Daimler bremst Dax aus

Stand: 16.02.2011, 20:02 Uhr

Der Dax hat heute den fünften Tag in Folge zugelegt. Allerdings wird der Kursanstieg von heftigen Verlusten der Daimler-Aktie gebremst. Dennoch bleiben die Anleger zuversichtlich.

In der wöchentlichen Umfrage von Deutsche Börse und Cognitrend erklärten 60 Prozent der Befragten, sie rechneten mit steigenden Dax-Kursen. Dies sind sechs Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. Zugleich schrumpfte das Lager der Pessimisten um vier Punkte auf 35 Prozent.

Auch heute sah es zunächst nach einem kräftigen Kursplus aus. Am Morgen erklomm der Dax ein neues Drei-Jahres-Hoch von 7437 Punkten. Auch am Nachmittag beugte sich der Leitindex noch einmal auf und kletterte bis auf 7.434 Punkte. Doch steigende Verluste der Daimler-Aktie beendeten den Höhenflug. Am Abend gelingt dem Dax nur ein bescheidenes Plus von elf Punkten auf 7.412.

Der Euro steigt auf 1,356 Dollar, knapp ein Cent mehr als noch am Nachmittag.

"Wachsendes Vertrauen"
An den US-Aktienbörsen sorgen vor allem die erfreulichen Dell-Zahlen für Kauflaune. Auftrieb erhielten die Börsen auch von der Übernahme der US-Biotechfirma Genzyme durch den französischen Konzern Sanofi-Aventis, der dafür 20 Milliarden Dollar berappen muss. "Es gibt ein wachsendes Vertrauen in die Weltwirtschaft", sagte Mike Lenhoff, Chef-Stratege bei Brewin Dolphin. "Die Erholung scheint in eine nachhaltige Expansion überzugehen und das bedeutet einen positiven Ausblick für die Unternehmensgewinne."

Die gute Stimmung der amerikanischen Anleger beschert dem Dow Jones-Index ein Plus von 54 Punkten auf 12.280.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,49
Differenz relativ
-1,12%

Daimler ganz schwach
Daimler hat im vergangenen Jahr seine dreimal angehobene Prognose übertroffen und einen Milliardengewinn eingefahren. Die Aktionäre sollen daher eine Dividende von 1,85 Euro bekommen. "Wir haben gezeigt, was in uns steckt und wir bleiben auch 2011 auf dem Gas", sagte Firmenchef Zetsche. Weil aber die Ergebnisse des vierten Quartals deutlich unter den Erwartungen lagen, wird die Aktie abgestraft und beendet den elektronischen Handel mit einem Abschlag von 4,3 Prozent.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,13
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+1,52%
RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,08
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+3,47%

Senkt Eon die Prognose?
Neben Daimler liegen mit Eon die Aktien eines weiteren Dax-Schwergewichtes im Minus. Händler begründeten die Kursverluste von 1,05 Prozent mit Spekulationen über eine Senkung der Gewinnprognose. "Eon hat unsere Analysten angerufen und gesagt, man solle die Prognose senken", erklärte ein Händler. Ein Eon-Sprecher wollte das Gerücht nicht kommentieren. Kein Wunder, dass die Spekulationen zu Eon auch die Aktien von RWE nach unten drücken.

Deutsche Börse überzeugt nicht
Die geplante Fusion des Frankfurter Börsenbetreibers mit der New Yorker Börse NYSE Euronext stößt bei vielen Anlegern weiter auf Skepsis. Letztlich sei noch nicht abzusehen, welche Vorteile für die Deutsche Börse bei dem Zusammenschluss herauskämen. Analysten erwarten, dass beide Konzerne mit hohen regulatorischen Hürden bei ihrer Fusion zu kämpfen haben. Der Kurs der Börse ermäßigt sich um 1,6 Prozent.

HeidelbergCement profitiert von US-Daten
Dagegen haben die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen vom US-Häusermarkt der Aktie von HeidelbergCement neuen Schwung verliehe. Das Papier ist einer der stärksten Werte im Dax und klettert erstmals seit langem wieder über die Schwelle von 50 Euro.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,60
Differenz relativ
-0,05%

Banken erobern die Gunst der Anleger
Ganz oben in der Gunst der Anleger stehen heute aber die Papiere der Deutschen Bank. Sie gewinnen 3,5 Prozent dazu. Selbst die zuletzt unter Druck geratenen Anteilsscheine der Commerzbank gewinnen dazu. Damit profitieren die heimischen Geldhäuser von den guten Zahlen der Konkurrenten Barclays und Société Générale. Die Pariser SocGen erreichte einen Nettogewinn von 874 Millionen Euro, und auch der Umsatz von 6,9 Milliarden Euro übertraf die Prognosen.

Siemens wird gelobt
Zu den größten Gewinnern im Dax gehören auch die Siemens-Aktien. Sie reagieren auf ein positives Analystenurteil von Barclays. Die Experten der Londoner Bank bewerten die Aktie des Industriekonzerns mit "Overweight".

Praktiker macht Freudensprung
Die im MDax notierte Baumarktkette Praktiker will mit mehr Kundennähe und Service den geschäftlichen Turnaround schaffen. Das erfreut die Anleger. Sie hieven die Praktiker-Aktie mit einem Plus von 6,5 Prozent an die Index-Spitze. Bis 2013 soll sich das operative Ergebnis des Unternehmens um 100 Millionen Euro verbessern, kündigte Praktiker an. 2010 sanken die Erlöse noch um sechs Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, der geplante Konzernumbau werde das Ergebnis mit 24,3 Millionen Euro belasten, teilte Praktiker weiter mit.

Rekordumsatz schiebt Pfeiffer an
Der im TecDax notierte Pumpenhersteller Pfeiffer Vacuum hat 2010 mit einem deutlich besseren Umsatz und erheblich größerem Auftragseingang abgeschlossen. Die Erlöse stiegen nach Angaben der Firma um ein Fünftel auf 220,5 Millionen Euro, die Auftragseingänge legten sogar um ein Drittel auf 223,7 Millionen Euro zu. Auch das Betriebsergebnis habe sich gut entwickelt, Pfeiffer Vacuum gab es mit 52,9 Millionen Euro, was einem Anstieg von etwa 40 Prozent entspricht.

Balda hofft auf Trendwende
Der Balda-Konzern will im Geschäftsjahr 2011 ein positives operatives Ergebnis erwirtschaften. Davon ist Rainer Mohr, der neue Alleinvorstand des Unternehmens überzeugt. Aufsichtsrat und Vorstand hätten eine klare Strategie und definierte Maßgaben für jedes Segment des Konzerns beschlossen. Dennoch ist die Aktie einer der schwächsten Werte im SDax. Damit reagieren die Anleger auf den Rauswurf des bisherigen Vorstandschefs Michael Sienkiewicz.

Mobotix macht Freude
Mobotix, ein Anbieter von Video-Sicherheitssystemen, hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2010/11 sein Ergebnis fast verdoppelt. Das Ebit stieg um 91 Prozent auf neun Millionen Euro, der Umsatz kletterte um die Hälfte auf 34,6 Millionen Euro. Die Aktie legt um 3,3 Prozent.

Clariant kauft Süd-Chemie
Der Schweizer Chemiekonzern Clariant kauft die Münchener Süd-Chemie. Der bei Süd-Chemie engagierte Finanzinvestor OEP und die Familienaktionäre hätten zugestimmt, ihre Aktien abzugeben, teilte Clariant mit. Damit würde Clariant 95 Prozent der Firma kontrollieren. Die Transaktion habe einen Wert von etwa zwei Milliarden Euro, hieß es.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"