Dämpfer aus New York

Detlev Landmesser

Stand: 04.02.2009, 20:30 Uhr

Winzige Hoffnungszeichen von der amerikanischen Konjunktur reichten am Mittwoch für den zweiten stattlichen Kursgewinn in Folge aus. Am Abend gerieten die US-Märkte allerdings wieder ins Straucheln.

Amerikanische Marktteilnehmer begründeten den Schwächeanfall der Wall Street am Abend mit Sorgen um die Rettungspläne der neuen Regierung, die in der parlamentarischen Diskussion gebremst werden. Der L-Dax gab einen Teil der Tagesgewinne wieder ab und schloss 1,9 Prozent höher bei 4.445,51 Punkten.

Aber auch die jüngsten Bilanzen aus Amerika waren nicht besonders erbaulich. Der größte US-Lebensmittelkonzern Kraft Foods hat im vierten Quartal einen herben Gewinneinbruch erlitten und seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr gekürzt. Der Medienriese Time Warner verbuchte wegen Abschreibungen auf sein Kabel-Geschäft am Jahresende einen gigantischen Verlust von 16 Milliarden Dollar. Auch der Unterhaltungskonzern Walt Disney enttäuschte mit einem Gewinneinbruch im abgelaufenen Quartal.

Konjunktureinbruch gebremst?

Zunächst hatten die Aktienmärkte noch den Einkaufsmanagerindex für den US-Dienstleistungssektor gefeiert. Dieser Stimmungsindikator stieg im Januar unerwartet von revidiert 40,1 auf 42,9 Punkte, was der zweite Anstieg in Folge war. Volkswirte hatten einen Rückgang auf 39,0 Punkte erwartet. Der Wert unter 50 Punkten deutet allerdings weiter auf eine konjunkturelle Abschwächung hin.

Auch die Beschäftigungszahlen aus dem amerikanischen Privatsektor wurden eher erleichtert aufgenommen. Laut dem Arbeitsmarkt-Dienstleister Automatic Data Processing (ADP) ist die Zahl der Beschäftigten im Privatsektor um 522.000 zum Vormonat gefallen. Beobachter hatten mit einem um 8.000 Stellen höheren Aderlass gerechnet.

Tag der Zykliker
Im Dax waren nach den Daten vor allem die zuletzt stark gefallenen konjunkturabhängigen Titel gefragt. Größte Gewinner waren ThyssenKrupp und MAN mit Zuwächsen von 9,2 beziehungsweise 8,5 Prozent.

HRE-Rettung weiter offen
Auch die großen Banken im Dax setzten ihren Erholungskurs fort, obwohl das Spitzentreffen der Bundesregierung zur Rettung der schwer angeschlagenen Hypo Real Estate ohne greifbare Ergebnisse zu Ende ging. Die Entscheidung über eine mögliche Verstaatlichung der HRE werde sich noch einige Wochen hinziehen, sagte ein Regierungssprecher.

Plant Commerzbank "Bad Bank"?
Noch vor der HRE ist die Commerzbank-Tochter Eurohypo der größte Pfandbriefemittent Deutschlands. Am Mittwoch hieß es aus Finanzkreisen, die Commerzbank prüfe die Auslagerung von mehreren Milliarden Euro an riskanten Papieren ihrer Tochter in eine Bad Bank. Dabei sei auch ein mit der Bundesregierung abgestimmtes gemeinsames Vorgehen mit Hypo Real Estate denkbar, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die Kreise.
Morgen legt die Deutsche Bank ihre mit Spannung erwarteten Jahresergebnisse vor. Nach vorläufigen Zahlen meldete der Branchenprimus Mitte Januar für 2008 einen Verlust von 3,9 Milliarden Euro.

MüRü verdient deutlich weniger
Die gewichtigste deutsche Bilanz kam von der Münchener Rück. Statt 3,9 Milliarden Euro wie 2007, wies der weltweit zweitgrößte Rückversicherer nur noch ein Ergebnis von 1,5 Milliarden Euro aus. Im vierten Quartal sackte der Überschuss auf nur noch 100 Millionen Euro ab. Der Dax-Wert verlor 2,9 Prozent.

Beiersdorf stockt Dividende auf
Die Beiersdorf-Aktie war der schwächste Dax-Titel. Die Analysten der Deutschen Bank hatten das Kursziel deutlich von 60 auf 50 Euro gesenkt und empfehlen nun "Hold" statt vorher "Buy". Der Dividendenvorschlag des Nivea-Herstellers kam dagegen gut an. Der Vorstand schlägt dem Aufsichtsrat vor, die Ausschüttung von 70 auf 90 Cent pro Aktie zu erhöhen. Gleichzeitig belastet aber eine Analysteneinschätzung den Titel.

Hamburger Hafen sieht sich gewappnet
Die Aktie der HHLA legte im MDax um sechs Prozent zu. Der Hamburger Hafen hat das vergangene Jahr trotz weltweiter Wirtschaftskrise mit einem Gewinnzuwachs abgeschlossen. Das Betriebsergebnis stieg von 288 auf 345 Millionen Euro. Der Umsatz verbesserte sich von 1,18 auf 1,32 Milliarden Euro. Gegen Ende des Jahres ging der Containerumsatz des Konzerns im Jahresvergleich allerdings zurück, dennoch sieht sich die HHLA gut gerüstet für 2009.

Leoni enttäuscht
Die gegen Mittag vorgelegten Zahlen von Leoni ließen den MDax-Titel vorübergehend ins Minus rutschen. Der Spezialist für Bordnetz-Systeme hat im vierten Quartal einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang verzeichnet. Die Dividende soll von 0,90 Euro pro Aktie im Vorjahr auf 0,20 Euro gesenkt werden. Ein Händler reagierte enttäuscht: "Das Ebit und der Dividendenvorschlag liegen deutlich unter den Erwartungen." Zudem gebe es keinen Ausblick auf das laufende Jahr.

Sorgen um CTS-Geschäft
Die Aktie des im SDax notierten Ticketverkäufers CTS Eventim büßte fast 15 Prozent ein. Nach Ansicht von Analysten wäre die offenbar geplante Fusion des weltgrößten Konzertveranstalters Live Nation mit dem führenden Konzertkartenverkäufer Ticketmaster für CTS sehr negativ. Die Analysten von Cheuvreux stuften die Aktie von "Outperform" auf "Underperform" ab.

Biotest meldet Gewinnsprung
Das Pharma- und Diagnostikunternehmen Biotest hatte Erfreuliches zu berichten. Nach vorläufigen Zahlen stieg das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) 2008 um mehr als 40 Prozent auf 55 Millionen Euro, teilte das SDax-Unternehmen mit. Biotest habe im vergangenen Jahr 423 Millionen Euro umgesetzt - ein Plus von 30 Prozent. Zu dem Anstieg trug auch das starke US-Geschäft bei.

Springer verkauft Zeitungsbeteiligungen
Der Axel-Springer-Verlag verkauft Beteiligungen an der "Leipziger Volkszeitung", den "Lübecker Nachrichten", den "Kieler Nachrichten" und der "Ostsee-Zeitung" für insgesamt 310 Millionen Euro an die hannoversche Madsack-Gruppe, teilte das SDax-Unternehmen am Abend mit. Springer konzentriere sich mit dem Verkauf stärker auf die eigenen Zeitungen wie "Bild" oder "Die Welt" und den Ausbau "neuer Online-Wachstumsgeschäfte", sagte Vorstandschef Mathias Döpfner.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr