Marktbericht 20:15 Uhr

Dax - die Ruhe vor dem Sturm Clinton oder Trump, wer macht das Rennen?

Stand: 08.11.2016, 20:15 Uhr

An der Wall Street macht sich am Wahltag zunehmend Optimismus breit, dass sich Hillary Clinton gegen Donald Trump durchsetzt. Der Dow setzt zu einer "Mini-Hillary-Rally" an. Nachbörslich beflügelt das auch den Dax.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.561,42
Differenz relativ
-0,98%

Nachbörslich legt der L/E-Dax bis zum Handelsschluss um 20:00 Uhr auf 10.533 Punkte zu und folgt damit der anziehenden Wall Street. Der Börsentag während der regulären Xetra-Handelsstunden war meist langweilig, erst zum Handelsschluss gab es dann doch noch ein paar Käufe, so dass der Dax im Plus schließen konnte.

Der Index beendete den Tag mit einem leichten Gewinn von 0,24 Prozent bei 10.482 Punkten - und damit immerhin fast am Tageshoch. Die Handelsbandbreite war gering und lag zwischen 10.414 und 10.486 Punkten. Insgesamt hielten die Anleger ihr Pulver trocken. "Das ist wahrscheinlich die Ruhe vor dem Sturm", sagte Andre Bakhos, Geschäftsführer des Vermögensberaters Janlyn. Am Mittwoch könnten die Kurse abhängig vom Wahlausgang in beide Richtungen ausschlagen.

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tagesschau24 Xetra-Schluss-Bericht vom 08.11.2016

Die (An)-Spannung der Marktteilnehmer war während des ganzen Tages förmlich mit Händen zu greifen gewesen. Wer macht das Rennen in Amerika - die von der Börse favorisierte Hillary Clinton oder der als unberechenbar geltende Donald Trump?

Die Bullen haben die Oberhand an der Wall Street

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.058,12
Differenz relativ
-0,03%

Nach anfänglichen Verlusten macht sich im Handelsverlauf an der New Yorker Börse Optimismus breit. Der Leitindex Dow Jones liegt aktuell 0,6 Prozent im Plus, der breiter gefasste S&P-500-Index steigt ebenfalls um 0,6 Prozent und an der Technologiebörse Nasdaq geht es sogar rund 0,8 Prozent bergauf.

Deutsche Post überrascht

Dabei gab es außer der Politik durchaus Meldenswertes hierzulande. So etwa die Quartalszahlen von Dax-Mitglied Deutsche Post, die positiv aufgenommen wurden. Das Logistikunternehmen profitiert vom Online-Bestellbooom und blickt erwartungsfroh auf das Weihnachtsgeschäft. Die Aktie Geld gehörte zu den größten Gewinnern des Tages und rückte 1,48 Prozent vor.

Henkel kann Anfangsgewinne nicht halten

Indexkollege Henkel legte ebenfalls Zahlen zum dritten Quartal vor, die aber nur anfangs für Fantasie am Markt sorgten. Danach bröckelte die Aktie des Düsseldorfer Konsumgüterspezialisten wieder ab und schloss letztlich 0,31 Prozent im Minus.

Nächtliche Wahlparty

Das alles beherrschende Thema der US-Wahl wird viele Anleger und politisch Interessierte in Atem halten. Mit Ergebnissen ist erst am frühen Mittwochmorgen MEZ zu rechnen. Schließlich wird in Amerika in insgesamt sechs Zeitzonen gewählt, wobei die Bundesstaaten Hawaii und Alaska die letzten sind. Bis dahin sollte aber wohl schon feststehen, wer das Rennen um das Weiße Haus gemacht hat.

Clinton führt zwar in den Umfragen, nach dem Brexit-Desaster herrscht aber viel Unsicherheit. Denn Trump hat durchaus noch Chancen. "Kurzzeitig würde es ziemlich turbulent und der DAX dürfte deutlich unter 10.000 Punkte fallen", prognostiziert Marktexperte Jens Klatt im Falle eines Wahlsieges des Milliardärs, der bisher mehr Fragen als Antworten gegeben hat.

Abgestimmt wird in den USA übrigens auch über die Zusammensetzung des Parlaments, unter anderem werden ein Drittel der 100 Senatorensitze neu bestimmt. Die ARD-Fernsehkollegen werden in der Nacht ausführlich berichten.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,15
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+1,15%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
70,27
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+0,89%

Auch am Devisen- und Ölmarkt tat sich nicht viel. Der Euro verlor leicht gegen den Dollar auf aktuell 1,1020 Dollar. "Clinton ist der Favorit des Devisenmarktes", schreibt Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. "Bei ihr glauben Investoren zu wissen, woran sie sind. Ihre Wahl wird weder Verwerfungen an den Finanzmärkten auslösen, noch die US-Wirtschaft aus der Bahn werfen."

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
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Börse 20.15 Uhr

Der Markt verabscheue hingegen Unsicherheit, die von einem Wahlsieg Trumps ausgehen würde. Die Gefühlslage am Devisenmarkt ist also die gleiche wie am Aktienmarkt. Bei einem Wahlsieg Clintons dürfte der Dollar zulegen, so die Rechnung der Händler.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.231,94
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+0,73%

Öl der Nordseesorte Brent tendierte ebenso wie die US-Sorte WTI kaum verändert, die Preise bleiben klar unter 50 Dollar je Fass. Auch der Goldpreis stagnierte. Experten erwarten, dass bei einer Wahl Trumps das Edelmetall als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten gesucht werden dürfte.

Lufthansa "schichtet um"

Die Airline will nach Informationen aus Branchenkreisen 18 ihrer insgesamt 56 Flugzeuge der Tochter Germanwings abziehen und in die im Ausland ansässige Billigflugtochter Eurowings integrieren. Es handelt sich um Jets des Typs Airbus A320. Das Schrumpfen von Germanwings steht schon länger auf der Agenda des Vorstands. Obwohl ebenfalls als Billigairline unterwegs, fliegt Eurowings noch günstiger. Die Germanwings-Zeit geht damit zu Ende, auch wenn noch die alte Bemalung auf den Flugzeugen zu sehen ist. Umlackieren wäre nämlich zu teuer. LH-Aktien legten 0,4 Prozent zu.

Jungheinrich macht Freude

Zugewinne verzeichnete die im MDax notierte Aktie des Hamburger Gabelstaplerherstellers Jungheinrich. Sie gehörte damit zu den größten Gewinnern im Index der mittelgroßen Unternehmen. Das Unternehmen bekräftigte seine im August erhöhte Prognose für das Gesamtjahr 2016. Danach wird ein Konzernumsatz von 3,0 bis 3,1 Milliarden Euro erwartet. Das Ebit für das laufende Geschäftsjahr wird zwischen 228 und 238 Millionen Euro liegen.

ElringKlinger auf Sieben-Jahres-Tief

Nach einer weiteren Kürzung der Gewinnprognose haben Anleger die Aktien von ElringKlinger hingegen in hohem Bogen aus ihren Depots geworfen. Die im SDax notierten Titel verloren am Ende deutlich 7,15 Prozent auf 13,31 Euro. Das ist der tiefste Stand seit sieben Jahren.

Finanzinvestor treibt United Internet-Kurs

Die Aktie des Telekom-Konzerns United Internet war bester TecDax-Wert und rückte um 5,3 Prozent vor. Das Papier legte im späten Geschäft deutlich zu nachdem bekannt wurde, dass sich der Finanzinvestor Warburg Pincus bei der UI-Sparte Buisiness Applications mit 33,3 Prozent einkauft. Zu Business Applications gehören etwa das Hosting-Geschäft mit Homepages und professionelle E-Mail-Lösungen.

Wie United Internet am Dienstag mitteilte, fließen bis zu 450 Millionen Euro. Firmenchef Ralph Dommermuth hatte für die Sparte ohnehin eine Abspaltung oder einen Börsengang geplant. Die Bewertung der Sparte liege bei 2,55 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen aus Montabaur weiter mit.

Aixtron schreibt weiter rot

Aixtron-Aktien waren Schlusslicht im TecDax. Der Spezialmaschinenbauer, dessen Übernahme durch chinesische Investoren auf der Kippe steht, schreibt weiter rote Zahlen. In den ersten neun Monaten verzeichnete das Unternehmen unterm Strich Verluste von 30,4 Millionen Euro - das waren elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie Aixtron am Dienstag mitteilte.

Office First-Börsengang ist geplatzt

IVG- Immobilie The Squaire am Frankfurter Flughafen

IVG- Immobilie The Squaire. | Quelle: picture-alliance/dpa

Der Immobilienkonzern Office First kommt nun doch nicht wie gedacht an die Börse, sondern wird an den US-Finanzinvestor Blackstone verkauft. Im Unternehmen ist das Kerngeschäft der ehemaligen IVG gebündelt, die vor drei Jahren in die Insolvenz gegangen war und von Hedge Fonds übernommen wurde. Unter anderem hatte sich die IVG mit dem Bürokomplex "The Squaire" am Frankfurter Flughafen übernommen. Insider nannten einen Preis von 3,3 Milliarden Euro inklusive der 1,9 Milliarden Euro Schulden, die auf den Immobilien lasten.

Rational wächst in Asien und Amerika

Rational profitiert von Zuwächsen in Asien und Amerika. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg im dritten Quartal um ein Prozent auf 42,7 Millionen, liegt damit aber unter den Erwartungen der Analysten von 44,9 Millionen Euro. Entsprechend verkaufen die Anleger heute das Rational-Papier, das größter MDax-Verlierer war.

Toyota leidet unter starkem Yen

Unter den Auslandswerten stand der japanische Autobauer Toyota im Blick. Der Höhenflug des Yen traf das Unternehmen hart. Das operative Ergebnis fiel im abgelaufenen Quartal um 43 Prozent auf 474,6 Milliarden Yen, umgerechnet 4,12 Milliarden Euro, wie der japanische Auto-Hersteller am Morgen mitteilte. Auch der Rivale Nissan konnte wegen der Yen-Aufwertung zuletzt seine Verkaufserfolge in den USA und China nicht in bare Münze umwandeln. Hier ging das Betriebsergebnis um knapp ein Fünftel auf 1,42 Milliarden Euro zurück.

Crédit Agricole mit sattem Gewinn

Die französische Bank Credit Agricole kommt beim Firmenumbau voran. Der Nettogewinn verdoppelt sich im dritten Quartal auf 1,86 Milliarden Euro. Dabei zog vor allem der Gewinn in der Vermögensverwaltung deutlich an. Dieses Geschäft will die Bank ausbauen. Die Einnahmen der Bank sanken dagegen auf 3,74 Milliarden Euro. Für 2016 soll es wie im Vorjahr eine Dividende von 60 Cent geben.

Tesla kauft in Deutschland zu

Der amerikanische Elektro-Autobauer hat den rheinland-pfälzischen Anlagenbauer Grohmann für einen ungenannten Preis übernommen. Damit lege man den Grundstein für ein automatisiertes Fertigungszentrum in Deutschland, erklärte Tesla am Dienstag. Zu Details der Übernahme äußerten sich die Amerikaner nicht. Knapp 75 Prozent am Unternehmen gehörten bisher Unternehmensgründer Klaus Grohmann. Der börsennotierte Finanzinvestor Deutsche Beteiligungs-AG (DBAG) hielt nach eigenen Angaben 25,1 Prozent.

Schwarzer Tag für Valeant und Hertz

Die Aktie des kanadischen Pharmakonzerns Valeant bricht aktuell an der NYSE um fast zwanzig Prozent ein. Grund ist eine Senkung der bisherigen Gewinn- und Umsatzziele. Damit geht der Alptraum für die Valeant-Aktionäre weiter, die seit Mitte 2015 rund 90 Prozent ihres Geldes verloren haben. Gegen das hochverschuldete Unternehmen ermitteln unter anderem die Behörden wegen Bilanzvergehen.

Die Aktie des Autoverleihers Hertz trifft es noch schwerer. Das Papier halbiert sich derzeit nach einem ebenfalls gesenkten Gewinnausblick. Auch die Aktie des Konkurrenten Avis Budget Group verliert an der Nasdaq über zehn Prozent.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr