Dämpfer aus New York

Detlev Landmesser

Stand: 26.02.2009, 20:22 Uhr

Der Donnerstag brachte dem deutschen Markt eine zeitweise ungestüme Kurserholung, wozu nicht zuletzt die Zahlen von der Allianz und BASF beitrugen. An der Wall Street legte sich am Abend die Begeisterung.

In New York schmolzen die Kursgewinne im Verlauf zusammen, was den L-Dax auf 3.915 Punkte drückte. Am Nachmittag hatte der Dax noch bis zu 3,7 Prozent zugelegt.

Besonders die Haushaltspläne der Regierung Obama fesselten die Investoren. Im laufenden Finanzjahr bis Ende September soll das US-Haushaltsdefizit unvorstellbare 1,75 Billionen Dollar erreichen. Mit 12,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist dies der höchste Wert seit 1945. Die Börsen scherte das zunächst wenig; sie feierten vor allem die Aussicht auf neue Staatshilfen für die Banken von bis zu 250 Milliarden Dollar. Im kommenden Haushaltsjahr soll das Defizit auf 1,17 Billionen Dollar sinken.

Die schwachen US-Konjunkturdaten steckte der Markt bei diesen Aussichten zunächst gut weg. Die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter brachen im Januar deutlich heftiger ein als erwartet, das Minus im Vergleich zum Vormonat belief sich auf 5,2 Prozent. Im Jahresvergleich ergab sich gar ein drastisches Minus von 26,4 Prozent. Zugleich sank die Zahl der Verkäufe neuer Häuser im Januar auf ein neues Rekordtief. Auch die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel erneut höher aus als gedacht. Dass die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Februar erstmals seit März vorigen Jahres wieder die Marke von 3,5 Millionen überschritt, war in diesem Umfeld ebenfalls nur eine Randnotiz.

Ölpreise ziehen weiter an

Trotz der trüben Signale von der Wirtschaft stiegen die Ölpreise den dritten Tag in Folge. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete am Abend wieder mehr als 43 Dollar. Kürzungen bei Öllieferungen der Vereinigten Arabischen Emirate nach Asien haben die Erwartung gefestigt, dass die Opec ihre Produktion tatsächlich wirksam drosselt.

Desaströse Zahlen von GM
Auch den verheerenden Jahresverlust von General Motors von 30,9 Milliarden Dollar konnte die Wall Street weitgehend verdrängen. Ein schwacher Trost dabei war, dass der Opel-Mutterkonzern 2007 auf vergleichbarer Basis einen noch höheren Rekordverlust von mehr als 43 Milliarden Dollar eingefahren hatte.

Telekom bestellt neuen Finanzchef
Am Abend nach Börsenschluss teilte die Deutsche Telekom weitere Schritte ihres Konzernumbaus mit. Der Aufsichtsrat segnete am Donnerstag das Konzept ab, die Trennung zwischen Festnetz und Mobilfunk aufzuheben. Produktentwicklung, IT und Technik sollen künftig europaweit gebündelt werden. Gleichzeitig wurde T-Home-Chef Timotheus Höttges zum neuen Finanzvorstand berufen. Er tritt die Nachfolge von Karl-Gerhard Eick an, der Anfang März die Führung beim Handelskonzern Arcandor übernimmt.

Deutsche Bank kräftig erholt
Angefeuert von der Hoffnung auf weitere Bankenhilfen in den USA und den Kurserholungen der UBS und der RBS setzte sich die Aktie der Deutschen Bank am Nachmittag an die Dax-Spitze.

Die Schweizer Großbank UBS hat mit sofortiger Wirkung ihren Vorstandschef Marcel Rohner gegen den Ex-Credit-Suisse-Chef Oswald Grübel ausgetauscht. Der Wechsel kam bei den Aktionären gut an, die Aktie stieg um rund 16 Prozent. Die Royal Bank of Scotland blieb dagegen mit ihrem Jahresverlust von 24,1 Milliarden Pfund unter den Befürchtungen. Der Verlust war ein britischer Rekord, die RBS-Aktie sprang dennoch um mehr als ein Viertel nach oben.

Allianz wird gefeiert
Mit über zwölf Prozent Kursgewinn bescherte das Indexschwergewicht Allianz dem Dax alleine 30 Punkte Plus. Ein letztes Mal lasteten die Geschäfte der an die Commerzbank verkauften Dresdner Bank auf der Allianz-Bilanz. Der Finanzkonzern wies einen Jahresverlust von 2,4 Milliarden Euro aus. Eine Jahresprognose gab es nicht, Allianzchef Michael Diekmann rechnet aber mit einer Erholung der Weltwirtschaft zum nächsten Jahreswechsel.

BASF extrem vorsichtig
Kräftig erholt zeigte sich auch die BASF-Aktie. Der Chemieriese hat das Jahr 2008 wie erwartet mit einem Gewinneinbruch beendet und einen äußerst vorsichtigen Ausblick gegeben. Das Jahres-Ebit schrumpfte um ein Zehntel auf 6,86 Milliarden Euro. Im vierten Quartal entstand sogar ein Nettoverlust von 313 Millionen Euro. 2009 soll laut BASF ein "Jahr voller Herausforderungen" werden, "wie wir sie noch nie erlebt haben". Die Anleger zeigten sich aber erfreut über die mit 1,95 Euro stabile Dividende.

Post kürzt Dividende deutlich
Die "Aktie Gelb" wurde dagegen für die von 90 auf 60 Cent gekürzte Dividende der Deutschen Post bestraft. Der Jahresverlust von 1,69 Milliarden ist auch der Trennung vom amerikanischen Expressgeschäft zu verdanken, das seit Jahren chronisch defizitär war. Allein im vierten Quartal fiel wegen den aus der Trennung fälligen Restrukturierungskosten ein Verlust von 3,16 Milliarden Euro an. Für 2009 sah sich die Post zudem außer Stande, eine Prognose zu geben.

RWE etwas unter Erwartungen
Trotz ihrer defensiven Qualitäten stand die RWE-Aktie am Donnerstag unter Druck. Der Energieversorger konnte mit seinen Jahresergebnissen nicht überzeugen. Der Umsatz kletterte zwar auf 49 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis erreichte 6,8 Milliarden Euro. "Die endgültigen Ergebnisse lagen etwas unter unseren Prognosen", urteilte die WestLB. Auch die Prognose für 2009, wonach das Ergebnis nur das Vorjahresniveau erreichen soll, enttäuschte die Analysten.

Tui behält mehr von Hapag-Lloyd
Am Nachmittag sprang die Tui-Aktie an die MDax-Spitze. Um den Verkauf von Hapag-Lloyd zu sichern, behält Tui nun 43,33 statt 33,33 Prozent an der Reederei-Tochter. Die Transaktion soll Mitte März abgeschlossen werden. Händler begrüßten die Aussicht, dass Tui nun endlich Liquidität für den Verkauf erhält.

Ungetrübter Blick bei Fielmann
Die Fielmann-Aktie gewann drei Prozent. Die Optikerkette hat das vergangene Jahr mit Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn beendet, außerdem äußerte sich Fielmann zuversichtlich zum Geschäftsverlauf in diesem Jahr.

2008 lief für Tognum noch gut
Erholt zeigte sich auch die Tognum-Aktie. Der Dieselmotorenhersteller konnte 2008 sowohl Umsatz als auch Ebit leicht steigern. Das Geschäft in diesem Jahr sei allerdings "herausfordernd", räumte der MDax-Konzern ein.

Morphosys im Aufwind
Im TecDax gewann die Morphosys-Aktie 3,4 Prozent. Der Biotechkonzern hat 2008 mit 71,6 Millionen Euro Umsatz und 16,4 Millionen Euro Gewinn die Vorjahreszahlen deutlich übertroffen. 2009 will Morphosys beim Umsatz ebenfalls zulegen, das Betriebsergebnis hingegen soll etwas schwächer ausfallen. Bis zu acht Wirkstoffe sollen bis Ende des Jahres in die klinische Entwicklung gebracht werden, teilte das Unternehmen mit.

QSC mit hübscher Bilanz
Der Telekomanbieter QSC hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn auf 67,3 Millionen Euro geradezu verdoppelt. Die Erlöse stiegen um ein Fünftel. Der TecDax-Titel konnte sich dennoch nicht im Plus halten. Beobachter begründeten die Kursreaktion damit, dass vor allem ein Einmaleffekt zur guten Bilanz beigetragen habe.

KWS erwartet gutes Geschäft
Aus dem SDax legten KWS Saat, Gerry Weber und die GfK ihre Bilanzen vor. Der Saatguthersteller KWS Saat beendete das erste Halbjahr seines Geschäftsjahres mit deutlich mehr Umsatz und einem reduzierten Verlust. Für das Gesamtjahr erwartet KWS, seinen Umsatz um zehn Prozent zu steigern.

GfK auf Kurs
Das Marktforschungsunternehmen GfK bilanzierte ebenfalls einen besseren Umsatz und ein besseres Ergebnis. Die Dividende wird leicht auf 0,46 Euro erhöht. Für 2009 zeigte sich GfK zuversichtlich.

Gerry Weber unerwartet stark
Auch das Modeunternehmen Gerry Weber erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz- und Gewinnanstieg. Während die Erlöse auf 570 Millionen Euro stiegen, kletterte das operative Ergebnis auf 62,7 Millionen Euro. Auch Gerry Weber will die Dividende anheben.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr