Dämpfer zum Wochenende

von Detlev Landmesser

Stand: 14.09.2007, 20:21 Uhr

So lange die Kreditkrise weiter schwelt, kann auch an den Aktienmärkten keine Normalität einkehren. Das war die wesentliche Botschaft des Handels am Freitag, der vor allem von Kursverlusten bei Banktiteln geprägt war.

Dabei konnte der Dax seine Verluste im Verlauf verringern. Aber auch der L-Dax konnte mit 7.499,18 Punkten die 7.500er-Marke nicht wiedererobern.

Die US-Börsen holten bis zum Abend ihre Kursrückschläge auf. Der Future-Preis für leichtes US-Öl erreichte im US-Handel den dritten Tag in Folge ein neues Rekordhoch und stieg bis auf rund 80,30 Dollar je Barrel. Davon profitierten allerdings wieder die Ölaktien, was der Wall Street per Saldo half.

Die US-Konjunkturdaten des Tages lieferten kein einheitliches Bild. Während etwa die Industrieproduktion im August mit 0,2 Prozent geringer als erwartet zunahm, kletterte der Verbrauchervertrauens-Index der Uni Michigan unerwartet von 83,4 auf 83,8 Punkte. Volkswirte hatten gegenüber dem August einen unveränderten Stand erwartet.

Das Defizit in der US-Leistungsbilanz hat sich im zweiten Quartal etwas weniger als erwartet verringert. Der Fehlbetrag sank auf 190,8 Milliarden Dollar von revidiert 197,1 Milliarden Dollar im ersten Vierteljahr. Dabei sanken die Einfuhrpreise im August überraschend um 0,3 Prozent zum Vormonat. Das dürfte der US-Notenbank Fed am kommenden Dienstag eine Zinssenkung erleichtern. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Preisanstieg um 0,6 Prozent gerechnet.

Banken in der Defensive

Jetzt hat die Kreditkrise auch auf der Insel ihr erstes Opfer gefordert. Die Bank of England muss dem größten britischen Baufinanzierer Northern Rock finanziell unter die Arme greifen. Die Rettungsaktion der britischen Notenbanker ist bemerkenswert. Denn bisher hatten sie sich im Gegensatz zur EZB oder der Fed geweigert, den Märkten beispielsweise durch Geldmarktinterventionen zu Hilfe zu kommen.

Unter den deutschen Finanztiteln erwischte es die Commerzbank besonders stark. Auch die Hypo Real Estate musste wieder Federn lassen, obwohl das Institut seine Renditeerwartung für das Neugeschäft erhöhte. Die Postbank verringerte ihren Tagesverlust im Verlauf deutlich. Am Nachmittag wandte sich die Bank gegen Gerüchte über eine angeblich drohende Gewinnwarnung. "Von einer Gewinnwarnung kann keine Rede sein", sagte ein Postbank-Sprecher zu boerse.ARD.de. "In unserem operativen Geschäft sehen wir im dritten Quartal bisher keine wesentlichen Änderungen zu den Vorquartalen", erklärte er. Es gebe sogar erste Anzeichen einer Verbesserung des Provisionsgeschäfts.

Kurz vor Parkettschluss wurde noch bekannt dass die US-Großbank Citigroup die Aktien der Deutschen Bank, Hypo Real Estate und der Depfa Bank von "Hold" auf "Sell" abgestuft hat.

Post wechselt Finanzchef aus
Die Aktie der Postbank-Mutter setzte sich im Verlauf an die Dax-Spitze. Ab Oktober hat die Deutsche Post mit John Allan einen neuen Finanzchef. Der bisherige Finanzvorstand, Edgar Ernst (55), werde sich künftig auf seine Honorarprofessur in Koblenz-Vallendar konzentrieren, teilte die Post am Mittag mit. Noch Ende August hatte der Konzern erklärt, Berichte über eine vorzeitige Abberufung des langjährigen Vorstandsmitglieds seien Unsinn. Der 59-jährige Allan war zuletzt im Vorstand für den Bereich Logistik zuständig. Die Struktur der Gruppe stehe nicht zur Disposition, sagte Allan am Freitag in einer Telefonkonferenz. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, die Post könnte sich von der Postbank trennen.

Telekom übernimmt Immobilienscout 24
Die Deutsche Telekom übernimmt nach Informationen der "Financial Times Deutschland" das Internetportal Immobilienscout 24. Der Konzern nutze sein Vorkaufsrecht und zahle für den Anteil von 66,12 Prozent 360 Millionen Euro, meldete die Zeitung auf ihrer Internetseite. Die Aareal Bank wollte das Internetportal eigentlich an ein australisches Konsortium verkaufen.

Außerdem hieß es aus Branchenkreisen, T-Mobile habe den Zuschlag als exklusiver Vertriebspartner in Deutschland für das neue iPhone von Apple erhalten. Das Handy solle in Deutschland anfangs zu einem Preis von 399 Euro angeboten werden, hieß es aus den Kreisen.

Eon und RWE gefragt
Die Eon-Aktie notierte mit Kursen von zeitweise über 127 Euro so hoch wie nie zuvor. Eon-Chef Wulf Bernotat rechnet mit weiter steigenden Strompreisen. "Für das, was Strom an Lebensqualität bietet, ist Strom eigentlich zu billig, wenn wir ehrlich sind", sagte der Manager der "Bild"-Zeitung. Im Schlepptau zogen RWE-Stammaktien ebenfalls an. Das lag auch daran, dass sich Bundeswirtschaftsminister Michael Glos erneut gegen eine Abtrennung der Strom- und Gasnetze von den Energiekonzernen aussprach.

Bayer expandiert
Die Bayer-Aktie schnitt ebenfalls überdurchschnittlich ab. Der Konzern hat den bereits angekündigten Kauf einer Produktionsstätte für biotechnologische Medikamente von Novartis abgeschlossen. Bayer zahlt rund 200 Millionen Dollar an den Schweizer Wettbewerber. Außerdem hat sich die Investmentbank Bear Stearns erstmals zu Bayer geäußert. Die Analysten bewerten das Papier mit "Outperform" und einem Kursziel von 75 Euro.

Russischer Investor steigt bei K+S ein
Mit einem Kurssprung von mehr als zehn Prozent setzte sich die Aktie von K+S an die MDax-Spitze. Die Investmentgesellschaft Linea des russischen Industriellen Andrej Melnitschenko hat sich mit 6,75 Prozent an dem Düngemittel- und Salzkonzern beteiligt. "Linea ist uns wie alle anderen Investoren willkommen, die als strategische Investoren unseren Wachstumskurs unterstützen", sagte ein Sprecher des Kasseler Unternehmens dazu.

Interhyp-Aktie schmiert ab
Im SDax verlor die Interhyp-Aktie ein Drittel an Wert. Der Baufinanzierungsvermittler senkte seine Prognose für das laufende Jahr. Das Unternehmen rechnet nur noch mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 27 nach bisher rund 32 Millionen Euro. Außerdem wird das Finanzierungsvolumen mit rund 5,7 Milliarden Euro die bisher geplanten über sechs Milliarden Euro nicht erreichen.

Erfreuliche Zuwächse bei DBAG
Knapp ein Prozent gewann die Aktie der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG). Die Gesellschaft hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2006/07 ihren Gewinn im Vorjahresvergleich von 34,5 auf 44,1 Millionen Euro gesteigert. Das Eigenkapital je Aktie stieg um 2,95 Euro auf 25,19 Euro. Das SDax-Unternehmen begründete den Zuwachs mit dem Börsengang des Maschinenbauers Homag.

Deutz muss auf neuen Chef warten
Die Aktie von Deutz erholte sich im Tagesverlauf. Der Motorenbauer hat für den Ende September ausscheidenden Vorstandschef Gordon Riske noch keinen Nachfolger gefunden. Finanzvorstand Helmut Meyer soll daher kommissarisch das Unternehmen führen.

Verbio leidet unter Überkapazitäten
Die Verbio-Aktie kommt auf keinen grünen Zweig: Am Freitag verlor das Papier fast vier Prozent. Der Biodiesel-Hersteller hat nach eigenen Angaben die Produktion seiner Bioethanolanlage in Schwedt heruntergefahren und kündigte an, ab Oktober voraussichtlich Kurzarbeit anmelden zu müssen.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr