Da war doch noch was...

Detlev Landmesser

Stand: 18.12.2008, 20:14 Uhr

Die Krise der US-Autobauer dürfte schon bald wieder das Börsengeschehen bestimmen. Während der deutsche Aktienmarkt den ganzen Tag über weitgehend sorglos blieb, war der Handel in New York hochnervös.

Der L-Dax ging mit 4.743.56 Punkten aus dem Handel. Die Wall Street konnte ihre Anfangsgewinne bis zum Abend nicht halten. Die Aussicht, dass das Weiße Haus seine Hilfe für die angeschlagenen Autobauer im Rahmen eines Insolvenzverfahrens mit Gläubigerschutz leisten könnte, belastete die Aktien von General Motors und Ford. Präsident George W. Bush werde aber keinen ungeordneten Konkurs eines Autobauers zulassen, sagte eine Sprecherin. Zugleich kündigte sie eine rasche Entscheidung an.

Devisenmarkt in Aufruhr

Die Flucht aus dem US-Dollar setzte sich am Donnerstag zunächst fort. Der Euro legte gegenüber dem Dollar innerhalb von 15 Minuten um zwei Cent zu. Für einen Euro mussten in der Spitze 1,4719 Dollar bezahlt werden. Am Nachmittag erholte sich die US-Währung aber deutlich, was auch an den neuesten US-Konjunkturdaten lag, die nicht so verheerend waren wie erwartet.

Der Sammelindex der Frühindikatoren fiel im November zum Vormonat zwar um 0,4 Prozent. Ökonomen hatten im Schnitt jedoch einen Rückgang um 0,5 Prozent erwartet. Zudem verbesserte sich die Wirtschaftsaktivität in der Region Philadelphia im Dezember überraschend. Der entsprechende Index der regionalen Notenbank von Philadelphia (Philly-Fed-Index) kletterte von minus 39,3 auf minus 32,9 Punkte. Hier hatten Volkswirte eine weitere Eintrübung auf minus 40,0 Punkte erwartet.

Ifo auf 26-Jahres-Tief
In Deutschland sorgte der Ifo-Index für Unruhe. Im Vergleich zum Vormonat sackte das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer im Dezember von 85,8 auf 82,6 Punkte ab. Das ist der tiefste Stand seit 1982.Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang auf 84 Zähler gerechnet. Einige Marktteilnehmer hätten jedoch noch schwächere Daten befürchtet und zeigten sich nun erleichtert, sagte ein Händler.

Ölpreis entgleitet der Opec
Ein klares Misstrauensvotum gegen den Zusammenhalt der Opec gab es am Ölmarkt. Trotz der gestern beschlossenen historischen Förderquotensenkung des Kartells rutschte der US-Ölpreis unter die Marke von 40 Dollar und notierte am Abend bei 38,20 Dollar. Beobachter bezweifeln, ob das Ölkartell die starken Produktionskürzungen bei seinen Mitgliederen auch durchsetzen kann.

Infineon bietet 75-Millionen-Kredit für Qimonda
Infineon nannte am Donnerstag eine Zahl zur beabsichtigten eigenen Hilfe für die kriselnde Speicherchiptochter Qimonda. "Wir sind bereit, Qimonda aus unseren eigenen Mitteln einen Kredit über 75 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen", sagte Infineon-Chef Peter Bauer der Tageszeitung "Die Welt" (Freitagausgabe). "Zusätzlich haben wir vorgeschlagen, ein Aktienpaket an Sachsen zu verkaufen und den Erlös ebenfalls Qimonda zu geben. Beides zusammen ist deutlich mehr als 100 Millionen Euro wert", sagte der Infineon-Chef. Sachsen hatte als Bedingung für einen Staatskredit von 150 Milllionen Euro die gleiche Summe von Infineon gefordert.

HRE angeblich schwer belastet
Die ehemalige Führungsspitze der Hypo Real Estate soll nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" Aktionäre und Öffentlichkeit ein Jahr lang über die wahre Lage der Bank getäuscht haben. Das gehe aus Ermittlungsunterlagen hervor, berichtete die Zeitung vorab aus ihrer Freitagsausgabe. Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft bei einer Großrazzia die HRE-Zentrale in München sowie Wohnungen durchsucht und zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt.

Conti-Übernahme wahrscheinlicher?
Die Aktie des Autozulieferers Conti legte zeitweise um 22 Prozent zu. Marktbeobachter verwiesen auf die für Freitag erwartete Entscheidung der EU-Kommission über den Kauf durch Großaktionär Schaeffler. "Es wird immer wahrscheinlicher, dass die Kommission das durchwinkt", sagte ein Händler. "Deshalb müssen sich diejenigen, die auf eine Ablehnung und damit sinkende Kurse gewettet haben, wieder eindecken." Außerdem versucht Schaeffler offenbar den Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg abzulösen. Von Grünberg stehe der Übernahme im Weg, hieß es.

Die Siemens-Aktie war ebenfalls gefragt, obwohl die neueste Unternehmensnachricht nicht unbedingt prickelnd erschien. Der Konzern rechnet im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 mit einer Stagnation des Industriegeschäfts.

Die Metro-Aktie wurde ein wenig von Carrefour gebremst. Der französische Einzelhandelsriese hat seine Geschäftserwartungen für das laufende Jahr deutlich gesenkt.

Deutsche Bank übernimmt Springer-Paket
Die Deutsche Bank hat sich mit 8,4 Prozent an dem Medienkonzern Axel Springer beteiligt. Das Paket stammt vom US-Finanzinvestor Hellman & Friedman, der seine Beteiligung von zuletzt 9,9 Prozent auf 1,6 Prozent reduzierte. Springer äußerte die Erwartung, dass die Deutsche Bank die Anteile "mittelfristig in einem erholten Kapitalmarktumfeld breit im Markt platziert".

Neues von Porsche/VW
Neben endgültigen Viermonatszahlen gab es neue Details von Porsche zur geplanten Übernahme von Volkswagen. Der Kauf von VW-Stammaktien sei grundsätzlich zu Kursen zwischen 200 und 250 Euro angemessen, teilte Porsche mit. Letztlich sei der durchschnittliche Kaufpreis aller seit Herbst 2005 erworbenen VW-Aktien entscheidend, die in Porsches Büchern bislang mit 117 Euro stehen. Daher könne der Zukauf weiterer Aktien auch zu Kursen von mehr als 250 Euro erfolgen. Porsche will seinen Anteil an VW von zuletzt 42,6 Prozent weiter auf 75 Prozent erhöhen.

Das Unternehmen besitze nun noch Optionen auf rund 28,1 Prozent der Volkswagen-Stämme. Ende Oktober hatte Porsche noch über Optionen mit Barausgleich auf 31,5 Prozent verfügt. Zu dem Verkaufserlös machte Porsche keine Angaben.

Wie schon im November angedeutet, verkaufte der Sportwagenbauer in den ersten vier Monaten seines Geschäftsjahres 2008/09 (seit August) deutlich weniger Autos. Das operative Ergebnis habe unter dem Vorjahreswert gelegen, teilte Porsche ohne detailliertere Angaben mit. Der Umsatz sei in den vier Monaten um 9,7 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro gesunken und die Zahl der verkauften Autos um 18,7 Prozent auf 25.016 Stück geschrumpft.

Auf Wacker Chemie lastete einerseits eine Kurszielsenkung von Morgan Stanley von 170 auf 100 Euro. Außerdem sorgte eine Umsatzwarnung des US-Siliziumwafer-Konkurrenten MEMC für Gegenwind.

Freenet-Chef gibt sich gelassen
Nach vollständiger Integration von Debitel erwartet Freenet-Chef Eckhard Spoerr frühestens 2010 Synergien von jährlich bis zu 100 Millionen Euro, doppelt soviel wie bisher genannt. Für den stockenden Verkauf der DSL-Sparte, mit der die Übernahme teilweise finanziert werden soll, machte Spoerr die Finanzkrise verantwortlich. Er habe sich für den Verkauf "kein Zieldatum gesetzt". Es komme darauf an, Ruhe zu bewahren, sonst würde Aktionärsvermögen vernichtet.

Karl Ehlerding meldet sich zurück
Vor wenigen Jahren war er pleite, nun bewegt er wieder die Kurse einer ganzen Branche: Karl Ehlerding, der ehemalige Großaktionär der insolventen Beteiligungsgesellschaft WCM, denkt über Investitionen bei Immobilienaktien nach. Die Kurse vieler Titel lägen derzeit am Boden. "Vivacon, Colonia Real Estate, Patrizia, Deutsche Wohnen oder die Gagfah sind jedenfalls günstig", sagte Ehlerding der "Börsen-Zeitung". Nicht nur die angesprochenen Papiere profitierten am Donnerstag deutlich.

Escada tiefrot
Der Modehersteller Escada hat im vergangenem Geschäftsjahr 2007/08 erneut Verluste macht. Das Minus lag sogar noch über dem Vorjahreswert von 27,3 Millionen Euro, teilte das SDax-Mitglied mit. Der Umsatz brach um 15 Prozent auf 582,5 Millionen Euro ein.

Weihnachtsgeschenk von Arques
Die Beteiligungsgesellschaft Arques hat 85 Prozent an dem Autozulieferer Eurostyle an das Management für einen symbolischen Preis abgegeben. Eurostyle hatte erst vor kurzem Gläubigerschutz beantragt.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr