkette Fielmann hat das erste Quartal mit einem kräftigen Anstieg bei Gewinn und Umsatz abgeschlossen. Der Gewinn vor Steuern erhöhte sich um 31,8 Prozent auf 38,7 Millionen Euro, der Umsatz stieg um 7,2 Prozent auf 218,3 Millionen Euro. Insgesamt verkaufte Fielmann in den ersten drei Monaten des Jahres 1,5 Millionen Brillen. Der Konzern begründete die gute Bilanz mit niedrigen Werbekosten und einem höheren Anteil von Gleitsichtbrillen.

Medion setzt Gesundung fort
Der Elektronikhändler Medion hat sein Ergebnis im ersten Quartal deutlich verbessert. Im Vergleich zum Vorjahr stieg das Ebit nach vorläufigen Zahlen von 4,6 auf 6,7 Millionen Euro. Beim Umsatz sieht das SDax-Unternehmen nur eine leichte Zunahme um 14 Millionen auf 420 Millionen Euro.

Will Apax doch was von Escada?
Die Aktie des Modeunternehmens Escada sprang dagegen über zehn Prozent nach oben. Erneut bewegten Marktgerüchte den Kurs. Händler sagten, die Beteiligungsgesellschaft Apax sei doch an Escada interessiert.

Schock für Jerini
Medikamentenentwicklung ist ein riskantes Geschäft, das mussten gerade die Aktionäre von Jerini wieder leidvoll erfahren. Die US-Gesundheitsbehörde FDA will den Hoffnungsträger Incabitant nicht zulassen, was der Aktie einen dramatischen Einbruch von bis zu 67,8 Prozent bescherte. Kurz vor Ende des Frankfurter Handels kam die erlösende Nachricht, dass wenigstens die europäische Arzneimittelbehörde EMEA die Zulassung des Medikaments empfiehlt, was dem Titel wieder etwas aufhalf.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr