Marktbericht 20:02 Uhr

Dax steigt um 260 Punkte Danke Shorties

Stand: 09.08.2016, 20:02 Uhr

Na endlich. Der Dax ist heute über den Stand von Anfang Januar gestiegen - und hat auch gleich die Widerstandsmarke bei 10.500 Punkten überwunden. Danach gab es kein Halten mehr - dank der vielen Leerverkäufer, die nachkaufen mussten.

Viele Anleger wurden nämlich durch den plötzlichen Anstieg des deutschen Börsenbarometers auf dem falschen Fuß erwischt und mussten die steigenden Wertpapiere am Markt zurückkaufen, um ihre Verluste zu begrenzen. Besonders bei der Münchener Rück sind viele "Shorties" heute überrascht worden. Im Fachjarogon nennt man diese Bewegung einen "Short squeeze".

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Nachdem der Dax am frühen Nachmittag die Widerstandsmarke von 10.500 Zählern überwunden hatte, gab es praktisch kein Halten mehr. Die Bullen trieben das Börsenbarometer bis hinauf auf 10.701 Punkte, 2,5 Prozent oder 268 Punkte mehr als am Vortag. Unweit dieses Hochs, bei 10.692,90 Punkten geht der Leitindex dann aus dem Handel - dem höchsten Stand des Jahres.

Charttechniker sehen sich bestätigt

Während sich viele Marktexperten verwundert die Augen reiben - sie hatten für diese Woche eine Verschnaufpause prophezeit - sehen sich Charttechniker in ihren Prognosen bestätigt. Zunächst hatte der Dax die 200-Tage-Linie verteidigt. Das Durchstoßen der Widerstandsmarke bei 10.500 Punkte verlieh den Bullen dann enormen Rückenwind.

Auch Jens Klatt von JFD Brokers begründet den kräftigen Dax-Anstieg mit Deckungskäufen durch Leerverkäufer. Weil viele Dax-Pessimisten auf dem falschen Fuß erwischt worden seien, deckten sie nun ihre auf sinkende Kurse setzenden Short-Positionen ein und/oder glaubten noch kaufen zu müssen, um doch noch an der Hausse teilnehmen zu können. "Dieser Nachfrage stellen sich kaum Verkäufer entgegen und folglich kann es dann nur aufwärtsgehen", so Klatt.

Stillstand an der Wall Street

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.430,88
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+0,85%

Dabei muss der Dax seine Rally ohne Hilfe von der Wall Street bewältigen. Dort ist den Anlegern nach der Rekordjagd der vergangenen Wochen offenbar die Puste ausgegangen. Allerdings sorgte ein relativ stabiler Ölpreis für eine positive Grundstimmung. Dieser konnten auch verhaltene Konjunkturdaten nichts anhaben. Die US-Produktivität fiel im zweiten Quartal unerwartet und schürte Sorgen, ob die Firmen ihr Tempo beim Stellenaufbau beibehalten können. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnete mit einem Plus von knapp 0,1 Prozent auf 18.546 Punkte. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow bei 18.529 Punkten nahezu unverändert.

Euro etwas teurer, Öl billiger

Nach dem kleinen Höhenflug am Vortag gehen die Notierungen für Rohöl heute wieder leicht zurück. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostet derzeit 43,21 Dollar und damit 0,3 Prozent weniger als am Vortag. Der Eurokurs hat nach schlechten Zahlen zur Produktivität in den USA zugelegt. Bei Börsenschluss kostet die Gemeinschaftswährung 1,1110 Dollar und damit etwas mehr als am Morgen. Insgesamt waren die Kursschwankungen zwischen Euro und Dollar im Tagesverlauf gering. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1078 (Montag: 1,1087) US-Dollar fest.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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70,81
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Münchener Rück gefällt

Spitzenreiter im Dax sind bis zum Handelsende die Aktien der Münchener Rück. Der Versicherer hat mit einem ertragreichen Quartal positiv überrascht. Das operative Ergebnis von 1,46 Milliarden Euro übertraf die Prognosen deutlich. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen mit 974 Millionen Euro fast die Hälfte mehr als erwartet. Vor allem hohe Erträge aus Finanzanlagen haben zum Ergebnis geführt, trotz hoher Belastungen durch Naturkatastrophen.

Lufthansa auf Erholungskurs

Neben der Münchnener Rück gewinnt auch die Aktie der Lufthansa klar an Boden. Händler werteten den Kauf des restlichen Anteils am Express-Versand Time Matters durch die Frachtsparte des Luftfahrtkonzerns positiv. Zudem hat die Lufthansa auf Konzernebene im Juli 1,8 Prozent mehr Passagiere befördert.

Jefferies optimistisch für Autobranche

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
85,77
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+0,53%

Auch die drei Autoaktien im Dax legen zu, allerdings höchst unterschiedlich. Damit reagieren die Titel auf eine aktuelle Branchenstudie der Investmentbank Jefferies. Dabei kommt BMW deutlich besser weg und erhält eine Kaufempfehlung. Dagegen werden VW-Aktien von den Experten mit "underperform" taxiert. Das Kursziel von 100 Euro klingt wenig schmeichelhaft, notieren die VW-Vorzüge doch bereits über 124 Euro.

Gestützt wird der Autosektor aber durch neue Autoabsatz-Zahlen aus China: Die Verkäufe zogen im Juli nach offiziellen Angaben sprunghaft um 23,3 Prozent an.

Alstria und Patrizia mit Gewinnsprung

Am Vorabend hatte Alstria Office Zahlen zum ersten Halbjahr vorgelegt. Danach hat Büro-Immobilien-Spezialist seinen Umsatz von Januar bis Juni um ein Prozent auf 102,1 Millionen Euro gesteigert. Die branchenübliche Ergebnis-Kennziffer FFO legte knapp 20 Prozent auf 57,4 Millionen Euro zu. Der Immobilienkonzern sieht sich dank seines jüngsten Zukaufs auf Kurs für das Gesamtjahr. 2016 soll der Umsatz bei 200 Millionen Euro und das operative Ergebnis (FFO) bei 115 Millionen Euro liegen.

Der Immobilienspezialist Patrizia aus dem SDax hat ebenfalls am Vorabend Zahlen präsentiert, die die Aktie allerdings im Tagesverlauf ins Minus schieben. Dank einiger lukrativer Verkäufe konnte das operative Ergebnis auf 231,8 Millionen Euro vervielfacht werden. Insgesamt betreut Partrizia inzwischen ein Immobilienvermögen von 17,2 Milliarden Euro.

Rational hebt ab

Nun ist es offiziell: Der Großküchen-Spezialist Rational kehrt in den MDax zurück. Rational ersetzt den Roboterbauer Kuka, der inzwischen zu knapp 95 Prozent der chinesischen Midea gehört. Den frei werdenden Platz im SDax wird der Wind- und Solaranlagen-Spezialist Chorus Clean Energy übernehmen. Der allerdings steht ebenfalls kurz davor, übernommen zu werden. Die Rational-Aktie legt - noch im SDax - knapp sechs Prozent zu.

Gute Nachrichten von News Corp

Der amerikanisch-australische Medienkonzern hat im zweiten Quartal überraschend ein Umsatzplus von fünf Prozent auf 2,2 Milliarden Euro geschafft. Damit wurden die Prognosen der Experten übertroffen. Allerdings hatten die Analysten beim Ergebnis etwas mehr als die erreichten 89 Millionen Dollar Überschuss prognostiziert.

Air Berlin noch tiefer in den Miesen

Air Berlin fliegt wegen der angespannten Sicherheitslage in wichtigen Ferienländern und zahlreicher hausgemachter Probleme noch tiefer in die roten Zahlen. Der operative Verlust (Ebit) vervierfachte sich auf 62,7 (Vorjahr: 15,9) Millionen Euro, wie Deutschlands zweitgrößte Fluglinie am Dienstagabend mitteilte. Mit den Flügen in die Mittelmeerländer erzielt die Airline ein Drittel ihres Umsatzes. Der Ausblick des Vorstand bleibt sehr vage: Das volatile und nachfrageschwache Marktumfeld werde sich auf das dritte Quartal 2016 auswirken.

Voestalpine mit Gewinneinbruch

Der österreichische Stahlkonzern hat im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2016/17 einen deutlichen Gewinnrückgang von 64 Prozent auf 105,8 Millionen Euro hinnehmen müssen. Preiserhöhungen im Stahlgeschäft seien verzögert wirksam geworden, hieß es dazu. Der Umsatz ging von 3,0 auf 2,8 Milliarden Euro zurück.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
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Konjunktur:
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Sonstiges:
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