Da wird einem ja schwindelig

Detlev Landmesser

Stand: 30.01.2009, 20:24 Uhr

Zum Wochenausklang unterhielt der Dax die Börsianer erneut mit einer wilden Achterbahnfahrt. Am Ende blieb aber ein deutliches Minus. Hauptthema war die schlimme Verfassung der amerikanischen Wirtschaft.

Auf Wochensicht blieb dem Dax immerhin ein Plus von 3,8 Prozent. Der L-Dax ging mit 4.353,27 Punkten ins Wochenende.

Die vorläufigen Zahlen zum amerikanischen Bruttoinlandsprodukt wiesen darauf hin, dass die US-Wirtschaft im vierten Quartal so stark geschrumpft ist wie seit 1982 nicht mehr. Der aufs Jahr berechnete Rückgang von 3,8 Prozent sorgte aber zunächst für Erleichterung. Volkswirte hatten einen Einbruch der Produktion von Gütern und Dienstleistungen von 5,4 Prozent erwartet. Da der Schätzanteil der ersten BIP-Bekanntgabe aber recht hoch ist, könnte das US-Handelsministerium den Wert durchaus noch weiter nach unten revidieren.

Rezession nun auch amtlich

Nach der gängigen Definition befindet sich die US-Wirtschaft nach zwei aufeinander folgenden Quartalen mit negativen Wachstumsraten nun auch offiziell in einer Rezession. US-Präsident Barack Obama wertete die Konjunkturentwicklung als "anhaltende Katastrophe".

Daran ließ auch der Einkaufsmanagerindex der Region Chicago keinen Zweifel. Mit einem Rückgang von von 35,1 auf 33,3 Punkte fiel das Stimmungsbarometer stärker als erwartet. Auch der von der Uni Michigan erhobene Konsumklimaindikator enttäuschte. Er kletterte von 60,1 auf 61,2 Punkte, während Volkswirte mit einer Bestätigung der Erstschätzung von 61,9 Punkten gerechnet hatten.

Das brachte die New Yorker Börsen und damit den deutschen Aktienmarkt wieder unter Druck. Zusätzlich verwirrte die Meldung des TV-Senders "CNBC", die US-Regierung habe ihre Pläne für eine so genannte "Bad Bank" möglicherweise auf Eis gelegt.

Euro nahe 1,28 Dollar
Der neuerliche Schwächeanfall des Euro lässt sich in diesem Umfeld nicht so leicht erklären. Er rutschte sogar unter die Marke von 1,28 Dollar. "Der Dollar profitiert von der Einschätzung der Anleger, dass Europa den USA in der Konjunkturentwicklung hinterherhinkt und dem alten Kontinent daher das Schlimmste noch bevorsteht", sagte ein Marktteilnehmer. "Außerdem gehen sie davon aus, dass die USA wegen ihres entschiedeneren Kampfes gegen die Krise schneller aus der Rezession herauskommen." Dazu kamen Sorgen um die drohende Herabstufung der Bonitätsnote Irlands.

Die jüngsten Quartalsbilanzen entfalteten unterschiedliche Wirkung. Der Internethändler Amazon wurde für seine Zahlen mit kräftigen Aufschlägen belohnt. Der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) verbuchte zwar ein deutliches Gewinnplus, blickte aber verhalten in die Zukunft, was die Aktie ins Minus driften ließ. Die beiden Ölkonzerne Exxon Mobil und Chevron waren nach ihren Quartalsausweisen gefragt.

Postbank vorn
Die Banktitel hielten sich nach einer volatilen Sitzung besser als der Dax. Händler begründeten das mit der Hoffnung auf Nachbesserungen am Banken-Rettungspaket. An die Dax-Spitze setzte sich die Postbank.

Porsche spart, vielleicht auch bei VW
Die VW-Stammaktie driftete im Verlauf ins Minus. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bekräftigte auf der Hauptversammlung des Sportwagenbauers, den VW-Anteil "in überschaubarer Zeit" auf 75 Prozent aufstocken zu wollen. Angaben zum Zeitplan wollte der Manager aber aufgrund der "hochkritischen gesamtwirtschaftlichen Umstände" nicht machen. Außerdem kündigte Wiedeking an, die Produktion bis zur Sommerpause um weitere 19 Tage stoppen zu wollen. Zudem ist ein Sparprogramm im Volumen von mehr als 100 Millionen Euro geplant. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2008/09 ging der Absatz der Stuttgarter um 27 Prozent zurück. Im selben Ausmaß sei auch das operative Ergebnis gefallen. Der Umsatz sank um rund 14 Prozent auf rund drei Milliarden Euro.

KlöCo unter Erwartungen
Im MDax konnte sich die Aktie von Klöckner & Co knapp behaupten. Der Stahlhändler hat seinen Umsatz 2008 um rund sechs Prozent auf 6,7 Milliarden Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 25 Prozent auf 415 Millionen Euro. Damit schloss KlöCo schlechter ab als erwartet. Analysten hatten im Schnitt mit einem Umsatz von 6,82 Milliarden und einem Ebitda von 478 Millionen Euro gerechnet. Einen konkreten Ausblick für das laufende Geschäftsjahr wollte das Unternehmen nicht geben.

HRE auf Staatskurs
Die Aktie der schwer angeschlagenen Hypo Real Estate (HRE) fiel auf ein neues Rekordtief. Vorstandschef Axel Wieandt kann auch nach einem direkten Einstieg des Staates weiteren Finanzbedarf in den kommenden Monaten nicht ausschließen. "Das ist traurig, aber wohl wahr. Auch führt an einer Verstaatlichung kein Weg vorbei", sagte ein Händler. Am Freitag fiel aber noch keine Entscheidung über eine künftige Staatsbeteiligung.

Delticom wächst zweistellig
Im SDax gehörte die Delticom-Aktie zu den gefragtesten Titeln. Der Internet-Reifenhändler hat im vergangenen Geschäftsjahr seinen Umsatz um 20 Prozent auf 258 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Damit lagen die Erlöse am oberen Ende der geplanten Spanne, die von 240 bis 260 Millionen Euro reichte. "Es ist uns wieder gelungen, Wachstum mit Margenstärke zu verbinden. Wir werden daher auch das Ergebnisziel erreicht haben", sagte Finanzvorstand Frank Schuhardt.

KSB zieht erfreuliche Jahresbilanz
Die Vorzugsaktie von KSB gewann fast zehn Prozent an Wert. Der Pumpen- und Armaturenhersteller meldete für 2008 ein Umsatzplus von 12,8 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro. Der Auftragseingang legte um 12,5 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu. Bei einer angegebenen Umsatzrendite von etwa zehn Prozent läge das Konzernergebnis vor Steuern bei etwa 200 Millionen Euro, nach 128,7 Millionen im Vorjahr. Im November und Dezember hätten sich die Abnehmer bei Auftragsvergaben aber "spürbar zurückhaltender" gezeigt, teilte das pfälzische Unternehmen mit.

Solar Millennium weit unter Zielen
Die Solar Millennium AG hat im vergangenen Geschäftsjahr 2007/08 ihre eigene Geschäftsprognose weit verfehlt. Der Umsatz lag mit rund 32 Millionen Euro nur knapp über Vorjahresniveau. Der Gewinn erreichte sechs Millionen Euro. Das Unternehmen hatte Werte von 80 beziehungsweise 18 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

KSB zieht erfreuliche Jahresbilanz
Die Vorzugsaktie von KSB gewann fast zehn Prozent an Wert. Der Pumpen- und Armaturenhersteller meldete für 2008 ein Umsatzplus von 12,8 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro. Der Auftragseingang legte um 12,5 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu. Bei einer angegebenen Umsatzrendite von etwa zehn Prozent läge das Konzernergebnis vor Steuern bei etwa 200 Millionen Euro, nach 128,7 Millionen im Vorjahr. Im November und Dezember hätten sich Kunden aber "spürbar zurückhaltender" gezeigt, teilte das pfälzische Unternehmen mit.

Atoss voller Zuversicht
Die Aktie von Atoss wurde um sieben Prozent teurer. Das Softwareunternehmen hat 2008 seinen Umsatz um zehn Prozent auf fast 27 Millionen Euro verbessert. Das Ebit kletterte sogar um 35 Prozent auf mehr als fünf Millionen Euro. Sogar eine Prognose gab das Unternehmen ab: "Auf Basis der selbst im vierten Quartal sehr guten Auftragslage verbunden mit dem sehr hohen Auftragsbestand geht der Vorstand davon aus, Umsatz und Ergebnis auf dem Rekordniveau des Vorjahres fortzuschreiben."

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)