China würgt den Dax ab

Stand: 27.12.2010, 20:10 Uhr

Die Zinserhöhung in China hat die Stimmung an den Börsen gedämpft. Der Dax verlor mehr als ein Prozent und tauchte unter die 7.000 Punkte. Eine Trendumkehr ist das aber nicht, beschwichtigen Börsianer, dazu ist der Handel zu dünn.

"Das Orderbuch ist sehr dünn, so dass schon kleinere Verkaufsaufträge zu größeren Bewegungen führen können", erklärt ein Händler. Der Dax rutschte allerdings unter die psychologisch wichtige 7000 Punkte-Marke und schloss bei 6.971 Zählern, ein Tagesverlust von 1,2 Prozent. Auf dem Parkett schloss der L-Dax ähnlich schwach bei 6.979 Punkten. Auch in New York gaben die Aktienkurse aufgrund des Zinsschritts in Fernost nach. Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq notierten zu Handelsschluss in Europa aber nur 0,1 bis 0,2 Prozent schwächer.

Die geldpolitische Straffung der chinesischen Geldpolitik wird schon seit Wochen erwartet. Dass dies ausgerechnet Weihnachten geschah, habe einige Anleger doch etwas irritiert und zu Gewinnmitnahmen veranlasst. Die spontane Befürchtung ist, dass die Zinsanhebung Auswirkungen auf die weltweite Nachfrage haben wird. Aber auf lange Sicht ist dieser Schritt für die chinesische Wirtschaft gesund. China tritt zwar auf die Konjunkturbremse, aber hält damit auch die Teuerungsrate in dem rasant wachsenden Schwellenland in Schach.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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139,18
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+0,53%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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55,12
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+0,13%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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81,72
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+0,50%
Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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184,40
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+0,82%

Sorge um Autoaktien
Die Zinserhöhung als Belastungsfaktor für die Börse wurde nur noch von der Nachricht übertroffen, dass die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in Peking wegen der dortigen Verkehrsprobleme und der Umweltbelastung halbiert werden sollen. Im Dax gerieten Autoaktien unter Druck, Papiere von VW, Daimler und BMW waren die stärksten Verlierer mit Verlusten zwischen vier und sechs Prozent. Im MDax traf es die Autozulieferer. Continental verlor am stärksten mit einem Minus von vier Prozent, ElringKlinger und Leoni folgten auf dem Fuße.

Leoni: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
36,60
Differenz relativ
-1,90%

Dabei ist gar nicht klar, wie stark das Peking-Verbot die Autobauer treffen wird. Sollte es auch anderswo geplant sein, könnte China seine "Lokomotiv-Funktion für die Branche" verlieren, sagt Marktstratege Carsten Klude von Warburg Research. Der Boommarkt China ist gerade für die deutschen Konzerne ein sehr wichtiger Ausgleich für die Umsatzrückgänge in anderen Märkten. Mancher Experte beschwichtigt aber: "Es geht hier um eine einzige Stadt, da braucht man nicht in Panik zu verfallen", sagte etwa Eric Heymann von Deutsche Bank Research. Damit wäre nicht gleich die gesamte Wachstumsstory China in Gefahr.

Es gab durchaus auch positive Nachrichten aus der Branche. So kündigte Audi das größte Investitionsprogramm seiner Firmengeschichte an. In den nächsten fünf Jahren sollen gut elf Milliarden Euro investiert werden. Im nächsten Jahr will die VW-Tochter 1.200 neue Stellen schaffen.

Auch vom Mutterkonzern war Positives zu hören. Volkswagen vertraut darauf, sein Sorgenkind Seat in den kommenden fünf Jahren aus den roten Zahlen herausführen zu können.

´Winterfreuden bei K+S
Größere Kursgewinne waren an der Börse heute kaum zu finden. Im Dax gehörte die Aktie von K+S zu den wenigen Glücklichen. Das Papier ist ein Kälteprofiteur, für den Hersteller von Streusalz laufen die Geschäfte gerade prächtig. Der Wintereinbruch tat der Aktie bislang gut, im Dezember ging es 13 Prozent aufwärts. Heute reicht es aber nur für ein marginales Plus.

Größter Dax-Gewinner mit einem Plus von 0,4 Prozent ist HeidelbergCement. Neuigkeiten gab es vom Rivalen Holcim. Der Schweizer Konzern kauft zu Anfang 2011 etliche Bertriebe vom französischen Konkurrenten Lafarge.

Die Deutsche Telekom verlor zwar heute an Wert, schlug sich aber besser als der Markt. Der Konzern kündigte an, dass er in Griechenland angesichts schlecht laufender Geschäfte auf die Kostenbremse tritt. Die Tochter OTE soll gesund gespart werden, durch personelle Anpassungen und niedrigere Gehälter.

QSC und Singulus sind gefragt
Im TecDax stachen Singulus und QSC hervor. QSC konnte mehr als sechs Prozent zulegen, der vorweihnachtliche Einkauf wirkt noch nach. Der Telekom-Anbieter kaufte sein DSL-Netz komplett zurück.

Bei Singulus weiß Vorstandschef Stefan Rinck sein Unternehmen ins recht Licht zu rücken. Der BluRay- und DVD-Maschinenhersteller hat fürs kommende Jahr ein positives operatives Ergebnis in Aussicht gestellt und will in drei bis fünf Jahren wieder einen Umsatz von über 200 Millionen Euro erzielen.

Es wird enger für Hochtief
Ansonsten gibt es noch Neuigkeiten vom Übernahmekampf um Hochtief. Der spanische Aufkäufer ACS hat seinen Anteil an Hochtief durch sein Übernahmeangebot weiter auf 29,27 Prozent ausgebaut. Mit Überschreiten der 30-Prozent-Hürde kann ACS weitere Hochtief-Aktien kaufen, ohne ein kostspieliges Pflichtangebot vorlegen zu müssen. "Die Luft wird dünn für Hochtief", heißt es nun in Börsenkreisen.

Fantasie raus aus Symrise?
Zeitweise stand die Aktie des Duft- und Aromenherstellers Symrise unter Druck. Finanzvorstand Bernd Hirsch sagte in einem Gespräch mit der "Börsen-Zeitung", dass man sich gegen feindliche Übernahmeversuche rüste. Dies geschehe etwa mit Hilfe sogenannter Change-of-Control-Klauseln in der Refinanzierung. So würden im Falle einer mehrheitlichen Übernahme die Finanzschulden automatisch fällig gestellt. Eine feindliche Übernahme werde somit immer unwahrscheinlicher, meinte ein Experte mit Blick auf die Kursverluste.

Chef macht bei Pfleiderer Kasse
Größter Verlierer im SDax war die Pfleiderer-Aktie. Der Vorstandsvorsitzende Hans Overdiek hatte sich am Mittwoch von rund 41.500 Aktien zu jeweils 2,75 Euro getrennt, obwohl das Unternehmen einen Vertrauensbeweis eigentlich gut gebrauchen könnte. Das Unternehmen drücken hohe Verluste und Schulden.

Großaktionär steigt bei Francotyp aus
Eine Neuigkeit hatte außerdem noch Francotyp-Postalia. Der bisherige Hauptaktionär Quadriga Capital stieg nach mehr als fünf Jahren aus und verkaufte seinen Anteil von 26,3 Prozent. An der Börse gab es darauf kaum Reaktion.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 16. August

Unternehmen:

Carlsberg: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Swisscom: Q2-Zahlen, 7:15 Uhr
Aegon: Halbjahreszahlen, 7:30 Uhr
Wirecard: Halbjahreszahlen (endg.), 7:30 Uhr
Henkel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Sixt: Q2-Zahlen (endg.), 7:30 Uhr
Walmart: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
Nvidia: Q2-Zahlen, 22.20 Uhr

Konjunktur
Japan: Handelsbilanz 07/18, 01:50 Uhr
EU: Handelsbilanz 06/08, 11:00 Uhr
USA: Philadelphia Fed Index 08/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen, 14:30 Uhr