Das Ende einer Krisenwoche

Stand: 21.05.2010, 20:05 Uhr

Eurokrise und Schuldenangst bestimmten in der vergangenen Woche das Börsengeschehen. Der Freitag immerhin endete mit etwas Hoffnung. Der Leitindex drehte im späten Handel fast ins Plus, die Wall Street schüttelte die Krise vorerst ab.

Die Bilanz der abgelaufenen Woche ist unschön. Der Dax verlor 3,8 Prozent, MDax und TecDax gaben von Montag bis Freitag gar 6,1 Prozent nach, und die vorherrschenden Themen an der Börse waren die großen Probleme: Die europäische Schuldenkrise, der deutsche Alleingang beim Verbot von ungedeckten Leerverkäufen, der Wertverfall des Euro.

Zumindest die amerikanische Börse hat am Freitag ein Stück ihres Optimismus' zurück gewonnen und sich nach einer kurzen Schreckminute unter die 10.000 Punkte im Dow Jones nach oben gekämpft. Analysten verwiesen insbesondere auf die Verabschiedung der amerikanischen Finanzmarktreform durch den Senat. Trotz der bevorstehenden strengeren Regulierung legten in New York vor allem Finanztitel zu.

Der Dax, der am frühen Nachmittag bis zu drei Prozent niedriger stand, erholte sich im späteren Handel deutlich. Auf Xetra schloss er lediglich 0,7 Prozent schwächer bei 5.829 Punkten, und der LDax legte noch auf 5.840 Punkte zu. MDax und TecDax schlossen sogar im Plus.

Damit endete diese Woche durchaus mit etwas Hoffnung, auch wenn die Nachrichtenlage dies nicht unbedingt hergab. Der Konjunkturklimaindex des ifo-Institutes beispielsweise war im Mai leicht gefallen, Volkswirte hatten mit einer weiteren Zunahme gerechnet. Aus den hinteren Börsenreihen meldeten zwei Unternehmen ihre Pleite, die Aktienkurse brachen heftig ein.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,12
Differenz relativ
+0,91%

Gewinner, Verlierer, und Infineon
Im Dax schlossen trotz der krisengeladenen Börsenstimmung vor allem defensive Aktien stark im Minus, darunter Merck, Fresenius, Henkel, Beiersdorf und Bayer. Unter den Gewinnern fanden sich neben ein paar Zyklikern auch die Infineon-Aktie. Der Chiphersteller rechnet damit, dass die weltweite Chipindustrie sich über das Jahr 2011 hinaus erholt. In einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" bezeichnete Vorstandschef Peter Bauer vor allem das Geschäft im Automobilbereich als sehr aussichtsreich.

Deutliche Verluste gab es hingegen bei der Aktien von K+S. Beim Düngemittelhersteller belastete eine Analystenherunterstufung. Die Experten von Cheuvreux hatten die Aktie auf "Underperform" gesenkt und das Kursziel auf 35 Euro beinahe halbiert. Cheuvreux verwies auf den zunehmenden Preisdruck bei der Düngemittelproduktion.

BA-Minusbilanz belastet Lufthansa
Auch die Lufthansa-Aktie schloss schwächer. Hier belastete die Bilanz des britischen Konkurrenten British Airways. Die Fluggesellschaft machte im Geschäftsjahr 2009/2010 einen Rekordverlust von umgerechnet fast einer halben Milliarde Euro.

Demag in fremden Händen
Im MDax fallen die Kursgewinne von 4,4 Prozent bei der Demag-Aktie auf. Der schwedische Finanzinvestor Cevian Capital hat zehn Prozent am Kranhersteller gekauft und ist nun größter Einzelaktionär. Für Analysten ist der Kauf vor allem ein Vertrauensbeweis in die Geschäftstüchtigkeit des Unternehmens.

Kontron kauft zu
Kleine Kursgewinne verbuchte auch die Kontron-Aktie. Der Hersteller von Mini-Computern aus dem TecDax hat AP Labs übernommen, einen "führenden Systemintegrator in den Bereichen Verteidigung sowie Luft- und Raumfahrt". Der Preis liegt, abhängig von zukünftigem Erfolg, bei bis zu 42 Millionen Euro.

Medigene ist gefragt
An der TecDax-Spitze etablierte sich das Biotechunternehmen Medigene. Die Firma teilte am Morgen mit, dass sie mit dem Vertrieb ihrer Genitalwarzensalbe Veregen in Südkorea und China begonnen habe. Außerdem meldete sich der Biotechgigant Amgen zu Wort. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte Deutschland-Chef Carsten Thiel, dass Amgen auch in Deutschland durch Partnerschaften und Zukäufe wachsen wolle.

Hose runter bei Böwe Systec
Aktionäre des Kuvertiermaschinenhersteller Böwe Systec sahen sich fast mit dem Komplettverlust ihres Aktienvermögens konfrontiert. Die Firma, die immerhin im Prime Standard notiert ist, meldete am Morgen Insolvenz an, wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Die Aktie verlor 80 Prozent ihres Wertes.

e-m-s new media ist pleite
Auch das Filmrechteunternehmen e-m-s new media kündigte am Freitag an, dass es einen Antrag auf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt habe. Grund für die Insolvenz sei die schwierige wirtschaftliche Lage. Etwas beschönigend teilte e-m-s mit, dass man "diese Situation entschlossen nutzen" wolle, um sich neu und besser zu positionieren. Die Anleger nutzen diese Situation entschlossen, um sich von e-m-s-Aktien zu trennen. Die Aktie verlor 48,6 Prozent.

Starke Nerven halbwegs belohnt: Envio
Stark nach oben geht es mit der Envio-Aktie. Der Entsorgungsspezialist hatte gestern mitgeteilt, dass ein Betriebsgelände in Dortmund mit Chemikalien verseucht sei. Daraufhin brach die Aktie um fast zwei Drittel ein. Am Freitag erholt sie sich kräftig um fast 30 Prozent.

Google macht ab Herbst Fernsehen
Der amerikanische Internetkonzern Google will im Fernsehgeschäft mitmischen. Im Herbst bringt die Firma mit mehreren Partnern "Google TV" auf den Markt. Damit sollen Kunden problemlos zwischen Fernsehkanälen und Webinhalten springen können. Gemeinsam mit Sony, Intel und Logitech will Google eine so genannte Settopbox verkaufen, die dieses internetbasierte Fernsehen möglich macht.

Was sonst noch geschah...
In zwei Wochen beginnt in Frankreich der Prozess gegen Jérôme Kerviel, jenen Händler, der Anfang 2008 mit nicht genehmigten Geschäften seiner Bank Société Générale einen Verlust von fast fünf Milliarden Euro beschert hatte. Schon jetzt äußerte sich Kerviel in einem Zeitungsinterview. "Wir haben das alle gemacht, wir waren darauf trainiert, wir wurden dafür bezahlt", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Seine Chefs hätten von den hochriskanten Spekulationen gewusst. Kerviel muss sich ab dem 8. Juni vor dem Pariser Strafgericht wegen Vertrauensbruchs, Fälschung und unbefugter Nutzung von Computersystemen verantworten. Ihm drohen fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe in Höhe von 375.000 Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen